Dieser Artikel behandelt die Hauptstadt des Sudan. Für den Bundesstaat des Sudan sieheal-Chartum, für den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1966 sieheKhartoum (Film).
Satellitenbild von Khartum mit Omdurman und al-Chartum Bahri. Links unten der Weiße Nil, rechts der Blaue Nil, am Zusammenfluss in der Mitte dieTuti-Insel
Die Stadt liegt am Zusammenfluss desWeißen Nils mit demBlauen Nil. Der Nameal-Chartūm, „Elefantenrüssel“, wird auf den dortigen Flussverlauf an der InselTuti zurückgeführt.
Die klimatischen Bedingungen in Khartum werden alsWüstenklima bezeichnet: es ist durchweg heiß und es gibt das ganze Jahr über quasi keinen Niederschlag außer zwischen Juli und September. Im Jahresmittel beträgt die Temperatur 29,9 °C und es fallen in Summe 121 Millimeter Niederschlag. DieKlimaklassifikation nach Köppen und Geiger lautet BWh.
Khartum hat knapp 2,7 Millionen Einwohner in der eigentlichen Stadt und 8.363.915 Einwohner (Berechnung 2007) in derAgglomeration mitOmdurman undal-Chartum Bahri. Damit ist Khartum die fünftgrößteAgglomeration in Afrika. Allein die Verwaltungseinheit Khartum weist nach Berechnungen 2012 5.827.729 Einwohner auf.
Aufgrund der Landflucht und des allgemein hohen Bevölkerungswachstums im Land schwillt die Agglomeration Khartum rasant an. Für 2050 wird mit einer Bevölkerung von 16 Millionen Einwohnern im Ballungsraum gerechnet und für 2100 sogar mit 57 Millionen Einwohnern.[5]
Khartum wurde 1820 von denÄgyptern unterMehemed Ali als Militärlager gegründet. Bald darauf siedelten sich Einheimische an, um den Handel mit den Ägyptern zu intensivieren. Nach dem Sturz des alten HandelszentrumsSchandi konzentrierte sich der Handel Sudans in Khartum, das nun den gesamten Handel mitElfenbein,Gummi arabicum,Tamarinden, Straußenfedern undSklaven aus Zentralafrika mit demRoten Meer vermittelte.
Khartum um 1880 vom Nil aus gesehen
Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Khartum als zumeist aus elenden Lehmhäusern mit engen, krummen und schmutzigen Gassen beschrieben. Aus Ziegeln erbaut waren nur das große Haus desGouverneurs, das einen weiten, mitDattelpalmen geschmückten Vorplatz hatte, die 1847 gegründete österreichisch-apostolische Mission, die einzigeMoschee, diekoptische Kirche und einige Häuser der handeltreibendenGriechen und andererEuropäer,Levantiner undAraber. In der Stadt unterhieltenÖsterreich-Ungarn und Großbritannien Konsulate und die Bevölkerung wird auf rund 50.000 Einwohner geschätzt, die zum allergrößten Teil aus Arabern bestand – daneben noch ausafrikanischstämmigen Sklaven, Levantinern, Griechen, Italienern, Franzosen und Briten.
Von März 1884 an fand dieBelagerung von Khartum im Zuge desMahdi-Aufstandes statt. Zwei Tage bevor die britischenEntsatztruppen eintrafen, ließ derMahdi am 26. Januar 1885 Khartum angreifen. Am Morgen traten 50.000 Mahdisten zum Angriff an, stürmten die Stadt und töteten Gordon Pascha, vermutlich im Gouverneurspalast. Der Mahdi gründete Khartum gegenüber, am westlichen Nilufer, inOmdurman eine neue Hauptstadt. Unter seinem NachfolgerAbdallahi ibn Muhammad wurde Khartum endgültig aufgegeben und verwandelte sich zurGeisterstadt. Erst 1898, nach der Niederschlagung des Mahdi-Aufstandes durch den britischenSirdarKitchener, wurde die Stadt wieder aufgebaut.
Im November 1924 brachten während derSudankrise zwischen Großbritannien und dem seit 1922 unabhängigenKönigreich Ägypten revolutierende ägyptisch-sudanesische Armeebataillone Teile der Stadt unter ihre Kontrolle. Die Revolte wurde aber von den Briten niedergeschlagen.
Im September 1967 hielt dieArabische Liga in Khartum ihre Versammlung ab und beschloss in derKhartum-Resolution die sogenannten „drei Neins“[6] zumIsrael-Palästina-Konflikt. Dies waren „kein Frieden“, „keine Anerkennung“ und „keine Verhandlungen mitIsrael“. In den 1970er und 1980er Jahren war Khartum das Ziel von hunderttausenden Flüchtlingen, die Schutz vor den Konflikten inTschad,Äthiopien undUganda suchten. Diese siedelten sich in großen Slums in den Außenbezirken der Stadt an. Seit 1983 kamen Vertriebene aus Sudan selbst hinzu, als Folge des neu entbranntenSezessionskrieges in Südsudan und desDarfur-Konfliktes.
Nach dem Tod vonJohn Garang, dem Führer derSPLA, brachen am 1. und 2. August 2005 Unruhen in der Stadt aus, bei denen 75 Menschen ums Leben kamen und mehrere hundert verletzt wurden.
Am 14. September 2012 wurde dieDeutsche Botschaft in der „53 Baladia Street“ gestürmt, in Brand gesteckt und teilweise zerstört.[7] Die in der Nähe liegende britische Botschaft wurde ebenfalls angegriffen.[8]
Am 11. April 2019 stürzte das Militär den Präsidenten al-Bashir nach monatelangen Protesten der Zivilbevölkerung.[9] Als die Proteste nach der Amtsenthebung jedoch nicht abebbten, gingen die paramilitärischen RSF mit exzessiver Gewalt gegen die pro-demokratischen Demonstranten vor. Beim sogenanntenMassaker von Khartum am 3. Juni 2019 starben insgesamt mehr als 100 Zivilisten.[10]
Im April 2023 brachen in Khartumschwere Kämpfe zwischen der regulären sudanesischen Armee und den von Vize-PräsidentMohammed Hamdan Daglo geführten, paramilitärischenRapid Support Forces aus. In der Folge wurde Khartum weitgehend zerstört und entvölkert. So verließ so gut wie die gesamte Mittelschicht und Elite die Stadt und nicht wenige sogar das Land.[11] Anfang August 2023 berichtete die HilfsorganisationSave the Children, in Khartum lägen tausende Leichen auf den Straßen.[12]
Im September 2024 begann die reguläre Armee eine Gegenoffensive, um die Stadt aus der Kontrolle der RSF-Miliz zurückzuerobern. Mit Stand vom Februar 2025 kontrollierte die Armee Vororte und hatte eine Art Belagerungsring um das Stadtgebiet gebildet, das unter schwerem Artilleriefeuer lag.[13][14] Anfang April 2025 nahm die Armee die Stadt vollständig ein. DerBBC zufolge ist das Stadtzentrum weitgehend zerstört.[15]
Bahnhof (15° 35′ 38″ N,32° 31′ 36″ O15.59388888888932.526666666667) mit Eisenbahnlinien nach Norden bisWadi Halfa und nach Südwesten überKusti nachal-Ubayyid
DasAl-Mogran Development Project ist ein Stadterweiterungsprojekt, das ein neues Stadtzentrum im Viertel Mogran am Zusammenfluss des Nil entwickeln soll und sich zum Teil am VorbildDubais orientiert.
Aamir Ageeb (1968–1999), sudanesischer Flüchtling, der bei seiner Abschiebung an Bord eines Lufthansa-Flugzeuges an den Folgen einer vorsätzlichen Körperverletzung durch Polizeibeamte starb
Jörg Gertel:Krisenherd Khartoum. Geschichte und Struktur der Wohnraumproblematik in der sudanesischen Hauptstadt. Verlag Breitenbach, Saarbrücken / Fort Lauderdale 1993,ISBN 3-88156-599-X.
↑Alizée De Pin, Xavier Guignard:Comprendre la Palestine : Une enquête graphique. Des informations précises, des cartes et des infographies pour un décryptage de la question palestinienne qui n’a jamais été aussi nécessaire. Éditions les Arènes, Paris 2025,ISBN 979-1-03750168-4,S.79.
↑Ziad Majed:Le Proche-Orient, miroir du monde : Comprendre le basculement en cours. Éditions La Découverte, Paris 2025,ISBN 978-2-348-08973-2,S.196f.
↑Lauren Ploch Blanchard: Sudan. (PDF) Congressional Research Service, 2019, abgerufen am 18. April 2023 (englisch).
↑Fritz Schaap:(S+) Sudan nach dem Kriegsbeginn vor einem Jahr: »Der Sudan ist kollabiert«. In:Der Spiegel. 15. April 2024,ISSN2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 19. April 2024]).