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Jesse Jackson

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Jackson in derUniversity of Chicago (2009)

Jesse Louis Jackson, Sr. (*8. Oktober1941 inGreenville,South Carolina, alsJesse Louis Burns; †17. Februar2026[1] inChicago,Illinois) war einUS-amerikanischerPolitiker,Aktivist undBaptistenpastor. Er zählte über Jahrzehnte zu den einflussreichstenBürgerrechtlern der Vereinigten Staaten. 1984 und 1988 bewarb er sich erfolglos für die Präsidentschaftskandidatur derDemokratischen Partei.

Kindheit und Jugend

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Jackson wurde inGreenville, South Carolina geboren. Seine Eltern waren Helen Burns (1924–2015), eine damals sechzehnjährige Schülerin, und ein verheirateter Nachbar, der dreiunddreißigjährige ehemalige Boxer Noah Louis Robinson. Ein Jahr nach der Geburt von Jesse heiratete Helen Charles Henry Jackson, einen Postangestellten, der den Jungen später adoptierte. Jackson hatte bereits in der Schule Baseball gespielt und ein Stipendium für gute Sportler ermöglichte ihm das Studium. Die Identität seines biologischen Vaters wurde ihm erst als Schüler bekannt. Ein ausgeprägtes Ego und ein großes Streben um Anerkennung trotz seiner unehelichen Herkunft gilt als wesentlicher Antrieb Jacksons.[2] Sein Halbbruder Noah Robinson wurde später als Geschäftsmann zum Millionär; anschließend wurde er wegen Drogengeschäften (vgl.Black P. Stones bzw. El Rukn inChicago) und Mordkomplotten zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.[3][4]

Nach dem Besuch derUniversity of Illinois und derNorth Carolina Agricultural and Technical State University begann er ein Theologiestudium am Theologischen Seminar von Chicago und trat derSouthern Christian Leadership Conference unter Führung vonMartin Luther King bei. Er war beimAttentat auf King anwesend, als dieser am 4. April 1968 inMemphis erschossen wurde. Jackson trat in den Folgetagen mit einem blutbefleckten Pullover im Fernsehen auf. Seine Behauptung, King sei in seinen Armen gestorben, stellte sich aber als falsch heraus. Er wurde ordiniert, obwohl er sein Studium nie abschloss.[2]

Aktivitäten

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Jackson (1983)

Jackson gründete zwei gemeinnützige Organisationen, 1971 „PUSH“ (People United to Serve Humanity) und 1984 die „Rainbow Coalition“ (Regenbogenkoalition). Beide Gruppen wurden 1996 vereinigt. In den 1980er-Jahren war er der bekannteste afroamerikanische Politiker und wurde ein Vertreter der Bürgerrechte. Da sich Jackson auch als Anwalt derAfrikaner betrachtete, besuchte er beispielsweise 1972 das westafrikanischeLiberia.

Jackson hat in den 1970er-Jahren, insbesondere nach derRoe-v.-Wade-Entscheidung, die in der schwarzen Community umstritteneAbtreibung bekämpft und dies unter anderem mit einerPUSH-Kampagne religiös untermauert.[5] Später unterstützte er das Recht auf Abtreibung ohne Einmischung des Staates.

Jackson war an mehreren Verhandlungen mit ausländischen Staatsführern beteiligt, um die Freilassung amerikanischer Gefangener zu erreichen. So traf erFidel Castro,Saddam Hussein undSlobodan Milošević. 1984 wurde der MarinepilotRobert Goodman vonSyrien freigelassen. Ein Angebot, Botschafter inSüdafrika zu werden, lehnte er ab.[6]

Jackson war für seine Kampagnen bekannt, wurde über Jahrzehnte nie in ein öffentliches Amt gewählt.[2] Von 1991 bis 1997 fungierte Jackson alsShadow Senator für die BundeshauptstadtWashington, D.C.; dieses eher symbolische politische Amt, das im Bundesdistrikt allerdings offiziell gewählt wird, soll die Bemühungen Washingtons um ein volles Stimmrecht imKongress unterstreichen. Jacksons SohnJesse Jr. wurde als Mitglied desRepräsentantenhauses auch Politiker und später wegen Missbrauchs von Wahlkampfgeldern zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Jackson war ebenfalls als leidenschaftlicher Redner in der Tradition von afroamerikanischen und Südstaaten-Predigern bekannt. Er sprach auf demMillionen-Mann-Marsch von 1995 und nahm während der knappen Wahlentscheidungim Jahr 2000 an pro-demokratischen Demonstrationen inFlorida teil. Er erschien 2003 auch auf mehreren Demonstrationen gegen denIrakkrieg.

Politisches Engagement

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1984 bewarb sich Jackson für diePräsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei. Mit 3,5 Millionen Stimmen wurde er unerwartet Dritter bei den parteiinternen Vorwahlen nachGary Hart undWalter Mondale, der die Nominierung gewann. Seine Teilnahme steigerte die Bedeutung der schwarzen Wählerschaft für die Partei.

Jackson, der selbst vorher versucht hatte, die republikanische Partei für schwarze Wähler offener zu machen,[7] erlebte in der Folge einen deutlichen Bruch mit konservativen und israelfreundlichen Wählern.[6] Unter anderem kam es zu Konflikten um Jacksons arabische Verbindungen. Der sogenannte Hymie-Vorfall – Jackson hatte in einem Gespräch mit einem schwarzen Reporter der Washington Post New York mit einemantisemitischen Schlagwort (Hymie-Town) beschrieben – war ein heftiger Rückschlag für seine Kampagne.[8][9] Er bemühte sich um versöhnliche Gesten in der Folge, aber die Beziehungen zur jüdischen Gemeinde blieben belastet.[2] Auch die Verbindungen und Verbrechen seines Halbbruders belasteten seine Kampagnen. Bill Clinton wies später eine Bitte Jacksons, den Halbbruder zu begnadigen, zurück, während er andere Vorschläge Jacksons für präsidentielle Pardons genehmigte.[10]

Auch 1988 bewarb er sich um die Präsidentschaftskandidatur. Während seiner Kampagne argumentierte er, dass dierepublikanische Politik von PräsidentRonald Reagan die Uhr für die Bürgerrechte und die Armen in den Städten zurückdrehe. Er konnte sein Ergebnis von 1984 deutlich auf 6,9 Millionen Stimmen ausbauen und lag zeitweise bei den gewonnenen Delegiertenstimmen vorn. Am Ende unterlag er aber trotz 11 gewonnener BundesstaatenMichael Dukakis.

Jackson, der seit 1963 verheiratet war, hatte 2001 eine Affäre mit einer jungen Angestellten, aus der ein Kind hervorging. Dies bewog ihn, für eine kurze Zeit von seinen Aktivitäten Abstand zu nehmen. Im November 2017 gab Jackson bekannt, anParkinson zu leiden.[11]

Bei einer Demonstration 1975

Innerparteiliche Positionen

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Jesse Jackson stand dem „Dritten Weg“ oder der eher gemäßigten Politik vonBill Clinton anfangs kritisch gegenüber. Er wurde dennoch zeitweise ein Verbündeter Clintons. Beim sogenanntenSister Souljah moment distanzierte sich Clinton aber indirekt von Jackson. Souljah hatte in Zusammenhang mit denUnruhen in Los Angeles 1992 mit der Aussage „If black people kill black people every day, why not have a week and kill white people?“ für Aufsehen gesorgt, Jackson hatte sie in seine sogenannte Rainbow Coalition aufgenommen. Bill Clinton kritisierte beides in der Öffentlichkeit und setzte sich damit vernehmlich von Extremisten in der eigenen Partei ab.[12]

Jesse Jackson standBarack Obama lange Zeit kritisch gegenüber. So warf er ihm 2007 unter anderem vor, sich wie ein Weißer zu benehmen.[13] Nach einem TV-Interview im Jahre 2008 äußerte Jackson, bei noch unwissentlich eingeschaltetem Mikro: „Ich würde ihm am liebsten die Eier abschneiden“.[14] Auf der Siegesfeier nach der gewonnenenPräsidentschaftswahl in Chicago, am 4. November 2008, sah man ihn allerdings in der Menge stehen und Barack Obamas Rede mit Tränen in den Augen folgen.

Ehrungen

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Am 9. August 2000 überreichte Präsident Bill Clinton Jackson dieFreiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den USA.

Im Jahr 2002 führteMolefi Kete Asante ihn in der Liste der „100 Greatest African Americans“.

Rezeption

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Kurze Ansprachen von Jesse Jackson sind bereits ab den 1960er-Jahren auf Langspielplatten zu finden. So befürwortete der Reverend das Live-AlbumCountry Preacher desCannonball Adderley Quintet und sprach auch das AbschlussgebetWe Shall Overcome. Das Jazz-Album war während einer Benefizveranstaltung zugunsten der von Jackson geleitetenOperation Breadbasket aufgenommen worden. Jacksons kämpferischer Ausruf „You got to walk tall, walk tall!“ (in etwa „Geht aufrecht euren Weg!“) leitete das Album ein und gab dem Stück auch seinen TitelWalk Tall.

Als das auf Soul spezialisierte PlattenlabelStax am 20. August 1972 mitWattstax eine Art schwarzesWoodstock veranstaltete, war Jesse Jackson als Redner eingeladen. Teile seiner Begrüßungsansprache verwendete die schottische BandPrimal Scream als Textelemente in ihrem Zehn-Minuten-StückCome Together, zu finden auf dem vonAndrew Weatherall produzierten AlbumScreamadelica von 1991. Mit seiner Ankündigung des GesangsquartettesThe Soul Children und dessen StückI Don’t Know What This World Is Coming To schaffte es Jesse Jackson seinerzeit auch auf den dazugehörigen Festival-Sampler. Das kurzeExzerpt „Brothers and sisters, I don’t know what this world is coming to“ ist seitdem unzählige Malegesampelt worden, unter anderem vonPublic Enemy inRebel Without a Pause und vonM/A/R/R/S inPump Up the Volume (UK Remix). Die Seite WhoSampled.com listet 149 Titel dazu auf.[15]

Sein auf derselben VeranstaltungMantra-artig wiederholtSlogan „I am somebody!“ leitet das LiedHanna Hanna (1984) der englischen BandChina Crisis ein.[16]

Der britische Musik-ProduzentMad Professor verwendete einen kurzen Auszug aus Jacksons1984 Democratic National Convention Address und setzte dasSample an den Anfang seinesDub-TracksBasking in Colonialism (aufAnti-Racist Dub Broadcast: Black Liberation Dub, Chapter 2, 1995):

“Our mission: to feed the hungry; to clothe the naked; to house the homeless; to teach the illiterate; to provide jobs for the jobless; and to choose the human race over the nuclear race.”

„Unsere Mission: den Hungrigen Essen zu geben, den Nackten Kleidung, den Obdachlosen ein Dach über dem Kopf, den Analphabeten Unterricht und den Arbeitslosen Arbeit. Wir setzen auf den Menschen (human race) und nicht auf atomares Wettrüsten (nuclear race).“

Jesse Jackson:1984 Democratic National Convention Address[17]

Diskografie (Auswahl)

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Weblinks

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Commons: Jesse Jackson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Jesse Jackson – Zitate (englisch)
Wikisource: Jesse Jackson – Quellen und Volltexte (englisch)

Musikbeispiele

Einzelnachweise

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  1. Bekannter Bürgerrechtsaktivist: Jesse Jackson ist tot. In: t-online.de. 17. Februar 2026, abgerufen am 17. Februar 2026. 
  2. abcdJoyce Purnick and Michael Oreskes:Jesse Jackson Aims for the Mainstream. In:The New York Times. 29. November 1987 (nytimes.com). 
  3. Ronald Smothers:N. L. Robinson, Jesse Jackson’s Natural Father, Is Dead at 88. In:The New York Times. 30. Januar 1997,ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 2. Januar 2017]). 
  4. Life Term for Jesse Jackson’s Half-Brother. In:The New York Times. 23. August 1992,ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 2. Januar 2017]). 
  5. David T. Beito, Linda Royster Beito:Black Maverick: T.R.M. Howard’s Fight for Civil Rights and Economic Power. University of Illinois Press, Urbana, Ill. 2009,S. 206–216 (google.com). 
  6. abJustin Elliott, (16.12.2010)A White House campaign funded by … Libya?,Salon.com
  7. Nation: Wooing the Black Vote. In:Time. 30. Januar 1978. 
  8. Gigi Anders: "Hymietown" Revisited. In: American Journalism Review ajrarchive.org. Mai 1999, abgerufen am 11. Januar 2017. 
  9. BOB FAW, NANCY SKELTON:The 'Hymie' Incident : Jesse Jackson Claimed His Comments Were Harmless. But With a Few Phrases, He Tore at the Fragile Bonds Between Blacks and Jews. An Excerpt From a New Book Chronicling the Jackson Campaign. In:Los Angeles Times. 19. Oktober 1986,ISSN 0458-3035 (latimes.com [abgerufen am 11. Januar 2017]). 
  10. 2 Jackson Pals Won Clemency. In:tribunedigital-chicagotribune. 11. März 2001 (online (Memento vom 9. Juni 2014 imInternet Archive) [abgerufen am 17. Februar 2016]). 
  11. Bürgerrechtler Jesse Jackson hat Parkinson. In: merkur.de. 17. November 2017, abgerufen am 2. September 2020. 
  12. Clarence Page:Culture Worrier: Selected Columns 1984–2014: Reflections on Race, Politics and Social Change. Agate Publishing, 2014,ISBN 978-1-57284-742-2, Weaponized Umbrage. 
  13. Sebastian Moll: Jesse Jackson kritisiert Barack Obama: Wie ein Weißer. In: taz.de. 28. August 2008, abgerufen am 2. September 2020. 
  14. Friederike Freiburg: Obama-Beschimpfung: Jesse Jackson bedauert verbalen Tiefschlag. In: Spiegel Online. 10. Juli 2008, abgerufen am 2. September 2020. 
  15. Whosampled:(Brothers and Sisters) I Don't Know What This World Is Coming To.
  16. Hanna Hanna auf demYouTube-Kanal von China Crisis.
  17. Jesse Jackson: 1984 Democratic National Convention Address. In: americanrhetoric.com. 18. Juli 1984, abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch). 
  18. I Don't Know What This World Is Coming To: Jesse Jackson – Samples, Covers and Remixes. In: whosampled.com. 3. April 2000, abgerufen am 2. September 2020 (englisch). 
  19. Jesse Jackson beiDiscogs
Personendaten
NAMEJackson, Jesse
ALTERNATIVNAMENJackson, Jesse Louis (vollständiger Name); Burns, Jesse Louis (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNGUS-amerikanischer Baptistenpastor, Politiker und Bürgerrechtler
GEBURTSDATUM8. Oktober 1941
GEBURTSORTGreenville, South Carolina
STERBEDATUM17. Februar 2026
STERBEORTChicago
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