Jedes Katakana-Zeichen steht alsSyllabogramm entweder für einen Vokal oder für einen Konsonanten mit folgendem Vokal, mit der Ausnahme des später hinzugefügten Zeichensン, das einen Nasallaut am Silbenende repräsentiert.
Die Katakana wurden aus chinesischen Schriftzeichen, genauerMan’yōgana, entwickelt, indem aus einem Zeichen mit der entsprechenden Lesung Striche weggelassen wurden. Katakana haben daher nur einen bis vier gerade oder leicht gebogene Striche und meist spitze Winkel und unterscheiden sich vom Schriftbild deutlich von den weichen, gerundeten Hiragana.
Die Katakana werden nach der50-Laute-Tafel angeordnet. DasIroha, ein Gedicht, in dem alle fünfzig ursprünglichen Silben vorkommen, wird stattdessen nur noch selten verwendet.
Im Japanischen ist diephonologisch maßgeblichesuprasegmentale Einheit nicht dieSilbe, sondern dieMore (z. B. werden imHaiku und imTanka nicht die Silben gezählt, sondern die Moren). Japanische Moren bestehen aus einem Kurzvokal oder aus einem prävokalischen Konsonanten und einem Kurzvokal oder aus einem bloßen postvokalischen Konsonanten im Silbenausgang. Silben mit Langvokal oder mit postvokalischem Konsonanten im Silbenausgang sind zweimorig.
Diese silbenphonologische Eigenschaft des Japanischen wird auch in den Katakana und Hiragana berücksichtigt: pro More ein Schriftzeichen. Bei kurzvokalischen offenen Silben entspricht die More der Silbe (daher werden die japanischen Morenschriften oft auch ungenau als Silbenschriften bezeichnet).
Zur Darstellung eines Langvokals wird in der Katakana-Schreibung ein Diakritikon (derChōonpu) gebraucht und in der Hiragana-Schreibung das Zeichen für den Kurzvokal doppelt gebraucht, so dass der erste „Kurzvokal“ zur ersten und der zweite zur zweiten More gehört. Ein postvokalischer Konsonant im Silbenausgang bildet für sich eine More und wird durch ein eigenes Schriftzeichen dargestellt. Eine zweisilbige Form muss so je nach der Zahl der Moren durch zwei, drei oder vier Zeichen dargestellt werden.
Einige Katakana-Zeichen sind recht ähnlich, da sie sich nur in der Richtung der kleinen Striche voneinander unterscheiden:シshi undツtsu zum Beispiel oderソso undンn. Die Unterschiede sind deutlicher zu erkennen, wenn die Symbole mit einemSchreibpinsel gezeichnet werden.
Wenn Katakana nicht für Fremdwörter, sondern für das Schreiben nativer japanischer Wörter verwendet werden und es sich bei ハ und ヘ um Partikel handelt (häufig zu sehen in Vorkriegsliteratur (Rekishiteki Kanazukai)), wird ハha /ɰa/ und ヘhe dann /e/ ausgesprochen.
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Die Zeichen𛄠 ()yi,𛄡 ()ye und𛄢 ()wu erschienen in einigen Textbüchern ab 1873 (Meiji 6), waren aber niemals allgemein gebräuchlich.[3][4] Für die digitale Anzeige dieser obsoleten Kana muss eine Schriftart installiert werden, die diese enthält. Dazu gehört z. B.Uraniwa Mincho X.
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In der Neuzeit wirdウォwo verwendet, um denwo-Laut darzustellen. Die Katakana-Version deswo-Kana,ヲ, wird in erster Linie, wenn auch selten, verwendet, um diePartikelを in Katakana darzustellen. Die Partikel wird normalerweise wie eino-Kana ausgesprochen.
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Die weiteren w-Katakana wurden früher auch zur Transkription des w-Lautes verwendet; so findet man heute noch ヰスキーwisukī /ɰisɯ̥ki/ fürWhiskey.[5] Heutzutage wird es aber präferiert, für die Darstellung des englischen w-Lautes die u-Kombinationen (ウォvo, ウィvi und ウェve) zu verwenden. Häufig wird auch keine Kombination verwendet z. B. ウイザードuizādo anstelle von ウィザードwizādo für engl. "wizard".
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Die Kana ヂji und ヅzu sind v. a. für etymologische Schreibweisen, wenn die stimmlosen Äquivalente チchi und ツtsu einer Lautverschiebung (Rendaku) unterzogen werden und stimmhaft werden, wenn sie in der Mitte eines zusammengesetzten Wortes auftreten, z. B. in ツヅクtsudzuku. In anderen Fällen werden stattdessen die identisch ausgesprochenen ジji and ズzu verwendet. ヂdji und ヅdzu können niemals am Anfang eines Wortes stehen und sie sind im Katakana nicht üblich, da das Konzept von Rendaku nicht für transkribierte Fremdwörter gilt, eine der Hauptanwendungen von Katakana. Je nach Region (Yotsugana) werden ジ, ヂ, ズ und ヅ anders ausgesprochen. Im Tokyoter Dialekt gilt: ヅ=ズ /(d)zɯ/ und ジ=ヂ /(d)ʑi/.
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Im Tokyoter Dialekt wird ヒhi anders ausgesprochen, je nachdem, wo es im Wort steht. Am Wortende und vor einemObstruenten wird es /çi/, wie das „weiche ch“ in „Ich“, gesprochen (z. B. コーヒーkōhī /koːçiː/ oder ヒトhito /çito/), ansonsten /hi/ (z. B. ヒメhime /hime/). Je nach Region wird ヒhi aber auch unabhängig von der Wortstellung immer /çi/ ausgesprochen.
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Je nach Position im Wort wird ンn anders ausgesprochen. Vor m-, b- oder p-Kana wird es /m/ gesprochen (z. B. ナンバーnanbā /nambaː/), im Wort /ɴ/, am Ende meist /ñ/. /ɰ̃/ ist die Umschreibung für alle Aussprachevarianten.
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Der Laut /ti/ wird häufig mit ティ dargestellt. In älteren Werken wird häufig der nativ japanische Laut /ʨi/ für /ti/ substituiert. So heißt es häufiger チームchīmu für engl.Team anstelle des phonetischen näheren ティームtīmu.
Mit einem ☆ sind alle Kombinationen markiert, die vomMEXT offiziell standardisiert wurden.[2] Diese werden auch im japanischen Alltag verwendet und sindverwendungssicher.
Mit einem ▢ sind alle Kombinationen markiert, die erstmals im 1974erHyōjun-shiki standardisiert wurden.[11] Diese Varianten sind aussprachesicher, werden aber kaum verwendet.
Mit einem △ sind alle Kombinationen markiert, die vorwiegend in linguistischen Sammelwerken zur akkurateren Lautwiedergabe verwendet werden. Sie sind nicht verwendungssicher, da sie nicht standardisiert sind, d. h. Transkriptionen und Aussprachen variieren je nach Umsetzung. Den meisten Japanern sind diese nicht bekannt.[13] → Listen (beispielhaft):1,2,3
Mit einem ◇ sind alle Kombinationen markiert, die zusätzlich von derBritish Standards Institution 1972 vorgeschlagen wurden.[14] Einige inzwischen obsolete Kana sind dort noch enthalten, wie etwa ヰwi und ヱwe oder auch die alten v-Kana ヷva, ヸvi, ヹve, ヺvo.
Mit einem ▣ sind alle Kombinationen markiert, die veraltet sind oder nicht vorwiegend für die Transkription von Fremdwörtern gebraucht werden.
Diese Kombinationen werden eigentlich nur in Hiragana verwendet und dienen der Anzeige desBidakuon (鼻濁音).[16][17] Zeitweise wurde darüber nachgedacht, mit diesem Kana ein ehemaligesc anzuzeigen. So wäre engl. "call" dann コ゚ールcōru statt コールkōru (ähnlich wie bei der L-Reihe). In der Praxis findet die Katakana-Versionng bzw.c keinerlei Anwendung mehr.[18][19]
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Die Kombinationenスィsi, swi undズィzi, zwi existieren zwar,[6][7] jedoch werden diese nicht gängig verwendet. Aus diesem Grund werden sie oft nicht in erweiterten Katakana-Tabellen aufgelistet. Ihre Aussprache ist ungesichert, so ist eine Aussprache alssi wie in "Bassist" möglich, aber auch eine Aussprache alsswi ähnlich wie in "Swing".[20] Die aussprachesicheren Variantenセィsi undゼィzi, sowieスゥィswi undズゥィzwi, werden noch wesentlich seltener eingesetzt und sind den meisten Japanern unbekannt. Sehr häufig wirdsi in der Transkription durchシshi undzi durchジji ersetzt. Die Kombinationトゥtu undドゥdu existieren ebenso,[8] werden aber häufig durchツtsu undヅdzu ersetzt, um Verwirrungen mittwu unddwu zu unterbinden.ウゥwu gehört ebenfalls zu den nicht verwendungssicheren Kombinationen, da diese für Japaner schwieriger auszusprechen sind. Im Regelfall wirdウゥwu deshalb mitウーū ersetzt.
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Die Kombinationen der L-Reihe werden oft noch in erweiterten Katakana-Tabellen gelistet.[8] Sie werden jedoch in der Praxis nicht genutzt, da Kombinationen der L-Reihe wie Kombinationen der R-Reihe ausgesprochen werden und ursprünglich nur zur Anzeige eines ehemaligen L im Ursprungswort dienen, z. B. ラ゚ヴァーlavā statt ラヴァーravā für engl. "lover".ルru undル゚lu werden gleich ausgesprochen.
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Der /v/-Laut wird immer mehr in die japanische Alltagssprache integriert, genauso häufig wird dieser aber immer noch mit /b/ substituiert, da /v/ nicht zum nativ-japanischen Lautinventar gehört. So ist z. B. バージョンbājon häufiger für engl. "version" anzutreffen als das ebenso richtige ヴァージョンvājon.
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Das Kana゛ als weitere Version fürvu ist und war sehr ungebräuchlich. Das Basiskanawu wurde jedoch für den Unicode-Standard 14 zugelassen, sodass über die Sequenz U+1B122 U+3099vu in Textform kodiert werden kann.[21]
Die kleinen w-Kana (ヮ,𛅤,𛅥,𛅦) sind vorwiegend zur Darstellung historischer Orthografie und zur Transkription von Ainu gedacht. Dies gilt ebenso für セ゚tse/ce, ツ゚tu, ト゚tu und ウ゚um. Für Gairaigo-Transkriptionen werden diese selten gebraucht.[23][24]
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Das kleineke (ヶ) ist eine Abkürzung des Kanji箇, einer alten attributiven Partikel, und wird in Namen für Ortega ausgesprochen. Manchmal wird anstatt dessen das kleineka (ヵ) verwendet. Zumeist wird es aber 'ka' gelesen wie z. B. in 三ヶ月間sankagetsukan.
In der Meiji-Zeit wurden Katakana noch verwendet, umPartikeln und grammatische Endungen (Okurigana) zu schreiben, besonders in offiziellen Dokumenten. Diese Rolle haben im modernen Japanisch dieHiragana übernommen.
Schild (2009) inKōbe mitディア ハーゼdia hāze als Katakana-Transkription für „Der [‚dia‘] Hase“
Die häufigste Verwendung im modernen Japanisch ist die Transkription von Fremdwörtern (Gairaigo) und ausländischen Namen. So ist die allgemein gebräuchliche Bezeichnung für das Fernsehen,テレビterebi, eine Abkürzung des französischen „télévision“. Angela Merkel wird alsアンゲラ・メルケルangera·merukeru wiedergegeben.
Bei einigen Verben wird der Wortstamm in Katakana geschrieben. Diese Verben, meist aus der Jugendsprache, sind von Fremdwörtern abgeleitet. Ein Beispiel istサボるsaboru, „schwänzen“, das von „Sabotage“ abgeleitet ist.
In Kanji-Wörterbüchern werden zu besseren Übersicht dieOn-Lesung(en) eines Schriftzeichens in Katakana, dieKun-Lesung(en) in Hiragana angegeben. Diese Konvention beschränkt sich aber auf Wörterbücher; wenn Wörter altjapanischen oder chinesischen Ursprungs, deren Kanji heute selten oder unüblich sind, in durchgehenden Texten vorkommen, so werden sowohl On- als auch Kun-Lesungen als Hiragana geschrieben.
In Manga werden auch die vielenonomatopoetischen Ausdrücke in Katakana geschrieben (mit Ausnahmen in Hiragana).
Begriffe, die mit seltenen chinesischen Schriftzeichen geschrieben werden, also Zeichen, die nicht zu den 2136Jōyō-Kanji gehören, werden auch oft in Katakana geschrieben. In manchen Fällen wird von einemKompositum nur ein Schriftzeichen durch Katakana ersetzt. Üblich ist dies insbesondere bei medizinischen Begriffen. Im Wort „Dermatologie“ (皮膚科,hifuka) gilt das zweite Schriftzeichen膚 als schwierig, weswegenhifuka üblicherweise unter Verwendung von Katakana皮フ科 oderヒフ科 geschrieben wird. Auch das Schriftzeichen癌gan, „Krebs“, wird oft in Hiragana oder Katakana geschrieben. Tiere, Pflanzen und Mineralien werden auch oft mit seltenen Kanji geschrieben, weswegen sie zur Vereinfachung oft in Katakana wiedergeben werden. VieleSushi-Restaurants verwenden trotzdem Kanji für die einzelnen Fischarten.
Japanische Familienunternehmen verwenden oft den Nachnamen in Katakana als Firmennamen, darunter auch die heutigen GroßunternehmenSuzuki (スズキ) undToyota (トヨタ).
Katakana werden in der Schriftsprache auch als Blickfang und zur Betonung verwendet, vor allem auf Schildern. Häufige Beispiele sindココkoko (hier),ゴミgomi (Müll) undメガネmegane (Brille). In Werbeanzeigen werden auch einzelne Satzteile in Katakana gesetzt, zum Beispielヨロシクyoroshiku.
Telegramme wurden in Japan vor 1988 ebenfalls ausschließlich in Katakana geschrieben. Auch japanische Computer konnten vor der Einführung von Mehrfach-Byte-Zeichen in den 1980er Jahren nur Katakana verarbeiten.
Schriftzeichen, die über die Kanji gesetzt werden, um die Aussprache anzugeben (Furigana), sind üblicherweise in Hiragana gehalten. Wenn die Aussprache jedoch nicht japanisch, sondern englisch, chinesisch oder eine andere Sprache sein soll, werden stattdessen Katakana verwendet. So findet man zum Beispiel über der Abkürzung JR (Japan Railways) klein den Schriftzugジェイアール (jei āru), der die Aussprache des Kürzels angibt.
Eine Reihe von chinesischen Gerichten, die erst im 20. Jahrhundert nach Japan kamen, wird zwar mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben, die Aussprache entspricht aber nicht der sinojapanischenOn-Lesung, sondern derkantonesischen oder derHochchinesischen. Auf den Verpackungen im Supermarkt sind die Namen der Produkte meist in chinesischen Schriftzeichen geschrieben, aber die Lesung zusätzlich in Katakana angegeben. Aus Bequemlichkeit lässt man oft die Schriftzeichen weg und schreibt diese Worte nur in Katakana:
ウーロン茶 (烏龍茶), ūroncha, von Hochchinesischwūlóngchá (烏龍茶).
ラーメン (拉麺),rāmen, von HochchinesischLāmiàn (拉麵), handgezogene Weizennudeln.
InManga werden Katakana auch manchmal verwendet, um zu verdeutlichen, dass etwas mit einem ausländischen oder anderweitig seltsamen Akzent gesagt wird. So könnte ein Roboterコンニチワ (konnichi wa) statt der üblichen Schreibungこんにちはin Hiragana sagen. Die eckige Form der Katakana soll dabei einen optischen Eindruck von der Aussprache geben.
In der Nachkriegszeit war es Mode, Kindern, besonders Mädchen, Vornamen in Katakana-Schreibung zu geben, so dass ältere Damen öfters Namen in Katakana tragen. Dabei wurden auch ausländische Namen, die sich im Japanischen gut anhören, wieマリアMaria undエリカErika verwendet.
Die Katakana-Orthographie unterscheidet sich leicht von der bei Hiragana üblichen. Bei Katakana ist zur Anzeige von Vokallängen der Längungsstrich (ー)Chōonpu vorgesehen, in Hiragana wird stattdessen ein zweiter Vokal gesetzt. Diese Wörterbuchregelung wird allerdings im täglichen Gebrauch nicht so genau genommen. Beispielsweise wird das WortRāmen meist in Hiragana mit Längungsstrich geschrieben (らーめん). Umgekehrt werden, obwohl Katakana für Lehnworte vorgesehen sind, manchmal auch japanische Wörter in Katakana notiert. Langvokale werden dann entweder wie in Hiragana durch zusätzlichen Vokal dargestellt (ロウソクrōsoku „Kerze“, Hiraganaろうそく, Kanji蝋燭) oder mit Längungsstrich (ローソク). Diese Schreibweise wird mitunter auch für die Vokalkombinationei/ɛɪ/ verwendet, um deren häufige Aussprache als langese/eː/ abzubilden (zum Beispielケータイkētai „Mobiltelefon“, eigentlichkeitai, Hiraganaけいたい, Kanji携帯).
Wie in den obigen Beispielen zu sehen, werden lange Vokale in derHepburn-Transkription mit einemMakron (¯) wiedergegeben. Andere Transkriptionssysteme verwenden einenZirkumflex (ˆ) oder verdoppeln den Vokal.
Bei senkrechter Schreibung (tategaki) ist der Längungsstrich ebenfalls vertikal. In dieser Form ist er auch gut vom Schriftzeichen一 (ichi, „eins“) zu unterscheiden, das sowohl in waagerechter als auch in senkrechter Schreibweise ein waagerechter Strich ist.
Wie bei denHiragana zeigt ein kleinestsu (ッ),sokuon genannt, dieGemination des Anfangskonsonanten der nachfolgenden Silbe an. In der Transkription wird der Konsonant verdoppelt (beish nur dass, alsossh, beitsu nur dast, alsottsu, undch wird zutch oder bisweilencch). Das englische Wort „bed“ wird in Katakanaベッド geschrieben und alsbeddo zurücktranskribiert. Wie das Beispiel zeigt, können in (Katakana-)Schreibweisen ausländischer Fremdworte auch solche Konsonanten geminiert vorkommen, bei denen das im Japanischen sonst nicht möglich ist (wie etwad).
Wie Hiragana können auch Katakana nur denLautvorrat des Japanischen wiedergeben, der sich von dem anderer Sprachen deutlich unterscheiden kann. Daher ist die Aussprache von Fremdworten in Katakana oft nur eine Annäherung an die Originalaussprache und es dementsprechend nicht immer einfach, aus einer Katakana-Schreibung auf das Originalwort zurückzuschließen. Zwar haben sich im Laufe der Zeit einige typische Muster herausgebildet, aber auch eine Reihe von Begriffen in abweichenden Formen etabliert; die phonetisch sehr ähnlichen „towel“ und „tower“ beispielsweise werden zur Unterscheidung alsタオルtaoru bzw.タワーtawā wiedergegeben. Vor allem konsonantenreiche Silben sind problematisch; hier müssenSprossvokale eingefügt werden, wie etwa inフランクフルトFurankufuruto („Frankfurt“). Lehnworte, die (oft wegen der Sprossvokale) zu viele Silben enthalten, werden im Japanischen gern abgekürzt, so wird „sexual harassment“ zuセクハラsekuhara (stattセクシャル・ハラスメントsekusharu harasumento).
Eine ganze Reihe weiterer Vokale und Konsonanten lässt sich in Katakana nur schwer umsetzen, beispielsweise:
Das Japanische kennt nur einenliquiden Konsonanten, daher müssen sowohl „r“ als auch „l“ mit Silben derselben Reihe wiedergegeben werden, deren Anfangskonsonant alsr transkribiert und häufig ungefähr als[ɺ] oder[ɾ] realisiert wird.
Die deutschenUmlaute „ä“, „ö“ und „ü“ haben im Japanischen gar keine Entsprechung. Der alse transkribierte japanische Vokal ähnelt allerdings eher einem deutschen „ä“ als einem (langen) deutschen „e“ und wird daher zu dessen Wiedergabe herangezogen. Auch beim „ö“ hilft man sich mit „e“ (ケーラーkērā für Köhler), oder mit „u“ (パスツールpasutsūru für „Pasteur“). Das „ü“ wird durch Silben mit kleinemyu (zum Beispielリュryu inリュプケryupuke für „Lübke“) approximiert.
Denstimmlosen velaren oderuvularen Frikativ, also den „Ach-Laut“ des Deutschen, gibt es im Japanischen nicht. Er wird in der Katakana-Transkription als Kombination ausSokuon (ッ) und Silben derh-Reihe dargestellt. Der KomponistJohann Sebastian Bach wird beispielsweiseヨハン・ゼバスティアン・バッハYohan Zebasutian Bahha und der MedizinerRobert Kochロベルト・コッホRoberuto Kohho geschrieben. Derstimmlose palatale Frikativ („Ich-Laut“) hingegen ist eine häufige Realisation des Konsonanten der Silbehi, weswegen beispielsweise der NameFriedrich zuフリートリヒFurīdorihi wird. Mit den von dieser Silbe abgeleiteten Silbenhya,hyu undhyo lassen sich „Ich-Laute“ darstellen, denen ein anderer Vokal als „i“ folgt (etwa inミヒャエルMihyaeru „Michael“). Folgt dem „Ich-Laut“ ein „e“, verwendet man traditionell die Silbehe (ミュンヘンMyunhen „München“,メルヘンmeruhen für „Märchen“), da es die Silbehye nicht gibt.
Weitere Beispiele für die Schwierigkeiten bei der Transkription von Namen nach Katakana sind „Chruschtschow“フルシチョフ (Furushichofu), „Ali Khamenei“アリー・ハーメネイー (Arī Hāmeneī),Itzhak Perlmanイツハク・パールマン (Itsuhaku Pāruman).
Für Japaner hat die Transkription von Namen allerdings einen entscheidenden Vorteil: Die Katakana geben eine für sie leicht nachvollziehbare Aussprache vor, selbst wenn diese weit entfernt vom Original liegt. Namen in lateinischen Buchstaben sind dagegen alles andere als eindeutig: Als Europäer entwickelt man zwar ein gewisses Gefühl dafür, ob ein Name englisch, französisch, deutsch, polnisch, spanisch oder wie auch immer auszusprechen ist und wie es ungefähr klingen muss, doch für Japaner stellt das eine Hürde dar, die ähnlich hoch ist wie Namen in chinesischen Schriftzeichen für Europäer.
Da es keine Leerzeichen in der japanischen Schrift gibt, wird zur Trennung von Wörtern in einem Katakana-Block stattdessen einMittelpunkt (・) gesetzt, japanischnakaguro (中黒) odernakaten (中点). Ein Beispiel ist die Trennung von Vorname und Nachname bei ausländischen Namen. Bindestriche werden, wohl um Verwechslungen mit demChōonpu zu vermeiden, zu Gleichheitszeichen (=), wie etwa inアンネグレート・クランプ=カレンバウアーAnnegurēto Kurampu-Karenbauā (Annegret Kramp-Karrenbauer).
Jeweils links: Katakana; rechts: Herkunftszeichen in chinesischerRegelschrift
Die Katakana wurden in der frühenHeian-Zeit aus denMan’yōgana entwickelt, die ursprünglich dazu dienten, die Aussprache eines Zeichens inKanbun-Texten zu markieren. Bei Zeichen, die sich als Markierung einer bestimmten Aussprache etabliert hatten, wurden dann zur Vereinfachung einzelne Elemente weggelassen. So entstand aus加, „addieren“, gelesenka, durch Weglassen des Elements口 das Katakanaカ.
Erst später ging man dazu über, Schriftzeichen in der im Japanischen üblichen Wortreihenfolge zu schreiben und auch dieFlexionsendungen an Verben anzuhängen. Das Chinesische kennt alsisolierende Sprache keine Flexion.
Katakana existieren in den meisten Schriftsätzen in voller (全角zenkaku, engl. full-width) und in halber Breite (半角hankaku, engl. half-width). Die Katakana in halber Breite wurden 1969 mit dem 8-bit-JIS X 0201-Standard eingeführt, die Katakana stehen dabei im erweiterten Bereich ab 0x80, jenseits derASCII-Zeichen. Da im erweiterten Bereich nur Platz für 128 Zeichen war, wurden von der japanischen Schrift nur die Katakana implementiert. Katakana wurden traditionell wie chinesische Schriftzeichen in quadratischen Blöcken (Geviert) geschrieben. Die damaligen Schriftsätze sahen jedoch eine feste Zeichenbreite von einem Halbgeviert vor, weswegen ein Katakana-Schriftsatz entwickelt wurde, der nur halb so breit war. Damit war es möglich, mit einem 8-bit-Schriftsatz Japanisch zu schreiben, auch wenn auf Hiragana und Kanji verzichtet werden musste.
In den späten 1970er Jahren wurden dann Zwei-Byte-Schriftsätze wieJIS X 0208 entwickelt, die es mit ihrem Zeichenraum von über 65.000 Zeichen möglich machten, Hiragana, Katakana und Kanji zu schreiben und damit die japanische Schrift vollständig digital darzustellen. Außerdem erlaubten die Schriftsätze Zeichen in der vollen Geviert-Breite. JIS X 0208 führte nun einen zweiten Zeichenraum für Katakana in der vollen Breite ein. Diese Katakana waren nicht nur im Schriftsatz doppelt so breit, sondern auch in der Digitalisierung, da sie auf zwei Byte gespeichert wurden.
Diese geschichtliche Entwicklung ist auch der Grund, warum es Half-width-Katakana, aber keine Half-width-Hiragana gibt.
Trotz aller Bemühungen, diese eigentlich überflüssige Dopplung abzuschaffen sind Half-width-Katakana immer noch in verschiedenen Systemen in Verwendung. Die Titelanzeige beiMiniDiscs verwendet beispielsweise eine dem JIS X 0201 ähnliche Kodierung und lässt ausschließlich ASCII und halbbreite Katakana zu. Half-width-Katakana finden sich auch in elektronischenRegistrierkassen und in DVD-Untertiteln. Die meisten gebräuchlichen Japanisch-Zeichensätze wie EUC-JP (s.Extended Unix Code),Unicode undShift-JIS bieten sowohl half-width als auch full-width Katakana an. Der in E-Mails und im Usenet übliche ISO-2022-JP (s.ISO/IEC 2022) hat dagegen nur die Zwei-Byte-Katakana.
Auch dieAinu-Sprache wird mit Katakana geschrieben. In dieser Sprache können Silben auf verschiedene Konsonanten enden. Um diese zu schreiben, wird der Endkonsonant durch ein halbhohes Zeichen aus der u-Spalte geschrieben, der Vokal bleibt dabei stumm. Die Silbeup wird demnachウㇷ゚ (u mit kleinempu) geschrieben. In Unicode sind für die Ainu-Sprachunterstützung die Zeichen imphonetischen Erweiterungsblock für Katakana reserviert (U+31F0 bis U+31FF), der auch halbhohe Katakana enthält, die nicht auf-u enden.