Rakete ist Nachkomme ausgewanderterHugenotten, deren ursprünglicher NameRaquette war.[2] Er ist der Bruder derBerliner Rechtsanwältin Ingeborg Rakete-Dombek.
Früh interessierte er sich für Fotografie und Musik. Schon im Alter von vier Jahren machte er ersteSchnappschüsse mit einem Fotoapparat. Jim Rakete habe „immer fasziniert, dass man da eineBox hat, mit der man die Zeit anhalten kann“. Später fotografierte er die Berliner Musikszene. Als Teenager hospitiert er im FotostudioLudwig Binders in West-Berlin.[3] Bereits mit 17 Jahren fotografierte er professionell für Tageszeitungen und Agenturen, unter anderemJimi Hendrix,Ray Charles,David Bowie undMick Jagger.
Von 1977 bis 1987 führte Rakete in einerKreuzberger Fabriketage eineFotoagentur, genannt die „Fabrik“. In dieser Zeit fotografierte er nicht nur die Cover vieler Musiker derNeuen Deutschen Welle, sondern arbeitete auch alsManager. Zu den bekanntesten der von Rakete betreuten Künstler und Bands zählenNina Hagen,Nena,Spliff,Interzone,Sternhagel,Morgenrot undDie Ärzte. In der Nacht zum 17. Juni 1980 (damals das Datum des NationalfeiertagsTag der Deutschen Einheit) fotografierte Jim Rakete, wieHeiner Pudelko und andere Musiker der Blues-Rockband Interzone in der Nähe des Potsdamer Platzes einen 50 Meter langen Teil derBerliner Mauer mit dem Bandlogo bemalten und daraufhin von derbritischen Militärpolizei verhaftet wurden. Die Aktion wurde ein großer Promotion-Effekt für die Band und ihren Manager.
Seit 1987 widmet sich Rakete vollständig der Fotografie, seither hat er zahlreiche Größen der deutschen und internationalen Musik- und Filmbranche porträtiert, unter anderemTil Schweiger,Meret Becker,Moritz Bleibtreu,Otto Sander,Jürgen Vogel, dieBerliner Philharmoniker undAnnett Louisan. Ein besonderes Interesse gilt auch den Nachwuchstalenten aus Film und Musik. Nach längerem Aufenthalt in Hamburg zog er 2001 wieder nach Berlin und hat sein Studio in Kreuzberg.
Im Jahre 2010 war Rakete als Fotograf federführend bei einer Spendenaktion für dasDeutsche Filmmuseum inFrankfurt am Main. Die Aktion, bei der bekannte Persönlichkeiten für den Fotografen posierten, sollte eine Finanzierungslücke beim Umbau des Museums schließen. Dazu entstand eine Ausstellung, die unter dem TitelStand der Dinge deutschlandweit gezeigt wurde.[4]
In einem Artikel aus dem Jahre 2000 äußerte sich Jim Rakete kritisch derdigitalen Fotografie gegenüber. Für ihn habe die Digitalfotografie nichts mit Realität zu tun, sondern mehr mit Konstruktion, wenn am Computer Fotos nachbearbeitet werden. Viele seiner Porträts entstanden mit einerGroßformatkamera, weil das (technisch sehr umständliche) Arbeiten damit eine intensive Konzentration erfordert, gleichzeitig aber, wegen der mangelnden Kontrolle im Augenblick des Auslösens, einen spontanen Moment beinhaltet.[5]
Eine Serie von 77 Porträts der Ensemblemitglieder des WienerBurgtheaters, die Rakete mit der digitalen Schwarz-Weiß-MesssucherkameraLeica M Monochrom fotografierte, war 2015/16 in Wien, Salzburg und in Berlin als Ausstellung zu sehen.[6] Rakete pflegt auch direkte Kontakte zur Politik. Er ist beispielsweise mitOtto Schily befreundet und war einer der prominenten Unterstützer vonGerhard Schröder[2] im Bundestagswahlkampf 2005.
2012 war er Praxisstipendiat in derVilla Massimo in Rom.[7] Für sein Lebenswerk wurde Rakete am 2. Oktober 2018 mit demVerdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.[8] 2020 drehte er den DokumentarfilmNow über den Kampf junger Leute für einen besseren Klimaschutz.[9][10] Der Film entstand in Zusammenarbeit mit der Drehbuchautorin Claudia Rinke.[2][11]
2002:Bleib so – Fotografien von Jim Rakete und Mathias Bothor,Stiftung Demokratie Saarland, 6. November bis 6. Dezember 2002
2008:Jim Rakete – Photographien, Galerie „Camera Work“, Berlin, 19. Januar bis 1. März 2008
2008:Jim Rakete – 1/8 sec. – Augen/Blick/Porträts,Deutsches Filmmuseum, Frankfurt/Main, 24. September 2008 bis 4. Januar 2009, dazu die Ausstellung begleitende Podiumsdiskussionen zwischen dem Fotografen und einigen seiner Modelle wieUlrich Matthes oderTill Brönner
2010:Jim Rakete – Vertraute Fremde, Galerie Hilaneh von Kories, Hamburg, 12. März 2010 bis 6. Mai 2010[12]
2011:Jim Rakete – Stand der Dinge,Kunsthalle Koidl, Berlin, 10. Februar bis 11. März 2011
2011/2012:Jim Rakete – Stand der Dinge: 100 Porträts für das Deutsche Filmmuseum,Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main, 14. August 2011 bis 8. Februar 2012[4]
2012:Wir & Ich – Photographien von Jim Rakete, Museum Bensheim, 19. August bis 30. September 2012
Im Januar 2003 wurde eine Sendung „Zimmer frei!“ mit Jim Rakete aufgezeichnet. Die Sendung wurde jedoch nie ausgestrahlt. DerWDR lieferte dazu keine Begründung. Bei einem Interview 2011 mitJörg Thadeusz in der SendungThadeusz desRBB bestätigte Rakete dies, wollte die Gründe aber nicht darlegen. Er meinte nur, dass man sich, ähnlich wie bei der Zimmer-frei-Sendung mitCherno Jobatey, über ein Problem aus seiner Vergangenheit zu sehr lustig gemacht habe.
Gero von Boehm:Jim Rakete. 16. Januar 2008. Interview in:Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012,ISBN 978-3-89910-443-1, S. 577–584