| Jasses | ||
|---|---|---|
| Staat | Frankreich | |
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Pyrénées-Atlantiques (64) | |
| Arrondissement | Oloron-Sainte-Marie | |
| Kanton | Le Cœur de Béarn | |
| Gemeindeverband | Béarn des Gaves | |
| Koordinaten | 43° 19′ N,0° 45′ W43.3114-0.746111111111Koordinaten:43° 19′ N,0° 45′ W | |
| Höhe | 119–271 m | |
| Fläche | 5,22 km² | |
| Einwohner | 142(1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 27 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 64190 | |
| INSEE-Code | 64281 | |
Jasses ist einefranzösischeGemeinde mit 142 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) imDépartementPyrénées-Atlantiques in derRegionNouvelle-Aquitaine (vor 2016:Aquitanien). Die Gemeinde gehört zumArrondissementOloron-Sainte-Marie (bis 2016:Arrondissement Bayonne) und zumKantonLe Cœur de Béarn (bis 2015:Kanton Navarrenx).
Die Bewohner werdenJassois oderJassoises genannt.[1]
Jasses liegt ca. 20 km nordwestlich vonOloron-Sainte-Marie in der historischen ProvinzBéarn.
Umgeben wird der Ort von den Nachbargemeinden:
| Navarrenx | ||
| Sus | Ogenne-Camptort | |
| Gurs | Dognen |
Jasses liegt im Einzugsgebiet des FlussesAdour und liegt am linken Ufer desGave d’Oloron, einem Nebenfluss desGave de Pau. Drei rechte Nebenflüsse des Gave d’Oloron, derLayous, der Laus und der Arroder, strömen durch das Gebiet der Gemeinde.[2]
Im Wald östlich des heutigen Zentrums der Gemeinde befand sich einRömisches Militärlager, genanntButte des Maures. Ausgrabungen von Knochen in dessen Nähe, die aus derFrühgeschichte datieren, belegen eine Besiedelung vor dergallorömischen Zeit.[3]
DieMotte, unter deren Schutz sich die Gemeinde entwickelte, geht auf das 11. Jahrhundert zurück und wurde in den Schriften alsJaces erwähnt. 1309 verfasste derGrundherr von Jasses eineCharta zur Festlegung vonPrivilegien seinerVasallen. Als Gegenzug zu ihrer Befreiung von ihren Verpflichtungen als Vasallen hatten sie eine hohe Steuer zu bezahlen, abhängig von der Größe des Grundstücks, das sie kultivierten. Bei derVolkszählung im Jahr 1385 wurden in Jasses 22 Haushalte gezählt und die Zugehörigkeit des Orts zurBailliage vonNavarrenx vermerkt. 1664 wurde Jasses zumBaronat erhoben. In derFranzösischen Revolution wurde derMarquis von Jasses zum ersten Präsident derGesetzgebenden Nationalversammlung gewählt. Seine Güter umfassten 32Lehen, darunter 17 Grundherrschaften. Dennoch wurde sein Schloss in Jasses von Revolutionären in der Folge zerstört.[1][4]
In der Folgezeit wurden mehrereThermalbäder in Jasses eingerichtet. Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Wirtschaft der Gemeinde auch durch eine Fabrik zur Herstellung von Berufsstrümpfen.[1]
Toponyme und Erwähnungen von Jasses waren:
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte die Größe der Gemeinde auf einem Niveau von über 300 Einwohnern gehalten werden, bevor die Einwohnerzahl bis heute auf rund 140 zurückging.
| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2006 | 2009 | 2023 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 197 | 170 | 215 | 184 | 144 | 137 | 131 | 154 | 142 |
Die Kircheromanischen Ursprungs ist demApostelBartholomäus gewidmet und ist traditionellerweise von einem Friedhof umgeben. 1890 wurde ein Projekt zur Restaurierung und Erweiterung der Kirche begonnen, ein Jahr später abgeschlossen. Es umfasste u. a. die Errichtung desGlockenturms als Eingangsvorbau deseinschiffigenLanghauses und zweierSeitenkapellen, die von außen wie ein Querschiff wirken. Das Kirchenschiff wurde mit einemTonnengewölbe ausgestattet und ist nun mit einerApsis mit Kesselgewölbe abgeschlossen. Der Vorbau ist mit einem falschenKreuzgratgewölbe gedeckt.[8]
Das romanischeEingangsportal fügt sich als ursprüngliches Element in das restaurierte Gebäude ein. Das aus Granit gefertigte Material hat sich bei einem Brand rosa verfärbt, alsprotestantische Truppen die Kirche gegen 1569 im Verlauf derHugenottenkriege verwüsteten. Das Portal misst 3,60 m in der Höhe und 3,30 m in der Breite. Es ist in einem Rundbogen mit dreiArchivolten in seinemGewände eingebettet, bei dem die äußere schachbrettartig gemustert ist. Die Bögen ruhen auf einem ebenfalls schachbrettartig verziertenGesims, das von zwei Säulenkorinthischer Ordnung getragen wird.[9]
Bei den Umbauarbeiten am Ende des 19. Jahrhunderts sind auch dreiBleiglasfenster, Werke der renommiertenGlasmalerei Mauméjean ausPau, eingesetzt worden. Sie füllen drei Rundbögen aus und bebildern das Leben vonMaria, der MutterJesu Christi. Das mittlere Fenster zeigt zwei Szenen auf einem dekorativen Hintergrund, unten die Geburt Jesu, obenMariä Aufnahme in den Himmel. Im rechten Fenster beweint Maria kniend den Körper ihres Sohnes nach derKreuzabnahme.[10]
DerAltar in der Seitenkapelle, dieJosef von Nazaret gewidmet ist, ist aus grauem gemustertem Marmor und ruht auf einem schwarzen Sockel auf einemPodest auf Holz. Die Wand hinter dem Altar setzt den ästhetischen Rahmen mit gemalten braunen Streifen und Verzierungen mitSchwertlilien. Auf der Vorderseite trägt der Altar ein großes weißes, mit Gold umrandetes Kreuz. EinTabernakel aus Marmor ruht auf einem zweistufigen Aufsatz auf dem Altar. Er besitzt an seiner Oberseite ein vorspringendes Gesims, das einPostament aus Marmor und einKruzifix aus vergoldetem Metall trägt. Die Vorderseite des Tabernakels zeigt Ornamente in Form vonRauten alsIntarsien im Marmor neben seiner kleinen vergoldeten Tür.[11][12]
Ein weiterer Altar der Kirche, der Jungfrau Maria gewidmet, ist aus weißem Marmor mit grauer Maserung. Ähnlich wie bei dem anderen Altar befindet sich auch hier ein Tabernakel auf einem zweistufigen Aufsatz.Blattwerk, Palmzweige und Monogramm sind als Verzierung eingraviert und vergoldet. Die Vorderseite des Altars wird von zwei seitlichenPilasterOrnamenten strukturiert, die eine über die gesamte Altarvorderseite verlaufendeBlendarkade aus kleinenSäulen undKorbbögen einrahmen. Die Wand hinter dem Altar setzt den Rahmen mit gemalten grünen Streifen und ist ebenfalls mit Schwertlilien verziert.[13]
DieKanzel ist in schlichter Form ausgearbeitet, ganz nach dem vorherrschenden Geschmack der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie ist an einenPfeiler schwebend gebaut mit einer schmalen, gewundenen Treppe als Zugang. Derpolygonale Kanzelkorb setzt sich aus rechteckigen, doppelreihigenPaneelen zusammen, in der oberen Reihe mitReliefs aus Rechtecken, in der unteren Reihe mit Reliefs aus Rauten verziert. Die Unterseite des Korbs ist mit einer herabhängenden gedrehten Form abgeschlossen. DerSchalldeckel greift den polygonalen Grundriss des Korbes auf. Seine Oberseite ist mit Motiven verziert, die zusammen eine geschlossene Krone bilden.[14]
Die Pfarrkirche von Jasses besitzt drei Gemälde, die Maria, den Apostel Bartholomäus und denEvangelistenJohannes darstellen. Das erste Bild zeigt das Motiv derUnbefleckten Empfängnis, einDogma der Glaubenslehre derrömisch-katholischen Kirche, nach dem Maria vor jedem Makel derErbsünde bewahrt wurde. Dies wird symbolisiert durch eine über Marias Kopf schwebende, aus zwölf Sternen bestehende Krone, den Mond, auf dem sie steht und der Schlange, die um ihre Füße schleicht. Letztere ist ein Symbol desDämons, das sich auf eine Textpassage in derOffenbarung des Johannes bezieht. Andere übliche Charakteristika des Motivs sind der große blaue Mantel, den Maria trägt, und der sie umgebende Schwarm vonPutti. Das Bild desSchutzpatrons der Kirche, des Apostels Bartholomäus, stammt aus dem 19. Jahrhundert und zeigt ihn mit einem Buch in seiner linken Hand. Bartholomäus ist Patron vieler Berufe, u. a. derBuchbinder. Das dritte Ölgemälde zeigt den Evangelisten Johannes auf dem Rücken eines Adlers, seinemEvangelistensymbol. Er trägt einPergament als Symbol für seinEvangelium.[15][16][17]
Im 16. Jahrhundert erbaut, befand sich das Schloss bis zur Französischen Revolution im Besitz der Familie des Marquis von Jasses. Im Jahre 1792 wurde es in der Nacht vom 16. auf den 17.Brumaire (vom 6. auf den 7. November) von Revolutionären in Brand gesteckt, worauf der Marquis und seine Familie die Region verlassen mussten. Das heutige Gebäude ist eine Rekonstruktion des 18. Jahrhunderts und besitzt nur wenige Elemente des ursprünglichen Baus. Eine zweiarmige Treppe erlaubt den Zugang zum dreigeschossigen Gebäude, dessen kleineLukarne mitSatteldächern das Dachgeschoss erhellen.[18]
Das Wohnhaus, unweit der Pfarrkirche gelegen, zeigt alle Merkmale des Bearner Baustils. Die Fassade zeigt sich durch eine sorgsam gebildete Symmetrie aus. In der Mitte befindet sich eine große Toreinfahrt, die trotz ihrer landwirtschaftlich bedingten Funktion mit einer wohlproportionierten Korbbogenform ausgearbeitet ist. Die Homogenität der Fassade, die durch die weißen Einrahmungen der Fenster noch verstärkt wird, setzt sich mit dem Dach fort, die für das Béarn typische Form eines hohenWalmdachs besitzt. DieDachgauben, die dem großen Dachgeschoss Licht und Belüftung spenden, sind genau auf die Fenster der beiden darunter liegenden beiden Etagen ausgerichtet.[19]
Da sich die wirtschaftliche Aktivitäten im 17. Jahrhundert in Jasses in großem Maße an der Landwirtschaft orientierten, bedurfte es einer Mühle, um das angebaute Getreide zu Mehl zu verarbeiten. Der dreigeschossige Bau wurde über dem Flüsschen Layous errichtet. Das Dachgeschoss, das durch kleine Gauben mit Satteldächern erhellt wird, diente hierbei als Kornspeicher. Obwohl das Gebäude inzwischen in ein Wohnhaus umgewandelt wurde, besteht der Innenraum immer noch aus zwei Ebenen für das Wasser, das denMühlstein antreibt, der sich auf einem zweiten, unbeweglichen Mühlstein dreht.[20]

Landwirtschaft und„grüner“ Tourismus sind die wichtigen Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde. Hinzu kommt das Handwerk, das u. a. durch eineKunsttischlerei in Jasses vertreten ist. Jasses liegt in den ZonenAOC desOssau-Iraty, eines traditionell hergestellten Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[21]
Jasses wird durchquert von denRoutes départementales 2 und 27 und ist über eine Linie des BusnetzesTransports 64 mit anderen Gemeinden des Départements verbunden.