EinKlingelton, früher alsRufton bezeichnet, ist im Allgemeinen einSignalton für den Endteilnehmer eines Telefonanrufs. Er wird heute gerätetechnisch im Endgerät erzeugt, im Unterschied zumRufton bei älteren Anlagen, die in der Endvermittlungsstelle erzeugt werden. ImMobilfunk ist damit heute eine Audiodatei gemeint, die vonMobiltelefonen bei einem ankommenden Anruf abgespielt wird. Als Vorlage dienen häufig populäre Melodien, aber auch Sprüche und Geräusche.
Gewöhnlich wird als Quelle für einen Klingelton bei Mobiltelefonen eineMIDI-Datei (Dateiendung.mid oder.midi) verwendet. Es enthält kodiert eine Abfolge von Codes für Länge und Höhe und Charakteristik von Einzeltönen (Noten) eines Instruments oder mehrerer Instrumente.
Viele Mobiltelefone, insbesondere ältere, die keine polyphonen Klingeltöne abspielen können, verwenden eigene Formate. Hierzu gehören unter anderem:
Diese Formate sind für die Darstellung von Klingeltönen zugeschnitten und unterstützen daher genau die dazu notwendigen Features (beispielsweise teilweise keinePolyphonie). Der Vorteil liegt darin, dass diese Formate in einer kompaktenASCII-Darstellung bestehen, so dass sich Klingeltöne in diesen Formaten viaSMS versenden lassen.
Eine aktuelle Möglichkeit, die von allen neuen Mobiltelefonen unterstützt wird, ist die Verwendung desMP3-Formates. Dieses Verfahren wird oft auch leicht irreführend alsReal Music bezeichnet (hat nichts mit demRealPlayer-Dateiformat zu tun). Im Gegensatz zu MIDI-Dateien werden hier keine Einzeltöne, sondern nahezu das komplette von Menschen wahrnehmbare Klangspektrum abgebildet (Datenreduzierte CD-Qualität). MP3-Dateien können je nach verwendeter Bitrate wesentlich größer sein als MIDI-Dateien. Die Dekodierung dieser Dateien ist wesentlich aufwändiger als bei anderen klingelkompatiblen Formaten, sodass leistungsfähigere Endgeräte notwendig sind.
Bei neuen Handys ist es auch möglich, kurze Videos als Klingelton abzuspielen.
Das Aufspielen von Klingeltönen kann auf verschiedene Arten erfolgen.
Im März 2005 stellte die Direktorenkonferenz der deutschenLandesmedienanstalten fest, dass die Werbung bei den vier deutschen Musikfernsehsendern (z. B.MTV,VIVA) zum weit überwiegenden Teil aus Spots für Klingeltöne bestand. Teilweise entfielen über neunzig Prozent der erlaubten Werbezeit darauf. Der HauptanbieterFox Mobile Distribution, in Deutschland unter dem früheren Namen Jamba vermarktet, investierte 2004 alleine 90 Millionen Euro in deutsche Werbespots und übertraf damit Konzerne wie McDonald’s. Durch massiveWerbekampagnen und die ständige Einkaufsmöglichkeit ist es für viele Jugendliche zur Gewohnheit geworden, häufig neue Klingeltonmelodien zu kaufen und zu verwenden. Viele Angebote sind zudem missverständlich, so dass der Kunde beim vermeintlichen Kauf eines Klingeltons ungewollt einAbonnement abschließt. Einige Anbieter erlauben die Auswahl von Klingeltönen nur über ein kostenpflichtiges Anwählprogramm (Dialer), das hohe Verbindungskosten verursachen kann. Nach einem Urteil des Amtsgerichts Berlin-Mitte im Jahre 2008 sind Vertragsabschlüsse mit Minderjährigen nicht rechtswirksam, Eltern können daher nicht mehr für zusätzliche Kosten haftbar gemacht werden.[1]
Viele Menschen fühlen sich durch die in der Öffentlichkeit abgespielten Klingeltöne massiv gestört. Daher ist in einigen Bereichen die Nutzung von Mobiltelefonen generell untersagt worden.
Aus der ursprünglichen Idee, zur Unterscheidung verschiedener Telefone und Anrufer die Melodien einstellbar zu machen, hat sich ein eigener Wirtschaftszweig zur Vermarktung von Klingeltönen entwickelt, dessen Umsätze einen beträchtlichen Teil derMusikindustrie ausmachen.[2]
2004 wurden inDeutschland Klingeltöne für etwa 183 Millionen Euro[3] gekauft; daneben existieren allerdings auch kostenlose Programme, mit denen man vorhandene Musikdaten in Klingeltöne umwandeln kann.[4]
Seit 2007 sind die Umsätze mit Klingeltönen vor allem in Europa deutlich zurückgegangen. Vor allem in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien ist der Anteil der Handybesitzer, die Klingeltöne kauften, gesunken. In Großbritannien haben im Oktober 2007 nur noch 3,4 Prozent der Nutzer Klingeltöne erworben. Insgesamt büßte die Branche in Europa rund vier Prozent ein.[5] Nach Angaben derBitkom ist 2007 im Vergleich zum Vorjahr der Umsatz in Deutschland um 26 Prozent gesunken, gegenüber 2006 ist die Zahl der heruntergeladenen Klingeltöne um rund 6,6 Millionen auf 23,2 Millionen zurückgegangen. Ein Grund sei, dass vermehrtKomplettsongs heruntergeladen werden.[6]
Die juristische Situation bezüglich Klingeltönen ist vielschichtig, da Erstellung, Vertrieb und Nutzung unterschiedliche Rechte betreffen.
Klingeltöne, die auf rechtlich geschützten Werken basieren, tangieren das Urheberrecht und stellen eine Werkbearbeitung dar.[7] Klingeltonproduzenten oder auch -Anbieter müssen das Recht zur Bearbeitung von denUrhebern oder deren rechtlichen Vertreter (oft sind dies dieMusikverlage) einholen. Für die Nutzung von MP3-Klingeltönen sind zudem Lizenzen und Freigaben von Inhabern der Masterrechte (meistens dieTonträgerunternehmen) notwendig.Verwertungsgesellschaften kontrollieren Rechte bezüglich der Vervielfältigung und Aufführung.[8]
Marimba ist der erste Standard-Klingelton desSmartphonesiPhone und wird noch nach Jahren als solcher verwendet.[9]