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Kavango (Ethnie)

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Mokoro-Gondoliere auf demOkavango (hier imOkavango-Delta)

DieKavango (RuKwangali:MuKavango,englischKavango people) sind eine Gemeinschaft fünfnamibischerVolksstämme von rund 200.000 ursprünglich ausOstafrika stammendenSchwarzafrikanern. Die Geschichte der Kavango ist zu großen Teilen noch unerforscht, sie leben jedoch seit spätestens dem 16. Jahrhundert[1] beidseitig des heute zwischenAngola und Namibia verlaufenden GrenzflussesOkavango und seit Anfang des 20. Jahrhunderts in überwiegender Mehrheit nur mehr in den auf der südlichen Flussseite gelegenen gleichnamigen RegionenKavango-West undKavango-Ost.

Etymologie

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Etymologisch geht die Bezeichnung „Kavango“ auf die portugiesische BezeichnungCubango/Kubango für den (gesamten) Fluss zurück, die erst zuKavango und dann durch das aus demOtjiherero stammendePräfix "O" zuOkavango wurde. Der BegriffKavango erfuhr währenddessen einesemantische Ausweitung und bezog sich erst auf den Fluss, dann auf das Territorium beidseitig des Flusses und später auch auf die an ihm lebende Bevölkerung.[2]

Geschichte

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Die Kavango stammen ursprünglich aus einem Gebiet im Südwesten des heutigenTansania und wanderten erst in das östlich desKwando gelegene Marschland bei Mashi, ein Gebiet in der heutigenWestprovinz vonSambia. Die bereits am Kwando herausgebildeten fünf Stämme zogen dann, aufgrund von Kämpfen mit örtlichen Völkern und einer anhaltenden Dürre, zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in mehreren zeitlichen Etappen weiter an den Okavango:

- dieKwangali undMbunza in die Gebiete westlich des heutigenRundu,
- dieShambyu undGciriku in die Gebiete östlich davon und
- dieMbukushu in das daran anschließende Gebiet nördlich desOkavango-Deltas imCaprivizipfel.

Diese Gebiete links und rechts des Okavango waren um diese Zeit nur noch von wenigen der vor allem zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert hier lebendenSan bewohnt, die infolge der Neuankömmlinge teilweise weiter südlich zogen, teilweise in der Gesellschaft der Kavango aufgingen. Insbesondere die Mbukushu, der östlichste Stamm der Kavango, vermischten sich hier mit der Bevölkerung der (hier noch und) südöstlich lebenden San-Stämme derZhu-ǀhoa,ǁGhanikhoe undǁAni-Kxoe – und auch einigenHerero. Die Mbukushu nehmen heute auch kulturell eine Sonderstellung unter den Kavango ein: nicht nur unterscheidet sich ihre Sprache mehr von denen der anderenKavango-Sprachen, auch waren sie unter ihnen die einzigen, die noch bis ins 20. Jahrhundert die Kunst des Regenmachens praktizierten.[3] Auf dem anderen, westlichen Ende des Siedlungsgebiets der Kavango bestehen vor allem zwischen den Kwangali und denOwambo, die mit den Kavango verwandt sind, viele familiäre Banden.

Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhundert kam es – erst bedingt durch Flucht vor innerafrikanischenSklavenhändlern, Vertreibung und später durch denBürgerkrieg in Angola – zu einer Zuwanderung verschiedener Völker aus dem Norden und zu einer weiteren Vermischung der Kavango um Bevölkerungsminderheiten derChokwe undNyemba. Die portugiesische Kolonialpolitik und der Bürgerkrieg verursachten schließlich auch die Übersiedlung fast aller Kavango auf die zu Namibia gehörende südliche Flussseite des Okavango. Die Nordseite ist seitdem sehr dünn besiedelt und es gibt hier auch keine nennenswerten größeren Siedlungen. Die Grenze zwischen den zwei Staaten ist jedoch künstlich, da die Kavango seit Jahrhunderten beidseitig des Okavango leben.

Seit einem jüngst mit Angola zustande gekommenen Grenzabkommens können die Anwohner beidseitiger Grenzgebiete jedoch wieder – auch ohne offizielle Ein- und Ausreise – das jeweils andere Land bis zu gewissen Grenzen frei besuchen. Diese Bestimmung gilt jedoch nicht für Besucher oder Touristen.

Bevölkerungsentwicklung

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Zwei unabhängig voneinander durchgeführte Bevölkerungsschätzungen aus dem Jahre 1903 sind die ältesten Quellen zur Bevölkerungszahl der Kavango. Damals schätzte man für die Kwangali zwischen 1500 und 2000 Menschen, für die Mbunza rund 1000, für die Gziriku rund 1300 und für die Mbukushu rund 4500; insgesamt rund 9.000 Menschen (ohne die zu dieser Zeit im Exil lebenden Sambyu). In den 60er Jahren belief sich die Bevölkerung auf bereits über 60.000 und ist bis heute – vor allem aufgrund einer für Entwicklungsländer typischenBevölkerungsexplosion, aber auch wegen der Zuwanderung aus Angola – auf knapp 200.000 angestiegen (dies entspricht derzeit rund 10 % der Gesamtbevölkerung Namibias). Für das Jahr 2030 wird für die RegionenKavango-West undKavango-Ost von einem weiteren Anwachsen auf über 350.000 und bis 2050 auf über 450.000 ausgegangen.[4] Dies trotz anhaltender Abwanderung vieler Kavango in andereRegionen von Namibia.

Wirtschaft und Kultur

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Der für die Kavango namensgebende Okavango zählt neben demSambesi und demOranje zu den drei größten Flüssen dessüdlichen Afrika und ist für sie und bereits früher hier lebende Völker Lebensader und Lebensgrundlage. Dies, zum einen wegen seines auch heute noch großen Fischreichtums (u. a. auchTigersalmler), zum anderen auch durch die während derRegenzeit (Februar, März) auf beiden Uferseiten überschwemmten, fruchtbaren Gebiete. Die Kavango sind insofern ein Flussvolk und leben heute wie früher vor allem vom Fischfang und dem Ackerbau (u. a. Anbau vonMahangu,Sorghumhirse,Mais undFeldfrüchte), wodurch sich eine auf den Eigenbedarf und weniger auf Produktion für den Markt ausgerichtete landwirtschaftliche Kultur entwickelte (Subsistenzwirtschaft). Die Männer übernehmen dabei traditionell die Bewirtschaftung des Bodens und den Großteil der Ernte, während die Frauen für die Bestellung und Bewirtschaftung der Felder verantwortlich sind. In geringerem Umfang wurde auchViehzucht betrieben; verbreitet ist eine örtliche Unterart desWatussirindes.Jäger und Sammler kommen vor allem bei den ca. 10.000 im trockenen Inland lebenden Kavango vor, waren jedoch Importe anderer Kulturen, namentlich einiger San-Volksstämme wie denHai-ǁom und anderer, die auch den Großteil der Eisenverarbeitung der Kavango übernahmen.[5]

Kunsthandwerk der Kavango-Holzschnitzer im Straßenverkauf inWindhoek

Ein anderer kulturell bedeutender Wirtschaftszweig ist dasKunsthandwerk der Kavango-Holzschnitzer, deren Arbeiten heute in ganz Namibia verkauft werden. Die Kavango-Holzschnitzer stammen größtenteils von den aus Angola und demKongo eingewandertenChokwe ab, bei denen dieses Handwerk sehr verbreitet ist. Sie schnitzen vorwiegend aus dem Holz einer ArtBlutholzbäume (Pterocarpus angolensis), die in Kavango und dem Sandveld desKalahari-Beckens wachsen. Zu den hergestellten Kunsthandwerken zählen eine Reihe zeremonieller Trommeln, Musikinstrumente, verschiedene Haushaltsgegenstände, Ornamente, Wanddekorationen, Masken, Küchenutensilien und Möbel wie Stühle und Tische aber auch Kanus (Mokoros). Das Holzschnitzen ist eine Berufsdomäne der Männer; Frauen hingegen weben zumeist Körbe und erzeugen Töpfe und Ornamente aus Ton.

Wegen der attraktiveren Arbeitsplatzbedingungen in den Städten Zentral- und Südnamibias ziehen viele gelernte Fischer aus dem Kavango in die HafenstädteWalfischbucht undLüderitz. Die Kavango-Holzschnitzer suchen oft den Absatz ihrer Produkte in den touristisch besser erschlossenen Städten Windhoek, Swakopmund und Okahadja.

Sprachen

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DieKavango-Sprachen sind eng miteinander verwandteBantusprachen. DasKwangali, die Sprache der Kwangali und Mbunza;Shambyu undGciriku (auch alsRumanyo zusammengefasst) sind die Sprachen der Shambyu und Gciriku. Die Sprache der Mbukushu ist dasMbukushu, das auch inBotswana gesprochen wird. Eine Verständigung zwischen Sprechern dieser einzelnen Sprachen ist möglich. RuKwangali besitzt unter den Kavango-Sprachen die meiste Literatur und ist auch am meisten verbreitet; seit der Unabhängigkeit Namibias ist Englisch einzige Amtssprache und entwickelt sich neben Verwaltung- und bevorzugter Unterrichtssprache auch zu einer Zweit- und Verkehrssprache, insbesondere in der Stadt Rundu.

Gesellschaft und Religion

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Die Kavango besitzen einematrilineare Gesellschaftsstruktur, mit jeweils einemKönig bzw. einer Königin (hompa) in jedem der fünf Volksstämme als Oberhaupt der Gemeinschaft. Der/die König(in) wird zumeist erblich bestimmt und von einem Ältestenrat bestätigt. Diese Sozialstruktur hat auch Einfluss auf traditionelle Religion, Glaubenssysteme und Mythologie der Kavango, die monotheistisch ausgerichtet ist. Das Höchste Wesen (Gott) istKarunga (dieMbukushu nennen esNyambi) und hat eine Entsprechung im Glaubenssystem derHerero (Otjiherero für Gott:Omukuru). DieHimmelskörper helfen Karunga die Menschen gegen Dürre undShadipinyi, den abtrünnigen Diener Gottes, zu beschützen. Auch Ahnenkult und Okkultismus nehmen im traditionellen Glauben der Kavango einen Stellenwert ein, wobei hier den Frauen eine große gesellschaftliche Rolle alsspirituelle Heiler zukommt.[6] Nur vereinzelt seit Beginn (und mehr seit der Mitte) des 20. Jahrhunderts wurden die Kavango missioniert und sind heute zu rund 80 % Christen, wobei traditionelle Mythologien einen parallelen Stellenwert besitzen.

In ähnlicher Weise stehen auch traditionelle (weltliche) Gesetze – seit 1990 in derVerfassung Namibias verankert – und moderne kulturelle Einflüsse in einem spannungsvollen Verhältnis.Mpo, dasRuKwangali Wort fürKultur, steht für junge Menschen oft nurmehr fürtraditionelle Kultur, wohingegenkulcha, eineNamlish-Ableitung aus dem englischen Wortculture fürmoderne Kultur (=Popkultur) steht. Das RuKwangali Wort fürLebensstil/Way of life heißtNkareso.

Literatur

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  • Veröffentlichungen des Frobenius-Instituts an der Johann Wolfgang Goethe-Universitat zu Frankfurt/Main:The Kavango peoples.Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1981,ISBN 978-3-515-03343-5. 
  • Axel Fleisch, Wilhelm J.G. Möhlig:The Kavango Peoples in the Past. Rüdiger Köppe Verlag, Köln 2002,ISBN 978-3-89645-353-2. 
  • Maria Fisch:The Mbukushu in Angola (1730-2002), A History of Migration, Flight and Royal Rainmaking. Rüdiger Köppe Verlag, Köln 2002,ISBN 978-3-89645-350-1. 
  • Michaela Kanzler:Maria Fisch: a life for the Kavango. Sister Namibia, Windhoek 2006. 
  • John Mendelsohn und Selma el Obeid:Okavango River. The flow of a Lifeline. Struik Publishers, Kapstadt 2004,ISBN 1-86872-963-X. 
  • Maria Fisch:Die Kavangojäger im Nordosten Namibias, Jagdmethoden, religiös-magische Praktiken, Lieder und Preisgedichte.Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft, Windhoek 1994,ISBN 978-99916-702-3-2. 

Weblinks

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Einzelnachweise

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  1. Archivierte Kopie (Memento desOriginals vom 26. Juli 2009 im Webarchivarchive.today)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uni-koeln.de Eileen Kose, Iron Age Archaeology of the Kavango Region, Northern Namibia,Universität zu Köln
  2. DNB97334640x/34 Andreas Eckl, Konfrontation und Kooperation am Kavango (Nord-Namibia) von 1891 bis 1921,Universität zu Köln, 2004
  3. Archivierte Kopie (Memento desOriginals vom 11. Oktober 2007 imInternet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.koeppe.de A History of Migration, Flight and Royal Rainmaking
  4. Archivierte Kopie (Memento desOriginals vom 26. Juni 2011 imInternet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kavangorc.com.na
  5. Archivierte Kopie (Memento desOriginals vom 5. Januar 2008 imInternet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uni-koeln.de
  6. http://unesdoc.unesco.org/images/0013/001332/133274e.pdf Heike Becker: Women, politics and peacein northern Namibia
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