KZ Herzogenbusch im Süden derNiederlande |

DasKonzentrationslager Herzogenbusch (niederländischKamp Vught) war eines der fünfdeutschen Konzentrationslager in denNiederlanden imZweiten Weltkrieg. Nach der Befreiung wurde es von denAlliierten als Internierungslager für evakuierte Deutsche benutzt.Vught ist ein Ort bei’s-Hertogenbosch.
1942 wurde mit dem Bau des Lagers begonnen. Es wurde nach dem Vorbild vonKonzentrationslagern imDeutschen Reich angelegt und war eines der drei westlich des Reiches angelegten offiziellen Konzentrationslager. Die anderen waren dasKZ Natzweiler-Struthof im Elsass (Frankreich) und dasKZ Breendonk inBelgien. Die Kosten von 15 MillionenGulden wurden hauptsächlich ausbeschlagnahmtem jüdischem Vermögen bezahlt. Das KZ war einen Kilometer lang und 350 m breit. Die ersten Häftlinge kamen aus demDurchgangslager Amersfoort und mussten das Lager selbst bauen.
Das KZ wurde am 5. Januar 1943 eröffnet; stand unter direkter Aufsicht desSS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA). Kommandant war SS-UntersturmführerKarl Chmielewski.
Insgesamt wurden etwa 31.000 Männer, Frauen und Kinder in diesem KZ interniert, unter ihnen 12.000Juden, Angehörige derRoma-Minderheit, politische Häftlinge,Zeugen Jehovas, Widerstandskämpfer,Homosexuelle und als„asozial“ Etikettierte. Die Häftlinge leistetenZwangsarbeit an den Befestigungsbauten außerhalb des Lagers und in Produktionsstätten der FirmaPhilips.[1] Die Philips-Betriebsleiter zögerten lange mit der Zusammenarbeit und waren erfolgreich bei der Verbesserung der Arbeitsumstände. Die Häftlinge stellten Kleidung und Pelzwaren her.
In das KZ integriert waren jeweils ein:
Am 6. und 7. Juni 1943 wurde bekannt gemacht, dass alle jüdischen Kinder das KZ verlassen müssen und in ein spezielles Kinderlager kämen, aber sie wurden in dasDurchgangslager Westerbork gebracht. Von dort wurden sie in dasVernichtungslager Sobibor (Polen), deportiert und ermordet. Im KZ Herzogenbusch steht ein Denkmal mit den Namen von 1269 ermordeten jüdischen Kindern und Jugendlichen.
In einer der Frauenbaracken gab es eineDenunziantin, die Inhalte der Gespräche an die Lagerkommandantur meldete und dafür Hafterleichterung bekam. Eines Tages flog sie auf, und die 89 Frauen der Baracke beschlossen, der Verräterin die Haare abzuschneiden. Am nächsten Tag beschwerte sich die Verräterin bei der Lagerkommandantur über das Vorgehen, woraufhin die Frau, die der Verräterin die Haare abgeschnitten hatte, in Einzelhaft gesteckt wurde. Dagegen wiederum protestierten die übrigen 88 Frauen, denn es sei nicht rechtens, diese eine zu bestrafen, wo sie doch gemeinsam die Entscheidung getroffen hatten. Daraufhin beschloss der seit Oktober 1943 befehlshabende LagerkommandantSS-HauptsturmführerAdam Grünewald, die Frauen in einer einzigen Zelle (Zelle 115) zusammenzupferchen. Am 15. Januar 1944 pressten SS-Männer, unter ihnen der erwähnte Lagerkommandant, dessen AdjutantWicklein undSchutzhaftlagerführerArnold Strippel 74 Insassinnen in eine 9,5 m² große Zelle, wobei die letzten schon mit brachialer Gewalt hinein gestopft wurden. Die restlichen 15 Frauen wurden in eine zweite Zelle gesperrt, mit gleicher Grundfläche. Beide Räume hatten keineVentilation. Bis zum Morgen des 16., als die Zellentür 115 geöffnet wurde, waren zehn erstickt. Im Mai 2009 lebten noch zwei der 74 Frauen aus Zelle 115 und sie sowie ihre Kinder berichten bei Besuchen im ehemaligen KZ, dass sie diese Nacht nicht vergessen können und bis heute darunter leiden.
Da dieser Vorfall in der niederländischen Öffentlichkeit zu erheblichem Aufruhr führte, wurden Grünewald und Wicklein vor das SS- und Polizeigericht inDen Haag gestellt. Wegen Misshandlung Untergebener wurde Grünewald Anfang März zu dreieinhalb Jahren und Wicklein wegen Begünstigung seines Vorgesetzten in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung von zehn Frauen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.Reichsführer SSHeinrich Himmler begnadigte die beiden Verurteilten.[2] Grünewald wurde degradiert und an dieOstfront versetzt. Wicklein wurde, wahrscheinlich zur Bewährung, als Lagerleiter in dasKZ-Außenlager Porta Westfalica versetzt, einesAußenlagers desKZ Neuengamme. Ab Oktober 1944, nachdem einige Neuengammer Außenlager zu Stützpunkten zusammengefasst worden waren, fungierte er als Leiter des Stützpunktes Porta und leitete die AußenlagerBarkhausen,Hausberge und Lerbeck/Neesen bis zum April 1945.[3] NachKriegsende geriet Wicklein in englische Kriegsgefangenschaft, aus der ihm im September 1945 die Flucht gelang. Später soll Wicklein in Oberhausen gewohnt haben. Sein weiterer Lebensweg ist unbekannt.
Sein Nachfolger in Herzogenbusch wurde im Februar 1944SS-SturmbannführerHans Hüttig. Hüttig ließ von Juli bis zur Evakuierung des Lagers im September 1944 weitere 329 Häftlinge ermorden.
Am 5. und 6. September 1944 wurde das Lager vor den heranrückenden westalliierten Armeen evakuiert; die Häftlinge wurden in dasKZ Sachsenhausen deportiert. Die Deutschen übergaben das Lager am 22. September 1944 an dasRote Kreuz. Es wurde von derkanadischen 4. Panzerdivision erst am 27. Oktober befreit.
Im KZ Herzogenbusch starben nach Angaben der Gedenkstätte über 750 Häftlinge an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen, bei Erhängungen am Galgen oder durch die Erschießungskommandos auf dem Hinrichtungsplatz. Im KZ Herzogenbusch fand keineMassenvernichtung statt, anders als in den osteuropäischenKonzentrationslagern undVernichtungslagern.
Zum Stammlager Herzogenbusch gehörten zeitweise bis zu 14 Außenlager:[4]
Schon kurz nach der Befreiung des Konzentrationslagers wurde es von den Alliierten alsInternierungslager genutzt. In den zugehörigen Gemeinden, die zu den ersten besetzten deutschen Gebieten gehörten, stand der Frontverlauf von September 1944 bis zum Januar 1945 still. Deshalb wurde die Bevölkerung aus den GemeindenGangelt undSelfkant nach Vught evakuiert, da man deutsche Kollaborateure fürchtete. Diese Maßnahme war wohl einmalig im Verlauf der Besetzung Deutschlands und wurde aufgrund negativer Erfahrungen nicht wiederholt.
Ab Mitte November wurden 6000 bis 7000 Deutsche in das Lager Vught gebracht. Zur gleichen Zeit wurden dort noch 3000 niederländischeKollaborateure festgehalten. Lagerkommandant war der kanadische Colonel Price, während die Wachmannschaften aus Niederländern rekrutiert wurden und die Oberleitung die britischen Truppen hatten. Lagerleiter auf deutscher Seite wurde Dechant Franzen. Dieses Kompetenzwirrwarr wirkte sich negativ auf die Leitung des Lagers aus.
In den 35 Baracken, die 85 m lang und 12,87 m breit waren, wurden jeweils 140 bis 190 Menschen untergebracht. Die Hygiene war katastrophal, z. B. erhielten die Frauen erst Ende Januar Sanitärtücher.Diphtherie,Ruhr undTyphus brachen aus, die Sterblichkeitsrate stieg. Zur Ernährung erhielten die Evakuierten pro Tag einen halben Liter Suppe und einige Kekse, im Winter sogar noch drastisch weniger. Babynahrung gab es keine. Hauptursache war wohl die Inkompetenz der Führung und das Fehlen funktionierender Behörden in den soeben befreiten Niederlanden. Obwohl die Front schon im Januar 1945 weiterzog, wurde die Bevölkerung bis Ende Mai im Lager festgehalten.
Während desIndonesischen Unabhängigkeitskrieges hatten zahlreiche molukkische Soldaten in derKöniglich Niederländisch-Indischen Legion (KNIL) gekämpft. Nach dem Sieg der Indonesier im Jahre 1949 galten sie als Kollaborateure und mussten deshalb zum Schutz vor Racheakten samt ihren Familien aus dem einstigenNiederländisch-Indien in die Niederlande evakuiert werden. Ein Großteil der demobilisierten molukkischen KNIL-Angehörigen wurde im Kamp Vught und imLager Schattenberg untergebracht.[5]
Heute befindet sich auf dem Gelände neben dem „Nationaal Monument“ Kamp Vught einGefängnis (mit einer Sonderabteilung fürTerroristen und sonstige als sehr gefährlich eingestufte Verurteilte), eineMolukken-Siedlung („Lunetten“) und zweiKasernen.
Auf dem Gelände des ehemaligen KZ Herzogenbusch befindet sich heute eine Gedenkstätte mit festen und wechselnden Ausstellungen.[6]
Der Rundgang durch die Gedenkstätte beginnt mit der Ausstellung von Alltagsgegenständen, Kleidung, selbst gefertigtem Schmuck sowie Briefen der Häftlinge. In einer restaurierten Barackenhälfte (Baracke 1B, in Baracke 1A ist heute eine molukkische Kirche untergebracht) wird u. a. die Geschichte des Lagers nach der Befreiung 1944 dargestellt: Vught als Internierungslager für Deutsche, Deutsch-Niederländer, Mitglieder derNationaal-Socialistische Beweging in Nederland (NSB) undKollaborateure sowie als Unterkunft für ehemalige KNIL-Soldaten und ihre Familien.
Der zweite Teil des Rundgangs im Außengelände führt zu einer Miniatur des Lagers ausNaturstein, einer nachgebauten Baracke, welche die Lebensumstände der Häftlinge anschaulich verdeutlicht, zum Denkmal für diedeportierten Kinder und Jugendlichen sowie in dasKrematorium mit Sezierraum, Galgenraum und der berüchtigten Zelle 115.
Der dritte Abschnitt innerhalb des Gedenkstättengebäudes führt zur „Wand der Gedanken“, an die Besucher ihre Gedanken, auf Zettel geschrieben, an der Wand befestigen können. Außerdem befindet sich in diesem Abschnitt der „Raum der Besinnung“: 750 weiße Täfelchen mit den Namen der im KZ gestorbenen und hingerichteten Häftlinge sind an den Wänden angebracht. Die jüngsten Opfer sind nur wenige Monate alt geworden. Zum Schluss des Rundgangs werden kurz einige andere Konzentrationslager vorgestellt, die mit dem KZ Herzogenbusch in Zusammenhang standen.
51.6658333333335.2566666666667Koordinaten:51° 39′ 57″ N,5° 15′ 24″ O