DieKap-Breton-Insel (englischCape Breton Island,französischîle du Cap-Breton,kanadisch-gälisch:Eilean Cheap Breatuinn, in der Sprache derMi’kmaq:U’namakika) ist eine Insel imNordatlantik. Sie liegt auf dem nordamerikanischenSchelf und gehört zurkanadischen ProvinzNova Scotia. Die Kap-Breton-Insel ist durch die an der engsten Stelle nur rund 770 Meter breiteStraße von Canso vom kanadischen Festland getrennt, aber mit ihm durch einen 1955 aufgeschütteten Verkehrsdamm verbunden.
Südwestlich der Kap-Breton-Insel – jenseits der engenStraße von Canso – liegt dieNova-Scotia-Halbinsel des kanadischen Festlands. Nordöstlich befindet sich dieCabotstraße, der größte Übergang desSankt-Lorenz-Golfs zum offenenNordatlantik. Die Westküste der Insel bildet gleichzeitig die Ostgrenze derNorthumberlandstraße. Die Insel ist 10.311 km² groß und besteht aus einer felsigen Küste, hügeligem Grasland,Gletschertälern sowie Bergen und Hochebenen. Die Landschaft der Kap-Breton-Insel wird durch dasBras d'Or-Seensystem und dieCape Breton Highlands dominiert, letztere geologisch ein Ausläufer derAppalachen. Hinzu kommen derLake Ainslie, dasMargaree River-Flusssystem sowie derMira River und zahlreiche kleine Flüsse und Bäche.
Archäologische Ausgrabungen haben in Ingonish eine tausende von Jahren zurückreichende menschliche Präsenz zutage gefördert, die bis zu den Paläo-Indianern (ca. 12.500 bis 7.000 v. u. Z.) und den maritimen archaischen Völkern (ca. 10.000 bis 2.500 v. u. Z.) zurückreicht.[1]
Verschiedene Quellen lassen die ersten europäischen Kontakte für die 1520er Jahre vermuten.[2] Unter französischer Kolonialherrschaft hieß die ursprünglich von den Indianern desMi’kmaq-Stammes bewohnte Kap-Breton-InselÎle Royale. Die Besiedlung durch französische Kolonisten begann im 17. Jahrhundert. Hauptstadt war die 1758 von den britischen Truppen unterJeffrey Amherst undJames Wolfe eroberte und in den Folgejahren demontierte FestungsstadtLouisbourg, deren Rekonstruktion heute eine Hauptsehenswürdigkeit der Insel ist. Nach der Eroberung kamen zahlreiche britische, vor allemschottische Siedler auf die Kap-Breton-Insel. Hierzu gehören vor allem etwa 50.000 Hochlandschotten, die aufgrund der sogenanntenHighland Clearances aus ihrer Heimat vertrieben oder deportiert wurden. Ihre Nachfahren prägen die Insel und ihre Kultur bis heute. Ihregälische Sprache war über viele Jahrzehnte die wichtigste Umgangssprache auf der Insel, ist heute aber bis auf wenige Überreste beinahe vollständig erloschen. Ein Community College nahe der Stadt Ingonish amCabot Trail jedoch lehrt diese Sprache bis heute. Weitere Einwanderer stammten aus denUSA (von dort vertriebeneLoyalisten),Irland,Italien und Osteuropa. Siedlungsschwerpunkt war der wirtschaftlich am stärksten entwickelte Ostteil der Insel um Sydney. Heute ist Englisch die am häufigsten gesprochene Sprache, doch leben auch Französisch, Gälisch und die Sprache der Mi’kmaq weiter.
Seit 1955 ist die Kap-Breton-Insel durch denCanso Causeway, einen Damm, mit dem Festland verbunden. Der Haupthafen ist traditionellSydney an der Ostküste. Die großen Fähren vonNeufundland laufenNorth Sydney an, weitere Häfen liegen inPoint Edward undPort Hawkesbury. Per Eisenbahn kann die Insel über den Canso Causeway erreicht werden, die wichtigsten Straßen sind derTrans-Canada Highway und derCabot Trail. Wirtschaftlich lebte die Insel lange Zeit vom Kohlebergbau und der Stahlherstellung, beide Industrien sind jedoch abgängig. Zunehmendes Gewicht bekamen in den vergangenen Jahrzehnten dafür der Tourismus und die Musikindustrie.
Dem aus Edinburgh (Schottland) stammenden Erfinder des TelefonsAlexander Graham Bell wurde in der StadtBaddeck ein Museum errichtet, das sehr genaue Einblicke in sein persönliches Leben und seine zahlreichen Erfindungen gibt. Bell hat einen Großteil seines Lebens in Baddeck verbracht und viele seiner Erfindungen sind hier entstanden. Es zählt zu den meistbesuchten Museen auf der Insel.
Das MagazinSpiegel berichtete im Juli 2020, dass sich einige hundert deutsche Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker auf der abgeschiedenen und naturbelassenen Insel angesiedelt hätten. Dabei seienFrank Eckhardt, die ehemaligeTagesschau-SprecherinEva Herman und ihr Lebenspartner, Andreas Popp, führend.[3][4] Auf dem dortigen Seminargelände „Wissensmanufaktur“ würde dafür geworben.[5] Herman und Popp bestreiten ihre Beteiligung an dem Projekt[6] und erklärten, mit Frank Eckhardt nichts zu tun zu haben.[7]
Auch Bewohner der Provinz Nova Scotia, vom „Spiegel“-Bericht in Alarmstimmung versetzt,[8] und der damalige PremierministerJustin Trudeau distanzierten sich von dem Projekt.[5]
↑Ken Donovan:Precontact and Settlement: Ingonish and Northern Cape Breton From the Paleo Indians to the 18th century. The Nashwaak Review, St. Thomas University, Fredericton, vols. 22–23 (Frühling-Sommer 2009), 330–387, S. 331
↑Ken Donovan:Precontact and Settlement: Ingonish and Northern Cape Breton From the Paleo Indians to the 18th century. The Nashwaak Review, St. Thomas University, Fredericton, vols. 22–23 (Frühling-Sommer 2009), 330–387, S. 337