Movatterモバイル変換


[0]ホーム

URL:


Zum Inhalt springen
WikipediaDie freie Enzyklopädie
Suche

Kaliumchlorid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kristallstruktur
Struktur von Kaliumchlorid
_ K+0_ Cl
Kristallsystem

kubisch

Raumgruppe

Fm3m (Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225

Koordinationszahlen

K[6], Cl[6]

Allgemeines
NameKaliumchlorid
Andere Namen
  • Sylvin (Mineral)
  • Chlorkalium (hist.)
  • Digestivsalz (hist.)
  • Kalium chloratum (latinisiert)
  • MOP
  • E 508[1]
  • POTASSIUM CHLORIDE (INCI)[2]
VerhältnisformelKCl
Kurzbeschreibung

farb- und geruchloser,hygroskopischer Feststoff[3]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer7447-40-7
EG-Nummer231-211-8
ECHA-InfoCard100.028.374
PubChem4873
ChemSpider4707
DrugBankDB00761
WikidataQ184630
Arzneistoffangaben
ATC-Code
Eigenschaften
Molare Masse74,55 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,98 g·cm−3[3]

Schmelzpunkt

773°C[4]

Siedepunkt

1413 °C[3]

Dampfdruck

10Pa (700 °C)[3]

Löslichkeit
Brechungsindex

1,4902[6]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von derKennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]
keine GHS-Piktogramme

H- und P-SätzeH:keine H-Sätze
P:keine P-Sätze
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex:Na-D-Linie, 20 °C

Kaliumchlorid (KCl), dasKaliumsalz derSalzsäure, bildet farblose, salzig-bitter schmeckende, wasserlöslicheKristalle mit einemSchmelzpunkt von 773 °C[4] und einerDichte von 1,98 g/cm3. Es löst sich bei 20 °C zu 347 g·l−1 in Wasser.[3]AlsMineral heißt esSylvin.

Vorkommen

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Weltweit gibt es zahlreiche kaliumchloridhaltige Salzvorkommen. Von herausragender Bedeutung sind die Vorkommen inKanada, in derGUS undDeutschland. Daneben wurde in den 2000er- und 2010er-Jahren das über 240 Millionen Tonnen große Vorkommen in derWüste Lop Nor im Seebecken vonLop Nor inChina mit der weltgrößten Produktionsstätte für 3 Millionen TonnenDünger erschlossen. Die Verantwortung trägt ein Tochter-Unternehmen der großen staatlichen Investmentholding SDIC namensSDIC Xinjiang Lop Nor Potash (im LogoSDIC Xinjiang Luobupo Potash geschrieben). Seit 2008 ist die Produktion in Betrieb. In der Folge wurde in umfangreiche Erweiterungsprojekte investiert.[7]

In der Natur kommt Kaliumchlorid alsSylvin (Sylvit) vor. Weitere weit verbreitete kalium- und chloridhaltigeMinerale und Gesteine sindCarnallit – KCl · MgCl2 · 6 H2O,Kainit – KCl · MgSO4 · 3 H2O undSylvinit – KCl · NaCl.

Eigenschaften

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Kaliumchlorid ist einhygroskopischer, kristalliner, farb- und geruchloser Feststoff, der leicht löslich in Wasser ist.[3] Je nach Konzentration schmeckt die Verbindung süß (0,009 molare Konzentration), über bitter (0,03) und bitter salzig (0,1) bis salzig, bitter, sauer (0,2–0,5).[8] Die Verbindung besitzt einekubischeKristallstruktur mit derRaumgruppeFm3m (Raumgruppen-Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225.[9] Bei hohen Drücken geht diese in eineCaesiumchloridstruktur über.[10]Hydrate sind von Kaliumchlorid nicht bekannt.[11]

Kaliumchlorid

Gewinnung

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
Werk in derWüste Lop Nor zur Herstellung von jährlich 1,2 Millionen TonnenKaliumcarbonat-Dünger aus sylvinitischem Kalisalz (Satellitenbild von 2009)

Das Verfahren des Auskristallisierens des schwerer löslichen Kaliumchlorids beimEindampfen von konzentriertenwässrigen Lösungen von Carnallit (KMgCl3 · 6 H2O) hat technisch die größte Bedeutung.[12] Auch durchFlotation von kaliumchloridhaltigen Salzgemengen, zum Beispiel imKalibergbau gewonnener Rohsalze, kann Kaliumchlorid gewonnen werden.[13] Eine weitere Möglichkeit besteht im Heißlöseverfahren, welches ein selektives Herauslösen des KCl aus Salzgemengen auf Grund unterschiedlicher Temperaturabhängigkeiten der Löslichkeiten von Salzen erlaubt. Im ESTA-Verfahren gelingt die Gewinnung durch elektrostatische Trennung aus Salzgemengen. Durch Neutralisation vonSalzsäure undKalilauge gemäß der Gleichung

HCl+KOHH2O+KCl{\displaystyle {\ce {HCl + KOH -> H2O + KCl}}}

gelingt die Darstellung.

Verwendung

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Kaliumchlorid wird in der Lebensmitteltechnik alsFestigungsmittel undGeschmacksverstärker eingesetzt. Es ist in derEU alsLebensmittelzusatzstoff der NummerE 508 ohne Höchstmengenbeschränkung (quantum satis) für alle für Zusatzstoffe zugelassenen Lebensmittel erlaubt.[14] Zudem findet es Verwendung als Bestandteil künstlicherSpeisesalze, z. B.Pansalz, zur Einsparung bzw. Ersatz vonNatriumchlorid (Kochsalz). Hierbei legen Studien nahe, dass der 25%ige Ersatz von Natrium- durch Kaliumchlorid das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie die Gesamtsterberate senkt.[15]

Kaliumchlorid wird großtechnisch zur Herstellung vonKalidünger genutzt.[16] Des Weiteren ist Kaliumchlorid der Rohstoff für die Herstellung fast aller technisch genutzten Kaliumverbindungen wie beispielsweiseKaliumcarbonat,Kaliumhydroxid und auch der LegierungNaK.

Die Stahlindustrie nutzt Kaliumchlorid alsHärtesalz, inEmaille-Suspensionen dient es als Schwebemittel.[17] In der Erdölindustrie dient es zur Stimulation von Lagerstätten. AlsStreusalz ist es wegen der tieferen Schmelztemperatur einer Kaliumchlorid-Wasser-Mischung auch bei Temperaturen unter −10 °C wirtschaftlich einsetzbar.[17]

Kaliumchlorid ist ein Bestandteil künstlich hergestellter isotonischer Lösungen, einer Lösung mit gleichem osmotischem Druck wie das menschliche Blut (vergleicheRingerlösung). Auch in schmerzhemmenden Zahncremes für schmerzempfindliche Zähne ist es enthalten. Im Labor wird es zu Elektrolyt- und Aufbewahrungslösung fürpH-Messelektroden und Redox-Elektroden (annähernd gesättigt mit 3mol/l KCl-Lösung) genutzt.[17] Durch die gleiche Ionenbeweglichkeit von Kalium- und Chloridionen ist diese Lösung potentialneutral. Es dient auch als Kalibrierstandard fürBetastrahlung. Kalium enthält zu 0,0118 % das Isotop40K, dieses liefert 16350 Bq pro Kilogramm KCl, davon sind 89,28 % Betastrahlung und 10,72 % Gammastrahlung mit 1,46083 MeV.

BeimHydraulic Fracturing wird es als Tonstabilisator meistens mit Wasser, Sand und anderen Chemikalien in die Erde gepumpt, um die Gesteinsschichten aufzubrechen.

Toxikologie und Forensik

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

DieInjektion von hohen Dosen Kaliumchlorid kann zumHerzstillstand durchHyperkaliämie führen. Das wird bei der Hinrichtung durch dieGiftspritze und zur Verhinderung von Lebendgeburten bei spätenSchwangerschaftsabbrüchen[18] genutzt. Verwendet wird es ebenfalls fürkardioplegische Lösungen (Blutkardioplegie nach Calafiore) zum Einleiten des Herzstillstands bei Operationen mit Herz-Lungen-Maschinen.

Rechtsmedizinisch kann eineVergiftung mit Kaliumchlorid nur schwer nachgewiesen werden. Der natürliche Spiegel steigt nach dem Tod durch Zellzerfall und damit Übertritt desintrazellulären Kaliums in alle anderenKompartimente schnell an. Gelingt der Nachweis einer Vergiftung, muss einärztlicherBehandlungsfehler durch

von der bewussten Verabreichung abgegrenzt werden.[19]

Nachweis

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Der klassische Nachweis desCl-Ions gelingt durchFällung mit Ag+, Pb2+ oder Hg22+ alsSilberchlorid AgCl,Blei(II)-chlorid PbCl2 sowie alsQuecksilber(I)-chlorid Hg2Cl2. Der Nachweis desK+-Ions ist über die violetteFlammenfärbung beziehungsweise Fällung alsKaliumperchlorat (KClO4) möglich. MitNatriumtetraphenylborat kann ebenfalls ein schwerlösliches Kaliumsalz gefällt werden.

Spektroskopisch gelingt der Nachweis der Elemente zum Beispiel mittelsAtomabsorptionsspektroskopie.

Weblinks

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
Commons: Kaliumchlorid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kaliumchlorid – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
  1. Eintrag zuE 508: Potassium chloride in der Europäischen Datenbank für Lebensmittelzusatzstoffe, abgerufen am 1. Juli 2020.
  2. Eintrag zuPOTASSIUM CHLORIDE in derCosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 26. Februar 2020.
  3. abcdefghijklEintrag zuKaliumchlorid in derGESTIS-Stoffdatenbank desIFA, abgerufen am 19. Dezember 2019. (JavaScript erforderlich)
  4. abThe Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station, NJ, USA, 2006;ISBN 978-0-911910-00-1.
  5. Eintrag zuKaliumchlorid. In:Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 13. März 2012.
  6. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Index of Refraction of Inorganic Crystals, S. 10-246.
  7. World's largest potash fertilizer project operational in China
  8. Horst Ahlers, Renate Reisch, Lei Wang:Elektronisch riechen, schmecken etc. Elektronische Sinnessensorik für Lebensmittel, Medizin, Umwelt und Technik. Beuth Verlag, 2010,ISBN 978-3-410-17387-8,S. 65 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  9. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner:Mineralogie Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. Walter de Gruyter, 2011,ISBN 978-3-11-083686-8,S. 317 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  10. Andrew J. Campbell, Dion L. Heinz:Compression of KCl in the B2 structure to 56 GPa. In:Journal of Physics and Chemistry of Solids. 52, 1991, S. 495,doi:10.1016/0022-3697(91)90181-X.
  11. Grundlagen und Hauptgruppenelemente. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2016,ISBN 978-3-11-049340-5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  12. Die Geschichte der Chemischen Fabrik Kalk GmbH.
  13. Flotationsverfahren
  14. VERORDNUNG (EU) Nr. 1130/2011 DER KOMMISSION vom 11. November 2011 zur Änderung des Anhangs III der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über Lebensmittelzusatzstoffe im Hinblick auf eine Liste der Europäischen Union der für die Verwendung in Lebensmittelzusatzstoffen, Lebensmittelenzymen, Lebensmittelaromen und Nährstoffen zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe (PDF), S. 189.
  15. Salzersatz mit Kaliumchlorid hat offenbar Vorteile für Herz und Gefäße. Abgerufen am 26. März 2023. 
  16. S.-P. Ballstaedt, P. Reinhard, M. Rentschler, E. Rottländer, A.A. Bodenstedt, D. Briesen, A. Bruckhaus, J. Büschenfeld, A. Hauptmann, D.A. Hiller:Veränderung von Böden durch anthropogene Einflüsse: Ein interdisziplinäres Studienbuch, Verlag Springer Berlin Heidelberg, 1997,ISBN 3-540-61556-3
  17. abcA. F. Holleman,E. Wiberg,N. Wiberg:Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007,ISBN 978-3-11-017770-1.
  18. Types of Abortion Procedures (Memento vom 18. April 2009 imInternet Archive), Americanpregnancy.org
  19. B. Mahfoud, et al.:Forensische Bewertung klinischer Todesfälle unter dem Verdacht iatrogener Hyperkaliämie. In:Rechtsmedizin. 13. Jahrgang,Nr. 1, 2003,S. 18–22,doi:10.1007/s00194-002-0183-1. 
Kaliumhalogenide
Normdaten (Sachbegriff):GND:4135652-4 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS) |LCCN:sh85105603
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kaliumchlorid&oldid=263595901
Kategorien:
Versteckte Kategorie:

[8]ページ先頭

©2009-2026 Movatter.jp