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Karmann

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Unternehmen Karmann. Für weitere Bedeutungen sieheKarmann (Begriffsklärung).
Wilhelm Karmann GmbH i.L.

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RechtsformGmbH i.L.
Gründung1. August 1901
Auflösung2010
AuflösungsgrundInsolvenz
SitzOsnabrück,Deutschland
Mitarbeiterzahlca. 5549 (31. Dezember 2008)
Umsatz1,3Mrd. (2008)[1]
BrancheFahrzeugbau
Karmann-Firmengebäude in Osnabrück (Februar 2010)

DieWilhelm Karmann GmbH war ein Automobil- und Karosseriebauunternehmen mit Hauptsitz imniedersächsischenOsnabrück. Karmann fertigte Fahrzeuge, insbesondereCabriolets undCoupés, aufPlattformen seiner Auftraggeber. Verbreitete Modelle des Unternehmens waren derVW Karmann-Ghia und das Cabriolet auf Basis desVW Käfers. Insgesamt wurden von Karmann rund drei Millionen Fahrzeuge gefertigt. Daneben entwickelte und fertigte das Unternehmen Dachsysteme, Produktionsanlagen und Großwerkzeuge für andere Fahrzeughersteller. In den letzten Jahrzehnten übernahm Karmann auch Entwicklungsaufträge.[2]

Außer dem Hauptsitz in Osnabrück gab es inSão Bernardo do Campo, Brasilien sowie inRheine Fertigungsstätten für Automobile. Weitere Produktionsstandorte insbesondere für Dachsysteme wurden inPlymouth (Michigan,USA),Puebla (Mexiko),Vendas Novas (Portugal),Żary (Polen),Yokohama (Japan) undSunderland (England) aufgebaut.[3] Ein Werk für Produktionssysteme wurde inChorzów (Polen) errichtet.

Nachdem die Volkswagen AG ab Ende 2009 große Teile des insolventen Unternehmens übernommen hatte, begann die neugegründeteVolkswagen Osnabrück GmbH im März 2011 mit der Produktion desVW Golf VI Cabriolet,[4] desPorsche Boxster im September 2012 und desPorsche Cayman[5] im November 2012 auf dem ehemaligen Karmann-Gelände.

Geschichte

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Die Anfänge 1901 bis 1945

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Dürkopp „Doppel-Phaeteon mit amerikanischem Verdeck“, 1902
Ein Karmann-Dürkopp ausgeliefert in Schweden vonGustav Ericssons Automobilfabrik.

Wilhelm Karmann senior übernahm zum 1. August 1901 denWagenbaubetrieb vonChristian Klages am Kamp in der OsnabrückerInnenstadt[6] und begann mit insgesamt zehn Mitarbeitern seine Selbstständigkeit. Wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch üblich, lagen die Prioritäten zunächst imKutschenbau, doch bereits 1902 lieferte er seine ersten Karosserien an dieDürkopp-Werke inBielefeld. Weitere Einzelaufträge von Privatkunden und den AutomobilfabrikantenAdler,DKW,Opel undMinerva folgten. Für die Karosserievariante des 1902er „Doppel-Phaeteon“ wurde 1908 alsHardtop der nachrüstbare „Coupé-Aufsatz“ für den „Dürkopp-Motorwagen“ angeboten.[7] 1911 zogen die Karmann-Werke an die Martinistraße im StadtteilWüste um.[6] 1913 meldete Wilhelm Karmann das erste Patent an: eine Mechanik für Klappverdecke. 1921 erhielt Karmann von derAktiengesellschaft für Automobilbau in Berlin seinen ersten Großauftrag.

1924 reiste Karmann sen. in die USA unter anderem zur damals größten Karosseriefabrik der Welt, derFisher Body Company,[8] um die dortigen Fertigungsmethoden zu studieren und für seine Fahrzeugfertigung umzusetzen. Nach Rückkehr aus den USA gab er die Holzbauweise der Karosserien auf und stellte auf Gemischtbauweise um, das heißt die Karosserien bestanden aus einem hölzernen Gerippe mit darauf genagelten Blechschalen. Karmann sen. erkannte die Bedeutung der Entwicklung und Herstellung von Presswerkzeugen für die serienmäßige Automobilproduktion. Seit 1926 arbeitete er mit denAdlerwerken inFrankfurt am Main zusammen und wurde zum Pionier der Serienfertigung von Sonderfahrzeugen, insbesondere für Cabriolets und Coupés. In den 1930er Jahren begann die Produktion in den neuen Werkshallen imFledder.[6] 1940 musste Karmann diese Fertigung einstellen, produzierte während des Zweiten Weltkriegs Heeres-Kraftfahrzeug-Aufbauten und Teile für die Flugzeugindustrie.[9]

Aufstieg und Erfolgsjahre

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VW Typ 1 Cabriolet von 1950

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Werks arbeitete Karmann hauptsächlich als Auftragsfertiger und Entwickler für dasVolkswagenwerk. Schon 1935/36 hatte Ferdinand Porsche den Unternehmensgründer Karmann sen. gebeten, die Möglichkeiten zur Entwicklung eines Prototyps für ein Volkswagen-Cabriolet zu untersuchen. Die Kriegswirren verhinderten, dass die Idee vorangetrieben wurde und die Zusammenarbeit mit Volkswagen begann. Am 1. August 1949 unterzeichnete Karmann sen. einen Auftrag von Volkswagen „auf 1000 Stück viersitziges, vierfenstriges Kabriolet Typ 15“. Aus diesen „1000 Stück“ wurden im Verlauf der nächsten 50 Jahre insgesamt 2.548.765 Fahrzeuge für den Auftraggeber Volkswagen.[10] Der Firmengründer Karmann sen. starb im September 1952. Die Unternehmensführung ging auf seinen SohnWilhelm Karmann jun. über. 1957 wurde die Textilweberei Julius Heywinkel in Osnabrück übernommen, deren größter Abnehmer von Stoffen für Sitze und Cabriodächer Karmann vorher schon gewesen war.[11]

Letztes VW-1303-Cabriolet

Neben den drei VW-Karmann-Ghia-Modellen (Typ 14/Coupé und Cabriolet undTyp 34 Coupé) baute Karmann sämtliche Cabriolets (außerHebmüller-Käfer) für Volkswagen. Hauptsächlich waren es die offenen Modelle desKäfers (bis 1980) bzw.Golfs (ab 1979). Zusätzlich waren derScirocco I (1974–1981), seinNachfolger (1981–1992) sowie von 1988 bis 1995 derVW Corrado im Fertigungsprogramm. Karmann expandierte und baute in den 1960er Jahren weitere Fahrzeugwerke inSão Bernardo do Campo (Brasilien) undRheine auf. In den Jahren ab 1965 wurden Fahrzeuge und Karosserien vomBMW Coupé 2000 C/CS mit Vierzylindermotor, später auch die Karosserien der größerenBMW-E9-Coupés mit Sechszylindermotor (2.5 CS, 2.8 CS, 3.0 CS/CSi) im westfälischen Werk Rheine hergestellt. „Hochzeit“ (Einbau des Motors in die Karosserie) und Endmontage war im Werk München.

In den späten 1970er- und den 1980er-Jahren fertigte Karmann den Rohbau des Coupés der6er-Reihe von BMW und die Cabriomodelle desFord Escort. Ab Anfang der 1990er Jahre wurden dasMercedes-Benz CLK Cabriolet (A 208 und A 209), derFord Escort RS Cosworth, derKIA Sportage und ab 1997 dasAudi Cabriolet (Typ 89) und dasAudi A4-Cabriolet (ab 2002) sowie dasChrysler Crossfire Coupé (2003) und der Roadster (2004) montiert. Hinzuzurechnen sind die Auslauffertigungen des VW Golf II (1992/93) und desGolf III Variant (1997/99).

Karmann-Mobil auf VW T2

Außerdem wurden ab dem Jahr 1977Reisemobile und später auchWohnwagen unter dem NamenKarmann-Mobil hergestellt. Die Idee für sein erstes Reisemobil bekam Karmann jun. auf einer Reise in Südafrika. Die ersten Fahrzeuge wurden auf der Basis einesVolkswagen T2 gebaut, gefolgt vomT3 undLT sowie demMercedes-Benz T 1. Parallel wurden die WohnwagenmodellePostillion 4500 und5000 entwickelt und im Jahr 1982 auf den Markt gebracht. Es etablierten sich vor allem die Reisemobile, die Wohnwagenproduktion wurde nach einigen Jahren wieder eingestellt. Es folgten weitere Modelle wieGipsy,Davis undDistance. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen Karmann-Mobil an den ReisemobilspezialistenEura Mobil verkauft, der die Marke Karmann für Wohnmobile weiterführt.[12]

Im Oktober 1998 starb der langjährige Unternehmensleiter Wilhelm Karmann junior. Er hatte bereits 1990 die Geschäftsführung abgetreten, brachte sich jedoch bis zu seinem Tod als Mitglied des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung in das Unternehmen ein. Die Tochterfirma Julius Heywinkel GmbH in der Gesmolder Straße[13] wurde im Jahr 2000 in eine neue Produktionsstätte inBramsche-Engter ausgelagert.[11] Außerdem sicherte sich Karmann einen 60-prozentigen Anteil derAutomobilteststrecke Papenburg.

Auftragsfertiger in der Krise

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Mitte der 2000er Jahre zeigten sich Probleme für die europäischen Auftragsfertiger von Nischenfahrzeugen. Die Beschäftigungssicherungsverträge der großen Hersteller mit den Gewerkschaften einerseits und die technischen Fortschritte im Fahrzeugbau führten dazu, dass der Bau auch von Nischenfahrzeugen nicht mehr ausgelagert wurde. Die Hersteller bauten diese Modelle selbst innerhalb ihres Produktionsverbundes. Zusätzliche Liquidität wurde benötigt, um die sich abzeichnende Krise bewältigen zu können. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Geschäftsfelder wurden verkauft. Diesem Trend musste auch Karmann folgen.[14]

Im Jahr 2007 veräußerte Karmann die Tochtergesellschaft Heywinkel an den FinanzinvestorNord Holding Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH aus Hannover.[11] Weiterhin erfolgte zum 31. März 2008 der Verkauf der brasilianischen Tochtergesellschaft an die Grupo Brasil, einen bedeutenden brasilianischen Autozulieferer. Damit beendete Karmann nach fast 48 Jahren sein Engagement in Brasilien. Wie an den deutschen Standorten in Osnabrück und Rheine waren naheSão Paulo seit den 1960er Jahren komplette Fahrzeuge gefertigt worden, zuletzt derLand Rover Defender aus angeliefertenTeilesätzen.

Der Weg in die Insolvenz

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Letztes Auto von Karmann: ein schwarzes CLK-Cabrio wie dieses

Da Audi die Produktion des neuen und vom A5 abgeleiteten Cabrios und auch Mercedes-Benz die Produktion des neuen CLK-Cabrios aufgrund der Beschäftigungssicherungsverträge wieder in die eigene Fertigung nehmen wollten,[15] suchte Karmann seit Mitte der 2000er Jahre erfolglos nach Anschlussaufträgen für die Fahrzeugwerke in Osnabrück und Rheine.[16]Noch bevor die Fahrzeugproduktion eingestellt wurde, meldete Karmann am 8. April 2009 die vorläufige Insolvenz an.[17] Davon waren auch die mit der Wilhelm Karmann GmbH verbundenen inländischen Tochterunternehmen inRheine (Kreis Steinfurt) undBissendorf (Landkreis Osnabrück) betroffen.[17] AlsInsolvenzverwalter wurde Ottmar Hermann bestellt, der parallel zum vorläufigen Insolvenzverwalter vonWoolworth bestellt worden war und bereits den BaukonzernPhilipp Holzmann abgewickelt hatte.[18] Als letztes Fahrzeug rollte am 23. Juni 2009 um 11:35 Uhr ein schwarzes Mercedes-Benz CLK-Cabriolet vom Band.[19][20]

Die Auflösung der Karmanngruppe (2009 bis 2011)

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Abbau des „Karmann“-Logos im Juli 2010

Sechs Monate nach Eröffnung der vorläufigen Insolvenz konnte der Insolvenzverwalter erste Erfolge bei der Restrukturierung der insolventen Karmanngruppe verzeichnen. Am 20. November 2009 teilte Volkswagen mit, Teile von Karmann übernehmen zu wollen. Aus der Karmann-Insolvenzmasse übernahm Volkswagen die Grundstücke mit den Fabrikgebäuden sowie Maschinen und Anlagen. Diese wurden in die neue GesellschaftVolkswagen Osnabrück GmbH eingebracht, die eine Tochtergesellschaft der Volkswagen AG ist.

Die Karmann Engineering Services (KES) mit rund 70 Mitarbeitern wurde zum 1. Januar 2010 anFerchau Engineering verkauft. Die Firma trägt nun den Namen CES Engineering GmbH. Die Standorte Bissendorf, Wolfsburg, Sindelfingen, Ingolstadt und München sollten erhalten bleiben.[21] Mit Wirkung zum 25. Februar 2010 wurde der japanische Produktionsstandort der Karmann Japan Co. Ltd. von dem WettbewerberMagna International erworben. Somit fertigte Magna Steyr Dachsysteme (Verdecke) für denNissan 370Z-Roadster und dasInfiniti G-Cabrio.[22]

Anfang August 2010 wurden die Karmann-Standorte in den USA und Mexiko für ca. 60 Millionen US-Dollar an den AutozuliefererWebasto veräußert.[23] Mit Übernahme dieser beiden Produktionsstätten erweiterte Webasto sein Produktportfolio um die Cabrio-Dachsysteme für denFord Mustang V sowie die AuslaufmodelleChrysler Sebring JS undVW New Beetle.[24]Der Bereich „Karmann Dachsysteme“ mit den verbliebenen Fertigungsstätten in Osnabrück undŻary (Polen) wurde Ende 2010 von dem finnischen AutozuliefererValmet Automotive, einer Tochtergesellschaft des finnischen GroßunternehmensMetso, übernommen.[25]

Zum 1. März 2011 gab Volkswagen bekannt, die Metallgruppe der Karmann GmbH zu übernehmen, die für die Produktion von Presswerkzeugen verantwortlich ist. Der polnische Standort der Metallgruppe mit etwa 34 Mitarbeitern wurde an die auf Automatisierungstechnik spezialisierte IWM Automation GmbH (Porta Westfalica) verkauft.[26] Ebenfalls im März 2011 lief bei der Volkswagen Osnabrück GmbH die Automobilproduktion mit demGolf VI Cabriolet an. Die Gesellschaft umfasst heute mit Ausnahme der Dachsysteme alle ehemaligen Karmann-Sparten von den Produktionssystemen (Metallgruppe) über Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei, Montage bis hin zur Technischen Entwicklung.[27]

Im Juni 2011 kaufte die Daimler-TochterMBtech Group den 60-prozentigen Anteil der Karmann GmbH an derAutomotive Testing Papenburg (ATP GmbH) und wurde damit zur alleinigen Eigentümerin. Im gleichen Monat gab VW die Übernahme der kompletten, 137 Deponate umfassenden Automobilsammlung Karmanns bekannt. Sie umfasst die Historie des Autobauers und Karmann-Fabrikate wie auchPrototypen undKonzeptfahrzeuge, die nicht in Serie gegangen waren. Zuvor hatte Volkswagen nur die Übernahme von 64 Fahrzeugen geplant, die Karmann im Auftrag von VW entwickelt hatte.So konnte die Sammlung vor der Zerschlagung gerettet und vollständig erhalten werden.[28] DieAutomobilsammlung Volkswagen Osnabrück ist der Öffentlichkeit bei Veranstaltungen[29] und im Rahmen von Werksführungen[30] zugänglich.

Fahrzeuge

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VW Karmann-Ghia

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Ghia Cabriolet
VW 411: Cabrio-Studie von Karmann

DerVW Karmann-Ghia Typ 14 ist das bekannteste Fahrzeugmodell von Karmann. Die Idee hatteWilhelm Karmann jun. 1953, ein Jahr nach der Übernahme des väterlichen Karosseriebauunternehmens in Osnabrück. Karmann wollte einen sportlichen und offenen Zweisitzer auf der technischen Basis des VW Käfer herstellen. Auch Volkswagen war an einem sportlichen Roadster interessiert, der gerade von den in Europa stationierten amerikanischen Soldaten geliebt und mit in die USA genommen werden sollte.[31]

Luigi Segre, der Chef vonCarrozzeria Ghia inTurin, wurde anlässlich des Genfer Automobilsalons in den Plan einbezogen. Er erhielt aus Osnabrück ein Fahrgestell des Käfers und setzte eine selbst gestaltete Karosserie auf das Fahrgestell. Zur Verblüffung von Karmann jun. präsentierte ihm Luigi Segre dann auf dem Pariser Salon nicht einen Roadster, sondern ein Coupé.[32] VW-ChefHeinrich Nordhoff gefiel das Coupé mit den fließenden Linien und den rundlichen Formen, und er stimmte dem Bau des Wagens zu. Schon im ersten Produktionsjahr wurden statt der geplanten 3.000 Einheiten insgesamt 10.000 Coupés ausgeliefert.[33]

Die weitere Arbeit an diesem wie auch an vielen anderen Fahrzeugen bei Karmann leisteteJohannes Beeskow, der von 1956 bis 1976 die technische Entwicklung leitete. Der VW Karmann-Ghia wurde zum Verkaufserfolg mit über 360.000 Exemplaren, auch wenn die Leistungen des Wagens mit nur 30 PS (22 kW) und 115 km/h Spitzengeschwindigkeit nicht dem sportlichen Äußeren entsprachen. 1957 folgte das Karmann-Ghia Cabriolet und 1961 folgte der größere Typ 34, der Karmann-Ghia 1500, dessen Design ebenfalls von der Carrozzeria Ghia stammte.[34]

In den bei Karmann produzierten Stückzahlen wurden die Karmann-Ghia Coupés und Cabrios später sowohl vomGolf Cabriolet als auch vomScirocco leicht übertroffen; nur wenn man die ersten Karmann-Ghia-Typen über Coupé und Cabrio zusammenrechnet, war der Karmann-Ghia das erfolgreichste Fahrzeug von Karmann.

Patentstreit und Fahrzeugentwicklung

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1991 stellte Karmann den Prototyp desKarmann Idea vor, der den Erfolg des Karmann Ghia wiederholen sollte. Die neuartige Z-Faltung bei der Ablage des Verdecks verwendete Porsche auch beim Porsche Boxster. Karmann hatte die Patentverletzung viele Jahre hingenommen. Erst als Porsche das Karmann-Patent infrage stellte, gab Karmann ein Gutachten in Auftrag, dessen Ergebnisse Porsche nicht akzeptierte.[35] Den folgenden Rechtsstreit verlor Porsche und musste eine Entschädigung zahlen.[36]

Neben der Entwicklung desAudi-A3-Cabriolets war Karmann an der Entwicklung desMercedes Vaneo sowie weiterer Nutzfahrzeugentwicklungen (MAN) beteiligt. Es folgten zahlreiche weitere Entwicklungsaufträge deutscher Hersteller.

Fahrzeugmodelle und Designstudien

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Studie eines 3er Compact mit Klappdach (2000)
Karmann Transformer Concept (IAA 2001)
Studie eines Polo GTI Cabrios (2007)

Für folgende Fahrzeughersteller wurden bei Karmann Fahrzeuge oder Karosserien produziert.

Außerdem überraschte Karmann auf den internationalen Automobilausstellungen immer wieder mitDesignstudien, wie 1997 mit der Geländewagen-StudieKarmann Open View, 1999 mit demKarmann Coupé oder 2001 mit demKarmann Transformer. Ein besonderes Fahrzeug präsentierte Karmann auf derIAA in Frankfurt 2005. Es war ein Geländewagen mit Cabriodach und gegenläufig zu öffnenden Türen. Damit wurde ein neues Marktsegment begründet, das derSports Utility Cabrio. Seit 2020 läuft beim NachfolgeunternehmenVolkswagen Osnabrück ein solcher Aufbautyp vom Band, dasVW T-Roc Cabrio.[37]

Als Partner bei Entwicklung, Design und Produktion beteiligte sich die Wilhelm Karmann GmbH auch am Marktauftritt des Sportwagen-HerstellersSpyker Cars: In einer Kleinserie wurde seit Herbst 2006 der SupersportwagenSpyker C8 Spyder gefertigt. Innerhalb von drei Jahren sollten 350 Exemplare des Zweisitzers produziert werden.

Elektroauto Karmann E3

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Karmann/EWE E3

Im November 2009 stellte dieKarmann E-Mobil GmbH zusammen mit dem Oldenburger EnergieversorgerEWE dasElektroauto-KonzeptKarmann E3[38] vor. Der auf demVW Polo IV basierende Karmann E3 (für „einsparend, erneuerbar, effektiv“) hatte einen 31 kWh-Hochvolt-Akku im Unterboden und konnte Gleichstrom (DC) sowohl laden als auch wieder abgeben (Bidirektionales Laden, V2X) um nach Wandlung per Wechselrichter Geräte zu betreiben, ein Haus zu versorgen, oder das Stromnetz zu stützen. Der weltweiteE-Automarkt entwickelte sich allerdings schleppend, währendPhotovoltaik in Deutschland zu der Zeit weltweit führend war. Aus dem E3-Projekt entstand als Karmann-Ausgründung die FirmaE3/DC, die PV-Anlagen per DC mit stationärenBatteriespeichern und auch E-Autos koppelt und als sogenannte Hauskraftwerke anbietet.

Produktion

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Gesamtproduktion

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Insgesamt produzierte Karmann in seiner Firmengeschichte über vier Millionen Fahrzeuge der nachstehenden Modelle.[39]

Gesamtproduktion
ModellBaujahr vonBaujahr bisproduzierte EinheitenAnmerkungen
AMC Javelin[40]19691969281Montage, Lackierung, Ausstattung. Ausführungen mit 6- & V8 Zyl. Motoren. Total 13 mit Handschaltung
Audi Cabriolet[41]1997200012112
Audi A4 Cabrio[20]20022009187834
Bentley Continental GTC Cabriolet20062010Dachmodule
BMW 2000 C/CA/CS[42]196519701370013.151 Rohkarosserien und 549 Komplettfahrzeuge
BMW 3,0 CS1971197521147
BMW 635 CSI1976198986314
BMW 1er Cabriolet20082010Dachmodule
BMW 6er Cabriolet20102010Dachmodule
Chrysler Crossfire[43]Coupé2003200745506
Chrysler Crossfire[43] Cabrio2003200730539
DKW Meisterklasse Cabrio[8]195019525010
DKW F 91 Luxuscabriolet[8]19531955625
Ford Eifel[8]1939ca. 800Als „Roadster“ bezeichnet
Ford Taunus 12M / 15M[8]1952195512235
Ford Escort RS Cosworth[20]199219968082
Ford Escort FEC Cabrio[20]19831990104237
Ford Escort Cabrio[20]1990199780620
Ford Sierra XR4i1983198525662
Karmann GFBuggy[44]19711974
VW Karmann-Ghia Typ 14[45]19551974362601
VW Karmann-Ghia Typ 14 Cabriolet[45]1957197480881
VW Karmann-Ghia Typ 34[45]1961196942505
Kia SportageGeländewagen1995199825984
Land Rover Defender19982005ca. 8000(inBrasilien)
Mercedes-Benz CLK (A 208) Cabrio[20]19982003115264
Mercedes-Benz CLK (C 208) Coupé2000200228706
Mercedes-Benz CLK (A 209) Cabrio[20]20032009110312
Mercedes-Benz EA 207 Cabrio20092010Dachmodule
Merkur XR4Ti198419894642US-Version desFord Sierra XR4i[46]
Mini Cabriolet20082010Dachmodule
Opel Diplomat A Coupé19651967347
Porsche 914[45]19691976118949
Porsche 9681991199411803
Renault 19 Cabrio1990199629222Rohkarosserien und Verdecksysteme
Renault Mégane I Cabrio1996200374096komplette Rohkarosserien und Verdecke
Renault Mégane II CC Cabrio20042009
Renault Mégane III CC Cabrio2010Dachmodule
TriumphTR619691976
VW Corrado1988199597521
VW Golf Cabrio MK I[20]19791993388522
VW Golf Cabrio Mk III[20]19931998129475
VW Golf Cabrio Mk IV (Basis Golf III)[20]1998200182588
VW Golf Variant MK III1997199980928
VW Käfer Cabrio[45]19491980331847
VW Scirocco I[20]19741980504153
VW Scirocco II[20]19801992291497
VW-Bus mit Karmann Gipsy Wohnmobil-Aufbau19801992891
VW LT mit Karmann Wohnmobil-Aufbau

Werkzeugbau

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Ferner war Karmann ein Hersteller von Werkzeugen fürTiefziehpressen (Sparte Karmann Werkzeug- und Produktionsmittelbau). Auch dieser Bereich wurde 2011 von Volkswagen übernommen.

Literatur

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Dokumentationen

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Weblinks

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Commons: Karmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Presseinformation zum Genfer Automobilsalon 3. März 2009.
  2. Bernd Wiersch:Die Karmann-Story. 1. Auflage. Delius Klasing & Co.KG, Bielefeld 2015,ISBN 978-3-667-10121-1. 
  3. Presseinformation der Wilhelm Karmann GmbH: Karmann auf einen Blick, Dezember 2008
  4. Volkswagen startet Produktion in Osnabrück. Abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  5. VW Volkswagen Osnabrück GmbH@1@2Vorlage:Toter Link/www.volkswagen-os.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018.Suche in Webarchiven) www.volkswagen-os.de, 12. November 2012.
  6. abcIlsetraut Lindemann: Stadtgeschichte in Straßennamen – Karmann@1@2Vorlage:Toter Link/www.chronosroma.eu (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018.Suche in Webarchiven), Osnabrück 1972, auf chronosroma.eu, abgerufen am 23. März 2018
  7. Dürkopp Katalog 1908, Seite 53. 1908, abgerufen am 8. September 2020. 
  8. abcdeImmo Sievers:100 Jahre Karmann. In:ATZ Automobiltechnische Zeitschrift. Vieweg Verlag, Wiesbaden November 2001,S. 1068 ff. 
  9. Knust, Dieter:Vom Kutschenbauer zum Auto-Karossier. 1. Auflage. Meinders & Elstermann GmbH & Co.KG, Belm 1996,ISBN 3-88926-896-X. 
  10. Redemanuskript Dr. Ferdinand Piëch „Rede zur Feier der 50jährigen Zusammenarbeit von Karmann und Volkswagen“, Osnabrück vom 30. November 1999
  11. abcJoachim Dierks: Der Julius-Heywinkel-Weg auf dem Westerberg in | NOZ. 12. Juli 2012, abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  12. Internationaler Reisemobilkonzern Trigano übernimmt Eura Mobil Gruppe. (Memento vom 13. Februar 2005 imInternet Archive) 10. Januar 2005.
  13. Fischer, Siegfried. (2) In: Walter Habel (Hrsg.):Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985,ISBN 3-7950-2005-0, S. 311 (zum Geschäftsführer).
  14. Bernd Wiersch: Die Karmann-Story. 1. Auflage. Delius Klasing & Co.KG, Bielefeld 2015,ISBN 978-3-667-10121-1
  15. Marion Feldkamp:Autobauer Karmann schließt Fahrzeugbau in Rheine: Das letzte Cabrio aus Rheine. (Memento vom 22. Februar 2009 imInternet Archive) auf:WDR.de, 20. Februar 2009.
  16. Süddeutsche Zeitung: Kahlschlag bei Karmann. Abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  17. abCabrio-Spezialist: Karmann meldet Insolvenz an. Abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  18. Nach der Woolworth-Pleite: Ottmar Hermann: Bestatter und doch Retter. Abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  19. Karmann in der Krise: Cabrio-Spezialist fertigt letztes Fahrzeug. In:Der Spiegel. 22. Juni 2009,ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 27. Oktober 2022]). 
  20. abcdefghijklNichts rollt mehr. In: Auto Bild. 9. Juni 2009, abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  21. FERCHAU - Ihr Dienstleister für Engineering und IT. Abgerufen am 18. Januar 2022. 
  22. derStandard.at. Abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  23. International M&A helps law firms reach record year. 19. Dezember 2010, abgerufen am 27. Oktober 2022 (englisch). 
  24. Nordamerikageschäft: Webasto übernimmt Karmann-Dachsparte. Abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  25. Valmet steigt bei Dachsparte ein: In trockenen Tüchern: Finnen sichern 750 Karmann-Jobs. 22. Oktober 2021, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Oktober 2021; abgerufen am 27. Oktober 2022.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.noz.de 
  26. corporate-finance-fachportal.de - VW übernimmt letzte Karmann-Sparte. 1. August 2012, archiviert vom Original am 1. August 2012; abgerufen im 1. Januar 1. 
  27. Marco Dalan:Volkswagen rettet einen Teil von Karmann. In:Die Welt. 20. November 2009 (welt.de [abgerufen am 27. Oktober 2022]). 
  28. Stefan Prinz: Osnabrück: Karmann-Sammlung wird nicht zerschlagen | NOZ. 9. Juni 2011, abgerufen am 27. Oktober 2022. 
  29. Automobilsammlung Volkswagen Osnabrück (Memento vom 25. Oktober 2017 imInternet Archive) In volkswagen-classic.de.
  30. Oldtimer Osnabrück. In oldtimer-os-st.de, abgerufen am 10. Dezember 2022.
  31. Wilhelm Karmann GmbH (Hrsg.):Das Symbol. Meinders & Elstermann GmbH & Co.KG, Belm 2005,ISBN 3-88926-893-5. 
  32. Knust, Dieter: Vom Kutschenbauer zum Auto-Karossier. 1. Auflage. Meinders & Elstermann GmbH & Co.KG, Belm 1996,ISBN 3-88926-896-X
  33. Tradition: 60 Jahre Volkswagen Karmann Ghia, aus: Die Welt, 4. September 2013.
  34. Wilhelm Karmann GmbH (Hrsg.): Das Symbol. Meinders & Elstermann GmbH & Co.KG, Belm 2005,ISBN 3-88926-893-5.
  35. Bernd Wiersch: Die Karmann-Story. 1. Auflage. Delius Klasing & Co.KG, Bielefeld 2015,ISBN 978-3-667-10121-1
  36. NDR: Made in Norddeutschland - Kult Karosse Karmann. 27. Juli 2019, abgerufen am 24. Oktober 2019. 
  37. Bernd Wiersch: Die Karmann-Story. 1. Auflage. Delius Klasing & Co.KG, Bielefeld 2015,ISBN 978-3-667-10121-1
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  39. Bernd Wiersch:Die Karmann-Story: Haute Couture aus Osnabrück. 2, überarbeitete Auflage, Seite 198-199. Delius Klasing & Co.KG, Bielefeld 2015,ISBN 978-3-667-10330-7. 
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52.2658333333338.0777777777778Koordinaten:52° 15′ 57″ N,8° 4′ 40″ O

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