Kajetan Eßer, auchCajetan Eßer undKajetan Esser, geboren alsJohannes Eßer (*28. Februar1913 inHamm (Düsseldorf); †10. Juli1978 inMönchengladbach) war eindeutscherFranziskaner,Historiker undFranziskus-Forscher.
Johannes Eßer war das zweite von neun Kindern des Gemüsegärtners Wilhelm Eßer und seiner Frau Maria, geb. Weitz; die Familie lebte in Hamm am Rhein („Kappes-Hamm“), sein Vater war Vorsitzender der Kreisvereinigung der Gemüsebauern. Johannes, der seinerheinische Sprechweise zeitlebens beibehielt, besuchte nach der Volksschule zunächst dasStaatliche Hohenzollern-Gymnasium in Düsseldorf bis zur Untersekunda. 1930 wechselte er auf das Kolleg derKölnischen Franziskanerprovinz(„Colonia“) im niederländischen Exaten beiRoermond und legte dort 1933 das Abitur ab; sein Onkel, P. Titus Schwiertz († 1937) war Mitglied derColonia.
Am 8. April 1933 trat Eßer in Aachen in den Franziskanerorden ein und erhielt denOrdensnamenKajetan. In seinem Studium an der Hochschule derColonia inMönchengladbach prägten ihn besonders der Dogmatiker und Neutestamentler P.Thaddäus Soiron OFM und der Kirchenhistoriker P.Autbert Stroick OFM. Am 5. März 1939 empfing er in Aachen vonWeihbischofHermann Joseph Sträter diePriesterweihe. Nach kurzen Studienaufenthalten in Wien (1939) und Münster (1940) wurde er am 30. Mai 1940 als Sanitätssoldat zurWehrmacht einberufen. Er blieb bis 1945 Soldat, zuletzt als Sanitätsfeldwebel, war jedoch dabei auch als Seelsorger tätig. 1941 gelang es ihm, ein Urlaubssemester an der Universität Köln zu verbringen. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft kam er am 18. August 1945 nach Mönchengladbach zurück.[1]
Sofort nach der Rückkehr aus dem Krieg wurde Kajetan Eßer von Provinzialminister Cantius Stentz zum Lektor für Geschichte der Philosophie, Kirchen- und Provinzgeschichte am Studienhaus der Provinz in Mönchengladbach ernannt; gleichzeitig sollte er sein Promotionsstudium in Köln fortsetzen. Er schloss es am 1. März 1947 „mit Auszeichnung“ ab mit einer Dissertation zum Thema: „Das Testament des Heiligen Franziskus. Eine Untersuchung über seine Echtheit und seine Bedeutung“, die 1949 veröffentlicht wurde. Von 1948 bis 1953 war er neben seiner Tätigkeit an der Hochschule geistlicher Leiter derChristlichen Arbeiterjugend (CAJ) in Mönchengladbach, die ihn hierum gebeten hatte. Dieses Engagement fand seinen Niederschlag in mehreren Veröffentlichungen zur Arbeiterseelsorge. Ab 1948 wurde er auf seinen Wunsch von der Lehrtätigkeit für Ordens- und Provinzgeschichte entbunden. Neben der Geschichte der Philosophie hielt er Vorlesungen zurLiturgik, ab 1950 lehrte er stattdessen Soziologie. Er blieb mit diesen Fächern Dozent am Ordensstudium derColonia in Mönchengladbach, bis dieses 1968 zugunsten des gemeinsamen Studienangebots der deutschen Franziskanerprovinzen in München aufgehoben wurde; in den letzten drei Jahren übernahm er zusätzlich wieder die Vorlesungen zur Ordens- und Provinzgeschichte.[2]
Neben seiner Tätigkeit als Dozent wirkte er als Schwesternseelsorger und Beichtvater, vor allem bei den Benediktinerinnen derAbtei Mariendonk (1955–1970), er hielt Vorträge undExerzitien in 20 weiterenSchwesterngemeinschaften. Seine Ordensprovinz nahm ihn gleichzeitig durchgängig für Leitungsaufgaben in die Pflicht: Von 1950 bis 1953 war erDefinitor, von 1953 bis 1967Magister für Klerikerstudenten und vor allem als Novizenmeister und Magister für den Nachwuchs bei denLaienbrüdern. 1962 wurde er nach Exaten versetzt und war im dortigenKonvent bis 1965Guardian, danach bis 1967Hausvikar. Am Ende dieser Mehrfachbelastungen, die er nicht immer ohne Widerspruch hinnahm, stand 1967 eine schwere Erkrankung.[3] Auf dem Hintergrund seines Einsatzes für die Laienbrüder setzte er in den 1960er-Jahren wichtige Impulse für eine Aufhebung der ideellen und juristischen Zweiteilung des Franziskanerordens in eine Gemeinschaft aus Priestern und eine – geringerwertige – aus Laienbrüdern; Provinzial P.Michael Nordhausen (1962–1974) begann in derColonia damit, diese Standesschranken abzubauen. Ein Angebot, eine Fachgruppe „Ordensbrüder in den Priesterorden“ bei derVereinigung Deutscher Ordensoberer zu leiten, lehnte P. Cajetan wegen Arbeitsüberlastung ab.[4]
Kurz vor seiner Erkrankung konnte Kajetan Eßer in seiner Ordensprovinz erreichen, dass er von Aufgaben in der Provinz entlastet wurde und den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die franziskanische Forschung und die Erarbeitung eines franziskanischen Leitbildes für die Strukturreformen infolge desZweiten Vatikanischen Konzils legen konnte.
Bereits während seiner Studienzeit beschäftigte sich Kajetan Eßer intensiv mit umfangreicher Literatur zuFranz von Assisi, wie seine erhaltenen Notizen zeigen. 1948 schrieb er an seinen Provinzialminister P. Antonellus Engemann: „Du weißt, die entscheidende Aufgabe meines Lebens ist und bleibt der Dienst dafür, dass Person und Gestalt unseres hl. Vaters Franziskus uns immer mehr bekannt werden, damit wir seine Ideale in unserer Zeit entsprechend verwirklichen können.“ Die Liste seiner Veröffentlichungen weist nach seiner Dissertation 56 Monographien in verschiedenen Sprachen und 223 Artikel in Zeitschriften und Sammelwerken auf.[5]
Die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte Kajetan Eßer im franziskanischenIstituto S. Bonaventura inGrottaferrata in der Nähe von Rom, nachdem die Leitung des Franziskanerordens auf ihn aufmerksam geworden war. Einer Einladung zum Generalkapitel des Ordens 1967 konnte er wegen seiner Erkrankung nicht Folge leisten. Er widmete sich jetzt einer kritischen Ausgabe derOpuscula (verschiedene kleinere Texte desFranz von Assisi, erschienen 1976) sowie Arbeiten zur Ordensgeschichte. 1973 wurde er zum außerordentlichen Professor, 1975 zum Professor ernannt. Wegen seiner begrenzten Italienisch-Kenntnisse ließ er seine Vorlesungsmanusktripte von Mitbrüdern übersetzen und las sie vor. Für seinen Orden arbeitete er in einer Expertenkommission derReligiosenkongregation und war auch in Fragen einer nachkonziliaren Neuausrichtung derOrden in der Kirche für die Kongregation tätig. Er regte an, die Begründung derGelübde stärker an den Aussagen desNeuen Testaments zu denCharismen auszurichten und das Ordensleben weniger aufgabenorientiert-funktional und mehr als Lebensform zu verstehen, geprägt nicht mehr von mittelalterlichem Feudaldenken, sondern stärker von einer „urchristlichen Fraternitas“.[6]
Kajetan Eßer kehrte Ende 1977 nach Deutschland zurück. Seiner Gesundheit verschlechterte sich, er litt an einer Wirbelsäulenverkrümmung, und er starb am 10. Juli 1978 in Mönchengladbach.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Eßer, Kajetan |
| ALTERNATIVNAMEN | Eßer, Cajetan; Esser, Kajetan; Eßer, Johannes (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Franziskaner, Historiker und Franziskus-Forscher |
| GEBURTSDATUM | 28. Februar 1913 |
| GEBURTSORT | Hamm (Düsseldorf) |
| STERBEDATUM | 10. Juli 1978 |
| STERBEORT | Mönchengladbach |