Klaus Mylius

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Klaus Mylius (2018)

Klaus Albert Robert Curt Mylius (*24. August1930 inBerlin) ist ein deutscherIndologe. Er war bis von 1976 bis 1991außerordentlicher Professor fürSanskritistik und IndischeAltertumskunde an derUniversität Leipzig, danach war erLehrbeauftragter an den Universitäten inBayreuth undFrankfurt am Main.

Inhaltsverzeichnis

Leben

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Klaus Mylius, Sohn eines Berufsoffiziers und einer Sekretärin bzw. Hausfrau, besuchte nach der Volksschule dasPrinz-Heinrichs-Gymnasium inBerlin-Schöneberg und ab 1943 das PotsdamerViktoria-Gymnasium.[1] Als Kind erlebte er dieBombenangriffe der Alliierten auf Berlin, durch die seine Familie dreimal ihre Wohnung verlor.[2] Im Kriegsjahr 1945 wurde der Jugendliche nachSiegersleben (Magdeburger Börde) evakuiert. Danach war er bis 1948 als Landarbeiter und Zeitungsträger tätig. Von 1946 bis 1948 absolvierte er eine kaufmännische Lehre im Warenvertrieb Siegersleben. Von 1948 bis 1952 arbeitete er für verschiedene Dienststellen derSED,FDJ undDSF. Anschließend leitete Mylius bis 1953 inHalle (Saale) die Zentralschule fürFilmvorführer des Staatlichen Komitees für Filmwesen. Von 1953 bis 1955 war er als Dozent an der Volkshochschule der Stadt Halle tätig.

1954 konnte Klaus Mylius eine Sonderreifeprüfung an der damaligenArbeiter- und Bauernfakultät (ABF) derMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ablegen. Anschließend studierte er an der Hallenser Universität von 1954 bis 1958Geographie (Abschluss als Diplom-Geograph) und von 1957 bis 1961Indologie (Abschluss als Diplom-Indologe). Von 1958 bis 1964 arbeitete er als wissenschaftlicher Oberassistent am Geographischen Institut der MLU Halle-Wittenberg. Hier wurde Mylius 1962 zum Dr. rer. nat. in Geographie mit der Dissertation zum ThemaÖkonomische GeographiePakistanspromoviert (Gutachter waren der GeographRudolf Käubler und der IndologeKarl Ammer). 1964 folgte seine zweite Promotion zum Dr. phil. in Indologie zum ThemaDie gesellschaftlichen Zustände Indiens nach demŚatapatha-Brāhmana (Gutachter: Karl Ammer undWalter Markov).

Als Habilitationsaspirant wechselte Mylius 1964 an das Indische Institut derKarl-Marx-Universität Leipzig, wo er sich 1968 mit einer Arbeit zum ThemaIndien in mittelvedischer Zeit nach den Sanskrit-Quellen dargestellthabilitierte (Gutachter: Karl Ammer,Rigobert Günther undWalter Markov). Ab 1969 war er an der Universität Leipzig zunächst als wissenschaftlicher Oberassistent und von 1970 bis 1976 alsHochschuldozent für Sanskritphilologie in derSektion Afrika- und Nahostwissenschaften tätig. 1976 wurde er hieraußerordentlicher Professor fürSanskrit und Indische Altertumskunde. Von 1973 bis 1990 leitete er außerdem die FachgruppeAltorientalistik.[1] AlsInoffizieller Mitarbeiter war Mylius auch für dasMinisterium für Staatssicherheit tätig.[3]

Nach derWiedervereinigung Deutschlands wurde Mylius Anfang 1991 für dienstunfähig erklärt und das sächsische Wissenschaftsministerium berief ihn von seiner Stelle an der Universität Leipzig ab. Stattdessen übernahm er von 1991 bis 1994 einen Lehrauftrag am Institut für Religionswissenschaft derUniversität Bayreuth. Von 1996 bis 2022 war er Lehrbeauftragter für alt- und mittelindische Sprachen am Institut für Vergleichende Sprachwissenschaft[1] bzw. für indoarische Sprachen am Institut für Empirische Sprachwissenschaft derJohann Wolfgang Goethe-Universität inFrankfurt am Main.[4]

Klaus Mylius gilt als international anerkannter Indologe, der sein spezielles FachgebietSanskrit und Indische Altertumskunde vertritt.[5] Bis ins hohe Alter veröffentlichte er hierzu neue Buchprojekte.[6]

In erster Ehe war er mitKarin Mylius verheiratet, die 1986 verstorben ist. Aus dieser Ehe stammen ein Sohn und eine Tochter. Mylius ist seit 1989 erneut verheiratet. Er lebt inGottenheim bei Freiburg i. B.[7]

Mitgliedschaften

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Auszeichnungen

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Veröffentlichungen

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Klaus Mylius hat mehr als 25 eigene Buchpublikationen vorgelegt und ist weiterhin an nahezu 50 Büchern beteiligt, die jeweils mehrere, teilweise bis zu 5 Auflagen erreichten. Hinzu kommen etwa 450 wissenschaftliche Artikel und Rezensionen.

Literatur

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  • Lars Göhler (Hrsg.):Indische Kultur im Kontext – Rituale, Texte und Ideen aus Indien und der Welt. Festschrift für Klaus Mylius zum 75. Geburtstag. Harrassowitz, Wiesbaden 2005,ISBN 978-3-447-05207-8.

Weblinks

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Einzelnachweise

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  1. abcMylius, Klaus, in:Professoren der Universität Leipzig 1945–1993, Universität Leipzig, abgerufen am 30. September 2024.
  2. Ein Zeitzeuge berichtet von 1945 (Memento vom 7. Mai 2016 imInternet Archive) (PDF; 21 kB), Vortrag über die Luftangriffe in Berlin von Klaus Mylius. In: Rebland-Kurier, 30. April 2003.
  3. Steffen Könau:Ungewöhnliche Biografie. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 23. Mai 2016 (abgerufen am 5. Oktober 2016).
  4. Goethe-Universität — Empirische Sprachwissenschaft. Abgerufen am 26. Oktober 2021. 
  5. Wahrer Kenner des indischen Altertums.Badische Zeitung, 24. August 2005.
  6. Die Ideen für neue Projekte gehen dem Jubilar nicht aus. Badische Zeitung, 24. August 2015.
  7. Badische Zeitung: "Sanskrit ist auch heute für Indien unverzichtbar" - Gottenheim - Badische Zeitung. Abgerufen am 26. Oktober 2021. 
  8. Klaus Mylius, Prof. Dr. phil., Dr. rer. nat., Website der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, abgerufen am 15. April 2016.
  9. Ewiges Mitgliederverzeichnis der Leibniz-Sozietät, Website der Leibniz-Sozietät, abgerufen am 15. April 2016.
  10. Einzelansicht: Prof. Dr. phil. habil. Klaus Mylius, Website der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft, abgerufen am 15. April 2016.
  11. Pressemitteilung der DIG zur Jahreshauptversammlung in Baden-Baden vom November 2000. In: Mitteilungsblatt der Deutsch-Indischen Gesellschaft, 3/2000.
  12. Jochen Reinert, Brückenbauer und andere. Abgerufen am 26. Oktober 2021. 
Personendaten
NAMEMylius, Klaus
ALTERNATIVNAMENMylius, Klaus Albert Robert Curt
KURZBESCHREIBUNGdeutscher Indologe, Professor für Sanskritistik und Indische Altertumskunde
GEBURTSDATUM24. August 1930
GEBURTSORTBerlin
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