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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unterJugend (Begriffsklärung) aufgeführt.
Jugendliche in Moskau 2013
UnterJugend ist im Allgemeinen eine soziale Altersgruppe gemeint, die sich in ihrem Alter und ihrem Status in der Gesellschaft unterscheidet und in der Altersperiode zwischenKindheit und mittlerem Alter liegt. Die unteren Altersgrenzen werden zwischen 14 und 16 Jahren festgelegt, die oberen Altersgrenzen zwischen 25 und 35 Jahren und sogar später festgelegt.[1] Wegen ihrer Länge wird die Lebensphase Jugend auch in die AbschnitteAdoleszenz undPostadoleszenz untergliedert, wobei umstritten ist, wo die Grenze verläuft. In der Praxis ist dieVolljährigkeit relevant und nicht eine wissenschaftliche Abgrenzung.
Die rechtliche Einstufung alsJugendlicher ist in vielen Ländern ausgesprochen kurz (vgl. unten „Rechtliche Definitionen“, siehe auchJugendrecht).
Der englische BegriffTeenager bezieht sich auf den Bereich der englischen Zählwörter, die auf-teen enden:Thirteen,fourteen usw., also den Bereich von 13 bis 19 Jahren.
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Das ist ein extrem spannendes Thema. Gern möchte man mehr und Genaueres darüber erfahren (z.B. über die Folgen dieser Entwicklung für Psychiatrie und Gesetzgebung) und mehr darüber lesen, aber der Abschnitt gibt leider überhaupt keine Quellen an.
Der Begriff Jugend ist historisch gesehen relativ jung und wurde erst um 1800 häufiger verwandt. Der Begriff des Jugendlichen war dabei ursprünglichambivalent besetzt(Jugend ist Trunkenheit ohne Wein) und diente auch zur Distanzierung von einer Personengruppe, die als gefährdet definiert wurde. Der Begriff bezeichnete dann beispielsweise in der Jugendhilfe der 1880er Jahre eine männliche Person aus der Arbeiterklasse zwischen 13 und 18 Jahren, der Tendenzen zurVerwahrlosung, Kriminalität und eine Empfänglichkeit fürsozialistische Ideen unterstellt wurden. Erst nach 1900, im Zuge derJugendbewegung, wurde die eher negative Konnotation des Begriffs (Jugend als Gefährdung und Unreife) durch ein positives Bild ersetzt. Im Rahmennationalistischer Strömungen entstand nach demErsten Weltkrieg ein politischer Jugendmythos: Jugend als Motor der Geschichte(Wer die Jugend hat, hat die Zukunft).Das erste negative Jugendbild in derIndustriegesellschaft wirkte jedoch latent weiter und ist gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche wieder aktualisierbar, wie die Diskussion um Jugendgewalt und Jugendkriminalität in den 1990er Jahren zeigte: Jugend(liche) als Gefährdung und Bedrohung.
Jugend kann auf verschiedene Arten betrachtet werden, zum einen bezeichnet der Begriff eine Phase im Leben eines Individuums und zum anderen wird damit eine eigenständige Gruppe von Menschen erfasst. Je nach Auffassung kann man zur Eingrenzung derLebensphase heute bestimmte Alterswerte oder aber eine Definition anhand von qualitativen Merkmalen vornehmen. Gemäß dieser zweiten Möglichkeit wird als Beginn der Jugendphase meistens die körperliche Geschlechtsreife gewählt, als Ende das Erreichen von finanzieller und emotionalerAutonomie. Um diese „Statuspassage“ zu durchlaufen, sind eine Reihe von Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, die Hurrelmann und Quenzel als „bilden und qualifizieren“, „ablösen und neu binden“, „konsumieren und regenerieren“ und „Wertorientierung und Partizipation“ bezeichnen.
Es existieren verschiedene Definitionen nach Alter:
Nachdeutschem Recht istJugendlicher, wer 14 (außer imJugendarbeitsschutzgesetz, dort ab 15), aber noch nicht 18 Jahre alt ist (§ 1 Abs. 2 JGG). Im Kontext desAchten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII) ist in Deutschland Jugendlicher, „wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist“ (§ 7 Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII). EinJugendlicher gehört zu den im SGB VIII definiertenjungen Menschen, zu denen ebenfalls die jüngere Personengruppe derKinder gehört (mit Ausnahmen, „wer noch nicht 14 Jahre alt ist“) und die ältere Personengruppe derjungen Volljährigen („wer 18, aber noch nicht 27 Jahre alt ist“).Heranwachsender ist nach demJugendgerichtsgesetz jede Person, die das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hat.
Auch nach demösterreichischenJugendgerichtsgesetz ist Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. DieJugendschutzgesetze in Österreich sind Landesgesetze, und der Begriff desJugendlichen ist dort durchaus unterschiedlich verankert. Während die Bundesländer Steiermark, Kärnten, Tirol und Vorarlberg Personen bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres alsKinder und ab dem vollendeten 14. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr alsJugendliche ansprechen, kennt das Gesetz Oberösterreichs nur den BegriffJugendliche für Personen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, Wien, Niederösterreich, Burgenland verwenden dafür den Ausdruckjunge Menschen – den BegriffKind gibt es in diesen vier Bundesländern nicht. Abweichend von diesen Auffassungen, wie auch vom Bundesrecht, das beiMinderjährigen prinzipiellMündigkeit undUnmündigkeit zum Stichtag vollendetes 14. Lebensjahr sieht, setzt das Jugendschutzgesetz SalzburgsJugendliche für Personen ab dem vollendeten12. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr an, und spricht davor vonKind. Außerdem gelten – außer in Salzburg und Tirol –Zivil- undWehrdiener, außerdem zusätzlich in Vorarlberg auchVerheiratete, jeweils unter 18 Jahren als rechtlichErwachsene.[2]
Auch dasliechtensteinische Jugendgerichtsgesetz[3] und Kinder- und Jugendgesetz[4] legen fest, dass Jugendlicher ist, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist.
In derSchweiz wird der Begriff uneinheitlich verwendet: Wer noch nicht 16 Jahre alt ist, gilt nach demStrafgesetzbuch (Schweiz) als Kind;sexuelle Handlungen mit unter 16-Jährigen sind strafbar, wenn der Altersunterschied mehr als drei Jahre beträgt. Damit ist dasSchutzalter höher als in Deutschland, Österreich und Liechtenstein. Allerdings beginnt in der Schweiz die Strafmündigkeit nach Artikel 3Jugendstrafgesetz mit 10 Jahren; dieses Gesetz definiert Jugendliche als Personen, die 10, aber noch nicht 18 Jahre alt sind. BeimJugendschutz in der Schweiz bestehen Unterschiede zwischen denKantonen.
DieUN-Generalversammlung definiert Personen, die älter als 14 Jahre und jünger als 25 Jahre alt sind, als Jugendliche.[5] In dieser Kategorie soll aber zwischen denTeenagern (13 bis 19) und denjungen Erwachsenen (20–24) unterschieden werden, da die Probleme auf soziologischer, psychologischer und gesundheitlicher Ebene stark differieren. Diese Definition wurde für das Internationale Jahr der Jugend gemacht, das 1985 abgehalten wurde. Ferner bezeichnen dieVereinten Nationen Menschen zwischen zehn und 24 Jahren als ‚junge Menschen‘.
Dessen ungeachtet gilt in derUN-Konvention für die Rechte der Kinder das Wort ‚Kind‘ auch für Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres, „soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht nicht früher eintritt.“ (Art. 1)
Wissenschaftliche Definitionen:
In den „Shell-Jugendstudien“ (zuletzt „Jugend 2019“) gehen die beteiligten Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen von der Personengruppe (denKohorten) der 12- bis 25-Jährigen aus. Auch die meisten anderen wissenschaftlichen Studien sehen den Beginn der Jugend mit dem Eintreten der Pubertät und das Ende mit der Übernahme einer autonomen beruflichen und gesellschaftlichen Verantwortungsrolle (siehe die Analyse bei Hurrelmann und Quenzel).
Deutsche Altersdefinitionen bis zum 30. Geburtstag
AlleStatistiken der UNO über Jugendliche basieren auf obengenannter Definition (15–25). Laut aktuellen Schätzungen waren 1995 18 % (oder 1 Milliarde) der Weltbevölkerung Jugendliche, wovon 85 % inEntwicklungsländern leben. Die UNO hat den 12. August zum „Tag der Jugend“ ernannt.
Im Dezember 2015 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat jedoch eine Resolution, die das Wachstum radikaler Stimmungen unter Jugendlichen als Bedrohung für Stabilität und Entwicklung anerkennt (Jugendliche sind in dieser Resolution als Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren definiert). Das Dokument wurde von der jordanischen Vertreterin Dina Kawar zur Diskussion gestellt und erklärte: «Wir versuchen, die Aufmerksamkeit der Welt zu wecken, damit junge Menschen die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen, zu einer Zeit, in der die Welt zu einem Ort geworden ist, an dem es immer mehr Probleme gibt.»[7] Aber zum Beispiel definiert die afrikanische Jugendcharta als Jugendliche von Menschen im Alter von 15 bis 35 Jahren.[8]
In die Jugendzeit fallen diePubertät, das Ende derSchulzeit, der Beginn derBerufsausbildung, die Abnabelung vom Elternhaus und dieIdentitätsfindung. Deswegen wird die Jugendzeit sowohl vom Jugendlichen, der sie durchlebt, als auch von den Eltern als nicht ganz einfach angesehen. So ist sie auch Gegenstand zumal derDichtung vonVolks- undStudentenliedern bis hin zu einer eigenen Jugend-Literatur.
Jugend undKindheit sind historisch gewachsene Begriffe, die im Zusammenhang mit der jeweiligen Gesellschaftsform gesehen werden müssen. So gab es noch im 17. Jahrhundert in vielenStänden und vergleichbaren Gruppierungen jenseits der Säuglingszeit weder eine ausgeprägte Kindheit in unserem Sinn noch eine Jugend. Jedoch hatte sich im Adel und dann im Bürgertum das Muster desJünglings bzw. derJungfrau herausgebildet, im geistlichen Stand derNovize.
Jugend als eigene Lebensphase ist dann ein Produkt derModernisierung: Erst seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde Jugend als eigenständige Gruppierung mit spezifischen gemeinsamen Merkmalen zu einem gesellschaftlichen Thema und bald auch zu einem Handlungsfeld der Politik.[9] In vormodernen, agrarisch strukturierten Gesellschaften mit wenig ausgeprägterArbeitsteilung wurden die notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen von der Elterngeneration vermittelt. Durch die zunehmendeIndustrialisierung und Technisierung reichte dies aber nicht mehr aus. Vielmehr sollten die Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Schule und der Berufsausbildung erworben werden. Dies bedeutete aber eine längere Freistellung der nachwachsendenGeneration vom Arbeitsleben. Diesen Zuwachs an Freizeit nutzten die Jugendlichen zur Ausbildung einer eigenenJugendkultur. Tonangebend waren hier zunächst Jugendliche mit einem bürgerlichen Hintergrund, die sich auf Fahrten und Wanderungen durch die Natur, wie sie der 1896 gegründeteWandervogel populär machte,Distinktion vom Erwachsenenleben fanden. An diese Formen knüpften bald auch Arbeiterjugendliche an. Dieses vordergründigtouristische Verhalten der Jugendlichen wurdegesellschafts- undkulturkritisch aufgeladen. Nach demErsten Weltkrieg entwickelte sich in Deutschland eine breit gefächerte Szene von an selbstorganisierten Fahrten teilnehmenden Jugendlichen, die in so genannten Bünden organisiert waren, dieBündische Jugend. Hier fanden seit den 1920er Jahren die sich als betont junge Bewegung gerierendenNationalsozialisten und namentlich dieHitlerjugend Anknüpfungsmöglichkeiten, die die Symbolsprache und die Gemeinschaftsformen der bündischen Jugend übernahm und monopolisierte.
„Jugend“ als Chiffre für Dynamik, Neuerung und den Willen, verkrustete oder entfremdete Formen der Kultur zu überwinden, wurde schon früh auch von der älteren Generation genutzt, so etwa in der 1896 gegründeten KulturzeitschriftJugend, die dem Jugendstil ihren Namen gab. Jugend und Jugendlichkeit wurde zu einem eigenen Wert – ganz im Gegensatz zu den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg, als Berufsanfänger in ihren Zwanzigern, wieStefan Zweig beschreibt, in ihrem Habitus und in Kleidung und Haartracht versuchten, möglichst erwachsen, gesetzt und erfahren zu erscheinen.[10] Der so entstehende Jugendmythos wurde bereits in den 1930er Jahren vonJosé Ortega y Gasset kritisiert („Ein Geist allgemeiner Hanswursterei weht durch Europa“). Wegen dieser herausgehobenen Bedeutung der Jugend hat man das 20. Jahrhundert als das „Jahrhundert der Jugend“ bezeichnet.[11]
Ab den 1960er Jahren entwickelte sich Jugend dann als Folge der Bildungsexpansion, veränderter elterlicher Erziehungsziele, einer zunehmenden kulturellen Autonomie der Jugendlichen und dem Wirken einer jugendspezifischen Konsum- undUnterhaltungsindustrie zu einer relativ eigenständigen Lebensphase (siehe auch68er-Bewegung). Seit den 1970er Jahren versuchten zunehmend ältere Jahrgänge, jugendliche Moden und Lebensstile(Spontaneität) zu imitieren. DieJugendlichkeit der Haut und einjunges Aussehen hoffe man durchKosmetik- und andereLifestyle-Produkte zu erlangen.
August Aichhorn:Verwahrloste Jugend: Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung. 10 Vorträge zur ersten Einführung. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1925; 11. Auflage: Huber, Bern 2005,ISBN 3-456-84260-0.
Vera King:Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz. Individuation, Generativität und Geschlecht in modernisierten Gesellschaften, 2013 (1. Auflage 2002).
Ursula Boos-Nünning,Yasemin Karakaşoğlu:Viele Welten leben: zur Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund. Waxmann, Münster [u. a.] 2005.
Benno Hafeneger:Jugendbilder. Zwischen Hoffnung, Kontrolle und Erziehung. Leske + Budrich, Opladen 1995,ISBN 3-8100-1493-1.
Klaus Hurrelmann, Gudrun Quenzel:Lebensphase Jugend. Beltz Juventa, Weinheim 2013,ISBN 978-3-7799-2606-1.
Jörg Otto Meier:Eigentlich sind wir gut drauf. Jugendliche über Heute und Morgen, Leben und Liebe, Lust und Frust. Rowohlt, Reinbek 1999,ISBN 3-499-60777-8.
Kurt Möller:Generation Sex? Jugend zwischen Romantik, Rotlicht und Hardcore-Porno. Tilsner, 2001,ISBN 3-936068-08-9.
Jürgen Raithel:Risikoverhaltensweisen Jugendlicher, Formen, Erklärungen und Prävention. Leske + Budrich, Opladen 2004,ISBN 3-8100-2849-5;Jugendliches Risikoverhalten: eine Einführung. VS, Verl. für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004,ISBN 3-531-14366-2.
Jürgen Raithel:Stilisierung des Geschlechts Jugendlicher. Juventa 2005.
Karin Flaake,Vera King:Weibliche Adoleszenz. Campus, Frankfurt/M. 1992 (5. Auflage, Beltz 2013).
Jürgen Reulecke:Bürgerliche Sozialreformer und Arbeiterjugend im Kaiserreich. In:Archiv für Sozialgeschichte. XXII. Band. Bonn 1982, S. 299–329.
Leopold Rosenmayr:Jugendbewegung und Jugendforschung. In: Walter Rüegg (Hrsg.):Kulturkritik und Jugendkult. Frankfurt am Main 1974, S. 61–85.
Lutz Roth:Die Erfindung des Jugendlichen. Weinheim 1983.
Frank Trommler:Mission ohne Ziel. Über den Kult der Jugend im modernen Deutschland. In:Thomas Koebner, Rolf-Peter Janz, Frank Trommler:Mit uns zieht die neue Zeit. Der Mythos Jugend. Frankfurt am Main 1985, S. 14–49.
Paul Willis:Learning to labour. How working class kids get working class jobs. Saxon House 1977 (dt.:Spaß am Widerstand: Gegenkultur in der Arbeiterschule. Syndikat, Frankfurt am Main 1979).
↑Winfried Speitkamp:Jugend in der Neuzeit. Deutschland vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998,ISBN 3-525-01374-4,S.118 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).