Als Entstehungsmoment des Königreiches Polen gilt entweder die Standeserhebung des polnischen HerzogsBolesław I. zum „Bruder und Helfer des Römischen Reichs“ durch KaiserOtto III. im Jahr 1000[1] oder die Selbstkrönung Bolesławs I. im Jahr 1025 zumKönig von Polen kurz vor seinem Tod. Das später erweitertePolnisch-Litauische Reich endete 1795 mit der von Russland, Österreich und Preußen erzwungenenDritten Teilung Polens und der Abdankung KönigStanisław August Poniatowskis.
Das Denkmal zum 400-jährigen Jubiläum der Union von Krewo in Krakau zeigt Königin Hedwig und Großfürst Jogaila, der nach seiner Taufe und Krönung das litauische Kernland[2] christianisieren ließ.
Das Königreich Polen wurde in den Jahren 1000 bis 1572 von folgenden Dynastien regiert, die den Anspruch erhoben, Herrscher (Könige) von Polen zu sein:
Nach dem Untergang der kurzlebigen Rzeczpospolita 1795 fielen die Länder der polnisch-litauischen Krone anRussland,Österreich undPreußen. Nach demWiener Kongress (1815) wurde auf dem Gebiet des vonNapoleon 1807 errichtetenHerzogtums Warschau (ohnePosen undKrakau)Kongresspolen gegründet, ein formellunabhängiges Königreich auf der Basis einerkonstitutionellen Monarchie, das in Personalunion mit dem Russischen Kaiserreich verbunden sein sollte. Doch die Vereinbarungen wurden von Russland konsequent missachtet und die vereinbarten Souveränitätsrechte nicht vollständig gewährt. Nach dem gescheitertenNovemberaufstand (1830–1831) wurde die bestehende polnische Verwaltung undAutonomie unter Bruch der Wiener Kongressakte 1832 durch das „Organische Statut“ liquidiert und das Gebiet Kongresspolens in den folgenden Jahrzehnten sukzessive als Provinz „Weichselland“ dem Russischen Reich administrativ einverleibt.
Im Verlauf desErsten Weltkrieges proklamierten dieMittelmächte 1916 das „Polnische Königreich“ („Królestwo Polskie“). Dies war aber eher eine gegen Russland gerichtete Maßnahme als eine Anerkennung des Rechts der Polen auf Eigenstaatlichkeit. Dieses Königreich existierte formell bis 1918. Zur Unterstreichung der Staatlichkeit wurden auch Münzen ausgegeben.
Der erste König von Polen: Bolesław Chrobry. Im Jahre 1000 durch Kaiser Otto III. zum König von Polen erhoben (König Bolesław abgebildet mit Königskrone auf derGnesener Bronzetür, 12. Jahrhundert).
Wenzel, König von Böhmen und Polen, leitete ab den 1290ern die kurze böhmische Episode in Polen ein (König Wenzel abgebildet mit böhmischer und polnischer Krone im Chronicon Aulae Regiae 14. Jahrhundert).
Jogaila, Großfürst von Litauen, begründete mit der Übernahme der polnischen Königswürde als Władysław II. Jagiełło die lange Verbindung Polens zu Litauen (Porträt aus dem 15. Jahrhundert).
Der erste 1573 freigewählte König Polen-Litauens, der französische Prinz Heinrich von Valois. (Porträt aus dem 16. Jahrhundert).
Der letzte König Polens, Stanisław August Poniatowski, dankte 1795 auf Druck der drei Teilungsmächte Preußen, Österreich und Russland ab. (Porträt aus dem 18. Jahrhundert).
Das Königreich Polen in den Grenzen von 1020 unter den Piasten.
Das Königreich Polen (bezeichnet alsR. Poloniae) südlich des Herzogtums Pommern (bezeichnet alsD. Pomeraniæ) und südwestlich von Preußen (bezeichnet alsPruzzia) auf einer Landkarte westslawischer Völker und Reiche (gelb umrandet) bis 1125. Preußen war kein slawisches Land.
Das Königreich Polen unter König Wenzel (I.) Rot: direkte Herrschaft als Landesherr (vertreten durch „Capitanei“). Blau: Piastische Teilherrschaften, die seine Suzeränität anerkannten. Grau, Grün und Violett: Piastische Teilherrschaften, die ihn 1301 noch nicht als Suzerän und König von Polen anerkannten.
Das Königreich Polen im 15. Jahrhundert unter der Herrschaft der Jagiellonen, die auch das Großfürstentum Litauen, sowie die Königreiche Böhmen, Kroatien und Ungarn beherrschten.
Die Aristokratische Republik Polen-Litauen um 1619, inklusive der von ihr abhängigen Gebiete: die Herzogtümer Preußen, Kurland und Livland.
Die Aristokratische Republik Polen-Litauen im 18. Jahrhundert (englische Karte)
Hans-Jürgen Bömelburg (Hrsg.):Polen in der europäischen Geschichte. Frühe Neuzeit 16. bis 18. Jahrhundert. Band 2. Hiersemann, Stuttgart 2017 (PDF).
Norbert Kersken, Przemysław Wiszewski:Neue Nachbarn in der Mitte Europas: Polen und das Reich im Mittelalter. WBG Deutsch-polnische Geschichte. Band 1. WBG, Darmstadt 2020,ISBN 978-3-534-24762-2.
Hans-Jürgen Bömelburg, Edmund Kizik:Altes Reich und alte Republik: deutsch-polnische Beziehungen und Verflechtungen 1500-1806. WBG Deutsch-Polnische Geschichte. Band 2. WBG, Darmstadt 2014,ISBN 978-3-534-24763-9.
↑Johannes Fried:Otto III. und Bolesław Chrobry. Das Widmungsbild des Aachener Evangeliars, der „Akt von Gnesen“ und das frühe polnische und ungarische Königtum. Eine Bildanalyse und ihre historischen Folgen. Stuttgart 1989,ISBN 3-515-05381-6.
↑Das damals ungefähr der heutigen Staatsfläche der modernen RepublikLitauen entsprach. Dieruthenischen Gebiete des Großfürstentums Litauen waren bereits seit dem 10. Jahrhundertchristlich-orthodox.
↑Ab 1291 (Eroberung des kleinpolnischen Herzogtums Krakau) begannen die aus dem Königreich Böhmen stammenden Přemysliden unter Herzog Wenzel II. ihre Herrschaft in das in einzelne Herzogtümer zersplitterte Königreich Polen auszuweiten. Wenzel II. krönte sich 1297 zum König von Böhmen, 1300 folgte die Krönung zum König von Polen.
↑Bis 1399 mit Hedwig von Capet-Anjou als Dynastievorsteherin, da sieim eigenen Recht ab 1384 Königin von Polen war und nicht erstdurch Heirat mit König Władysław II. Jagiełło 1386.
↑Stanislaus I. Leszczyński konkurrierte zeitlebens mit den Königen der sächsischen Wettiner.