Mitte links der VulkanBromo. Im Hintergrund rechts der höchste Berg Javas, der VulkanSemeru. Vorne rechts der Batok Mitte links der VulkanBromo. Im Hintergrund rechts der höchste Berg Javas, der VulkanSemeru. Vorne rechts der Batok
Java liegt imTropengürtel zwischen etwa 6° Süd/105° Ost und etwa 9° Süd/115° Ost südlich von Borneo und östlich von Sumatra imIndischen Ozean. Die Insel hat eine Fläche von126.650 Quadratkilometern – mit kleineren vorgelagerten Inseln wieMadura sind es 132.107 Quadratkilometer.
Java hat etwa 152 Millionen Einwohner (Stand 2020)[1], mehr als jede andere Insel der Erde. Mit über 1100 Einwohnern je Quadratkilometer ist dieBevölkerungsdichte eine der höchsten der Welt. Auf Java befindet sich die ehemalige Hauptstadt der Inselrepublik Indonesien, Jakarta, mit (2019) 10,5 Millionen Einwohnern. Jakarta dehnt sich in der Fläche immer weiter aus und wächst mit den NachbarstädtenBogor,Depok,Tangerang undBekasi zusammen, wofür inzwischen der Kunstbegriff „Jabodetabek“, zusammengesetzt aus den Anfangssilben der Namen der fünf Städte, gebräuchlich wurde.
Das Wetter ist vomMonsun geprägt, der aus unterschiedlichen Richtungen kommt. Die Insel ist außerordentlich fruchtbar. Im Westen finden sich noch kleinere Dschungelflächen, während es nach Osten zu allmählich trockener wird. Freie Flächen sind weitgehend kultiviert, wobei vonKaffee überTabak undMais zahlreiche Ackerbauprodukte gewonnen werden. Beherrschend aber ist der Reisanbau mit großen Feldern undReisterrassen.
Es gibt mehrere Flusssysteme, die bei den teilweise über 3000 Meter hohen Vulkanen entspringen. DerSolo ist mit etwa 600 Kilometern der längste Fluss. Weitere größere Flüsse sind derSerayu und derProgo.
Auf der Insel lebte bis in die 1980er Jahre noch derJava-Tiger(Panthera tigris sondaica). Das vom Aussterben bedrohteJava-Nashorn(Rhinoceros sondaicus) kommt noch imNationalpark Ujung Kulon im Südwesten der Insel vor.
Administrativ ist Java in die ProvinzenBanten,Jawa Barat (Westjava),Jawa Tengah (Zentraljava),Jawa Timur (Ostjava) und das autonome FürstentumYogyakarta unterteilt. Die Stadt Jakarta untersteht unmittelbar der Zentralregierung.
Java befindet sich, zusammen mit der größeren nordwestlichen Nachbarinsel Sumatra und den kleineren östlich gelegenen Inseln, amSundagraben (auch Sundarinne). Der Sundagraben wiederum stellt dieSubduktionszone nördlich derAustralischen Platte dar. Während der letzten Eiszeit war Java mit dem Festland verbunden und Teil desSundalandes.
Java, selbst fast zur Gänze vulkanischen Ursprungs, ist Teil desSundabogens, einem Vulkangürtel, der von vielen Geologen zumPazifischen Feuerring gerechnet wird (sieheBegrenzung des Pazifischen Feuerrings). Auf der Insel gibt es daher 38 teils erloschene, teils noch aktive Vulkane; in ganz Indonesien beläuft sich die Zahl der aktiven Vulkane auf etwa 130. Zu den bekanntesten Vulkanen zählen derBromo (2329 Meter) und derMerapi (ca. 2985 Meter), der als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt gilt. Südlich des Tengger-Gebirges mit dem Bromo erhebt sich der höchste Berg Javas, der 3676 Meter hohe tätige VulkanSemeru.
Neben Vulkanismus kommt es auf Grund der geologischen Gegebenheiten auch häufig zuErdbeben. Das letzte schwere Beben warjenes von Yogyakarta am 27. Mai 2006 mit der Stärke 6,3 auf derMomenten-Magnituden-Skala. DasHypozentrum lag nach Angaben desUSGS etwa 20 Kilometer südöstlich der StadtYogyakarta in einer Tiefe von circa zwölf Kilometern. Das Hauptbeben, gefolgt von mehr als 1000 Nachbeben bis zu einer Stärke von bis zu 5,2, kostete nach Angaben derUNO vom 5. Juni 2006 annähernd 5800 Menschen das Leben, bis zu 57.800 wurden verletzt, mehr als 130.000 Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt und bis zu 650.000 Menschen wurden obdachlos. Am schwersten betroffen war die StadtBantul, wo allein etwa 2400 Menschen starben und vier Fünftel der Gebäude zerstört wurden. Schwer beschädigt wurde auch die TempelanlagePrambanan, die vorerst für Besucher geschlossen wurde. Der nahe gelegene Vulkan Merapi, der in den Wochen zuvor bereits verstärkt Aktivitäten gezeigt hatte, stieß kurz nach dem ersten Beben eine rund 3,5 Kilometer hohe Wolke aus Gasen und Asche aus. In den weiteren Tagen nach dem Beben verstärkte sich seine Aktivität noch weiter um mindestens das Doppelte.
Eine weitere Gefahr geht von Seebeben aus, dieTsunamis verursachen können. DasSeebeben vor Java am 17. Juli 2006 mit einer Stärke vom 7,7 auf der Richterskala, dessen Epizentrum rund 400 Kilometer vor der Küste lag, verursachte eine Flutwelle, die nach Augenzeugenberichten eine Höhe von bis zu vier Metern erreichte. Ihr fielen auch durch einstürzende Gebäude mehr als 660 Menschen zum Opfer, etwa 300 werden vermisst. Zudem wurden rund 30.000 Menschen obdachlos. Besonders schwer betroffen war der OrtPangandaran, der vor allem bei Einheimischen als Urlaubsort beliebt ist.
Im Mai 2006 bohrte die regionale Firma Lapindo imKecamatanPorong ein etwa drei Kilometer tiefes Loch, um auf vermutetes Öl zu stoßen. Jedoch entpuppte sich das Ölvorkommen als ein unterirdisches Wasservorkommen, das sich nun als Schlammvulkan, eine große, 140 Grad Celsius heiße Schlammfontäne, bemerkbar macht. DerSchlammvulkan Sidoarjo überflutete bereits viele Dörfer und Städte im Osten Javas. Versuche, den fauligen Schlick in Flüsse zu leiten, schlugen bislang fehl. Geologen vermuten, dass es noch Jahre dauern könnte, bis sich das Wasservorkommen ausreichend geleert hat, sodass der Vulkan zum Versiegen kommt. Ob das überhaupt geschehen wird, ist außerdem umstritten. Der neueste Versuch besteht darin, die angebohrte Stelle des Wasservorkommens mit einer schweren Flüssigkeit namensMicromax zu verschließen.
Im 1. Jahrtausend n. Chr. fasstenBuddhismus undHinduismus auf der Insel Fuß und verschmolzen mit Glaubensvorstellungen der ursprünglichen Bauernkultur. Mehrere Reiche bildeten sich, von denen die mächtigstenPajajaran undMajapahit waren. Letzteres wurde zwar 1304 vom Sultan vonTernate erobert, kam jedoch 1359 wieder in den Besitz des MonarchenHayam Wuruk, der in der Folge längere Zeit als Kaiser die ganze Insel beherrschte. Wirtschaftlich profitierte Java von seiner Lage an wichtigen Seehandelswegen nachChina. Kulturell blieben aber Übernahmen aus Indien entscheidend. Eine parallele Entwicklung vollzog sich auf der NachbarinselSumatra.
Anfang des 15. Jahrhunderts kamen muslimische Händler aus dem vorderindischenGujarat auf die Insel, und eineKonversion zumIslam begann.
Zwar hatten diePortugiesen bereits 1579 erste Handelsverbindungen geknüpft, sie wurden aber bald von den erstmals 1594 gelandetenNiederländern verdrängt. Am 1. Juni 1619 eroberten die NiederländerJakarta, das sie unter dem NamenBatavia zum Zentrum ihres Kolonialreiches in Asien machten. Auf Java selbst beschränkten sie sich vorerst auf die Herrschaft über die Stadt. 1629 belagerte SultanAgung vonMataram die niederländische Kolonie, blieb aber erfolglos. Der javanische Adel fühlte sich durch Agum ebenfalls bedroht und griff auf Waffenhilfe der technisch überlegenen Niederländer zurück. Als Gegenleistung mussten sie derNiederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) Land abtreten. Dadurch übernahm die VOC im Verlauf des 17. Jahrhunderts die Kontrolle über die ganze Insel. Java lag im Knotenpunkt der asiatischen Seerouten und erlaubte den Niederländern dadurch eine weitgehende Kontrolle des Handels außerhalb des von England dominierten Indien.
Gleichzeitig mit der Durchsetzung der Kolonialherrschaft breitete sich auch der Islam auf Java aus. Popularität gewann er vor allem, weil er von vielen Einheimischen als Gegengewicht zur Kultur der Europäer verstanden wurde. Auf der anderen Seite unternahmen die Niederländer kaum christliche Missionierungsversuche.
Die Niederländer setztenChinesen als Händler und Steuereintreiber ein, wodurch diese sich bei der einheimischen Bevölkerung unbeliebt machten. Auch zwischen Niederländern und Chinesen wuchsen die Spannungen, weil die Kolonialherren die unkontrollierte Zuwanderung aus China zunehmend als Gefahr betrachteten. 1740 wurden tausende Chinesen in einemPogrom in Batavia umgebracht. An den Morden beteiligten sich sowohl die lokale moslemische Bevölkerung als auch die niederländischen Kolonialtruppen. Ein Jahr später gab die Kolonialverwaltung offiziell alle Chinesen auf Java zur Tötung frei, was weitere Pogrome zur Folge hatte.
Karte von Java 1860
Am Anfang des 19. Jahrhunderts übernahm der niederländische Staat die direkte Kontrolle über die Kolonie, nachdem die VOC am 31. Dezember 1799 für insolvent erklärt worden war, und verstärkte in Zusammenarbeit mit dem javanesischen Adel die wirtschaftliche Ausbeutung der Landbevölkerung. Nach demBritisch-Niederländischen Krieg um Java im Spätsommer 1811 fiel die Insel an die Briten, wurde jedoch nach Ende derNapoleonische Kriege wieder an die Niederlande zurückgegeben.
1825 bis 1830 kam es zu einemVolksaufstand gegen die Niederländer wegen einer neuen Abgabe, die die Einheimischen auf die Reisernte entrichten mussten. Den Kämpfen im sogenanntenJavakrieg fielen über 200.000Javaner und 8.000 Europäer zum Opfer.
1830 wurde das sogenanntecultuurstelsel eingeführt. Statt Pacht zu zahlen, sollten die Bauern nunmehr ein Fünftel ihres Bodens zur Verfügung stellen, um auf diesem Land von der Regierung bestimmte Gewächse anzubauen. Zu diesem System gehörte auch, dass sie ihre Arbeitskraft 66 Tage im Jahr zugunsten der Regierung einsetzten. In der Praxis gingen die Belastungen für die Bauern häufig weit über die offiziellen Vorgaben hinaus. Die Waren wurden nach Europa verschifft und dort gewinnbringend verkauft. Dieses System kritisierte der niederländische Schriftsteller und ehemalige KolonialbeamteEduard Douwes Dekker in seinem 1860 unter dem PseudonymMultatuli veröffentlichten BuchMax Havelaar.
In Java stellenMuslime die Bevölkerungsmehrheit. Java wurde im 15. und 16. Jahrhundertislamisiert, so dass heute rund 91 Prozent derJavaner und 97 Prozent derSundanesen Muslime sind.
Um 1815 schickten die Niederlande erstmals christlicheMissionare nach Java. In der Folge traten viele Chinesen zumChristentum über, ebenso einige wenige Javaner, die noch nicht den Islam angenommen hatten.
Im Süden von Zentraljava gibt es einige christliche Gemeinden, deren Mitglieder größtenteils zurchinesischen Minderheit gehören.
58 Prozent der muslimischen Javaner bezeichnen sich alsAbangan, das heißt, sie betrachten dieSchari’a nicht als unmittelbar gültiges Gesetz. Die übrigen sindSantri, die eine eher orthodoxe Auslegung des Islams vertreten.
Ursprünglich war auf Java die reisorientierte Landwirtschaft verbreitet. Während der niederländischen Kolonialherrschaft wurde die Plantagenwirtschaft (Zuckerrohr, Kautschuk, Tee, Kaffee und Chinin) eingeführt.
Heute ist Java die am meisten entwickelte Insel in Indonesien, mit mehreren Industrie- und Geschäftszentren und einem ausgebauten Straßensystem und einem Eisenbahnnetz.