DerKitfuchs (Vulpes macrotis) ist einFuchs, der im westlichenNordamerika trockenere Gegenden bewohnt. Vom ebenfalls in Nordamerika vorkommenden, nah verwandtenSwiftfuchs ist er durch seine größeren Ohren und den dunklen Rückenstreifen unterscheidbar. Der Fuchs wurde vor allem historisch aufgrund seines Pelzes (Kitfuchsfell) bejagt, heute stellt die Lebensraumveränderung die stärkste Bedrohung für die Art dar.
Der Kitfuchs gehört zu den kleinen Füchsen Nordamerikas. Auffällig sind seine großen Ohren, die noch etwas größer sind als beim nah verwandten Swiftfuchs und näher zusammenstehen. Außerdem besitzt er einen breiteren Kopf, einen kleineren Augenabstand und eine schmalere Schnauze. Seine Augen sind mehr schlitzförmig und weniger rund als beim Swiftfuchs. Er wird mit dem 26 bis 32 cm langen Schwanz 73 bis 84 cm lang und kann ein Gewicht von 1,4 bis 2,7 kg erreichen. Das Fell ist kurz und hellgrau, Kopf und Körperseiten sind gelblichgrau, die Außenseiten der Beine braungelb, der Bauch und die Innenseiten der Beine sind gelbweißlich. Die Schwanzspitze ist schwarz. Zwischen den Fußballen ist das Fell dicht.
Der Kitfuchs lebt in Wüsten und anderen trockenen Gegenden im westlichen Nordamerika. In den Vereinigten Staaten reicht sein Verbreitungsgebiet vom südlichenKalifornien über das westlicheColorado und das westlicheTexas nach Norden bis zum südlichenOregon undIdaho. InMexiko kommt er auf der HalbinselBaja California über den Norden der BundesstaatenSonora undChihuahua bis zum westlichenNuevo León und südlich bis zum nördlichenZacatecas vor.
Kitfüchse kommen inariden undsemiariden Regionen vor, dazu gehören verbuschte Wüsten, derChaparral,Salzebenen und Grasländer. Lockerer Bodengrund wird benötigt, um darin den Bau anzulegen. Auch landwirtschaftlich genutzte Gegenden, besonders Obstgärten, werden besiedelt und in geringerem Maße urbanisierte Gegenden. Er wurde bis in Höhen von 1900 m gefunden, vermeidet aber im Allgemeinen Steigungen von mehr als fünf Prozent.
Kitfüchse graben in ihrem Revier mehrere Baue in den Erdboden und nutzen auch die Erdbaue von anderen Tieren, z. B. vonPräriehunden (Cynomys) undKängururatten (Dipodomys), vonZieseln (Spermophilus) undSilberdachsen (Taxidea taxus), oder von Menschen gebaute Strukturen.
Kitfüchse sind vor allem am Abend und in der Nacht aktiv und ernähren sich saisonabhängig von allerlei kleinen Beutetieren, vor allem vonNagetieren (Kängururatten und Präriehunde) undHasenartigen (Eselhasen,Lepus californicus),Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus), aber auch Vögel, Reptilien und Insekten werden erbeutet. Daneben nimmt er Aas zu sich, Pflanzen nur sehr selten. LediglichKaktusfeigen werden hin und wieder verzehrt.
Zu den Beutegreifern, die Kitfüchse jagen, gehören derKojote (Canis latrans), derRotluchs (Lynx rufus), derRotfuchs (Vulpes vulpes), der Silberdachs (Taxidea taxus),Streifen- (Mephitis) undFleckenskunks (Spilogale gracilis) und verwilderte Hauskatzen.
Während der Fortpflanzungszeit ist der Kitfuchsmonogam, paart sich aber nicht mit demselben Partner in jedem Jahr. Die Paarungszeit des Kitfuchses liegt in den Wintermonaten und reicht von Mitte Dezember bis in den Januar. Das Weibchen bringt Mitte Februar bis Mitte März, nach einer Tragzeit von 49 bis 55 Tagen, ein bis sieben Jungtiere zur Welt. Der Fortpflanzungserfolg ist vom Alter der Weibchen und dem Nahrungsangebot abhängig. Die Jungfüchse werden bei einem Alter von etwa acht Wochen entwöhnt, beginnen mit drei bis vier Monaten zusammen mit den Eltern mit der Nahrungssuche und sind nach fünf bis sechs Monaten völlig selbstständig.
Neben derNominatformVulpes macrotis macrotis werden sieben weiteren Unterarten unterschieden.[3]
Lange Zeit war umstritten, ob der Kitfuchs und der östlicher lebendeSwiftfuchs (Vulpes velox) zwei verschiedene Arten sind oder in eine Art gestellt werden müssen.Proteinelektrophorese und älteremorphometrische Daten (Vergleich zwischen verschiedenen Körpermaßen) sprechen für eine Art, während neuere morphometrische Untersuchungen und der Vergleich dermitochondrialen DNA auf zwei getrennte Arten hindeuten. Der genetische Abstand beider Arten zumPolarfuchs (Vulpes lagopus) ist genau so groß, wie ihr Abstand zueinander. Beide Arten sind sich aber äußerlich und in ihren Lebensraumansprüchen sehr ähnlich. Ihr Lebensraum wird durch die Rocky Mountains voneinander getrennt. Eine kleine, etwa 100 km breiteHybridisierungszone existiert im östlichen New Mexico und im westlichen Texas.[4]
DieInternational Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) stuft die Art als „nicht gefährdet“ (Least concern) ein, da eine akute Bedrohung für die Bestände nicht angenommen wird.[5] In Mexiko wird er jedoch als gefährdet (Vulnerable) betrachtet.[5] Der San-Joaquin-Kitfuchs (Vulpes macrotis mutica), der ein sehr eingeschränktes Verbreitungsgebiet imSan Joaquin County inKalifornien hat, wird im Endangered Species Act als „stark gefährdet“ (endangered) klassifiziert.[6]
↑abO.R.P. Binninda-Emonds, J.L. Gittleman, A. Purvis:Building large trees by combining phylogenetic information: a complete phylogeny of the extant carnovora (Mammalia). Biological Reviews of the Cambridge Philosophical Society 74, 1999; S. 143–175.