DasJohnston-Atoll (alter NameCornwallis Island) ist einAtoll im nördlichenPazifik, 1150 km südwestlich vonHawaii gelegen. Die Inselgruppe gehört politisch zu denVereinigten Staaten und wird von diesen als sogenanntes „nichtinkorporiertes Territorium“ zu denKleineren Amerikanischen Überseeinseln gezählt.
Die 2,67 km² große Inselgruppe besteht aus den beiden stark durch den Menschen verändertenInselnJohnston Island undSand Island sowie den zwei künstlichen InselnAkau im Norden undHikina im Osten. Den Inseln ist im Nordwesten einKorallenriff vorgelagert. Die Fläche der Lagune beträgt 130 km².[1]
Auf dem Atoll gibt es keine natürlichen Süßwasserquellen.[2] DieHauptinselJohnston Island zählte bis 2004 noch etwa 317 Einwohner, hauptsächlich US-Militärs, ist heute jedoch unbewohnt.
Luftbildaufnahme des Johnston Atoll und Sand Island
Das Atoll liegt nur wenige Meter über demMeeresspiegel, die höchste Stelle ragt nur fünf Meter aus dem Wasser empor.
Das Klima ist das ganze Jahr über heiß, trocken und windig, wobeiNordost-Passate vorherrschen.
Im 19. Jahrhundert wurden die umfangreichenGuanoablagerungen abgebaut, die man als Dünger verwendete.[3]
Das Johnston-Atoll wurde am 2. September 1796 von Kapitän Joseph Pierpoint auf der amerikanischenBriggSally entdeckt und 1807 von dem britischen Schiffskapitän Charles James Johnston von der HMSCornwallis wieder gesichtet, der die Insel Cornwallis Island nannte. Am 19. März 1858 wurden die Inseln unter Berufung auf denGuano Islands Act für die USA in Besitz genommen, aber bereits am 27. Juli 1858 vomhawaiischen KönigKamehameha IV. annektiert. 1898 wurde die Inselgruppe erneut ein Teil der USA, die sie von 1958 bis 1975 alsRaketenstartplatz nutzten, wobei sich die Abschussrampe bei16° 44′ 15″ N,169° 31′ 26″ W16.7375-169.52388888889 befand.[4]
Die Aurora des AtomtestsStarfish PrimeDie JACADS-Anlage zum Entsorgen chemischer Kampfstoffe
Von der Johnstoninsel wurden auch Raketen für hochatmosphärische Tests vonWasserstoffbomben gestartet. So startete am 1. August 1958 im Rahmen derOperation Hardtack eineRedstone-Rakete mit einem 3,8-Megatonnen-Sprengkopf zum Zweck eines Kernwaffentests in 77,8 km Höhe. Weitere Raketen für hochatmosphärische Atombombentests wurden von der Johnstoninsel am 12. August 1958 in eine Höhe von 43 km und am 9. Juli 1962 im Rahmen der OperationStarfish Prime (als Teil derOperation Dominic) gestartet, wobei der auftretendeEMP zahlreiche elektrische und elektronische Geräte aufOʻahu (Hawaii) störte.[5]
Dieser Start hätte schon am 20. Juni 1962 durchgeführt werden sollen, doch explodierte damals die Rakete in einer Höhe von 10 km. Hierbei wurde die benachbarte Sand Island mitPlutonium kontaminiert. Bei einem Startversuch am 26. Juli 1962 explodierte die Rakete mit dem Atomsprengkopf auf der Abschussrampe, wodurch diese zerstört und das umliegende Areal mit Plutonium kontaminiert wurde. Dies führte zu einer fast vierteljährigen Pause der Experimente. Diese wurden am 16. Oktober 1962 wiederaufgenommen, wobei es abermals zu einem Fehlschlag kam. Die Rakete vom TypThor DSV-2E explodierte in einer Höhe von 10 km, wobei auf der Johnstoninsel auch etwasradioaktiver Niederschlag niederging.[6]
Weitere Raketen zum Zweck hochatmosphärischer Atombombentests wurden gestartet:
Nachdem keine oberirdischen Kernwaffentests mehr möglich waren, wurden von der Johnstoninsel bis 1975 zahlreicheForschungsraketen (auch für die zivile Forschung) in Höhen von bis zu 1148 km gestartet.
Die Insel diente ab 1971 als Lager fürchemische Kampfstoffe wieSarin undAgent Orange. Ende der 1980er Jahre wurde auf der Insel eine Anlage, dasJohnston Atoll Chemical Agent Disposal System (JACADS), für die Verbrennung chemischer Kampfstoffe errichtet und nach Abschluss der Maßnahmen 2003 wieder demontiert.[7][8] Anfang der 1990er Jahre wurden im Atoll außerdem im Zuge derAktion Lindwurm zuvor in derPfalz gelagerte Chemiewaffen vernichtet.
Ende 2003 wurden die Inseln vom Militär geräumt und die Verwaltung zum 1. Januar 2004 demU.S. Fish & Wildlife Service übertragen. Dieser schuf dasNaturschutzgebietJohnston Atoll National Wildlife Refuge und gliederte es in denPacific Remote Islands National Wildlife Refuge Complex ein.
Ralph Gerard Ward (Hrsg.):American activities in the central Pacific, 1790–1870. A history, geography and ethnography pertaining to American involvement and Americans in the Pacific taken from contemporary newspapers, etc.Band3:Gaferut to Kwajalein. Gregg Press, Ridgewood, New Jersey 1967 (englisch).
↑Richard W. Grigg, Charles Birkeland (Hrsg.):Status of Coral Reefs in the Pacific. Sea Grant College Program, School of Ocean and Earth Science and Technology, University of Hawaii, Juni 1997, Table 6:Summary data on miscellaneous islands and coral reefs of the Central Pacific (Nauru, Tokelau, Tuvalu, and U.S. Line and Marshall Is.),S.12 (englisch,online in derNational Sea Grant Library derUniversity of Rhode Island [PDF;8,3MB]).
↑Johnston Island. In: Jane’s Oceania Home Page. Jane Resture, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. September 2016; abgerufen am 3. Juni 2017 (englisch).Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.janeresture.com
↑Operation Dominic. In: nuclearweaponarchive.org. Abgerufen am 3. Juni 2017 (englisch).
↑Gregg K. Kakesako:Johnston Atoll: The end of an era. In:Honolulu Star-Bulletin. Oahu Publications Inc., 6. November 2003, abgerufen am 3. Juni 2017 (englisch).
↑William L. Robinson (Hrsg.):Draft Programmatic Environmental Impact Statement. Towards an Ecosystem Approach for the Western Pacific Region: From Species-based Fishery Management Plans to Place-based Fishery Ecosystem Plans. National Marine Fisheries Service, Honolulu 27. Oktober 2005 (englisch,online, (Memento vom 2. Oktober 2006 imInternet Archive)Memento vom 2. Oktober 2006 imInternet Archive [PDF;227kB; abgerufen am 3. Juni 2017]).