Ketorolac
Strukturformel | |||||||||||||||||||
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Strukturformel ohne Stereochemie | |||||||||||||||||||
Allgemeines | |||||||||||||||||||
Name | Ketorolac | ||||||||||||||||||
Andere Namen |
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Summenformel | C15H13NO3 | ||||||||||||||||||
Externe Identifikatoren/Datenbanken | |||||||||||||||||||
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Arzneistoffangaben | |||||||||||||||||||
ATC-Code | |||||||||||||||||||
Wirkstoffklasse | |||||||||||||||||||
Eigenschaften | |||||||||||||||||||
Molare Masse | 255,27g·mol−1 | ||||||||||||||||||
Aggregatzustand | fest | ||||||||||||||||||
Dichte | |||||||||||||||||||
Schmelzpunkt | 160,5 °C[2] | ||||||||||||||||||
Siedepunkt | 493,2 °C[1] | ||||||||||||||||||
pKS-Wert | 3,49[3] | ||||||||||||||||||
Sicherheitshinweise | |||||||||||||||||||
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Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). |
Ketorolac ist einPyrrolderivat. Es wird in der Medizin als nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) und alsNichtopioid-Analgetikum verwendet.[5][6] Der Wirkstoff wurde 1978 vonSyntex patentiert.[3]
Ketorolac wurde Ende der 1980er Jahre als willkommener Ersatz fürMorphin gesehen, da die schmerzstillende Wirkung etwa gleich stark war, etwa doppelt so lange anhielt, und keinerlei Abhängigkeit erzeugte. Ebenso sind Prostaglandinhemmer im Allgemeinen sehr gut verträglich. Jedoch wurde der Umstand, dass Ketorolac ein sehr starker Prostaglandinhemmer ist, vernachlässigt. Als solcher führt er zu einem deutlich höheren Risiko vonMagen-Darm-Blutungen undNierenversagen. Wird die Prostaglandinsynthese unterbunden, verlieren die Nieren die Fähigkeit, mitschlechter Durchblutung zurechtzukommen.[7]
Anwendungsgebiete
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Der Vertrieb von Ketorolac zur Behandlung postoperativer Schmerzen (Toratex) wurde nach dem Auftreten von tödlich verlaufenden Magen-Darm-Blutungen in Deutschland 1993 eingestellt[8], ebenso in Frankreich. In Großbritannien ist der Anwendungszeitraum auf wenige Tage beschränkt worden, für Kinder unter einem Jahr ist es allgemein nicht zugelassen.[5][9] In der Schweiz ist das Schmerzmittel vor allem für die Behandlung von unfallbedingten und postoperativen Schmerzen zugelassen. Erwachsene sollen höchstens 40 mg täglich einnehmen, während höchstens sieben Tagen. Kinder ab zwei Jahren erhalten während höchstens zwei Tagenintravenöse Ketorolac-Injektionen, fallsOpioide nicht angewendet werden können.[10]
In der Augenheilkunde wird Ketorolac in Form vonAugentropfen oderintraokular zu verabreichender Lösung zur Verminderung von und zur Vorbeugung gegen Entzündungen und damit verbundenen Symptomen nach einer Augenoperation verwendet. Hierfür wird sein Salz mitTrometamol verwendet.[3]
Art und Dauer der Wirkung
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Ketorolac gehört zu der Klasse derNichtopioid-Analgetika und wird bei postoperativer Schmerzlinderung, posttraumatischer Schmerzlinderung und bei schweren Kreuzschmerzen verwendet.[5] Bei starken postoperativen Schmerzen werden weitere Medikamente benötigt.[9] In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 1996 wird erwähnt, dass oral eingenommenes Ketorolac die gleiche Wirkung hat wie die gleiche Menge intramuskulär injiziertesMorphin. Ketorolac hat jedoch eine viel bessere Verträglichkeit und ein deutlich geringeres Risiko, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt.[11]
Die Wirkung tritt nach oraler Gabe nach ca. 30 Minuten ein und hält in der Regel sechs Stunden an.[5]
Die Eliminationshalbwertszeit liegt zwischen fünf bis sieben Stunden.[5][6][9] Durch verschiedene Umwelteinflüsse kann diese Zeit verlängert werden. Zum einen ist die Zeit bei Kindern grundsätzlich länger als bei Erwachsenen.[9] Zum anderen führt eine Nierenfunktionsstörung zu einer Verlängerung auf bis zu 19 Stunden.[5] Darüber hinaus besitzt das (S)-Enantiomer eine längere Eliminationshalbwertszeit als das (R)-Enantiomer.[9]
Verteilung im Körper
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Ketorolac kann für die Behandlung postoperativer Schmerzen oral oder intravenös verabreicht werden. Der Stoff wird in der Leber zu Glucuronsäure-Konjugaten oder p-Hydroxyketorolac umgewandelt und dann renal entsorgt. Es können 75 % der Dosis, innerhalb von 7 Stunden, im Urin gefunden werden.[5][9]
Stereochemie
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Ketorolac enthält einStereozentrum und besteht aus zweiEnantiomeren. Hierbei handelt es sich um einRacemat, also um ein 1:1-Gemisch aus (R)- und (S)-Form:[6]
Enantiomere von Ketorolac | |
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![]() (R)-Ketorolac | ![]() (S)-Ketorolac |
Fertigarzneimittel
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- KetoVision (D)
- Tora-Dol (CH), als Tabletten und Injektionslösung
- In fixer Kombination mitPhenylephrin:Omidria (EU)
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abcdDatenblatt(R)-Ketorolac beiSigma-Aldrich, abgerufen am 6. Dezember 2017 (PDF).
- ↑A. Habibi-Yangjeh, E. Pourbasheer, M. Danandeh-Jenagharad (Hrsg.):Prediction of melting point for drug-like compounds using principal component-genetic algorithm-artificial neural network. In:Bulletin of the Korean Chemical Society, Band 29, Nr. 4, 2008, S. 833–841.
- ↑abcEintrag zuKetorolac. In:Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 12. Juli 2019.
- ↑Vorlage:CL Inventory/nicht harmonisiertFür diesen Stoff liegt noch keineharmonisierte Einstufung vor. Wiedergegeben ist eine von einer Selbsteinstufung durch Inverkehrbringer abgeleitete Kennzeichnung von 5-benzoyl-2,3-dihydro-1H-pyrrolizine-1-carboxylic acid imClassification and Labelling Inventory derEuropäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 6. Dezember 2017.
- ↑abcdefgR. B. Twycross, A Wilcock, S. Charlesworth, A. Dickman (Hrsg.):Palliative Care Formulary. Radcliff, 2006, Aufl. 4,ISBN 1-85775-511-1, S. 154.
- ↑abcRote Liste Service GmbH (Hrsg.):Rote Liste 2017 – Arzneimittelverzeichnis für Deutschland (einschließlich EU-Zulassungen und bestimmter Medizinprodukte). Rote Liste Service GmbH, Frankfurt/Main, 2017, Aufl. 57,ISBN 978-3-946057-10-9, S. 193.
- ↑Wie lange noch Analgetikum Toratex (Ketorolac)? In: arznei-telegramm. Juni 1993, abgerufen am 28. September 2024.
- ↑Abverkauf von Ketorolac (TORATEX) gestoppt. In: arznei-telegramm (a-t) 1993; Nr. 8, S. 84.
- ↑abcdefB. Zernikow (Hrsg.):Schmerztherapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2009, Aufl. 4,ISBN 978-3-540-74064-3, S. 108, 109.
- ↑TORA-DOL Filmtabl 10 mg. In: compendium.ch. Abgerufen am 24. September 2024.
- ↑Michael Catapano:The analgesic efficacy of ketorolac for acute pain. In:The Journal of Emergency Medicine. 1996,doi:10.1016/0736-4679(95)02052-7 (englisch).