EinKatamaran oderZweirumpfboot ist einBoot oderSchiff mit zweiRümpfen, die fest (z. B. durch ein Tragdeck) miteinander verbunden sind. Das Wort Katamaran ist einLehnwort aus demTamilischen, vonகட்டுமரம்kaṭṭumaram (vonkaṭṭu „Band, Bündel“, undmaram „Baum“, im Sinne von „Boot aus zusammengebundenen Baumstämmen“). Generell kann man nach der Antriebsart Motorkatamarane (Motorschiff) undSegelkatamarane (Segelschiff) unterscheiden. Eine Sonderform von Katamaranen sindSWATH.
Im Gegensatz zu Einrumpfschiffen zeichnen Katamarane sich dadurch aus, dass sie sehr breit sind und damit sehr stabil auf dem Wasser liegen. Da Katamarane keinenKiel haben undformstabil sind, haben die Boote ein relativ geringes Gewicht. Daher sind Katamarane häufig sehr schnelle Boote, die mit Gleitrümpfen (siehe:Verdränger und Gleiter) ausgestattet werden. Als Nachteil, neben dem schwierigeren Handling besonders in engen Häfen, muss dieKenterbarkeit angemerkt werden. Im Gegensatz zu Kiel-Segelyachten, die sich auch nach starker Schräglage wieder aufrichten, können größere Katamarane (ab ca. 7 m Länge) nicht ohne fremde Hilfe (Kran) wieder aufgerichtet werden.
Katamarane wurden von denPolynesiern bereits 1500v. Chr. verwendet[1]. Es waren zwei durch Querbalken verbundeneKanus mit einem oder mehreren Segeln[2]. Diese Grundform wurde bis in die Neuzeit beibehalten.
In Europa sollen dieRömer im zweitenPunischen Krieg (218–202 v. Chr.) einen Katamaran zur Eroberung vonSyrakus eingesetzt haben. Das Schiff bestand aus zwei je 31 m langen und 5½ m breiten Bootsrümpfen, die durch Querbalken miteinander verbunden waren. Danach geriet diese Schiffsbauweise allem Anschein nach bereits imAltertum in Vergessenheit.
William Petty (1623–1687) hatte dann als erster in Westeuropa einen Doppelrumpfsegler entwickelt, der 1663 bei einem Rennen in der Dublin Bay 16 Knoten erreicht hat[3]. Das Schiff ist später gesunken und die Entwicklung wurde nicht weiterverfolgt. Dieses Schiff und sein Erbauer werden auch an mehreren Stellen in den Tagebüchern vonSamuel Pepys erwähnt.
Im Jahr 1768 konstruierte der Engländer Patrick Miller denTrimaranEdinbourg mit 30½ m Länge und 9½ m Breite, der zwischen den Schiffsrümpfen mit Muskelkraft betriebeneSchaufelräder hatte. Nach einem weiteren muskelbetriebenen Schaufelradkatamaran auf demFirth of Forth betrieb er 1788 einen fünfKnoten (kn) schnellen Doppelrumpf-Raddampfer auf dem Dalswinton-See beiDumfries. Dieser war 7,5 m lang, 2,1 m breit und wurde von einerWilliam-Symington-Dampfmaschine betrieben.
Der US-AmerikanerRobert Fulton baute zwischen 1812 und 1814 drei Katamarane alsHafenfähren fürNew York. Sie waren 24,4 m lang und 9,15 m breit. Die FährenJersy undYork wurden von einer 20 PS starken Dampfmaschine angetrieben, das dritte Schiff, dieNessy, soll sogar 120 PS gehabt haben. Ein weiterer Katamaran von Fulton war das KriegsschiffUSS Fulton (auchDemologos oder unrichtigDemogulos) – eigentlich eineSchwimmende Batterie mit Dampfmaschine – das mit seinen Abmessungen von 47,6 m × 17,1 m lange Zeit als größtes Schiff seiner Art galt. Mit dem zwischen den Rümpfen liegenden Schaufelrad, das von einer 120 PS starken Dampfmaschine angetrieben wurde, erreichte es 5,5 kn, war jedoch nicht fürHochseefahrten gebaut.
Im 19. Jahrhundert wurden in denUSA,Großbritannien undRussland Katamarane gebaut. DieEnglish Channel Steam Ship Company ließ 1874 den KatamaranCastalia und 1877 dieCalais-Douvres für den Fährverkehr über denÄrmelkanal bauen. DieCastalia war 88,4 m lang, die einzelnen Schiffsrümpfe je 5,18 m breit, derTiefgang betrug 2,13 m und dieWasserverdrängung 1290 Tonnen. Zwischen den Rümpfen waren hintereinander zwei Schaufelräder mit 6,1 m Durchmesser, die von zwei Dampfmaschinen mit je 600 PS angetrieben wurden. Die Geschwindigkeit lag bei 10½ kn.
DieCalais-Douvres war geringfügig größer, erreichte aber mit ihren 4270 PS eine Geschwindigkeit von 14½ kn. Beide Schiffe konnten je 1000 Passagiere befördern. Obwohl die Schiffe sehr seetüchtig waren, wurden sie zunächst an dieEisenbahngesellschaftLondon Chatham & Dover Railway verkauft und nach jeweils rund zehn Jahren wegen ihrer zu geringen Geschwindigkeiten wieder aus dem Verkehr genommen und weiterverkauft.
Als Erfinder des modernen Katamarans gilt der SüdseeforscherEric de Bisschop. Er hatte diesen Bootstyp bei denpolynesischen Fischern entdeckt und übernommen.
Motorkatamarane haben insbesondere alsFährschiffe Bedeutung gewonnen. Weiterhin werdenArbeitsschiffe sowie schwimmfähige Arbeitsplattformen oftmals in der Zwei-Rumpf-Bauweise ausgeführt.
Kleinere Hochgeschwindigkeitskatamarane (bis etwa zu 200 Sitzplätzen) werden seit längerem insbesondere inNorwegen undAustralien eingesetzt. Sie erreichen bis zu 48 kn Geschwindigkeit (entsprechend über 80 km/h) und bieten damit schnelle Reisemöglichkeiten zuInseln und zwischen Landesteilen. Seit Ende des 20. Jahrhunderts werden solche Schiffe zunehmend auch im Verkehr von und nachHelgoland sowie auf derUnterelbe eingesetzt. Auch auf demBodensee und demGenfer See (zwischen Genf und Evian[4]) verkehren Katamaran-Fähren.
Auf einigen europäischen Routen verkehren besonders große Katamaran-Fährschiffe auch alsAutofähren. Hierzu gehören:
Der von der WerftIncat inTasmanien gebaute 91 m lange GroßkatamaranCatalonia hielt mit einer Reise vom 6. bis zum 10. Juni 1998 für kurze Zeit den Rekord für dieschnellste Atlantik-Überquerung durch große Schiffe mit einerDurchschnittsgeschwindigkeit von 38,65 kn (71,6 km/h). Die Fahrt ging von New York nachCeuta.[5] Zugleich erreichte dieCatalonia mit 1015 Seemeilen die beste 24-Stunden-Leistung (Etmal).[6] Kurz danach brach dieCat Link V den Rekord der schnellsten Atlantiküberquerung. Die größten Katamarane (HSS 1500) setzt die ReedereiStena Line auf Routen in derIrischen See ein, der erste hiervon ist dieStena Explorer. Sie sind 127 m lang, 40 m breit und haben eine Verdrängung von knapp 20.000 Tonnen. Sie können bis zu 1500 Passagiere und 375 Kraftfahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 40 kn transportieren.
Auch imMotorboot-Rennsport werden häufig Katamarane verwendet, so werden beispielsweise alle Weltmeisterschaftsserien auf Katamaranen mit Sicherheitscockpit ausgetragen.
InSüdafrika undNeuseeland sind Katamaranschlauchboote der „ThunderCat“-Klasse weit verbreitet. Diese Boote sind vier Meter lange Katamarane mit Vollgummikufen, die mit einem bis zu 51 kW starkenAußenborder ausgestattet sind. Die ThunderCats eignen sich sowohl für denMotorbootrennsport (die ThunderCat-Rennserie ist eine der schnellstwachsenden Rennbootserien in Südafrika, Australien, England und Neuseeland) als auch für Ausflüge, alsDingi oder zumWasserski. Das Boot ist sehr wendig und kippstabil bei minimalem Tiefgang.
Für den Einsatz auf derDonau wurde dieHan Asparuh als Schwergutfrachtkatamaran gebaut. Sie ist in zwei Teile zerlegbar. Auf derWolga und ihren Nebengewässern ist der FrachtkatamaranGebrüder Ignatjew unterwegs.
Radisson Diamond, einziges Katamaran-Kreuzfahrtschiff der WeltTretkatamaran mit Propellerantrieb
EinzelneKriegsschiffe in Katamaran-Bauweise sind ebenfalls im Einsatz. Dabei handelt es sich meistens um Versorgungs- und Kampfunterstützungseinheiten. Der erste für das Gefecht gedachte Motorkatamaran ist das chinesische RaketenschnellbootTyp 022 (Houbei-Klasse). Das erste Exemplar wurde 2005 an diechinesische Marine übergeben. Heute sollen sich schätzungsweise bis zu 40 dieser Boote im Einsatz befinden.
Eine neue und umweltfreundliche Antriebsform besitzen Solarkatamarane, die mit Sonnenenergie angetrieben werden. Der derzeit (2010) größte Solarkatamaran ist dieTûranor PlanetSolar. DieSolarWave, ein 14 m langer Solarkatamaran, befindet sich seit April 2010 auf Weltreise.
In Salzburg wurde das LuxusbootKormaran K7 entwickelt. Es kann als Einrumpfboot, Kata- oderTrimaran und in einem Flugmodus fahren.[7]
Ruderkatamarane sind generell leichte Sportgeräte, die durchRudern mitRiemen bewegt werden. Die Mannschaft kann je nach Bootsgröße aus zwei bis acht oder auch mehr Personen bestehen.
Sport Yak II aus Frankreich, ein kleines zweischaliges, unsinkbares Zubringer- und Beiboot aus Thermoplast, das auch gesegelt oder mitAußenbordmotor betrieben werden kann, fand auf Österreichs Seen ab um 1968 Verbreitung. Leer oder nur mit einem Kind besetzt tauchen nur die katamaranrumpfartigen Längswülste der unteren Schale ins Wasser, ab einer Beladung von 70 oder 100 kg taucht jedoch auch die plane Bootsunterseite ins Wasser ein.
↑Two of Incat’s latest newbuildings have both recently made record-breaking Atlantic crossings. In:The Motor Ship. Vol. 79. Temple Press, London Oktober 1998.
↑Bootsbauer Kormaran schlittert in den Konkurs. In:Der Standard. 10. Oktober 2017,S.18 (Print).