
Keyhole (englisch fürSchlüsselloch) bzw. abgekürztKH bezeichnet eine Serie von TypenUS-amerikanischer optischerSpionagesatelliten. Insgesamt wurden mindestens 287 Satelliten der KH-Serie gestartet. Ursprünglich bezeichneteKeyhole allerdings nur das Sicherheitssystem, mit dem Satellitenbilder geheim gehalten werden sollten.[1]



Die ersten Satelliten (die Typen KH-1 bis KH-4B) wurden auchCorona genannt. KH-1 startete 1960. Die Kameras dieser Satelliten hatten Auflösungen von anfangs 7,5 m, später bis zu 1,5 m. IhrOrbit hatte nach dem Start einApogäum von ca. 460 km und einPerigäum von ca. 165 km. Die Bilder wurden auf herkömmlichemFilm aufgenommen. KH-4 nahm ab 1962 als erster Satellit auchstereoskopische Bilder auf. Zielgebiet der Satelliten waren hauptsächlich dieUdSSR und dieVolksrepublik China. Spätestens ab 1967 wurde derMittlere Osten wiederholt beobachtet, wobei z. B. Aufnahmen vor und nach demSechstagekrieg verglichen wurden.[1] Weil die Übermittlung von Bildern über Funk noch nicht so weit entwickelt und noch nicht ausreichend abhörsicher war, wurden die Filme mit Wiedereintrittskapseln, die am Fallschirm hängend noch in der Luft von einemFlugzeug abgefangen wurden, zurück zurErde gebracht.
Der Typ KH-4B wies zwei Panorama-Kameras mit Öffnung 1:3,5 und 24 Zoll (61 cm) Brennweite und eine Index-Kamera (für die Übersicht) auf. Während 19 Tagen Missionsdauer wurden bis zu 9.600 m 70-mm-Film (fast immer schwarzweiß) belichtet und in die Kassetten der zwei Rückkehr-Kapseln gespult. Nach Abtrennen einer Kapsel wurde zuerst deren Rotation und dann die Fluggeschwindigkeit mit einem Raketenmotor abgebremst. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre bremste zuerst die Schockwelle, dann – unter Abtrennung des Hitzeschilds – ein kleiner Bremsschirm, zuletzt ein Haupt-Fallschirm, der sich erst in 15.000 m Höhe ganz öffnete, bevor Schirm und Kapsel in der Luft von einem Flugzeug aufgefischt wurden.[2][3]
Die ersten Starts von Corona-Satelliten fanden Anfang 1959 unter dem Decknamen Discoverer statt, der erste mit Kamera ausgerüstete Satellit wurde im Juni desselben Jahres als Discoverer 4 (Masse ca. 750 kg) gestartet, lieferte jedoch keine brauchbaren Bilder. Die ersten brauchbaren Bilder lieferte am 19. August 1960 Discoverer 14. Der Name Discoverer wurde bis Discoverer 38 im Jahr 1962 verwendet. Insgesamt wurden von 1959 bis 1972 145[4] Corona-Satelliten mit verschiedenen Varianten derThor-Agena-Rakete gestartet, von denen 102 brauchbare Bilder lieferten.
KH-5, auchArgon genannt, wurde vonLockheed zwischen Februar 1961 und August 1964 gebaut. Ähnlich wie bei den Corona-Satelliten wurde auch hier der Film per Wiedereintrittskapsel zur Erde gebracht. Die Masse des Satelliten betrug je nach Version 1150 bis 1500 kg. Insgesamt wurden zwölf Satelliten mitThor-Agena-Raketen gestartet, wobei es mindestens 7 Fehlschläge gab. Die Auflösung der Satellitenkamera war nur 140 m, er wurde verwendet, um größere Karten zu erstellen.
KH-6, auchLanyard genannt, wurde ebenfalls von Lockheed produziert und wurde zwischen März und Juli 1963 eingesetzt. Die Auflösung betrug 1,8 m, der Film wurde per Wiedereintrittskapsel zurückgebracht. Es gab drei Starts, wovon einer fehlschlug und ein anderer ein Testsatellit ohne Film war. Auch hier kamen Trägerraketen vom TypThor Agena zum Einsatz. Ziel des KH-6-Programm war es, hochauflösende Bilder zu gewinnen.

KH-7 (Gambit) wurde von Juli 1963 bis Juni 1967 vonGeneral Electric gebaut. Anders als bei den vorhergehenden Satelliten sind Informationen über diesen Typ noch streng geheim. Die Auflösung beträgt vermutlich 0,5 m, es gab mindestens 38 Satellitenstarts mitAtlas-Agena-Raketen.
KH-8 (ebenfallsGambit genannt) wurde von Juli 1966 bis April 1984 eingesetzt und wurde vonLockheed gebaut. Die beste erreichte Auflösung lag unter 0,1 m.[5] Der Satellit blieb länger im Orbit als seine Vorgänger; die Bilder wurden auch hier mit Wiedereintrittskapseln zurückgebracht, es gab mindestens 55 Satellitenstarts. Trägerrakete war dieTitan-3B Agena.


KH-9 (Hexagon, „Big Bird“, gebaut von Lockheed) wurde von Juni 1971 bis April 1986 eingesetzt. Die Masse des Satelliten betrug ca. 11 bis 13 Tonnen, die Auflösung der Kamera ca. 0,6 m. Der Film wurde mit 4 Wiedereintrittskapseln zur Erde zurückgebracht. Es gab 20 Starts mitTitan-3D- undTitan-34D-Raketen. KH-9 wurde parallel zu KH-10/MOL als unbemannte Alternative entwickelt.

KH-10 (Dorian) war eine geplante bemannteRaumstation namensManned Orbiting Laboratory (MOL) – eigentlich ein bemannter Spionagesatellit kombiniert mit einemGemini-Raumschiff. Das Projekt wurde nach einem Flugtest 1969 aufgegeben, bevor eine funktionsfähige Raumstation in den Orbit gebracht werden konnte. Geplante Trägerrakete wäre dieTitan-3M gewesen. Nach der Einstellung des Programms wurde der parallel entwickelte KH-9-Hexagon-Satellit in den operativen Dienst übernommen.
KH-11 (Crystal,Kennan) wurde von Dezember 1976 bis November 1988 von Lockheed gebaut und war der erste einsetzbare amerikanische Spionagesatellit, der die Bilder über Funk übermittelte. Die Satelliten ähnelten demHubble-Weltraumteleskop mit einem 2,3-m-Spiegel, die Auflösung betrug ca. 15 cm. Mindestens neun Satelliten wurden mitTitan-3D- undTitan-34D-Raketen gestartet, die typische Lebenszeit eines Satelliten betrug ca. 3 Jahre. Ein solcher Spiegel, der von diesem Programm übrig geblieben ist, wurde Teil desNancy Grace Roman Space Telescope.
KH-12 (Ikon(?),Improved Crystal) ist im Wesentlichen eine verbesserte Variante des KH-11-Modells und besitzt einen Spiegel mit einem Durchmesser von 4,04 m.[6] Als weitere Nutzlast befinden sich eine Vielzahl vonSIGINT-Systemen und ein Laser-Entfernungsmesser an Bord.[6] Die optischen Sensoren arbeiten im sichtbaren und im niedrigenInfrarotspektrum,[7] um Hitzequellen und getarnte bzw. unterirdische Ziele lokalisieren und identifizieren zu können. DerCCD-Sensor verwendet Photozellen aufGalliumarsenidbasis, um gegenüber den älterenSilizium-Zellen eine bessere Resistenz gegenüberLaser-Störmaßnahmen zu erzielen, wobei hierfür auch eine speziell laserresistent beschichtete Linse zum Einsatz kommt.[7] Vollbetankt wiegt der Satellit bis zu 18 Tonnen,[6] wobei er ca. 5,3 Tonnen Treibstoff mitführt.[7][8] Er wird primär vonLockheed Martin konstruiert.
Seit 1992 wurden mindestens 5 Satelliten gestartet, ein sechster soll in den Jahren 2007 oder 2008 gestartet worden sein.[7] Weder die BezeichnungKH-12 noch der Code-NameIkon wurden offiziell bestätigt. Startraketen waren dasSpace Shuttle undTitan-4A Raketen.[6][7]
KH-13 (Misty) ist möglicherweise der Nachfolger von KH-12.[9] Über seine Existenz kann nur spekuliert werden, angeblich wurden drei Satelliten dieser Serie 1990 mit einemSpace Shuttle sowie 1999 und 2005 mitTitan-4B Raketen gestartet. Die BezeichnungKH-13 ist nicht offiziell bestätigt. Die Bezeichnungen8X undEIS (Enhanced Imaging System) wurden im Zusammenhang mit diesem Satelliten ebenfalls erwähnt.
2005 erhieltenJames W. Plummer,Minoru S. Araki,Francis J. Madden,Edward A. Miller undDon H. Schoessler denCharles-Stark-Draper-Preis für ihre Beteiligung an Corona.