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Junktor

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EinJunktor (vonlat.iungere „verknüpfen, verbinden“) ist einelogische Verknüpfung zwischen Aussagen innerhalb derAussagenlogik, also ein logischerOperator. Junktoren werden auch logische Verknüpfungen genannt[1] und alslogische Partikel klassifiziert.

Sprachlich wird zwischen der jeweiligen Verknüpfung selbst (zum Beispiel derKonjunktion) und dem sie bezeichnenden Wort beziehungsweise Sprachzeichen (zum Beispiel dem Wort „und“ beziehungsweise dem Zeichen „∧“) oft nicht unterschieden.

InProgrammiersprachen werden ebenfalls aussagenlogische Junktoren verwendet, die sich aber in wesentlichen Punkten von den üblichen aussagenlogischen Junktoren unterscheiden. Sie werden dort überwiegend alslogische Operatoren bezeichnet.

Übersicht der Junktoren in der Aussagenlogik

Aussagenverknüpfung

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In der (formalen)Logik bezeichnet man eine Aussage, die mit Hilfe von sprachlichen Partikeln wie „und“, „oder“, „wenn–dann“ und „es ist nicht der Fall, dass“ aus anderen Aussagen zusammengesetzt ist, alskomplexe oderzusammengesetzte Aussage, bzw. alsAussagenverknüpfung. Eine Aussage, dienicht aus anderen Aussagen zusammengesetzt ist, wirdatomare Aussage genannt.

Beispiel:Wenn Anna Urlaub hat,dann fährt sie ans Meer.

In der klassischen Aussagenlogik (vgl.klassische Logik) sind die folgenden Junktoren am gebräuchlichsten (bezogen auf zwei AussagenP{\displaystyle P} undQ{\displaystyle Q}):[2]

Extensionalität

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Man nennt einen Operatorwahrheitsfunktional oderextensional, wenn derWahrheitswert eines durch ihn gebildeten zusammengesetzten Satzes eindeutig durch die Wahrheitswerte seiner Teilsätze bestimmt ist.[3] Die Junktoren derklassischen Aussagenlogik sind in diesem Sinne extensional. Für eine genauere Definition von Extensionalität sieheExtensionalitätsprinzip.

Wahrheitstafeln

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Schema: Wahrheitstafel für einen zweistelligen Junktor einer zweiwertigen Logik
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}PQ{\displaystyle P\circ Q}
wwWHW(PQ){\displaystyle WHW(P\circ Q)},
fürWHW(P)={\displaystyle WHW(P)=}w undWHW(Q)={\displaystyle WHW(Q)=}w
wfWHW(PQ){\displaystyle WHW(P\circ Q)},
fürWHW(P)={\displaystyle WHW(P)=}w undWHW(Q)={\displaystyle WHW(Q)=}f
fwWHW(PQ){\displaystyle WHW(P\circ Q)},
fürWHW(P)={\displaystyle WHW(P)=}f undWHW(Q)={\displaystyle WHW(Q)=}w
ffWHW(PQ){\displaystyle WHW(P\circ Q)},
fürWHW(P)={\displaystyle WHW(P)=}f undWHW(Q)={\displaystyle WHW(Q)=}f
P{\displaystyle P}“ und „Q{\displaystyle Q}“ sind zwei beliebige Aussagen, „{\displaystyle \circ }“ steht für die Verknüpfung als logische Operation, „WHW{\displaystyle WHW}“ für Wahrheitswert, „w“ für den Wahrheitswert „Das Wahre“, „f“ für den Wahrheitswert „Das Falsche“.

Eine Methode, den Wahrheitswertverlauf extensionaler Junktoren in einer Logik mit endlich vielen Wahrheitswerten übersichtlich darzustellen, sind die sogenanntenWahrheitstafeln. Bei diesen wird in jeder Zeile für eine mittels des Junktors aus Einzelaussagen gebildete zusammengesetzte Gesamtaussage für jede möglicheZuordnung von Wahrheitswerten zu den Einzelaussagen der Wahrheitswert der Gesamtaussage angegeben. Für einen zweistelligen Junktor einer zweistelligen Logik könnte eine Wahrheitstafel wie in der Tabelle rechts aussehen:

Mögliche Junktoren

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Die Anzahl der Aussagen, die (beziehungsweise mit denen sich) ein Operator zu einer neuen Aussage verknüpft, nennt man seineStelligkeit: Ein einstelliger Operator verbindet sich mit einer einzigen Aussage zu einer neuen Aussage, zweistellige Junktoren verbinden sich mit zwei Aussagen zu einer neuen Aussage und so weiter. Allgemein verbindet ein n-stelliger Junktor sich mit n Aussagen zu einer neuen.

Die Stelligkeit ist nicht zu verwechseln mit der Wertigkeit, d. h. mit der Frage, wie viele Wahrheitswerte zugelassen werden (vgl.Bivalenzprinzip).

In derklassischen Logik ist der wichtigste einstellige Junktor dieNegation. Wichtige zweistellige Junktoren sind die Konjunktion und dieDisjunktion (oft werden nur diese beiden verwendet). Ebenso lassen sich klassische drei- und mehrstellige Junktoren auf Kombinationen ein- und zweistelliger Junktoren zurückführen.

Allgemein gibt es für einem{\displaystyle m}-wertige Logik, d. h. für eine Logik mit endlich vielen Wahrheitswerten, deren Anzahl m ist,mmn{\displaystyle m^{m^{n}}}n{\displaystyle n}-stellige wahrheitsfunktionale Junktoren. Für die zweiwertige Aussagenlogik gibt es also221=4{\displaystyle 2^{2^{1}}=4} einstellige Junktoren und222=16{\displaystyle 2^{2^{2}}=16} zweistellige Junktoren. Schon für die dreiwertige Aussagenlogik gibt es331=27{\displaystyle 3^{3^{1}}=27} einstellige und332=19683{\displaystyle 3^{3^{2}}=19\,683} zweistellige Junktoren.

Die sechzehn zweistelligen Junktoren der zweiwertigen Logik sind in nachfolgender Tabelle dargestellt.

Tafel der zweistelligen Junktoren einer zweiwertigen Logik
NamenWahrheitswerteSymboleFormel
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}
ww
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}
wf
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}
fw
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}
ff
Kontradiktionffff{\displaystyle \bot }P  ¬P{\displaystyle P~\land ~\neg P}
Konjunktionwfff{\displaystyle \wedge }P  Q{\displaystyle P~\land ~Q}
Postsektion, Nur Pfwff{\displaystyle \not \rightarrow },{\displaystyle \not \supset }P  ¬Q{\displaystyle P~\land ~\neg Q}
Präpendenz, Identität von Pwwff{\displaystyle \rfloor }P{\displaystyle P}
Präsektion, Nur Qffwf{\displaystyle \not \leftarrow },{\displaystyle \not \subset } ¬P  Q{\displaystyle ~\neg P~\land ~Q}
Postpendenz,Identität von Qwfwf{\displaystyle \lfloor }Q{\displaystyle Q}
Kontravalenz, ausschließende Disjunktion,XORfwwf{\displaystyle \not \leftrightarrow },{\displaystyle \not \equiv },{\displaystyle \veebar },˙{\displaystyle {\dot {\vee }}},{\displaystyle \oplus }¬(P  Q){\displaystyle \neg (P~\leftrightarrow ~Q)}
Disjunktion, Adjunktionwwwf{\displaystyle \vee }P  Q{\displaystyle P~\lor ~Q}
Peirce-Funktion, NOR, Nihilition, Rejektionfffw{\displaystyle \downarrow },¯{\displaystyle {\overline {\vee }}} ¬P  ¬Q{\displaystyle ~\neg P~\land ~\neg Q}
Bikonditional,Bijunktion, Äquivalenzwffw{\displaystyle \leftrightarrow },{\displaystyle \equiv }P  Q{\displaystyle P~\leftrightarrow ~Q}
Postnonpendenz,Negation von Qfwfw{\displaystyle \lceil }¬Q{\displaystyle \neg Q}
Replikationwwfw{\displaystyle \leftarrow },{\displaystyle \subset }P  Q{\displaystyle P~\leftarrow ~Q}
Pränonpendenz,Negation von Pffww{\displaystyle \rceil }¬P{\displaystyle \neg P}
Subjunktion,Implikation, Konditionalwfww{\displaystyle \rightarrow },{\displaystyle \supset }P  Q{\displaystyle P~\rightarrow ~Q}
Sheffer-Funktion,NAND, Exklusionfwww{\displaystyle \mid },{\displaystyle \uparrow },{\displaystyle \barwedge } ¬P  ¬Q{\displaystyle ~\neg P~\lor ~\neg Q}
Tautologiewwww{\displaystyle \top }P  ¬P{\displaystyle P~\lor ~\neg P}

Um die enge Verbindung von Aussagenlogik undMengenlehre zu betonen, können Wahrheitstafeln auchEulerdiagramm-ähnlich dargestellt werden (siehe folgende Beispiele).

w{\displaystyle \wedge }ww{\displaystyle \wedge }f
f{\displaystyle \wedge }wf{\displaystyle \wedge }f
Konjunktion
w{\displaystyle \vee }ww{\displaystyle \vee }f
f{\displaystyle \vee }wf{\displaystyle \vee }f
Disjunktion
w{\displaystyle \rightarrow }ww{\displaystyle \rightarrow }f
f{\displaystyle \rightarrow }w f{\displaystyle \rightarrow }f
Subjunktion
w{\displaystyle \leftrightarrow }ww{\displaystyle \leftrightarrow }f
f{\displaystyle \leftrightarrow }w f{\displaystyle \leftrightarrow }f
Bikonditional

Die Terme in Fettschrift sind wahr, die in Normalschrift falsch.

Reduzierbarkeit und funktionale Vollständigkeit

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Es ist möglich, einzelne Verknüpfungen durch andere auszudrücken; zum Beispiel lässt sich die KonjunktionAB{\displaystyle A\land B} durch Disjunktion und Negation als¬(¬A¬B){\displaystyle \neg (\neg A\lor \neg B)} oderKonditionalPQ{\displaystyle P\rightarrow Q} durch dieDisjunktion¬PQ{\displaystyle \neg P\vee Q} ausdrücken. Allgemein heißt eine Menge von Junktoren bezogen auf ein logisches Systemfunktional vollständig odersemantisch vollständig, wenn mit Hilfe der betroffenen Konnektive alle anderen Konnektive des logischen Systems ausgedrückt werden können. Für die klassische Aussagenlogik sind zum Beispiel die Junktorenmengen{¬,}{\displaystyle \{{\neg },{\land }\}},{¬,}{\displaystyle \{{\neg },{\lor }\}} und{¬,}{\displaystyle \{{\neg },{\rightarrow }\}} funktional vollständig. Das bedeutet, dass sich alle Junktoren der klassischen Aussagenlogik wahlweise auf Negation und Konjunktion, auf Negation und Disjunktion oder auf Negation und Konditional zurückführen lassen. Häufig verwendete Junktorenmengen sind{¬,,}{\displaystyle \{{\neg },{\land },{\lor }\}},{¬,}{\displaystyle \{{\neg },{\land }\}},{¬,}{\displaystyle \{{\neg },{\lor }\}}.

Tatsächlich ist es möglich, alle Verknüpfungen allein mit Hilfeeiner einzigen Verknüpfung darzustellen, und zwar mit der Shefferfunktion (NAND), aber auch mit der Peirce-Funktion (NOR).

Sheffer-Operatoren

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Wenn sich mit einem Junktor allein, d. h. ganz ohne Hinzunahme weiterer Junktoren alle anderen Junktoren ausdrücken lassen, dann wird dieser JunktorSheffer-Operator oderShefferfunktion (nachHenry Maurice Sheffer) genannt. Für die klassische Aussagenlogik gibt es genau zwei Sheffer-Operatoren: denShefferstrich, auch NAND genannt ({\displaystyle \uparrow } oder|{\displaystyle \vert }) und denPeirce-Operator, auch NOR genannt{\displaystyle \downarrow }.

Intensionale Operatoren

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Logische Operatoren, bei denen der Wahrheitswert eines aus ihnen gebildeten Satzes nicht eindeutig von den Wahrheitswerten ihrer Teilsätze bestimmt ist, heißenintensionale Junktoren. Intensional sind z. B. die einstelligen Modaloperatoren „es ist notwendig, dass“ und „es ist möglich, dass“ (sieheModallogik): Dass eine Aussage wahr ist, bedeutet noch nicht, dass diese Aussage auch notwendig ist. Dass eine Aussage falsch ist, bedeutet noch nicht, dass sie unmöglich ist. Wahrheitsfunktional lässt sich den Modalitäten daher wohl nicht beikommen.

Zur Interpretation intensionaler Junktoren benötigt man komplexere Modelle als die extensionalen Wahrheitstabellen. Die erste bedeutendeformale Semantik intensionaler Junktoren ist wohl die vonSaul Kripke ursprünglich zur Interpretation der Modallogik entwickelte Kripke-Semantik (sieheModallogik). Kripke-Semantik eignet sich auch zur Interpretation intuitionistischer Logik.

Wahrheitstafel für die Konjunktion
in der zweiwertigen klassischen Logik
Wahrheitstafel für dieDisjunktion
in der zweiwertigen klassischen Logik
Wahrheitstafel für die materialeImplikation
in der zweiwertigen klassischen Logik
Wahrheitstafel für den Konjunktor
in der dreiwertigen Logik Ł3
vonJan Łukasiewicz (1920)
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}PQ{\displaystyle P\land Q}
wahrwahrwahr
wahrfalschfalsch
falschwahrfalsch
falschfalschfalsch
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}PQ{\displaystyle P\lor Q}
wahrwahrwahr
wahrfalschwahr
falschwahrwahr
falschfalschfalsch
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}PQ{\displaystyle P\rightarrow Q}
wahrwahrwahr
wahrfalschfalsch
falschwahrwahr
falschfalschwahr
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}PQ{\displaystyle P\land Q}
111
1½½
100
½1½
½½½
½00
010
0½0
000
Wahrheitstafel für den Konjunktor
in der dreiwertigen Logik B3
vonDimitri Anatoljewitsch Bočvar (1938)
In derDialogischen Logik
P{\displaystyle P}Q{\displaystyle Q}PQ{\displaystyle P\land Q}
111
1½½
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000
OpponentProponent
PQ{\displaystyle P\rightarrow Q}
P?{\displaystyle P?}Die Subjunktionsbehauptung wird angegriffen nach der Subjunktionsregel: Die voranstehendeP{\displaystyle P} wird behauptet.
Q{\displaystyle Q}Als Verteidigung wird das nachstehendeQ{\displaystyle Q} genannt, dies kann durch eine Übernahme desP{\displaystyle P} der vorigen Zeile verteidigt werden. Es kann – je nach Regelsatz – auch erst die AussageP{\displaystyle P} angegriffen werden.
Wikibooks: Mathe für Nicht-Freaks: Junktor – Lern- und Lehrmaterialien
Wiktionary: Junktor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  1. Matthias Hieber:Analysis I. 1. Auflage. Springer Spektrum, Berlin 2018,ISBN 978-3-662-57537-6,S. 3. 
  2. Gerhard Schurz:Logik: Grund- und Aufbaukurs in Aussagen- und Prädikatenlogik. 2. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2020,ISBN 978-3-11-069714-8,S. 33. 
  3. Gerhard Schurz:Logik: Grund- und Aufbaukurs in Aussagen-und Prädikatenlogik. 2. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2020,ISBN 978-3-11-069714-8,S. 13. 
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