
DieJakobikirche bzw. seit 1971Jakobikathedrale (polnischKatedra Świętego Jakuba,Bazylika archikatedralna św. Jakuba) vonStettin (Szczecin) ist einbacksteingotischer Kirchenbau. Sie ist neben demDom zu Cammin eine der größten KirchenPommerns. Sie diente bis 1945 der evangelischen Kirchengemeinde Stettins als Gotteshaus, wurde nach Kriegsende unter der Administration derVolksrepublik Polen enteignet und wird seit derVertreibung der einheimischen Bevölkerung von derpolnischenrömisch-katholischen Kirche als Gotteshaus genutzt.
Die Jakobikirche wurde von Jakob Beringer ausBamberg, der in Stettin wohnhaft war und in der Umgegend einige Güter als Lehen erworben hatte, in der Mitte der deutschen Vorstadt auf einer Anhöhe aus eigenen Mitteln erbaut.[1] Das Kirchengebäude wurde in Etappen vom 13. bis zum 15. Jahrhundert errichtet, u. a. vom BaumeisterHinrich Brunsberg. HerzogBarnim I. bestimmte um 1237 die Jakobikirche zur Kirche der in Stettin wohnenden Deutschen, während diePetrikirche den slawischen Bewohnern zugewiesen wurde.[2] Seit der Reformation diente die Jakobikirche als lutherische Gemeindekirche derPommerschen Evangelischen Kirche und war nach dem Abbruch derSt. Marienkirche 1831 die Hauptkirche der Stadt.

Der spätgotische Hallenbau besitzt einen Chor, der fast ebenso groß wie das Langhaus ist. Der ursprünglich zweitürmige Bau erhielt 1456 bis 1503 einen Mittelturm. Dieser Turm hatte ursprünglich einen gotischenTurmhelm, der bei der Belagerung Stettins im Jahre 1677 zerstört wurde.[3] Erst bei der Restaurierung 1894 wurde wieder ein Turmhelm nach Plänen desArchitektenOskar Hossfeld errichtet;[4] dieser fiel wie andere Teile der Kirche den schweren Zerstörungen imZweiten Weltkrieg zum Opfer.[3]
Die mittelalterliche Einrichtung mit 52 Altären war schon im frühen 17. Jahrhundert untergegangen. 1709 wurde der Altar vonErhard Löffler als zweigeschossiger Bau aus Holz geschaffen. Der heutige Hochaltar stammt aus demKloster Kolbatz.
Im Jahre 1699 vollendeteArp Schnitger den Orgelneubau vonMatthias Schurig aus Dresden, der 1697 verstorben war. An ihr wirkte der KomponistCarl Loewe 46 Jahre lang als Organist und Kantor. Nach seinem Tode mauerte man dessen Herz in den ersten südlichen Pfeiler der Orgel ein.
Aus der ehemaligenKartause Gottesgnaden in Grabow kam 1904 der Gedenkstein für HerzogBarnim III. hierher.Die GlasmalerAlexander Linnemann und seine Söhne Rudolf undOtto Linnemann aus Frankfurt schufen 1903 insgesamt 13 Glasfenster für die Kirche. Dargestellt waren u. a. Der verlorene Sohn, Christus am Ölberg, Abendmahl, Christus und die Samariter (gestiftet vom Kaiser), Christus bei Maria und Martha, ein Fenster mit der Baugeschichte der Kirche, ein Fenster „die ersten Christen Stettins“ und 5 Fenster mit ornamentalem Schmuck. 1933 schuf der in Marburg tätige GlasmalerErhardt Klonk zwei, wie er selbst schrieb, „Gedächtnisfenster für die Gefallenen des ersten Weltkrieges“. Auf dem einen Fenster war ein Toter zu sehen, um den sich seine Kameraden zur Beerdigung versammelt haben; auf dem anderen Fenster kehrte ein Mann zurück, links von ihm Trauernde, über ihm und rechts von ihm seine Familie.
Am 17. oder 30. August 1944 zerstörte ein Bombentreffer große Teile der Kirche, darunter die Orgel.[5] Chor und Turm – letzterer ohne Helm – blieben erhalten.
Von 1535 bis 1945 war die Jakobikirche ein evangelisches Gotteshaus. Die Jakobi-Kirchengemeinde verfügte zuletzt über drei Pfarrstellen und zählte 1940 insgesamt 22.900 Gemeindeglieder. Sie gehörte zumKirchenkreis Stettin-Stadt in derKirchenprovinzPommern derKirche der Altpreußischen Union.
Nach 1945 eignete sich die römisch-katholische Kirche in Polen die Ruine der evangelischen Kirche an und setzte sie bis 1971 wieder instand. Die katholische Kirche nutzt das Gebäude seither als Kathedralkirche desErzbistums Stettin-Cammin.PapstJohannes Paul II. erhob die Kirche 1983 in den Rang einerBasilica minor.[6]
In der Jakobikirche fand am 20. Februar 1827 die öffentlicheErstaufführung der Ouvertüre zuEin Sommernachtstraum vonFelix Mendelssohn Bartholdy statt.
Der Hauptraum derHallenkirche wird von drei Paar achteckigen Pfeilern getragen, die Seitenschiffe sind in gleicher Deckenhöhe errichtet. Frühere Kapellen im Inneren wurden baulich angepasst.

Ab 2007 wurden Umbauarbeiten durchgeführt, bei denen dem Kirchturm wieder ein Turmhelm aufgesetzt wurde.[3] Der neue Turmhelm hat ein anderes Aussehen als der 1944 zerstörte. Er ist dem ursprünglichen, 1677 zerstörten Turmhelm nachempfunden, wie er auf einer Stadtansicht vonPaul Friedeborn aus dem Jahre 1624 dargestellt ist.[7] Der Turm hat eine Höhe von 110,18 m.[8] Auf dem Kirchturm wurde eine Aussichtsplattform eingerichtet, die seit Mai 2009 über zwei Fahrstühle erreichbar ist.[9]

Zur kirchlichen Ausstattung gehören einHochaltar, einSchreinaltar, der aus verschiedenen pommerschen Kirchen zusammengesetzt wurde, bekrönt mit einem mittelalterlichenKruzifix. Weiterhin gibt es zahlreiche Nebenaltäre, eine Orgel mit 4743 Pfeifen (benannt nach Johannes Paul II.), eine Skulptur des KirchenpatronsJakobus der Ältere (die aus einer früheren barocken, nicht mehr erhaltenen Kanzel stammt), eineTaufe. Viele der dargestellten Skulpturen oder Figuren zeigen auch die in Polen sehr verehrte heilige Katharina.[10]
53.42472222222214.555277777778Koordinaten:53° 25′ 29″ N,14° 33′ 19″ O