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Joseph Roth

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Dieser Artikel beschreibt den Schriftsteller. Zu anderen Personen sieheJoseph Roth (Begriffsklärung).
Joseph Roth, 1926

MosesJoseph Roth (*2. September1894 inBrody,Ostgalizien,Österreich-Ungarn; †27. Mai1939 inParis) war einösterreichischerSchriftsteller undJournalist.

Roth stammte aus einembürgerlichen ElternhausgalizischerJuden. Während seines Studiums der Germanistik an derUniversität Lemberg und später in Wien verfasste er seine ersten literarischen Arbeiten. Roth, der amErsten Weltkrieg als Soldat teilnahm, wandte sich zum Ende seiner Militärzeit dem Journalismus zu. 1923 erreichte er eine Anstellung bei derFrankfurter Zeitung. In der WienerArbeiter-Zeitung debütierte er mit dem FeuilletonromanDas Spinnennetz. Es folgten Zeitromane wie dasHotel Savoy undDie Rebellion. Die ironisch-distanziert erzählten Tatsachenberichte warfen ein skeptisches Licht auf die Nachkriegszeit.

1930 erschien der RomanHiob, mit dem Roths zweite Schaffensphase begann. Im Gegensatz zu den früheren Romanen, die sich durch einen klaren wie zugänglichen Stil auszeichnen, stehen sich fortan die kräftige Bildlichkeit desAlten Testaments und die Drastik des Geschehens gegenüber.

In seinem 1932 erschienenen RomanRadetzkymarsch, einem Requiem auf dasHabsburgerreich, schildert er anhand des Werdegangs der Familie Trotta den ZerfallÖsterreich-Ungarns. Der historische Roman, eineelegische Wiedererweckung des Habsburgerreiches und Verfallsanalyse zugleich, gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts.

In seiner letzten Schaffensphase nahm Roth, der seit 1933 aufgrund derMachtübernahme der Nationalsozialisten im französischen Exil leben musste, mit Romanen wieBeichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht (1936) oderDas falsche Gewicht (1937) die Fabel als Grundform des Erzählens wieder auf, wie er mit dem ÖsterreichromanDie Kapuzinergruft aus dem Jahre 1938 anRadetzkymarsch anschloss.

Roth starb im Alter von 44 Jahren in Paris an seinerAlkoholkrankheit. Neben den beiden bedeutenden RomanenHiob undRadetzkymarsch sind es unter anderem die NovelleDie Legende vom heiligen Trinker und der EssayJuden auf Wanderschaft, die seinen Rang als einer der wichtigsten deutschsprachigen Erzähler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begründen.

Leben

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Herkunft

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Roth wurde imgalizischenSchtetlBrody geboren, das damals zurösterreichisch-ungarischen Monarchie gehörte. Brody war Grenzstadt zum russischenWolhynien. Seine Mutter Maria Grübel stammte aus einer in Brody ansässigen jüdischen Kaufmannsfamilie, sein Großvater handelte mit Tuch, seine fünf Onkel mit Hopfen. Roths Vater Nachum Roth stammte aus orthodox-chassidischem Umfeld. Bei der Heirat 1892 war er Getreidehändler im Auftrag einer Hamburger Firma. Als von ihm inKattowitz eingelagerte Ware veruntreut wurde, musste er zur Regelung der Angelegenheit nach Hamburg reisen. Auf der Rückreise wurde er durch sein Verhalten im Zug auffällig. Er wurde deswegen zunächst in eine Anstalt für Geisteskranke eingewiesen, dann seinenwestgalizischen Verwandten übergeben, die ihn der Obhut eines russisch-polnischenWunderrabbis überließen, an dessen Hof ihn Jahre später einer der Onkel Joseph Roths ausfindig machte. Dieser beschrieb den Vater als sehr schön, unaufhörlich lachend und völlig unzurechnungsfähig.[1]

Joseph Roth hat seine Herkunft zum Gegenstand von Verschleierung und Mystifikation gemacht. Vor allem die Person seines Vaters erschien in mehrfachen schillernden Umgestaltungen: Er sei der außereheliche Sohn eines österreichischen Offiziers, eines polnischen Grafen, eines Wiener Munitionsfabrikanten. Roth behauptete auch, in Szwaby (Schwaby), einem kleinen Dorf in der Nähe von Brody, geboren worden zu sein, dessen Einwohner mehrheitlich deutschstämmig waren, im Gegensatz zur jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Brody. Tatsächlich lag Roths Geburtshaus in einem Viertel um den Bahnhof von Brody,[2] das damals bei den Einwohnern den Beinamen „Schwabendorf“ oder „Szwaby“ hatte, weil hier die Familien ehemaliger deutscher Einwanderer wohnten.[3] Roths Geburtshaus wurde im sowjetisch-ukrainischen Krieg 1919/1920 zerstört.[4][5] Der frühe Vaterverlust und in übertragener Form der Verlust des Vaterlandes, nämlich der österreichischen Monarchie, zieht sich als roter Faden durch Roths Werk.

Kindheit und Jugend in Brody

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Roth berichtete von einer von Armut und Dürftigkeit geprägten Kindheit und Jugend. Demgegenüber weisenFotografien aus der Zeit und die Berichte seiner Verwandten zwar nicht auf Wohlhabenheit, aber auf durchaus bürgerliche Lebensumstände hin: Seine Mutter hatte ein Dienstmädchen, Joseph erhielt Violinunterricht und besuchte das Gymnasium.

In anderer als materieller Hinsicht war die Lage seiner Mutter allerdings tatsächlich prekär: Sie war nicht Witwe, da ihr Mann noch lebte bzw. als vermisst galt. Scheiden lassen konnte sie sich nicht, da dies einenScheidebrief (Get) ihres Mannes erfordert hätte, dazu jedoch hätte dieser bei Sinnen sein müssen. Außerdem galt imorthodoxen JudentumGaliziens Wahnsinn als Fluch Gottes, der auf der ganzen Familie lag und die Heiratsaussichten der Kinder deutlich verschlechterte. Deshalb wurde in der Familie über das Schicksal des Vaters geschwiegen, und man nahm lieber das Gerücht hin, Nachum Roth habe sich erhängt.

Die Mutter lebte zurückgezogen und versorgte den Haushalt des Großvaters bis zu dessen Tod im Jahre 1907. Sie konzentrierte sich auf die Erziehung des Sohnes, der abgeschlossen und behütet aufwuchs.

K.k. Kronprinz-Rudolf-Gymnasium Brody

Ab 1901 besuchte Joseph Roth die Baron-Hirsch-Schule in Brody, eine vom jüdischen Eisenbahnmagnaten und PhilanthropenMaurice de Hirsch gegründete Handelsschule, die sich, anders als dieCheder genannten orthodoxen Traditionsschulen, nicht auf den religiösen Unterricht beschränkte, sondern wo überHebräisch undThorastudium hinaus auch Deutsch, Polnisch und praktische Fächer unterrichtet wurden. Unterrichtssprache war Deutsch.

Von 1905 bis 1913 besuchte Roth dasKronprinz-Rudolf-Gymnasium in Brody. Es ist nicht ganz klar, ob das Schulgeld von 15 Gulden pro Semester (eine erhebliche Summe; in dieser Zeit war allerdings bereits dieKronenwährung eingeführt) von seinem Vormund und Onkel Siegmund Grübel bezahlt wurde, ob er ein Stipendium hatte oder ihm das Schulgeld erlassen wurde. Er war ein guter Schüler. Das Gymnasium hielt für schon bestehende Klassen bis 1914 an Deutsch als Unterrichtssprache fest. Als einziger Jude seines Jahrgangs legte er 1913 dieMaturasub auspiciis Imperatoris ab.[6] Auf seine Mitschüler wirkte er teils zurückhaltend, teils arrogant, ein Eindruck, den er auch später bei seinen Kommilitonen an der Wiener Universität hinterließ. In diese Zeit fallen seine ersten schriftstellerischen Arbeiten (Gedichte).

Studium in Lemberg und Wien

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Gedenktafel für Joseph Roth in Wien

Nach seinerMatura im Mai 1913 übersiedelte Roth nachLemberg, in die Hauptstadt Galiziens, wo er sich an derUniversität Lemberg immatrikulierte. Unterkunft fand er bei seinem Onkel Siegmund Grübel, doch scheint es zwischen dem nüchternen Kaufmann und dem angehenden Dichter bald zu Spannungen gekommen zu sein. Eine mütterliche Freundin für viele Jahre fand er in der damals 59-jährigen Helene von Szajnoda-Schenk, einer gebrechlichen, aber geistig sehr lebhaften und hochgebildeten Dame, die im Haus des Onkels eine Wohnung gemietet hatte. Auch mit seinen Cousinen Resia und Paula verband ihn bald Freundschaft.

Die Atmosphäre Lembergs war damals geprägt von sich verschärfenden Spannungen, nicht nur zwischen den Nationalitäten (an der Universität kam es zu Kämpfen zwischen polnischen undruthenischen Studenten), auch innerhalb des Judentums gärte die Auseinandersetzung zwischen Chassidismus,Haskala (Aufklärung) und der immer stärker werdendenzionistischen Bewegung. Inwieweit Roth tatsächlich in Lemberg studiert hat, ist nicht klar. Er hielt sich schon im Herbst 1913 zeitweise in Wien auf, wo er vom 2. bis 9. September 1913 amXI. Zionisten-Kongress teilnahm.

In Brody war Roths Jahrgang der letzte mit Deutsch als Unterrichtssprache gewesen, an der Universität Lemberg war seit 1871 Polnisch die Unterrichtssprache. Dass Roth seine literarische Heimat in der deutschen Literatur sah, war möglicherweise einer der Gründe, Lemberg zu verlassen und sich für das Sommersemester 1914 an derWiener Universität zu immatrikulieren.

In Wien nahm sich Roth zunächst ein kleines Zimmer im 2. Gemeindebezirk, derLeopoldstadt, wo viele Juden lebten. Im folgenden Semester bezog er mit seiner Mutter, die vor den Wirren des ausbrechenden Ersten Weltkrieges nach Wien geflohen war, eine kleine Wohnung im benachbarten20. Bezirk, Brigittenau (Wallensteinstraße 14).[7] Roth und seine Mutter, später auch die Tante Rebekka (Riebke), lebten in dieser ersten Zeit in recht dürftigen Umständen. Roth war ohne Einkünfte, seine Mutter bezog eine geringe Flüchtlingshilfe. Nach dem Beginn desErsten Weltkrieges erfolgten die Zuwendungen von Onkel Siegmund wegen derrussischen Okkupation nur sporadisch.

Roth begann das Studium derGermanistik. Er legte Wert darauf, in den Prüfungen erfolgreich abzuschneiden und von den Professoren zur Kenntnis genommen zu werden. Im Nachhinein urteilte er negativ über Studenten und Lehrer. Eine Ausnahme bildete Walther Brecht, der Ordinarius für Neuere deutsche Literatur.Heinz Kindermann, Brechts Assistent, wurde zu einer Art Rivale. In der 1916 erschienenen ersten Erzählung Roths,Der Vorzugsschüler, war Kindermann Vorbild für die HauptfigurAnton Wanzl, einen mit einigem Hass und einiger Kenntnis geschilderten Charakter.[8]

Bald besserte sich die materielle Situation. Stipendien und Hauslehrerstellen (unter anderem bei der GräfinTrautmannsdorff) erlaubten Roth die Anschaffung guter Anzüge. Mit Bügelfalte, Stock und Monokel beschrieben ihn Zeugen der Zeit als Abbild des Wiener „Gigerls“ (Dandys).

Erster Weltkrieg

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Zum wegweisenden Erlebnis wurde für Roth derErste Weltkrieg und der darauf folgende Zerfall Österreich-Ungarns. Im Gegensatz zu vielen anderen, die bei Kriegsausbruch von nationaler Begeisterung erfasst wurden, vertrat er zunächst einepazifistische Position und reagierte mit einer Art erschreckten Bedauerns. Doch im Verlauf der Zeit erschien ihm, der als kriegsuntauglich eingestuft worden war, die eigene Haltung als beschämend und peinlich: „Als der Krieg ausbrach, verlor ich meine Lektionen, allmählich, der Reihe nach. Die Rechtsanwälte rückten ein, die Frauen wurden übelgelaunt, patriotisch, zeigten eine deutliche Vorliebe für Verwundete. Ich meldete mich endlich freiwillig zum 21. Jägerbataillon.“[9]

Am 31. Mai 1916 meldete Roth sich zumMilitärdienst und begann am 28. August 1916 seine Ausbildung alsEinjährig-Freiwilliger. Er und sein FreundJózef Wittlin optierten für das 21. Feldjäger-Bataillon, dessen Einjährigen-Schule sich im3. Wiener Bezirk befand. Ursprünglich war geplant, das Studium in der Freizeit fortzusetzen.

In die Zeit der Ausbildung fiel der Tod von KaiserFranz Joseph I. am 21. November 1916. Roth stand im Spalier der Soldaten entlang des Beerdigungszuges: „Der Erschütterung, die aus der Erkenntnis kam, daß ein historischer Tag eben verging, begegnete die zwiespältige Trauer um den Untergang eines Vaterlandes, das selbst zur Opposition seine Söhne erzogen hatte.“[10] Der Tod des 86-jährigen Kaisers wird zu einem zentralen Symbol für den Untergang des Habsburgerreiches und den Verlust von Heimat und Vaterland mehrfach in Roths Werken, unter anderem in den RomanenRadetzkymarsch undDie Kapuzinergruft.

Roth wurde nach Galizien zur 32. Infanterietruppendivision versetzt. Von 1917 bis wahrscheinlich zum Kriegsende war er dem militärischen Pressedienst im Raum Lemberg zugeteilt. Roths angebliche russische Kriegsgefangenschaft ist nicht nachweisbar, mögliche Akten oder persönliche Briefe dazu sind nicht erhalten.[11]

Nach Kriegsende musste Joseph Roth sein Studium abbrechen und sich auf den Erwerb des Lebensunterhalts konzentrieren. Bei der Rückkehr nach Wien fand er zunächst Unterkunft bei Leopold Weiss, dem Schwager seines Onkels Norbert Grübel. Nach einem Aufenthalt in Brody geriet er auf dem Rückweg in die Auseinandersetzungen zwischen polnischen, tschechoslowakischen und ukrainischen Einheiten, aus denen er nur mit Mühe zurück nach Wien entkam.

Noch während seiner Militärzeit begann Roth, Berichte und Feuilletons für die ZeitschriftenDer Abend undDer Friede zu schreiben. InÖsterreichs Illustrierter Zeitung erschienen Gedichte und Prosa. Im April 1919 wurde er Redakteur bei der Wiener TageszeitungDer Neue Tag[12], die auchAlfred Polgar,Anton Kuh undEgon Erwin Kisch zu ihren Mitarbeitern zählte. In dieser Zeitung veröffentlichte er seine Artikel in der Rubrik „Wiener Symptome“ unter dem Namen „Josephus“.[13] In diesem beruflichen Umfeld gehörte es dazu, Stammgast imCafé Herrenhof zu sein, wo Roth im Herbst 1919 seine spätere Frau Friederike (Friedl) Reichler kennenlernte.

Journalist in Wien und Berlin

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Gedenktafel inBerlin-Charlottenburg,Kurfürstendamm 15

Ende April 1920 stellte derNeue Tag sein Erscheinen ein. Roth zog nach Berlin. Dort hatte er zunächst Schwierigkeiten mit seiner Aufenthaltsgenehmigung wegen der Unklarheiten und Fiktionen in seinen Dokumenten. So hatte beispielsweise ein befreundeter Pfarrer ihm einen Taufschein ausgestellt, in dem als Geburtsort Schwaben in Ungarn eingetragen war. Bald erschienen Beiträge von ihm in verschiedenen Zeitungen, darunter dieNeue Berliner Zeitung. Ab Jänner 1921 arbeitete er hauptsächlich für denBerliner Börsen-Courier.

Im Herbst 1922 kündigte er die Mitarbeit beimBörsen-Courier auf. Er schrieb: „Ich kann wahrhaftig nicht mehr die Rücksichten auf ein bürgerliches Publikum teilen und dessen Sonntagsplauderer bleiben, wenn ich nicht täglich meinen Sozialismus verleugnen will. Vielleicht wäre ich trotzdem schwach genug gewesen, für ein reicheres Gehalt meine Überzeugung zurückzudrängen, oder für eine häufigere Anerkennung meiner Arbeit.“[14] Im gleichen Jahr erkrankte Roths Mutter anGebärmutterhalskrebs und wurde in Lemberg operiert, wo sie der Sohn kurz vor ihrem Tod zum letzten Mal sah.

Ab Jänner 1923 arbeitete er als Feuilletonkorrespondent für die renommierteFrankfurter Zeitung, in der in den folgenden Jahren ein großer Teil seiner journalistischen Arbeiten erschien. Wegen derInflation in Deutschland und Österreich und der deshalb abwechselnd relativ schlechteren wirtschaftlichen Lage pendelte Roth in dieser Zeit mehrfach zwischen Wien und Berlin und schrieb außer für dieFZ auch Artikel für dieWiener Sonn- und Montags-Zeitung, dasNeue 8-Uhr-Blatt (Wien),Der Tag (Wien) und dasPrager Tagblatt sowie für den deutschsprachigenPester Lloyd in Budapest. Während dieser Zeit arbeitete er auch an seinem ersten Roman,Das Spinnennetz, der im Herbst 1923 als Fortsetzungsroman in der WienerArbeiter-Zeitung abgedruckt wurde, aber unvollendet blieb.

Sein Verhältnis zurFrankfurter Zeitung und dem damals für die Feuilletonredaktion zuständigenBenno Reifenberg blieb nicht frei von Reibungen. Roth fühlte sich nicht hinreichend geschätzt und versuchte dies durch Honorarforderungen zu kompensieren. Als er sich von der Zeitung trennen wollte, bot man ihm an, als Korrespondent in Paris weiterzuarbeiten. Roth nahm an, siedelte im Mai 1925 nach Paris über und äußerte sich in seinen ersten Briefen enthusiastisch über die Stadt. Als er ein Jahr später als Korrespondent vonFriedrich Sieburg abgelöst wurde, war er schwer enttäuscht.Sie ahnen nicht, wieviel privat und die litterarische Carriere betreffend mir zerstört wird, wenn ich Paris verlasse, schrieb er am 9. April 1926 an Reifenberg.[15]

Zum Ausgleich verlangte er, von derFZ mit großen Reisereportage-Serien beauftragt zu werden. Von August bis Dezember 1926 bereiste er daher dieSowjetunion,[16] von Mai bis Juni 1927Albanien undJugoslawien, im Herbst 1927 dasSaargebiet, von Mai bis Juli 1928 Polen und im Oktober/November 1928 Italien. Im Juni 1929 kündigte er seine Mitarbeit an derFZ auf. Dennoch schrieb Roth auf freier Basis weiterhin für dieFZ, unter anderem umfangreiche Gerichtsreportagen über denCaro-Petschek-Prozess, einen der aufwändigstenStrafprozesse in derEndphase der Weimarer Republik.[17]

Roth zeichnete parallel zu seinerFZ-Mitarbeit als „Der rote Joseph“ Beiträge für die sozialistische ZeitungVorwärts. Er pflegte in seinen Berichten und Feuilletons einen beobachtenden Stil und zog aus den wahrgenommenen Lebensfragmenten und unmittelbaren Äußerungen menschlichen Unglücks Folgerungen soziale Missstände und die politischen Verhältnisse betreffend. Freunde und Kollegen kritisierten ihn heftig, als er 1929 gegen gute Bezahlung für die nationalistischenMünchner Neuesten Nachrichten schrieb. In der Zeit vom 18. August 1929 bis zum 1. Mai 1930 verfasste er ca. 30 Beiträge für dieMünchner Neuesten Nachrichten. Sein Vertrag dort sah 2000 Mark monatlich für mindestens zwei zu liefernde Beiträge vor.[18]

Ehe

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Joseph (rechts) und Friedrike Roth (Mitte) bei einem Ausritt (1925)

Am 5. März 1922 heiratete Roth in Wien die am 12. Mai 1900 geborene Friederike (Friedl) Reichler, die er im Herbst 1919 im Literatencafé „Herrenhof“ kennengelernt hatte. Die junge Frau war Angestellte in einer Gemüse- und Obsthandelszentrale und wie er jüdisch-galizischer Herkunft. Der attraktiven und intelligenten Frau entsprach das ruhelose Leben an der Seite eines reisenden Starjournalisten nicht. Roth dagegen zeigte Symptome einer fast pathologischenEifersucht. 1926 traten erste Symptome einer geistigen Erkrankung Friedls zutage, 1928 wurde ihre Krankheit manifest. Sie wurde zunächst in der Berliner NervenheilanstaltWestend behandelt, dann wohnte sie, von einer Krankenschwester betreut, eine Zeit lang bei einem Freund ihres Mannes.

Die Krankheit seiner Frau stürzte Roth in eine tiefe Krise. Er war nicht bereit, die Unheilbarkeit der Krankheit zu akzeptieren, hoffte auf ein Wunder, gab sich die Schuld an der Erkrankung: Wahnsinn galt und gilt unter frommen Juden als Strafe Gottes. Eine mögliche Besessenheit durch einenDibbuk veranlasste ihn zu der (erfolglosen) Konsultation eineschassidischen Wunderrabbis. Während dieser Zeit begann er heftig zu trinken. Auch seine finanzielle Situation verschlechterte sich.

Als auch die Unterbringung bei Friedls Eltern keine Besserung brachte und die Kranke zunehmend in Apathie verfiel und die Nahrung verweigerte, brachte man sie am 23. September 1930 in das private Sanatorium inRekawinkel bei Wien. Sie hatte ein Körpergewicht von nur noch 32 Kilogramm. Im Dezember 1933 kam sie – auf Vermittlung vonSoma Morgenstern und dem RechtsanwaltHugo Wolf[19] – in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt„Am Steinhof“ am Rand Wiens, schließlich im Juni 1935 in dieHeil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling inNiederösterreich. Friedls Eltern wanderten 1935 nachPalästina aus. Roth beantragte die Scheidung von seiner entmündigten Frau. Am 3. Juli 1940 wurde Friedl Roth in die Tarnanstalt Niedernhart (heuteLandes-Nervenklinik Wagner-Jauregg) bei Linz verlegt, eine sogenannte Zwischenanstalt im Rahmen derAktion T4, von wo sie weiter in dieTötungsanstalt Hartheim verbracht wurde. Friederike Reichler wurde dort in derGaskammer getötet. Als ihr Todesdatum gilt der 15. Juli 1940.[20][21]

Beziehungen

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Die Krankheit seiner Frau blieb für Roth – auch während folgender Beziehungen – eine Quelle von Selbstvorwürfen und Bedrückung. 1929 lernte er Sybil Rares kennen, eine jüdische Schauspielerin aus derBukowina, die amFrankfurter Schauspielhaus engagiert war, und nahm mit ihr ein kurzes Verhältnis auf.

Andrea Manga Bell

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Im August 1929 begegnete erAndrea Manga Bell (1902–1985), Tochter der HamburgerHugenottin Emma Mina Filter und des kubanischen Pianisten Jose Manuel Jimenez Berroa. Sie war verheiratet mitAlexandre Manga Bell,Prince de Douala et Bonanyo aus der ehemaligen deutschen KolonieKamerun, Sohn des 1914 von den Deutschen exekutiertenDouala-KönigsRudolf Manga Bell, der sie jedoch verlassen hatte und nach Kamerun zurückgekehrt war. Als Roth sie kennenlernte, war sie Redakteurin bei derUllstein-ZeitschriftGebrauchsgraphik und ernährte so ihre zwei Kinder. Roth war von der selbstbewussten und selbstständigen Frau sofort fasziniert. Bald bezog man zusammen mit den Kindern eine gemeinsame Wohnung. Möglicherweise war Andrea Manga Bell das Vorbild für die Figur der Juliette Martens inKlaus Manns SchlüsselromanMephisto.[22]

Als Roth emigrieren musste, folgte ihm Andrea Manga Bell mit ihren Kindern. Im Laufe der Zeit kam es zwischen den beiden zu Spannungen, für die Roth die durch die Versorgung der Familie Manga Bells entstehenden finanziellen Probleme verantwortlich machte („Ich muß einen Negerstamm von neun Personen ernähren!“[23]). Andrea Manga Bell schreibt dagegen später über diese Zeit in einem Brief anKarl Retzlaw, sie habe von ihrem Bruder in Hamburg Geld aus ihrem Erbe erhalten. „Das Geld, das er mir mit Lebensgefahr über Holland hat zukommen lassen, hat Roth restlos versoffen. Daher enterbt. Ich habe von früh am Morgen für Roth gearbeitet, auf Spiritus gekocht, auch für seine Freunde, alle Korrespondenz und Manuskripte getippt bis nachts um 2 Uhr.“[24] Wahrscheinlichere Ursache für die Streitigkeiten und das endgültige Zerwürfnis Ende 1938 war Roths extreme Eifersucht.

Irmgard Keun

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Anfang Juli 1936 war Roth auf EinladungStefan Zweigs nachOstende gereist, wo er der dort seit kurzem in der Emigration lebenden SchriftstellerinIrmgard Keun begegnete. Beide interessierten sich sofort füreinander. Irmgard Keun:

„Da hatte ich das Gefühl, einen Menschen zu sehen, der einfach vor Traurigkeit in den nächsten Stunden stirbt. Seine runden blauen Augen starrten beinahe blicklos vor Verzweiflung, und seine Stimme klang wie verschüttet unter Lasten von Gram. Später verwischte sich der Eindruck, denn Roth war damals nicht nur traurig, sondern auch der beste und lebendigste Hasser.“[25]

Von 1936 bis 1938 lebten die beiden in Paris zusammen.Egon Erwin Kisch bescheinigte dem Paar einen Hang zum Alkoholexzess: „Die beiden saufen wie die Löcher“.[26][27] Keun begleitete Roth auf seinen Reisen, unter anderem bei seinem Besuch inLemberg zu Weihnachten 1936, wo er sie seiner alten Freundin Helene von Szajnoda-Schenk vorstellte. Auch diese Beziehung zerbrach schließlich. Nach Aussage Irmgard Keuns war wiederum Roths Eifersucht die Ursache:

„Nicht einmal austreten konnte ich, ohne daß er unruhig wurde. Schlief ich ein, so hatte er seine Finger in meinem Haar eingewühlt, auch noch, wenn ich aufwachte. […] Durch seine wahnsinnige Eifersucht fühlte ich mich immer mehr in die Enge getrieben, bis ich es nicht mehr aushielt, bis ich unbedingt ausbrechen musste. In Paris verließ ich ihn mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung und ging mit einem französischen Marineoffizier nach Nizza.“[28]

Emigration

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Gedenktafel für die deut­schen und österreichischen Flüchtlinge inSanary-sur-Mer, unter ihnen Joseph Roth

Am30. Jänner 1933, dem Tag von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, verließ Roth Deutschland. In einem Brief anStefan Zweig urteilte er:

„Inzwischen wird es Ihnen klar sein, daß wir großen Katastrophen zutreiben. Abgesehen von den privaten – unsere literarische und materielle Existenz ist ja vernichtet – führt das Ganze zum neuen Krieg. Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. Es ist gelungen, die Barbarei regieren zu lassen. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert.“[29]

Roths Bücher wurden Opfer derBücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten. Roth wählte als Ort seines Exils zunächstParis, unternahm aber diverse, teils mehrmonatige Reisen, unter anderem in die Niederlande, nach Österreich und nach Polen. Von Juni 1934 bis Juni 1935 hielt sich Roth, wie viele andere Emigranten, an der französischenRiviera auf. Zusammen mitHermann Kesten undHeinrich Mann mieteten Roth und Manga Bell ein Haus inNizza.

Die Reise nach Polen erfolgte im Februar/März 1937; er hielt auf Einladung des polnischenPEN-Klubs eine Reihe von Vorträgen. Er unternahm bei dieser Gelegenheit einen Abstecher ins damals polnische Lemberg, um seine Verwandten zu besuchen, die später alle Opfer derShoa wurden.

Anders als vielen emigrierten Schriftstellern gelang es Roth, nicht nur produktiv zu bleiben, sondern auch Publikationsmöglichkeiten zu finden. Seine Werke erschienen in den niederländischen ExilverlagenQuerido undde Lange sowie im christlichen VerlagDe Gemeenschap. Unter anderem deshalb hielt er sich während seines Exils mehrfach in den Niederlanden und Belgien auf (Mai 1935 inAmsterdam und 1936 längere Aufenthalte in Amsterdam undOstende). Darüber hinaus verfasste er Beiträge für die vonLeopold Schwarzschild herausgegebeneExilzeitschriftDas neue Tage-Buch.

Letzte Lebensjahre

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Gedenktafel an derRue de Tournon Nr. 18, 1939Hôtel de la Poste.
Das Grab von Joseph Roth auf dem Friedhof von Thiais bei Paris (2008). Mittlerweile hat die von einem Unbekannten gepflanzteThuja die vordere Grabeinfassung gesprengt.

In den letzten Jahren verschlechterte sich Roths finanzielle und gesundheitliche Situation rapide. Im November 1937 wurde sein Aufenthaltsort für zehn Jahre, dasHôtel Foyot in der PariserRue de Tournon, wegen Baufälligkeit abgerissen. Er zog vis-a-vis in ein kleines Zimmer desHôtels de la Poste über seinem Stammcafe, demCafé de la Poste der damals jungen Besitzerin Germaine Alazard (heuteCafé Tournon). Am 23. Mai 1939 wurde Roth in das ArmenspitalHôpital Necker eingeliefert, nachdem er (angeblich nach Erhalt der Nachricht vom SelbstmordErnst Tollers) imCafé de la Poste zusammengebrochen war. Am 27. Mai starb er an einer doppelseitigenLungenentzündung. Der letale Verlauf der Krankheit wurde durch den abrupten Alkoholentzug (Delirium tremens) begünstigt. Germaine Alazard kümmerte sich um die Manuskriptseiten der NovelleDie Legende vom heiligen Trinker, welche deswegen noch 1939 imAllert de Lange Verlag inAmsterdam erscheinen konnte, einem Verlag für deutscheExilliteratur. DieseLa Légende du saint buveur hatte Joseph Roth in düsterer Vorahnung alsmein Testament bezeichnet.[30]

Am 30. Mai 1939 wurde Roth auf dem zu Paris gehörendenCimetière parisien de Thiais inThiais, südlich der Hauptstadt, beerdigt.[31] Die Beisetzung erfolgte nach „gedämpft-katholischem“ Ritus, da kein Beleg für die Taufe Roths erbracht werden konnte. Bei der Beerdigung kam es beinahe zu Zusammenstößen zwischen den sehr heterogenen Beteiligten der Trauergesellschaft: österreichischeLegitimisten, Kommunisten und Juden reklamierten den Toten jeweils als einen der ihren. Das Grab liegt in der katholischen Sektion des Friedhofs („Division 7“[32]). Die Inschrift auf dem Grabstein lautet:écrivain autrichien – mort à Paris en exil („österreichischer Schriftsteller – gestorben in Paris im Exil“).

Schriftstellerisches Schaffen und biographische Bezüge

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Einordnung

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Das schriftstellerische Werk Roths kann nicht ohne Weiteres einer bestimmten Richtung oder Gruppierung der zeitgenössischen Literatur zugeordnet werden, am ehesten noch derNeuen Sachlichkeit, vor allem hinsichtlich seiner frühen Romane. So trägtDie Flucht ohne Ende den UntertitelEin Bericht, und im Vorwort versichert der Autor: „Ich habe nichts erfunden, nichts komponiert. Es handelt sich nicht mehr darum, zu ‚dichten‘. Das wichtigste ist das Beobachtete.“

Roth war seinen Zeitgenossen in erster Linie als Journalist bekannt und journalistische Arbeiten machen gut die Hälfte seines Werkes aus. Am Sprachexperiment des die Literatur derWeimarer Zeit prägendenExpressionismus, dessen Gegenbewegung die Neue Sachlichkeit war, nahm Roth nicht teil. Er vertrat die Position des journalistischen „Handwerkers“ und blieb in seinen sprachlichen Mitteln konservativ.

Allerdings erteilte Roth in seiner SchriftSchluß mit der „Neuen Sachlichkeit“[33] dieser Richtung 1930 eine Absage. Er kritisierte von einem journalistischen Standpunkt aus die Ungeformtheit einer Literatur, die sich auf „nackte Tatsachen“ beschränken wolle, indem er derZeugenaussage den (geformten)Bericht gegenüberstellte: „Das Faktum und das Detail sind derInhalt der Zeugenaussage. Sie sind dasRohmaterial des Berichts. Das Ereignis ‚wiederzugeben‘, vermag erst der geformte, also künstlerische Ausdruck, in dem das Rohmaterial enthalten ist wie Erz im Stahl, wie Quecksilber im Spiegel.“[34] Er wirft der Neuen Sachlichkeit in diesem Text vor, sich die Haltung des naiven Lesers zu eigen zu machen: „Der primitive Leser will entweder ganz in der Wirklichkeit bleiben oder ganz aus ihr fliehen.“[35] Roth bevorzugt dagegen das angeblichAuthentische des ungeformten Augenzeugenberichts. Als Journalist kannte er die Arbeit, die aus Einzelaussagen einen Bericht formt – und konstatiert als Dichter: „… erst das ‚Kunstwerk‘ ist ‚echt wie das Leben‘.“[36] Programmatisch für sein Werk ist der Satz: „Der Erzähler ist ein Beobachter und ein Sachverständiger. Sein Werk ist niemals von der Realität gelöst, sondern in Wahrheit (durch das Mittel der Sprache) umgewandelte Realität.“[37]

Wahrheit und Mystifikation

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Wahrheit undGerechtigkeit sind – als göttliche Attribute – zentrale Begriffe der jüdischen Kultur. Roth fühlte sich diesen Werten verbunden. Allerdings arbeitete Roth auch als „Mythomane“ und „Mystifikator“. Beispielsweise erzählte er von den in Kriegsgefangenschaft erlittenen Härten – bis Egon Erwin Kisch ihm hinterherrecherchierte und nachwies, dass Roth nie in Kriegsgefangenschaft war. Doch Franz Tunda inFlucht ohne Ende war in Kriegsgefangenschaft und Roth verschmolz hier mit seiner Romanfigur. Roth konstatierte: „Es kommt nicht auf die Wirklichkeit an, sondern auf die innere Wahrheit.“[38]

Weitere veränderte Erzählungen:

  • Er war nicht im ungarischen Schwaben, sondern im galizischen Brody geboren.
  • verschiedene von ihm über seinen Vater erzählte Legenden
  • Er war kein österreichischer Offizier, sondern Einjährig-Freiwilliger. Nach Kriegsende verwandelte er sich zunächst in einen Fähnrich, dann in einen Leutnant. Er passte sich in Sprache und Kleidung dem Bild des k. u. k. Offiziers im Laufe der Zeit vollkommen an. Seiner Umgebung (auch ehemaligen österreichischen Offizieren) schien sein Auftreten absolut überzeugend.[39]
  • Er war kein Katholik. Tatsächlich konnte bei seinem Begräbnis kein Beleg für eine erfolgteKonversion beigebracht werden. Roth hat sich abwechselnd mal als Jude, mal als Katholik bekannt.

Roths dichterische Umgestaltung seiner Biographie verursachte bei seinen damaligen Freunden und Bekannten wie auch bei seinen Biographen Irritationen. Es ist allerdings kein Fall belegt, in dem Roth aus seinen Mystifikationen persönlichen Vorteil gezogen hätte. Vielmehr war er bekannt als über die eigenen Mittel hinaus großzügiger und selbstloser Helfer von in Not Geratenen.[40]

„Roter Joseph“ und österreichischer Legitimist

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Allgemein wird bei Roth um die Jahre 1925/26 eine Wandlung von früherensozialistischen Positionen zumonarchistischen gesehen. Ein Teil seiner Artikel aus den früheren Jahren sind sozialkritisch geschrieben. Roth beschrieb das Konkrete und bemühte sich um eine sehr genaue Beobachtung. Dabei begab er sich nicht in den Bereich politischer Theorien. Einige Artikel Roths imsozialdemokratischenVorwärts erschienen unter dem Pseudonym „Der rote Joseph“.[41] Uwe Schweikert (1982) ordnet Roth im Nachhinein als Sozialromantiker ein und beschrieb seine spätere Abkehr von linker Position als typisch für einen nicht genügend durch sozialistische Theorie gefestigten bürgerlichen Intellektuellen.[42] Roth gehörte derGruppe 1925, einer Vereinigung linker Schriftsteller, an. Er unterzeichnete deren Resolutionen und verfolgte ihre Aktivitäten, nahm aber an den Treffen nicht teil.

Einen Anstoß zu Roths Wandlung gab die Reportage-Reise, die er im Herbst 1926 in die Sowjetunion unternahm. Er beobachtete dort eine Gesellschaft, deren kalte Modernität und programmatische Sachlichkeit jeglichem Lebensgeheimnis den Garaus gemacht hatten und zu einer „geistige[n] Leere“[43] geführt hatten, was in ihm eine Reaktion hervorrief, für die er den Ausdruck „bourgeoiser Atavismus“[44] fand. Wilhelm von Sternburg schreibt dazu: „Roth wird in Russland nicht vom sozialistischen Saulus zum reaktionären Paulus. Aber die Reise zählt zu den wichtigen Wendepunkten in seinem Leben. Die Erlebnisse und Erkenntnisse, die ihm die Monate in der Sowjetunion bescheren, führen zum endgültigen Abschied von seiner »sozialistischen« Phase. […] Der Atheismus, dem Roth in der Sowjetunion begegnet, lässt ihn die eigenen religiösen Überzeugungen überdenken. Der Katholizismus rückt stärker in den Fokus seines Denkens.“[45]

Während sich Roth in frühen journalistischen Arbeiten sehr monarchiekritisch zeigte, wandelte sich diese Position später zu einer Idealisierung der Habsburger Monarchie. Er sah zwar die Fehler und Versäumnisse des nicht mehr existierenden österreichischen Kaiserreichs, malte aber gleichzeitig in romantischer Verklärung die Utopie eines Österreich, wie es hätte sein können oder sein sollen. Den Versuch der Transferierung Österreichs ins Mythisch-Utopische unternahm er wie weitere Vertreter dieser spezifischen k. u. k.-Nostalgie, etwaFritz von Herzmanovsky-Orlando (Tarockei) undRobert Musil („Kakanien“). Roth war damit mit seiner positiven Bewertung der Habsburger Monarchie in einer Linie mit vielen Schriftstellern und Künstlern seiner Zeit wieStefan Zweig,Hugo von Hofmannsthal, aber auchJames Joyce, der in der weltoffenen Hafenstadt Triest mit dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn in Kontakt gekommen war und das untergegangene Staatswesen rückblickend mit „They called the Austrian Empire a ramshackle empire, I wish to God there were more such empires“ klassifizierte.[46]

Als sich die Diktatur desNationalsozialismus abzeichnete und Wirklichkeit wurde, sah Roth in Monarchie undkatholischer Kirche die einzigen Kräfte, denen er zutraute, der „braunen Pest“ hinreichenden Widerstand entgegensetzen zu können – wenn sie sich dazu entschließen könnten. Dabei ging es besonders um die Erhaltung des habsburgischen Grundsatzes „Leben und Leben lassen!“ im Gegensatz zur Strenge Preußens.[47] Er verstärkte dabei seine Selbststilisierung als katholischer österreichischer Offizier und unterstützte die Sache der Monarchisten durch Artikel und politische Arbeit. In seinen letzten Jahren suchte er den Kontakt zulegitimistischen Kreisen um denThronprätendentenOtto von Habsburg und reiste in dessen Auftrag am 24. Februar 1938 (wenige Tage vor demAnschluss Österreichs) nach Wien mit dem Ziel, den österreichischen BundeskanzlerKurt Schuschnigg zu einer Abdankung zugunsten Otto von Habsburgs zu überreden. Roth gelang es nicht, mit Schuschnigg zu sprechen, und der Wiener PolizeipräsidentMichael Skubl riet ihm, unverzüglich wieder nach Paris zurückzukehren.

Heimat, Heimatverlust und Judentum

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ErstausgabeRadetzkymarsch

Im Zentrum wichtiger Werke Roths der 1930er Jahre steht der Untergang Österreichs als Metapher für den Verlust von Heimat schlechthin, so inRadetzkymarsch (1932) und (an diesen erzählerisch anschließend)Die Kapuzinergruft (1938) sowie in der ErzählungDie Büste des Kaisers (1934). In seinem Vorwort zumRadetzkymarsch-Vorabdruck in derFrankfurter Zeitung schreibt er:

„Ein grausamer Wille der Geschichte hat mein altes Vaterland, die österreichisch-ungarische Monarchie, zertrümmert. Ich habe es geliebt, dieses Vaterland, das mir erlaubte, ein Patriot und ein Weltbürger zugleich zu sein, ein Österreicher und ein Deutscher unter allen österreichischen Völkern. Ich habe die Tugenden und die Vorzüge dieses Vaterlands geliebt, und ich liebe heute, da es verstorben und verloren ist, auch noch seine Fehler und Schwächen. Deren hatte es viele. Es hat sie durch seinen Tod gebüßt. Es ist fast unmittelbar aus der Operettenvorstellung in das schaurige Theater des Weltkriegs gegangen.“[48]

Dieses Gefühl von Verlorensein und Entwurzelung wiederholt das Erlebnis des frühen Verlustes des Vaters. Roth gestaltet es darüber hinaus als das Lebensgefühl der galizischen Juden und der Juden überhaupt, etwa im EssayJuden auf Wanderschaft. Als explizit jüdische bzw. sich primär mit jüdischer Thematik befassende Werke gelten die ErzählungDer Leviathan und der RomanHiob.[49]

Roth transformierte in seinen letzten Lebensjahren die Sehnsucht nach einer Heimkehr in die (auch religiöse) Geborgenheit der jüdischen Kultur des „Schtetl“ ins Katholische, etwa in derLegende vom Heiligen Trinker, wo der von Wundern und Gottesgnade geradezu verfolgte obdachlose Trinker Andreas Kartak im Tod Erlösung und Heimkehr findet.

Würdigung

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In seinem Vortrag auf einem internationalen Symposium in Stuttgart würdigteMarcel Reich-Ranicki 1989 das Romanwerk Joseph Roths. Insbesondere hob der Redner Roths Abneigung gegen das Monumentale sowie den kindlich-naiv anmutenden Duktus der ruhigen, abgeklärten, formvollendeten Sprache des Romanciers hervor.[50]

In seiner HeimatstadtBrody erinnern eine kleine in Ukrainisch und Deutsch beschriftete Gedenktafel und eine Büste an den Sohn der Stadt. Im Jahr 2001 wurde in Wien-Leopoldstadt (2. Bezirk) dieJoseph-Roth-Gasse nach ihm benannt.

Unweit ehemaliger Berliner Wirkungsstätten Joseph Roths befindet sich in derPotsdamer Straße dieJoseph-Roth-Diele, eine mit Briefen, Bildern und Büchern des Schriftstellers dekorierte Gaststube.

Werke

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Erstausgaben (chronologisch)

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  • Der Vorzugsschüler. Erzählung
    • Gekürzte Fassung in:Österreichs Illustrierte Zeitung 10. September 1916, Wien
    • Erstausgabe in:Joseph Roth. Die Erzählungen. Mit einem Nachwort von Hermann Kesten. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1973.
    • Undatiertes Manuskript im Leo Baeck Institute, New York
  • Barbara. Erzählung. In:Österreichs Illustrierte Zeitung 14. April 1918, Wien
  • Das Spinnennetz. Roman (Fragment)
    • Erstdruck in:Arbeiterzeitung. Wien 7. Oktober – 6. November 1923.
    • Erstausgabe postum mit einem Nachwort von P. W. Jansen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1967
  • Hotel Savoy. Ein Roman. Die Schmiede, Berlin 1924
  • Die Rebellion. Roman. Die Schmiede, Berlin 1924
  • April, Die Geschichte einer Liebe. J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1925
  • Der blinde Spiegel, Ein kleiner Roman. J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1925
  • Juden auf Wanderschaft. Essay, Die Schmiede, Berlin 1927: Neuauflage: Kiepenheuer & Witsch, Köln 1976,ISBN 3-462-01699-7.
  • Die Flucht ohne Ende – Ein Bericht. Roman. Kurt Wolff, München 1927
  • Zipper und sein Vater. Roman. Kurt Wolff, München 1928
  • Rechts und links. Roman. Gustav Kiepenheuer, Berlin 1929
  • Der stumme Prophet
    • Fragment:Ein Kapitel Revolution. In:24 neue deutsche Erzähler. Hrsg. von Hermann Kesten. Gustav Kiepenheuer, Berlin 1929
    • Fragment:Der stumme Prophet. In:Die neue Rundschau, Berlin 1929
    • Erstausgabe postum mit einem Nachwort von Walter Lenning. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1966
  • Briefe aus Deutschland. In:Fazit. Ein Querschnitt durch die deutsche Publizistik. Hrsg. Ernst Glaeser. Gebrüder Enoch, Hamburg 1929
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes, Gustav Kiepenheuer, Berlin 1930
  • Panoptikum. Gestalten und Kulissen. Knorr & Hirth, München 1930
  • Radetzkymarsch, Gustav Kiepenheuer, Berlin 1932
  • Stationschef Fallmerayer. In:Novellen deutscher Dichter der Gegenwart. Hrsg. vonHermann Kesten. Allert de Lange, Amsterdam 1933
  • Tarabas, ein Gast auf dieser Erde. Querido, Amsterdam 1934
  • Triumph der Schönheit. Novelle. Erschienen in französischer Übersetzung von Blanche Gidon (Le triomphe de la beauté) in:Nouvelles littéraires, September 1934, Paris
  • Die Büste des Kaisers. Novelle. Erschienen in französischer Übersetzung von Blanche Gidon (Le buste de l’empereur) in:Nouvelles littéraires, Dezember 1934, Paris
  • Der Antichrist. Essay, Allert de Lange, Amsterdam 1934
  • Der Leviathan. Novelle. Querido, Amsterdam 1940
    • Teildruck:Der Korallenhändler. In:Das neue Tage-Buch, 22. Dezember 1934, Paris
  • Die hundert Tage. Roman. Allert de Lange, Amsterdam 1935
  • Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht. Roman. Allert de Lange, Amsterdam 1936
  • Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters. Querido, Amsterdam 1937
  • Die Kapuzinergruft. Roman. De Gemeenschap, Bilthoven 1938
  • Die Geschichte von der 1002. Nacht. Roman. De Gemeenschap, Bilthoven 1939
  • Die Legende vom heiligen Trinker. Novelle. Allert de Lange, Amsterdam 1939
    • Teildruck:Das Ende der Legende vom heiligen Trinker. In:Das neue Tage-Buch 10. Juni 1939, Paris

Ausgaben

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Werke
  • Werke in drei Bänden. Hrsg. vonHermann Kesten, Köln 1956
  • Werke, Hrsg. und eingeleitet von Hermann Kesten, 4 Bde. Köln 1975–1976
  • Werke, 6 Bde. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1989–91 (Inhaltsverzeichnis aufWikisource)
    • Band 1–3:Das journalistische Werk. Hrsg.: Klaus Westermann
    • Band 4–6:Romane und Erzählungen. Hrsg.: Fritz Hackert
Briefe
  • Briefe 1911–1939, Hrsg. Hermann Kesten. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1970
  • Aber das Leben marschiert weiter und nimmt uns mit. Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und dem Verlag De Gemeenschap 1936–1939. Hrsg. und eingeleitet von Theo Bijvoet und Madeleine Rietra. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1991,ISBN 3-462-02101-X
  • Madeleine Rietra:„Muß man dann immer postwendend Geld senden, um überhaupt mit Ihnen verkehren zu können?“ Joseph Roth und Barthold Fles in Briefen. In: Interbellum und Exil. Hrsg.: Sjaak Onderdelinden. Amsterdam: Rodopi, 1991. (Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur. Bd. 90.) S. 199–224
  • „Jede Freundschaft mit mir ist verderblich“. Joseph Roth und Stefan Zweig. Briefwechsel 1927–1938. Hrsg. von Madeleine Rietra und Rainer-Joachim Siegel. Wallstein Verlag, Göttingen 2011,ISBN 978-3-8353-0842-8[51]
Teilausgaben

Nachlass

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RothsTeilnachlass liegt imDeutschen Literaturarchiv Marbach.[53] Einzelne Stücke davon sind imLiteraturmuseum der Moderne in Marbach in der Dauerausstellung zu sehen, insbesondere das Manuskript zuHiob sowie seinRadetzkymarsch im 70 Folgen umfassenden Zeitungsvorabdruck aus derFrankfurter Zeitung.

Adaptionen

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Verfilmungen

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Hörbücher

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alphabetisch nach Titel

Hörspiele

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Literatur

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chronologisch absteigend geordnet

Weblinks

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Wikisource: Joseph Roth – Quellen und Volltexte
Wikiquote: Joseph Roth – Zitate
Commons: Joseph Roth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Nachlass
Portale
Artikel
Verfilmungen

Quellen und Anmerkungen

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  1. S. Niels Bokhove:Nieuwe glimp van Nachum Roth. Een ooggetuige herinnert zich de vader van Joseph Roth. In:De Parelduiker 14 (2009), Nr. 4, S. 37–44.
  2. Jutta Sommerbauer: Auf der Suche nach Brody. In: Die Presse. 11. Juni 2016, abgerufen am 31. Mai 2024. 
  3. F. Hackert:Joseph Roth. In: H. Steinecke (Hrsg.):Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts. Berlin 1994, S. 363.
  4. Hartmut Steinecke:Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts. Erich Schmidt Verlag GmbH & Co KG, 1994,ISBN 978-3-503-03073-6,S. 363 (google.com). 
  5. Thomas Gerlach, Gert Schmidt:Ukraine: Zwischen den Karpaten und dem Schwarzen Meer. Trescher Verlag, 2011,ISBN 978-3-89794-192-2,S. 199 (google.com). 
  6. Vgl.Steffen Höhne, Justus H. Ulbricht (Hrsg.):Wo liegt die Ukraine? Standortbestimmung einer europäischen Kultur. Böhlau, Köln 2009,ISBN 978-3-412-20347-4, S. 33.
  7. Gemeinde Wien, Erinnerungsweg (Memento vom 22. Oktober 2011 imInternet Archive)
  8. Dass Kindermann Vorbild für Anton Wanzl war, berichtet Józef Wittlin in seinen Erinnerungen an Joseph Roth (Gedächtnisbuch, S. 52).
  9. An Gustav Kiepenheuer zum 50. Geburtstag. Werke in drei Bänden (1956) Bd. III, S. 835.
  10. Seine k. und k. apostolische Majestät. Werke in drei Bänden (1956), Bd. III, S. 328–329.
  11. Heinz Lunzer, Victoria Lunzer-Talos:Joseph Roth. Leben und Werk in Bildern. Köln 2009,ISBN 978-3-462-04102-6, S. 62.
  12. Der neue Tag.
  13. Wilhelm von Sternburg:Joseph Roth. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009,ISBN 978-3-462-05555-9,S. 198. 
  14. Brief an Herbert Ihering vom 17. September 1922.
  15. Zit. nachJoachim Kersten:Niemand hat Glück mit Deutschland. (über Sieburg), inGrenzgänge. zu Klampen, Lüneburg 1999,ISBN 3-924245-77-0, S. 61.
  16. Hierzu Alexander Löwen:Sozialismus mit kleinbürgerlichem Antlitz. Joseph Roths Berichte aus der Sowjetunion. In:Osteuropa, Jahrgang 62, Heft 4, April 2012, S. 9–19.
  17. Klaus Westermann (Hrsg.):Joseph Roth. Das journalistische Werk 1929–1939. Dritter Band. Kiepenheuer & Witsch, 1989, S. 432 f, 710 f.
  18. Siehe Bronsen (1974), S. 376 ff.
  19. StichwortHugo Wolf inBiographie zu den Namen inStefan Zweigs letztem Adressbuch (1940/42), bereitgestellt vonElke Rehder.
  20. Kein sanfter Tod für eine Schüchterne. (Memento vom 10. März 2011 imInternet Archive) In:Neue Zürcher Zeitung. 7. März 2011.
  21. Andreas Hutter:Kein sanfter Tod für eine Schüchterne – Frieda Roth, die Frau des österreichischen Dichters Joseph Roth, starb in der NS-Gaskammer von Schloss Hartheim. In:Neue Zürcher Zeitung. Zürich 7. März 2011,S. 37. 
  22. Verbotenes Land, Ein schwarzer deutscher Roman von John Eichler (Memento vom 7. August 2020 imInternet Archive)
  23. Andrea Rebuffé, zitiert in Bronsen (1974), S. 466.
  24. Alexandra Lübcke, Stefanie Michels: Theoretische Überlegungen zu Erinnerungskonzepten. In: Elisabeth Boesen, Fabienne Lentz (Hrsg.): Migration und Erinnerung. Konzepte und Methoden der Forschung. Berlin 2010, S. 201,ISBN 978-3-643-10341-3.
  25. Irmgard Keun:Wenn wir alle gut wären. Erinnerungen und Geschichten. Progress Verlag, Düsseldorf 1954, S. 146 f.
  26. Egon Erwin Kisch:Briefe an den Bruder Paul und an die Mutter. Berlin 1987, S. 297.
  27. erhellend ist dazu auch die Darstellung vonVolker Weidermann in: Ostende 1936 – Sommer der Freundschaft, btb, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015.
  28. Bronsen (1974), S. 502.
  29. Briefe 1911–1939. Köln 1970, S. 249.
  30. Die Legende vom heiligen Trinker auf der Webseite von dtv (abgerufen am 7. November 2023).
  31. knerger.de:Das Grab von Joseph Roth.
  32. Cimetière parisien de Thiais – Plan des concessions et des sépultures les plus demandées.
  33. Schluß mit der „Neuen Sachlichkeit“. In:Die literarische Welt, 17. und 24. Januar 1930. Ausgabe in: Roth,Werke Bd. 4, Köln 1976, S. 246–258.
  34. Schluß … 1976, S. 248.
  35. Schluß … 1976, S. 249.
  36. Schluß … 1976, S. 250.
  37. Schluß … 1976, S. 250 f.
  38. Zitiert in: Geza von Cziffra:Der heilige Trinker. Berlin 2006, S. 53.
  39. Siehe Bronsen (1974), S. 175 ff.
  40. Roth hatte einen gediegenen Ruf als Schnorrer. Es sind aber einige Geschichten überliefert, in denen er das erschnorrte Geld unmittelbar an einen in Not geratenen fast Fremden weitergab.
  41. Eine einfache Umbildung seines Namens: aus „Joseph Roth“ wird der „rote Joseph“. An anderer Stelle signiert er mit „Josephus“.
  42. Etwa von Uwe Schweikert:Der rote Joseph. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.):Joseph Roth, Text + Kritik Sonderband, München 1982, S. 40–55.
  43. Frankfurter Zeitung, 23. November 1926; zitiert nachWerke, 6 Bde. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1989–91, Band 2, S. 631
  44. „Ich gestehe beschämt, daß mich manchmal in diesen Straßen eine ganz bestimmte Trauer befällt. Mitten in der Bewunderung für eine Welt, die aus eigener Kraft, mit mehr Ekstase als Material, ohne Geld und ohne Freunde, Zeitungen druckt, Bücher schreibt, Maschinen baut und Fabriken, Kanäle gräbt, nachdem sie kaum noch ihre Toten bestattet hat – mitten in der Bewunderung ergreift mich ein Heimweh nach unserem Leichtsinn und unserer Verwerflichkeit, eine Sehnsucht nach dem Aroma der Zivilisation, ein süßer Schmerz um unsere wissenschaftlich schon ausgemachte Dekadenz, ein kindischer, dummer, aber inbrünstiger Wunsch, noch einmal eine Modeschau bei Moulineux zu sehen, ein holdseliges Abendkleid auf einem törichten Mädchen, eine Nummer vom »Sourire« und den ganzen Untergang des Abendlandes: Wahrscheinlich ist das ein bourgeoiser Atavismus.“ (Frankfurter Zeitung, 31. Oktober 1926; zitiert nachWerke, 6 Bde. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1989–91, Band 2, S. 625)
  45. Wilhelm von Sternburg: Joseph Roth. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009,ISBN 978-3-462-05555-9, S. 333
  46. Franz Karl Stanzel:James Joyce in Kakanien (1904–1915). Königshausen & Neumann, Würzburg 2019,ISBN 978-3-8260-6615-3, S. 29.
  47. Vgl. dazu ausführlich: William M. Johnston:Zur Kulturgeschichte Österreichs und Ungarns 1890–1938 (2015), S. 46 ff.
  48. Frankfurter Zeitung vom 17. April 1932. Abgedruckt in Bronsen (1974), S. 400.
  49. Almuth Hammer:Erwählung erinnern. Literatur als Medium jüdischen Selbstverständnisses. Vandenhoeck & Ruprecht, 2004, S. 103.
  50. Reich-Ranicki, Stauffenburg Verlag 1990/1994.
  51. Volker Weidermann schreibt über diese Edition des Briefwechsels zwischen Roth und Zweig: „Der Briefwechsel dieser beiden Freunde ist das eindrucksvollste Buch über die Zeit des Exils, das ich kenne.“, in:Im freien Fall, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25. September 2011, S. 27 (ganzseitige Rezension).
  52. Badische-zeitung.de,Literatur & Vorträge, 20. Februar 2015, Katharina Brenner:Eine andere Welt.
  53. Bestandsangabe des DLA über Joseph Roth.
  54. BR Hörspiel Pool – Roth,Das Spinnennetz.
Romane, Erzählungen und Novellen vonJoseph Roth

Romane
Das Spinnennetz |Hotel Savoy |Die Rebellion |Der blinde Spiegel |Die Flucht ohne Ende |Zipper und sein Vater |Rechts und links |Der stumme Prophet |Hiob |Radetzkymarsch |Tarabas |Die hundert Tage |Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht |Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters |Die Kapuzinergruft |Die Geschichte von der 1002. Nacht

Erzählungen
Der Vorzugsschüler |Barbara |April |Stationschef Fallmerayer |Triumph der Schönheit |Die Büste des Kaisers |Der Antichrist |Der Leviathan |Die Legende vom heiligen Trinker |Juden auf Wanderschaft

Personendaten
NAMERoth, Joseph
ALTERNATIVNAMENRoth, Moses Joseph (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNGösterreichischer Schriftsteller und Journalist
GEBURTSDATUM2. September 1894
GEBURTSORTBrody,Ostgalizien,Österreich-Ungarn
STERBEDATUM27. Mai 1939
STERBEORTParis
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