Jensen Motors war einKarosseriebauunternehmen undAutomobilhersteller ausWest Bromwich inGroßbritannien, der von 1935 bis 1976 existierte. Das NachfolgeunternehmenJensen Parts and Service setzte die Produktion von Sportwagen von 1983 bis 1992 in sehr geringem Umfang fort.

1927 bauten die Brüder Richard und Alan Jensen ihre erste eigene, sportliche Autokarosserie zum Eigengebrauch. Das Fahrgestell kam von einemAustin 7. Es folgte ab 1929 eine Serie ähnlicher Aufbauten für denStandard Avon, benannt nach dem ausführenden KarosseriewerkNew Avon inWarwick. Mit demWolseley-HändlerPatrick Motors ausBirmingham gingen sie 1930 eine Partnerschaft ein, die allerdings nur ein Jahr hielt. In dieser Zeit entstand mit demPatrick-Jensen ein Sportwagen auf dem Fahrgestell desWolseley Hornet.[1][2][3]

1936 übernahmen die Brüder dasKarosseriebauunternehmenW.J. Smiths & Sons ihres verstorbenen Arbeitgebers und benannten sie inJensen Motors um.[4] Der erste Entwurf war wiederum ein sportlicherTourer auf dem Fahrgestell desStandardAvon. Der Entwurf gefiel den Verantwortlichen bei Standard, sodass weitere Exemplare folgten. Es wurden auch andere Fahrgestelle verwendet, so vom Wolseley Hornet oder dem US-amerikanischenFordV8. Ein früher Entwurf auf dem Ford-Chassis war ein Einzelstück für den SchauspielerClark Gable von dem 1936 im Auftrag vonEdsel Ford einigeJensen-Ford abgeleitet wurden. In den Jahren bis zumZweiten Weltkrieg baute Jensen für mehrere populäre Modelle sportliche, meist offene Karosserien in Kleinserie:MorrisMinor,Eight,Ten undTwelve,Wolseley Fourteen und für Ford neben dem genannten V8 auch für denEight undTen. Zu dieser Zeit war Jensen einer der erfolgreichsten Karosseriehersteller Großbritanniens; zu seinen Konkurrenten gehörtenMaltby’s sowieThrupp & Maberly, wobei letzterer allerdings an den Rootes-Konzern gebunden war.
Einzelanfertigungen wurden aufDelage- undStar-Fahrgestellen ausgeführt. Außerdem baute Jensen für den RennfahrerRonald T. „Ronnie“ Horton eineMonoposto-Karosserie für einen Rennsportwagen auf der Basis desMGC-Type.[Anm. 1] Bei Jensen entstanden zu dieser Zeit auch eine ReiheKarosserien fürLkw undBusse.
Selbst nach demZweiten Weltkrieg entstanden noch Serienkarosserien für Dritte, so einigeLea-Francis 12 h.p „Woodie“-Kombis, derAustin A40 Sports (als kleineres Schwestermodell des technisch identischen CoupésJensen Interceptor) und die Rohkarosserien für denAustin-Healey3000.

Daneben entstand auch eine geringe Anzahl an eigenen Fahrzeugen. Das erste nannten sieWhite Lady. Dieser Prototyp mit selber konstruiertem Chassis, demseitengesteuerten FordV8-Motor und Ford-Getriebe erhielt eine seriennahe, sehr elegante Tourer-Karosserie. Er existiert noch immer.
Angeboten wurde der erste Jensen 1936 schließlich mit einem leicht modifizierten Ford-Fahrgestell als 3.5 Litre (auchS-Type genannt nach dem ersten Buchstaben derFahrgestellnummer). Er war alsDrop-Head Coupe (Cabriolet),Open Tourer (offener, viertüriger Viersitzer mit vorderen ausgeschnittenen Türen undWindschutzscheibe auch für die Fond-Passagiere und Not-Verdeck) sowie alsContinental Touring Saloon (Limousine) lieferbar. Ab 1937 kam ein2.2 Litre mit der kleineren Version dieses V8 dazu. Ford nannte eine Leistung von 85 PS (63,4 kW) bei 3800/min für den größeren V8 (3622 cm³) und 60 PS (44,7 kW) bei 3500/min für die kleinere Ausgabe (2227 cm³).
1938 zeigte Jensen an der Earl's CourtAutomobilausstellung inLondon den etwas größeren4 1/4 Litre H-Type. Das Ford-Fahrgestell wurde für dieses Modell noch einmal verstärkt und vorne verlängert um einenobengesteuertenNash-Achtzylinder-Reihenmotor mit 4279 cm³,Doppelzündung und 120 PS (89,5 kW) bei 3500/min unterzubringen. Bis die Produktion kriegsbedingt zum Erliegen kam, wurden alle drei Modelle gebaut.



1946 entstand derJensen 4 Litre PW, von dem aber aufgrund des Rohstoffmangels nach dem Krieg nur wenige Exemplare gebaut wurden. Er war als Limousine und Cabriolet erhältlich. Angetrieben wurde er erst von einem Reihen-Achtzylindermotor vonMeadows mit 3860 cm³ und 130 PS (97 kW) bei 4300/min. 1949 wurde er überarbeitet. Er erhielt einen etwas größerenRadstand, war aber wegen kleinerer Überhänge geringfügig kürzer. Neu verwendete Jensen denAustinSechszylindermotor mit 3993 cm³ der auch imAustin A135 verwendet wurde Die Leistung blieb unverändert bei 130 PS, stand aber bereits bei 3700/min zur Verfügung. Er war der erste Sechszylinder der Marke und wurde auch in anderen Modellen verwendet.
Ein moderneresCoupé folgte 1950, dasJensen Interceptor genannt wurde, es wurde bis 1958 gebaut. Zur gleichen Zeit produzierte man bis 1953 denAustin A40 Sports, einen kleinen offenen Sportstourer, der das Design des Interceptor aufgriff. Jensen erhielt von Austin auch den Auftrag zum Bau der Karosserien für denAustin-Healey.
1955 startete mit demJensen 541 ein revolutionäres Konzept: Das Auto hatte eine Karosserie ausglasfaserverstärktem Kunststoff, einem Werkstoff, der leichter als Stahl ist und daher dem Auto ein relativ geringes Gewicht verlieh. Ebenso innovativ waren dieScheibenbremsen, die ab 1956 eingebaut wurden und zur damaligen Zeit bei Serienfahrzeugen noch nicht verbreitet waren.
1962 wurde der541 durch denJensen C-V8 ersetzt, der anstatt des bisherigenSechszylinder-Reihenmotors vonAustin mit einem 5,9-Liter-Achtzylinder-V-Motor vonChrysler motorisiert war. Später wurde dann einMotor mit 6,3 Litern Hubraum verwendet. Das vergleichsweise leichteAuto wurde durch den mächtigen Motor zum schnellsten 4-Sitzer seiner Zeit, polarisierte jedoch mit seinem markant aggressiven Styling. In der fünfjährigen Produktionszeit verließen 500 Fahrzeuge das Werk inWest Bromwich.

1966 wurde derC-V8 durch ein Modell ersetzt, das neuerlichJensen Interceptor hieß. Das Design kam von der italienischen FirmaCarrozzeria Touring, die Karosserien, die jetzt wieder aus Stahl waren, wurden anfänglich ebenfalls inItalien, beiVignale, später bei Jensen selbst gefertigt. Als Motor diente anfangs derselbe 6,3-Liter-Chrysler-Motor wie imC-V8. Ab Ende 1971 wurden schließlich Motoren mit 7,2 Litern Hubraum verbaut.
Ebenfalls 1966 wurde derFF vorgestellt. Das Auto war technisch eine Sensation: Es war das erste Fahrzeug mit serienmäßigemAllradantrieb vonFerguson Research (ebenso eine Premiere war das hier erstmals serienmäßig eingesetzteABS vonDunlop) – dasFF stand fürFerguson Formula – und obendrein der erste in Serie produziertePkw der Welt mit diesem Antriebskonzept. Diese technische Revolution brachte der Firma Jensen keine großen Verkaufszahlen (es blieb bei nur rund 320 gebauten Einheiten) da ausschließlichrechtsgelenkte Autos gebaut wurden, und so wurde 1971 die Produktion desFF wieder eingestellt. Die Produktion desInterceptor wurde allerdings weitergeführt und es entstanden noch ca. 7.000 Einheiten, ausschließlich in Handarbeit. Neues Topmodell war der Jensen SP (SP steht für „Six Pack“), dessen Motor mit dreiDoppelvergasern 385 PS leistete. Doch auch von diesem Modell konnten zwischen 1971 und 1973 nur insgesamt 232 Fahrzeuge verkauft werden, da der Motor die auf dem wichtigen amerikanischen Markt inzwischen eingeführten Abgasrestriktionen nicht erfüllte.

Im April 1970 stieg der Amerikaner KjellQvale bei Jensen Motors ein. Als Importeur hochwertiger Automobile war Qvale nach dem Produktionsende des Austin-Healey 3000, dessen Karosserie wie erwähnt bei Jensen gefertigt wurde, an einem Ersatz für diesen Sportwagen interessiert. Der dazu vorgestelltePrototypP66 wurde jedoch nicht weiterverfolgt. Während die Produktion des Interceptors unverändert weitergeführt wurde, entwickelten die Ingenieure in Zusammenarbeit mitDonald Mitchell Healey einen zweisitzigen Roadster, der von einemVierzylindermotor vonLotus mit 2 Liter Hubraum angetrieben wurde. Von 1972 bis 1976 wurde derJensen-Healey mit einer Stückzahl von etwas mehr als 10.000 Exemplaren produziert. Vor allem die Fahrzeuge der ersten Serie hatten mit Qualitätsmängeln zu kämpfen, was auch an der unzureichenden Erprobung des Motors lag, der später imLotus Esprit verwendet wurde.

Ebenfalls auf den Einfluss Qvales ist die Einführung des offenen Jensen Interceptor Convertibles im Jahr 1974 zurückzuführen. Ausstattung und Design waren auf den amerikanischen Markt zugeschnitten, wo auch mehr als zwei Drittel der gut 500 bis 1976 gebauten Fahrzeuge verkauft wurden. Teurer und noch luxuriöser als der Saloon war dasCabriolet ein Auto der Schönen und Reichen. Zu den Kunden gehörten zahlreiche Prominente, darunter auchFrank Sinatra sowieWinthrop Paul Rockefeller. Ende 1975 wurde die Interceptor-Modellreihe um das „Interceptor Coupé“ ergänzt. Von dem auf der Basis des Cabriolets entwickelten Zweitürer mit Stufenheck wurden jedoch nur noch 47 Fahrzeuge fertiggestellt.
Der ausbleibende Erfolg des als Volumenmodell geplanten Jensen-Healey führte in Verbindung mit derÖlkrise zu finanziellen Schwierigkeiten, die dazu führten, dass 1975 ein Insolvenzantrag gestellt wurde, die Geschäfte wurden jedoch zunächst weitergeführt.[5]
Aus der Konkursmasse entstand die Firma „Jensen Parts & Service“, die den Service- und Ersatzteilmarkt betreuen sollte. Neben Vollrestaurierungen bot das Unternehmen zwischen 1983 und 1992 einen überarbeiteten Interceptor an, der als Interceptor IV verkauft und von einem 5,9-Liter-V8 von Chrysler angetrieben wurde. Nur 15 Fahrzeuge verließen die Werkshallen. Planungen für einen Interceptor V wurden nicht weiterverfolgt, als das Unternehmen 1993 endgültig liquidiert wurde.
Der nächste Versuch einer Wiederbelebung der Marke, derenNamensrechte 1997 durch die beidenIngenieure Keith Rauer und Robin Bowler erworben worden waren, scheiterte 2002, als die Produktion des 1998 vorgestellten RoadstersJensen S-V8 (0–100 km/h ca. 5 s, 325 PS, 70.000 €) nach 20 gebauten Exemplaren eingestellt wurde. Unvollständige Fahrzeuge wurden 2003 an das Unternehmen SV Automotive verkauft, das bis 2005 weitere 12 Jensen S-V8 fertigstellte.[6][7]
2007 stellte der KleinserienherstellerV Eight Ltd in Zusammenarbeit mit dem auf Jensen spezialisierten Restaurierungsbetrieb Cropredy Bridge Garage eine überarbeitete Version des Interceptors mit der ModellbezeichnungInterceptor S vor. Die Fahrzeuge wurden auf Basis originaler Karosserien mit modernen Fertigungsverfahren unter Verwendung neuer Bauteile neu aufgebaut. Zur Verbesserung von Fahrleistung und Fahrverhalten wurden neben einem modernen V8-Motor (305 kW) von General Motors andere Bremsen, 17-Zoll-Felgen sowie ein modifiziertes Fahrwerk verwendet. Bis auf eine geänderte Frontschürze entsprach das Design weitgehend den originalen Fahrzeugen.[8]
Ein von V Eight Ltd angekündigtes neues Fahrzeug mit der ModellbezeichnungInterceptor SX wurde nie fertiggestellt, das Unternehmen meldete Insolvenz an. Die im Jahr 2010 gegründete Firma Jensen International Automotive übernahm die Rechte am Interceptor S. An dem Unternehmen ist SirCharles Dunstone beteiligt.[9] Seitdem wird das Fahrzeug mit weiteren Änderungen alsInterceptor R angeboten.[10]
Im Februar 2015 wurde schließlich von der Jensen Motor Group, einem Unternehmen des ehemaligen Aston Martin-Teilhabers Tim Hearley, angekündigt im Jahr 2016 ein vollständig neues Modell mit der ModellbezeichnungJensen GT auf den Markt zu bringen. An diesem Neustart der Marke soll neben der Jensen Motor Group auch Jensen International Automotive beteiligt sein.[11]