Keith Richards wurde am 18. Dezember 1943 inDartford, einer Kleinstadt im Nordwesten derGrafschaft Kent, geboren. Er ist das einzige Kind des Industriearbeiters und Kriegsveteranen Herbert „Bert“ Richards und dessen Ehefrau Doris Maud Lydia (geborene Dupree) und wuchs in relativ einfachen Verhältnissen auf. Das „s“ in seinem Familiennamen wurde vonAndrew Loog Oldham, dem Manager der Rolling Stones seit Mai 1963, entfernt, da der Name so leichter zu merken war. Gegen Ende der 1970er Jahre hängte Richards das „s“ wieder an.[2] Das Elternhaus von Keith Richards wurde bei den Luftangriffen im Sommer 1944 fast völlig zerstört.[3]
Zunächst ging Keith Richards auf dieWentworth Primary School, die auch der NachbarsjungeMick Jagger bis zu seinem Umzug im Jahr 1954 besuchte, was zum zwischenzeitlichen Abbruch des Kontakts führte. Anschließend wechselte er auf dieDartford Technical High School for Boys (1955–1959) und sang dort alsSopranist imKnabenchor u. a. dasHallelujah ausHändelsMessiah in derWestminster Abbey vor KöniginElisabeth II.[4]
Um 1959/60 war er begeistertes Mitglied derPfadfinder. Seine Gruppe war dieBeaver Patrol, zu deren Leiter er ernannt wurde. („… mit das beste, was mir damals passierte, war mein Eintritt bei den Pfadfindern.“)[5]
Sein Großvater mütterlicherseits, Augustus Theodore („Gus“) Dupree, der während der 1930er Jahre inJazzbands gespielt hatte, weckte bei dem kleinen Keith das Interesse am Gitarrenspiel. „Er hatte da diese Gitarre an der Wand hängen. Und er zog mich jahrelang damit auf, dass ich meinen Blick nicht von diesem verdammten Ding wenden konnte – bis er an dem Punkt angelangt war, zu sagen ‚Wenn du an sie drankommst, dann lasse ich dich damit spielen‘“, schrieb Keith Richards in seiner AutobiographieLife.[6] Anhand klassischer spanischer Gitarrenmusik brachte Dupree seinem Enkel in der Folge erste Stücke bei[5] („Mein Großvater war der Meinung, es sei eine gute Übung zu lernen, wo die Noten sind.“).[6]
Nachdem Richards dieDartford Tech hatte verlassen müssen, wurde er 1959 amSidcup Art College, einer Kunstschule, inLondon (Borough of Bexley) angenommen. Im gleichen Jahr kaufte ihm seine Mutter für 10£ eineWesterngitarre (die er vor dem Herbst 1961 gegen eineElektrische Gitarre vonHöfner eintauschte),[7] und Richards begann sich für dieBluesmusikafroamerikanischer Interpreten wieBillie Holiday,Louis Armstrong,Howlin’ Wolf undDuke Ellington zu interessieren und deren Stücke nachzuspielen. Bald vernachlässigte er die Schule, um Musik zu hören oder mit seinem MitschülerDick Taylor Gitarre zu spielen. Auf dem Schulweg nach London traf Richards am 17. Oktober 1961 am Bahnhof in Dartford zufällig Mick Jagger wieder, der inzwischen dieLondon School of Economics besuchte. Sie kamen ins Gespräch, weil Jagger einigeRhythm-and-Blues-Schallplatten vonChuck Berry (Rockin’ at the Hops) undMuddy Waters (The Best of Muddy Waters) unter dem Arm trug und Richards ebenfalls von dieser in Großbritannien relativ unbekannten Musik begeistert war. Diese zufällige Begegnung sowie das gemeinsame Interesse für den Blues führte nun[8] zu ihrer Freundschaft. Jagger probte gelegentlich mit seiner BandLittle Boy Blue and the Blue Boys, der neben Bob Beckwirth auch der gemeinsame Freund Dick Taylor angehörte, und Richards stieß zu der Formation, die jedoch nicht öffentlich auftrat.[9][10]
Um Live-Musik zu hören, besuchten Jagger und Richards, vorzugsweise an den Wochenenden, angesagte Londoner Clubs. Dort kamen sie in Kontakt mitAlexis Korner und traten gelegentlich als Gastmusiker in dessen GruppeBlues Incorporated auf, wodurch sie den GitarristenBrian Jones und den PianistenIan Stewart kennenlernten, was schließlich nach Jones’ Initiative im Mai 1962 zur Gründung der Urformation der Rolling Stones führte. Der erste Auftritt fand am 12. Juli 1962 im LondonerMarquee Club statt. Etwa im selben Zeitraum brach Richards seine Ausbildung amSidcup Art College ab, um sich ganz der Musik und der Entwicklung der Band zu widmen. Er verließ sein Elternhaus und bezog mit Brian Jones und Mick Jagger eine bescheidene Wohngemeinschaft in102 Edith Grove (Stadtteil Chelsea). „Die Rolling Stones verbrachten das erste Jahr ihres Daseins mit Rumhängen in Kneipen, Essen klauen und Üben“, schreibt Richards inLife.[11] Etwa zur selben Zeit trennten sich Richards’ Eltern, was zu einer langjährigen Entfremdung mit seinem Vater führte, die erst 1982 beigelegt wurde.
Keith Richards 1973Richards (links) mit Mick Jagger (1981)Richards während eines Konzerts (1982)Richards (links) mitDarryl Jones undBobby Keys (Hyde Park, 6. Juli 2013)
Seit Gründung der Band trug Richards alsRhythmusgitarrist maßgeblich zum Klang der Rolling Stones bei. Gemeinsam mit demSchlagzeugerCharlie Watts und demBassistenBill Wyman sorgte er für die rhythmische Grundlage, auf der sich der Sänger Mick Jagger und derLeadgitarrist Brian Jones präsentieren konnten. Die Musik der Rolling Stones klang rau und dreckig und war mit ihren „schwarzen“ Blues-Einflüssen etwas völlig Neues. Durch ihren Sound, ihre lauten, ungehobelten, rebellischen und vulgären Bühnenauftritte gelang es ihrem Manager Andrew Oldham, die Rolling Stones als wilden Gegenentwurf zu denBeatles zu stilisieren. Während die Bandmitglieder durch provokante Aussagen und anzügliche Gesten die Stimmung anheizten, endeten die Konzerte regelmäßig in gewalttätigen Ausschreitungen.
Bis 1964 bestand das musikalische Repertoire der Rolling Stones ausschließlich ausCoverversionen ihrer amerikanischen Vorbilder (Chuck Berry,Bo Diddley,Muddy Waters,John Lee Hooker,Howlin’ Wolf,Buddy Holly). Um langanhaltenden Erfolg zu ermöglichen, ermutigte Oldham Jagger und Richards, nach dem Vorbild des Komponisten-DuosLennon/McCartney eigene Lieder für die Band zu schreiben. Damit war der Grundstein zu einem der erfolgreichsten Songwriter-Duos der Rockgeschichte gelegt. Nachdem mitThe Last Time bereits im Frühjahr 1965 ein Stück von Jagger/Richards Platz eins derbritischen Charts erobert hatte, gelang mit(I Can’t Get No) Satisfaction im Sommer 1965 der Durchbruch in denVereinigten Staaten. Die Idee für den unverkennbarenEingangsriff war Richards in der Nacht zum 7. Mai 1965 nach einem Konzert ihrer US-Tournee inClearwater (Florida) gekommen. In jener Nacht fand Richards imFort Harrison Hotel keinen Schlaf; ihm kam jedoch eine Akkordfolge in den Sinn, die er gleich auf der Gitarre spielte und mit seinem tragbaren Kassettenrekorder aufnahm – die Anfangssequenz vonSatisfaction. Am Morgen darauf spielte Richards die Aufnahme seinem Songwriter-Partner Mick Jagger vor und schlug ihm dazu die Zeile„I can’t get no satisfaction“ als Text vor, woraufhin der begeisterte Jagger den Song zu Ende schrieb. Das 1966 veröffentlichte AlbumAftermath enthielt ausschließlich Stücke von Jagger/Richards und etablierte die Stones als entwicklungsfähige Band mit musikalischen Ambitionen. Nachdem Brian Jones in den ersten JahrenBandleader der Rolling Stones gewesen war, bildeten spätestens ab 1965 die Songwriter Jagger/Richards das unbestrittene Zentrum der Band und gaben die musikalische Entwicklung vor. Diese Tendenz setzte sich insbesondere durch die einsetzende Zusammenarbeit mit demProduzentenJimmy Miller fort. Der durch Drogenmissbrauch gezeichnete Jones trat auf dem AlbumBeggars Banquet (1968) kaum mehr in Erscheinung, Jagger und Richards löschten dessen Beiträge nachträglich oder nahmen diese erst gar nicht mehr auf. Schließlich wurde Brian Jones am 8. Juni 1969 aus der Band ausgeschlossen und durchMick Taylor ersetzt. Die Kombination aus Richards’ eigenwillig schludrigem Stil und der disziplinierten Verspieltheit des neuen Leadgitarristen eröffneten den Rolling Stones neue künstlerische Ebenen,[12] wodurch die AlbenLet It Bleed (1969),Sticky Fingers (1971) und insbesondereExile on Main St. (1972) für zahlreiche Kritiker zu den qualitativ hochwertigsten Alben der Stones zählen.[13] Es gelang ihnen, zwischen den verschiedenen Musikrichtungen wie Blues, Country und auch englischemFolk zu variieren, ohne dabei ihre Identität und Wurzeln zu verlieren. Besonders durch seine enge Freundschaft zu demCountry-RockerGram Parsons, gestorben an den Folgen einer Überdosis[14] von Rauschmitteln, konnte Richards seine Kenntnisse der Country-Musik vertiefen, was sich auf diesen Alben deutlich bemerkbar machte.
Zu Beginn seiner Karriere mit den Rolling Stones trat Richards regelmäßig alsBackground-Sänger in Erscheinung, auf den AlbenBetween the Buttons (1967) undBeggars Banquet (1968) sang er jeweils mit Jagger gemeinsam die beiden Schlusslieder (Something Happend To Me Yesterday bzw.Salt Of The Earth). Bei der BalladeYou Got the Silver (auf dem AlbumLet It Bleed) übernahm er erstmals alleine den Hauptgesang, ebenso beiHappy(Exile on Main St.), das Richards bei der folgenden US-Tour(The Rolling Stones American Tour) darbot. Seit den frühen 1970er Jahren wurde es zur Gewohnheit, dass Richards auf jedem Album, mit Ausnahme vonSticky Fingers (1971),It’s Only Rock ’n’ Roll (1974) undBlue & Lonesome (2016), mindestens ein Lied singt. NebenHappy warBefore They Make Me Run das am häufigsten von Richards gesungene Lied während Stones-Konzerten, seit 1986 singt er zwei Lieder je Show. Seit derA-Bigger-Bang Tournee 2005 gehörtYou Got The Silver zum festen Bestandteil des Bühnenauftritts der Band.
Die 1970er Jahre waren eine Zeit der Richtungssuche für die Rolling Stones, die Großbritannien aus steuerrechtlichen Gründen verlassen hatten und unter anderem in Südfrankreich[15] lebten. Die AlbenGoats Head Soup (1973),It’s Only Rock ’n’ Roll (1974) undBlack and Blue (1976) waren zwar kommerziell erfolgreich, erreichten jedoch nicht mehr die aggressive Intensität ihrer Vorgänger. Die Band zählte inzwischen zum einst von ihnen selbst verachteten gesellschaftlichen Establishment, das von Zuhörern als uninspiriert empfundene Auftreten der Stones nährte Gerüchte über eine mögliche Trennung. Interne Differenzen der Mitglieder führten Ende 1974 zum Ausstieg des frustrierten Mick Taylor, der seine künstlerischen Beiträge von Jagger/Richards nicht ausreichend berücksichtigt sah. „Er war ein Virtuose. Ich war instinktiv. Wenn es nach mir gegangen wäre, würde er immer noch mit uns spielen“, trauert Richards Taylor heute noch nach.[16] Als Nachfolger konnte 1975 derFaces-LeadgitarristRon Wood gewonnen werden, der allerdings erst seit 1993 vollwertiges Bandmitglied ist. Währenddessen hatte Keith Richards mit privaten Problemen zu kämpfen, wie dem Tod seines drei Monate alten Sohnes Tara Jo Jo Gunne († 6. Juni 1976) und seine zunehmendeHeroinsucht. Die Kontrolle über seine Drogenabhängigkeit war Richards weitgehend entglitten, worunter seine Kreativität und Zuverlässigkeit litten und er regelmäßig in Konflikt mit dem Gesetz geriet.
Mitte der 1980er Jahre drohten die Rolling Stones zu zerbrechen, da Mick Jagger Solo-Projekte anging und wenig Lust verspürte, mit den Stones zu arbeiten, geschweige denn auf Tour zu gehen. Das Verhältnis derGlimmer Twins war mehr als angespannt. Eine Reaktion Richards’ darauf war die Zusammenstellung der BandX-Pensive Winos. Er nahm mit ihr 1988 sein erstes SoloalbumTalk Is Cheap auf und ging auf Tournee. Der große Erfolg wollte sich weder bei Jagger noch bei Richards einstellen. Nach einer heftigen Auseinandersetzung versöhnten sie sich, schrieben aufBarbados gemeinsam Lieder für das 1989 veröffentlichte AlbumSteel Wheels und absolvierten mit den Rolling Stones 1989/90 die bis dahin größte Tournee der Rockgeschichte.
Außer der SingleRun Rudolph Run/The Harder They Come auf Rolling Stones Records im Dezember 1978 gab es eine lange Zeit für Keith Richards keinen Grund, außerhalb der Rolling-Stones-Welt Schallplatten zu veröffentlichen. Konzerte mit denNew Barbarians liefen eher als privates Vergnügen. Erst aufgrund der Solo-Aktivitäten Mick Jaggers und dessen Weigerung, mit den Stones auf Tournee zu gehen, nahm Keith Richards 1988 mit denX-Pensive Winos das AlbumTalk Is Cheap auf und ging mit diesen auf Tour. Richards trat dabei als Leadsänger und Gitarrist in Erscheinung. 1992 folgten mitMain Offender ein zweites Soloalbum in Zusammenarbeit mit den X-Pensive Winos sowie eine weitere Konzert-Tournee. 2015 erschien Richards’ drittes SoloalbumCrosseyed Heart.
Richards trat 1985 anlässlich des vonBob Geldof organisiertenLive-Aid-Konzerts zusammen mit Bob Dylan und Ron Wood in Philadelphia auf. 1986 führte er die Band anlässlich des 60. Geburtstages vonChuck Berry bei zwei Konzerten in St. Louis. Am 10. Juli 2004 war er beimGram-Parsons-Tribute-Konzert dabei und gehörte zu den ‚Friends‘ bei Willy Nelson & Friends (Outlaws and Angels, 2004). Ende der 1990er Jahre leitete und produzierte Keith Richards ein Album der jamaikanischen Rasta-BandWingless Angels.
Nachdem der mit Keith Richards befreundete SchauspielerJohnny Depp wiederholt Richards als Vorbild für seine Verkörperung des eigentümlichen Piratenkapitäns Jack Sparrow in derPirates-of-the-Caribbean-Filmreihe genannt hatte, gab dieser 2007 im dritten TeilPirates of the Caribbean – Am Ende der Welt sein Schauspieldebüt als Jack Sparrows Vater. In einer kleinen Rolle spielt er Captain Teague Sparrow, einen alten, gitarrespielenden Piraten, der den Piratenkodex hütet. Für den 2011 in die Kinos gekommenen vierten TeilPirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten übernahm Keith Richards den Part erneut.
Im Juli 2015 veröffentlichte Richards mitTrouble den ersten Song seines dritten SoloalbumsCrosseyed Heart, das am 18. September 2015 erschien.[18]
Keith Richards gilt als einer der bekanntesten und einflussreichsten Gitarristen der Rockmusik. Beeinflusst wurde er unter anderem vonBo Diddley,Scotty Moore,Muddy Waters undChuck Berry, der als sein größtes Vorbild gilt. So sagte er 1986 bei der Einführung Chuck Berrys in dieRock and Roll Hall of Fame, es falle ihm „etwas schwer, jemanden zu würdigen, bei dem ich alles geklaut habe“.[19] Außerdem organisierte er 1986 zwei Konzerte zu Ehren Berrys, der in jenem Jahr seinen 60. Geburtstag feierte. Berrys Einfluss auf Keith Richards ist besonders gut in dem Rolling-Stones-SongStar Fucker (auch alsStar Star bekannt) zu hören. Er verwendet viele typische Chuck-Berry-Licks. Ungewöhnlich ist, dass sich Keith Richards als Gitarrist nicht etwa durch virtuoseSoli und langeImprovisationen auszeichnete wie viele andere Gitarristen seiner Zeit, darunterEric Clapton,Jimi Hendrix undCarlos Santana, sondern durch größtenteils auf Grundlagen basierende, aber überaus prägnanteRiffs und Licks. Sein wirksam reduziertes, meist mit dem Plektrum ausgeführtes, Gitarrenspiel, das eines der Erfolgsgeheimnisse der Rolling Stones ist, brachte ihm den Ruf ein, einer der besten Rhythmusgitarristen derRockmusik zu sein; er ist auch unter dem Spitznamen „The Human Riff“[20] bekannt. Ein typisches Beispiel für sein Spiel ist der Hauptriff vonSatisfaction, der aus nur drei Tönen besteht.
Als die Rolling Stones 1967/68 eine längere Tourneepause einlegten, entdeckte Keith Richards die Möglichkeiten so genannter offener Stimmungen für sein Gitarrespiel. Solche von der Standardstimmung abweichende Tunings waren charakteristisch für die traditionelle Bluesmusik, aus der er seine Inspiration bezog. Richards begann mit den so ermöglichten Sounds einer akustischen Gitarre im Verbund mit einem Kassettenrekorder zu experimentieren und sie bei Aufnahmen einzusetzen, was man unter anderem inJumpin’ Jack Flash undStreet Fighting Man (Open-D) hören kann.
Während Sessions mitRy Cooder stieß er auf dieoffene G-Stimmung (open-G tuning). Bei der offenen G-Stimmung wird die Standardstimmung variiert, so dass einG-Dur-Akkord erklingt, wenn man die leeren Saiten anschlägt. Richards nutzte diese Stimmung, die traditionell für das Slidegitarrenspiel eingesetzt wurde, für das Spiel ohne Bottleneck. Um den Grundton an erster Stelle zu haben, entfernte er die E-Saite und ließ sich eine auf fünf Saiten ausgelegte Gitarre bauen. Inzwischen ist die offene G-Stimmung (G-D-g-h-d) charakteristisch für Keith Richards’ Gitarrenspiel und den Sound von Stones-Klassikern wie Honky Tonk Women,Brown Sugar oder Start me up.
Nach einer Party, an der neben Mick Jagger undMarianne Faithfull auch derFotografMichael Cooper, derKunsthändlerRobert Fraser, derAntiquitätenhändlerChristopher Gibbs,George Harrison und dessen EhefrauPattie Boyd teilgenommen hatten, wurde Richards’ LandsitzRedlands, ein reetgedecktes Landhaus in Surrey, das er sich von den durch mit Hilfe vonAllen Klein ermöglichten Einnahmen gekauft hatte,[21] aufgrund eines anonymen Hinweises derBoulevardzeitungNews of the World am 12. Februar 1967 von der Polizei durchsucht. Ausgestattet mit einer richterlichen Vollmacht, beschlagnahmten die Ermittler diverse Substanzen für forensische Tests. Begleitet von enormem Medieninteresse, wurden Jagger und Richards am 10. Mai vor demChichester Magistrates Court aufgrund des Besitzes vonAufputschmittelnohne Rezept undMarihuana (Jagger) sowie der Duldung des Gebrauchs vonCannabis (Richards) angeklagt. Am 29. Juni wurde Richards zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe (und einer Geldstrafe von 500£), Jagger zu einer dreimonatigen und Robert Fraser zu einer einjährigen[22] Gefängnisstrafe verurteilt. Anschließend verbrachte Richards eine Nacht im Gefängnis vonWormwood Scrubs in London, Jagger kam wie Fraser nachBrixton auf die Krankenstation des Lewes-Gefängnis.[23] Nach einem Tag wurden Jagger und Richards gegen eineKaution von 14.000 £ entlassen. Aus Mangel an Beweisen hob das Berufungsgericht das Urteil gegen Richards am 31. Juli 1967 wieder auf, Jaggers Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
In den 1970er Jahren war Richardsheroinabhängig. Er geriet dadurch immer wieder in Konflikte mit dem Gesetz; so wurde er 1978 inToronto wegen Drogenbesitzes zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Außerdem hatte er zweiBenefizkonzerte in Kanada zu bestreiten. DieKonzerte zu Gunsten von Erblindeten fanden am 22. April 1979 inOshawa, Kanada, statt. Der erste Teil wurde dabei von Ron Woods FreizeitbandThe New Barbarians und die zweite Hälfte von den Stones bestritten, wobei als Übergang zum Stonesauftritt Prodigal Son von Beggar’s Banquet gespielt wurde. Mit denNew Barbarians ging Keith dann ab dem 7. Mai 1979 auch auf eine kurze US-Tour. Nach mehreren erfolglosen Entziehungskuren gelang ihm 1979 der Absprung von Heroin, wobei er anderen Drogen (Kokain, Beruhigungsmittel, Alkohol) nach wie vor kräftig zusprach. Laut eigener Aussage[5] lebt er nur deshalb noch, weil er immer auf höchste pharmazeutische Qualität achtete und auch mit der Dosierung vorsichtig war.
Der Beginn der Europa-Konzertreihe derBridges-to-Babylon-Tournee 1998 musste verschoben werden, da Richards in seiner Bibliothek von der Leiter gefallen war. Auch 2006 kam es wieder zu Verzögerungen, da Richards während einer Pause derBigger-Bang-Tournee in einer Hotelanlage aufFidschi angeblich von einer Palme stürzte und in einem Krankenhaus inAuckland,Neuseeland, wegen Kopfverletzungen operiert werden musste. Später gestand er dann aber, dass er nicht von einer Palme gefallen sei, sondern vom rutschigen Ast eines abgestorbenen Baumes. Diese „Geschichte“ hat er der Presse offensichtlich nur erzählt, weil es ihm unangenehm war, nicht termingerecht auftreten zu können. Bei dieser Operation wurde ihm ein Blutgerinnsel aus dem Schädel entfernt. Da er seitdem gerinnungshemmende Medikamente nehmen muss, verzichtet er auf Anraten der Ärzte seither völlig auf Kokain und andere blutverdünnende Drogen. In seiner Autobiographie behauptet er, dass ihm der Verzicht erstaunlich leicht gefallen sei: Die Drogen seien seiner wohl inzwischen überdrüssig geworden.[5.1]
Im April 2007 wurde bekannt, dass Richards eigenen Angaben zufolge Teile der Asche seines 2002 eingeäscherten Vaters zusammen mit Kokain geschnupft habe, da er „nicht habe widerstehen können“,[26] was später wieder dementiert wurde.[27] 2010 erörterte Richards diesen Vorfall so, dass er nur „einen Hauch“[5.2] zu sich genommen habe: „Ich konnte ihn nicht einfach so wegwischen, also fuhr ich mit dem Finger drüber und schnupfte das bisschen.“[5.2]
Im Mai 2008 räumte Richards in einem Interview ein, dass er und Bandkollegen wie Mick Jagger die Presse früher mit falschen Geschichten über ihr „wildes Leben“ versorgt hätten, um zur eigenen Legendenbildung beizutragen.[28]
Die erste feste Beziehung hatte Richards von 1963 bis 1966 mit dem ModelLinda Keith.[29] Aus dem mit Mick Jagger und Brian Jones, später mit Jagger und dessen Freundin Chrissie Shrimpton sowie Oldham bewohnten Apartment zog er wie Jagger 1965 aus. Zwischen 1967 (als er sie kurz nach der Razzia inRedlands in Marokko näher kennenlernte)[30] und 1979 war er mit der deutsch-italienischen SchauspielerinAnita Pallenberg liiert, die vorher mit seinem Bandkollegen Brian Jones in einer Beziehung war. Aus der Beziehung mit Pallenberg gingen drei Kinder hervor: Marlon Leon Sundeep (* 10. August 1969), Angela (* 17. April 1972) und Tara Jo Jo Gunne (* 26. März 1976; † 6. Juni 1976; plötzlicher Kindstod).
1979 lernte er das amerikanische ModelPatti Hansen kennen und das Paar heiratete am 18. Dezember 1983 (Richards’ 40. Geburtstag) im mexikanischenCabo San Lucas. Das Paar hat zwei Töchter: Theodora (* 18. März 1985) und Alexandra Nicole (* 28. Juli 1986), die beide ebenfalls als Models arbeiten. Mittlerweile hat Keith Richards fünf Enkelkinder, darunter drei von seinem Sohn Marlon: Ella Rose (* 1996), Orson (* 2000) und Ida (* 2004). Zwei weitere stammen von seiner Tochter Angela: Ava Melody (* 2001) und Otto Red (* 6. Februar 2014).
Um 1980 lebte der MusikerPeter Tosh eine Weile in Richards´ FerienhausPoint of View inOcho Rios in Jamaika.[31]
Hauptwohnsitz der Familie ist ein Anwesen bei der StadtWeston imUS-BundesstaatConnecticut. Seit 1991 bewohnt Richards dort eine „opulente, italienisch anmutende Villa“ – in der Nähe des NaturschutzgebietesDevil’s Den Preserve und unweit der StadtRidgefield.[32]
Im Oktober 2010 veröffentlichte Richards unter dem Titel „Life“ eine 736 Seiten umfassende Autobiografie. Er nahm beim Schreiben die Hilfe seines Freundes James Fox in Anspruch. Die Rechte für das Buch wurden 2007 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main versteigert. Ein Wettbieten führte zu einem Vertrag mit einem Vorschuss von 5,5 Millionen Euro.[33]
Der Musiker setzte seinem Großvater ein Denkmal in demKinderbuchGus und ich.[34] Richards´ Tochter Theodora steuerte zahlreiche Illustrationen dazu bei. Erzählt wird, wie Keith als kleiner Junge durch Besuche beim Opa auf Gitarren aufmerksam wurde und sich allmählich eine lebenslang wirkende Begeisterung aufbaute. Beigefügt ist eine CD, auf der Richards selber liest und spielt.[35]
Der Stuttgarter InsektenforscherArnold Staniczek, ein Fan der RollingStones und Wissenschaftler amStaatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, entdeckte 2018 zusammen mit zwei weiteren Forschern sieben verschiedene fossile Arten vonSteinfliegen in 99 Millionen Jahre altem burmesischemBernstein. Als Hommage an die Rolling Stones wurden dieseRolling Stoneflies nach den derzeitigen und ehemaligen Mitgliedern der Band benannt.[39] Die Keith Richards gewidmete Art trägt den NamenLapisperla keithrichardsi und ähnelt in ihrer Einbettung dem häufig auf der Bühne zu sehenden Ausfallschritt von Keith Richards.[40] Ebenso wie die SteinfliegePetroperla mickjaggeri besitzt das Insekt eine große Zunge und ähnelt damit dem Logo der Stones.[41]
Auf sein musikalisches Vorbild, den berühmten Blues-Star Muddy Waters, der maßgeblichen Einfluss auf Keith Richards’ Gitarrenspiel ausübte, traf Richards persönlich das erste Mal in den Tonstudios der PlattenfirmaChess Records inChicago, wo Muddy Waters auf dem Flur auf einer Leiter stand und die Decke mit frischer Farbe strich. Ein Toningenieur stellte die beiden Musiker einander vor, woraufhin ein herzliches Gespräch zwischen Richards und Waters entstand.[42]
↑Marc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 27–28.
↑Marc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 37.
↑Marc Spitz:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 30 und 37–38.
↑Ingo Neumayer: Rolling Stones. In: planet-wissen.de. 28. Februar 2020, abgerufen am 26. August 2021.
↑Vgl. auchMarc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 36–41.
↑Marc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 204.
↑Marc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 204.
↑Marc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 100.
↑Marc Spitz:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. 2012, S. 109.
↑Marc Spitz:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. 2012, S. 110.
↑Paul McCartney:The Lyrics: 1956 to Present. W. W. Norton & Company, New York 2021; deutsch:Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung vonPaul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021,ISBN 978-3-406-77650-2, S. 333.
↑Marc Spitz:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. (Originaltitel:Jagger. Rebel, Rock Star, Rambler, Rogue, 2011) Aus dem Englischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 95–115.
↑Marc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 86 und 140.
↑Marc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 230.
↑Patrick Doyle,Being Keith: Ein Tag im Leben von Keith Richards, in:Rolling Stone, Dezember 2015 (online)
↑Pavel Sroka, Arnold H. Staniczek, Boris C. Kondratieff:‘Rolling’ stoneflies (Insecta: Plecoptera) from mid-Cretaceous Burmese amber. In:PeerJ.Band6, 26. Juli 2018,ISSN2167-8359,S.e5354,doi:10.7717/peerj.5354 (peerj.com [abgerufen am 11. Oktober 2018]).
↑Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, Germany:Ausstellung im Naturkundemuseum Stuttgart: Eine Fliege namens Mick Jagger. In:stuttgarter-zeitung.de. (stuttgarter-zeitung.de [abgerufen am 11. Oktober 2018]).