JSTOR bietet eineVolltextsuche digitalisierter wissenschaftlicher Publikationen an. Die Texte liegen als Volltext und Vollbild imPDF,TIFF oderPostscript-Format vor. Die Datenbank (Stand: September 2019) enthält 2.600 Zeitschriftentitel, 70.000 Bücher von Wissenschaftsverlagen und 2 Millionen gescannte Primärquellen.[1] Die älteste verfügbare Zeitschrift ist diePhilosophical Transactions of the Royal Society von 1665.
Der Zugang zu JSTOR ist hauptsächlich über Bibliotheken, Universitäten und Verleger möglich. Diese Institutionen zahlen Lizenzen, damit ihre Leser, Studenten und Mitarbeiter über das Internet auf JSTOR zugreifen dürfen. Über eineBrückenseite gelangen auch Suchmaschinennutzer zu einem Zeitschriftenartikel, dessen erste Seite kostenfrei ist. Individuelle Abonnements für einzelne Zeitschriftentitel sind über den entsprechenden Zeitschriftenverleger bei JSTOR verfügbar. Insgesamt nehmen über 9000 Institutionen an JSTOR teil, davon mehr als 3900 US-amerikanische. In Deutschland haben über 200[2] Partner (größtenteils Universitätsbibliotheken) Zugriff auf JSTOR. In Österreich haben 35, in der Schweiz 50 Institutionen Zugriff auf das Angebot. JSTOR bietet aber auch Privatpersonen verschiedene Zugänge an. Downloads sind dabei kostenpflichtig.[3]
Einen Konflikt mit Zeitschriftenverlegern und deren kommerziellen Interessen löst JSTOR durch die sogenannte „bewegliche Wand“[4] (gleitende Schwelle), einer zeitlichen Verzögerung zwischen der aktuellen Ausgabe und der letzten bei JSTOR erhältlichen Ausgabe. Diese Lücke ist in einer Vereinbarung zwischen JSTOR und dem Verleger festgelegt und beträgt zwischen ein und fünf Jahren. Wenn ein Verleger seine Ausgaben selbst ins Internet stellen will (vgl.elektronische Zeitschrift), kann er die bewegliche Wand in eine sogenannte „feste Wand“ ändern, nach deren festem Datum JSTOR nicht mehr befugt ist, neue Ausgaben in seine Datenbank aufzunehmen.
William G. Bowens, Präsident derPrinceton University sowie Präsident der Bildungs-StiftungAndrew W. Mellon Foundation, erdachte und initiierte im Frühjahr 1994 ein Forschungsprojekt zur Zeitschriftendigitalisierung. Ziel des Projektes war, derZeitschriftenkrise, der vieleBibliotheken seit den 1980ern gegenüberstanden, zu begegnen. Die Bibliotheken konnten sich ihre gedruckten Zeitschriftensammlungen aufgrund steigender Titelanzahl und fehlenderRegalmeter (Archiv) kaum mehr leisten. Durch eine Digitalisierung dieser Titel sollte es Bibliotheken ermöglicht werden, den Bestand dieser Zeitschriften im Zuge einerLangzeitarchivierung kostengünstigauszulagern. Im August stiftete die Foundation derUniversity of Michigan 700.000 US-$,[5] um von Programmierern und Bibliothekaren Software entwickeln und geeignete Hardware erwerben zu lassen, die Zeitschriftenartikel mitsamt hochauflösenden Bildern über Computernetzwerke verfügbar machen sollte. Im Dezember gab die Foundation der Universität weitere 1.500.000 US-$, um das Abscannen von zehn vor 1990 erschienenen Ausgaben wichtiger („core“) Zeitschriften der Geschichtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften bildschirmlesbar zu machen (ca. 750.000 Seiten). Die Dateien wurden zusätzlich mit einerOCR-Software (ASCII) ausgelesen, um sie für Suchmaschinen durchsuchbar zu machen. Diese Datenbank wurde testweise von der University of Michigan und der Princeton University (Mirror) fünf weiteren Bibliotheken zur Verfügung gestellt. Die Volltextsuche über einen Netzzugang eröffnete (neben den Synergieeffekten der Bibliotheken) Wissenschaftlern neue Arbeitsmöglichkeiten und Forschungsbereiche, steigerte die Resonanz und den Zugriff enorm und fand Anerkennung beim wissenschaftlichen und bibliothekarischen Publikum. Nach dem Erfolg des Projektes wurde die Datenbank erweitert. Im August 1995 wurde JSTOR eine Non-Profit-Organisation. Seit Januar 1997 wird das Archiv – auf unbegrenzte Zeit – Bibliotheken angeboten.
Einige Bibliotheken lagerten ihre Zeitschriftenbände, obwohl auch bei JSTOR verfügbar, zusätzlich in ihre Archive aus. Vielen Bibliotheken ohne Abonnements der gedruckten Bände wurde es jedoch möglich, ihren Lesern Zugriff auf die Digitalisate zu geben. Aus einemPlatzspar-Service wurde so ein Zugangsservice.[6] Die Digitalisierung erhöhte die Nutzung der Artikel[7] und ließ den Kopierservice der Bibliotheken drastisch einbrechen.[8]
Im Januar 2009 gaben JSTOR und die amerikanischeNPO Ithaka, die gemeinnützige Unternehmungen zu Digitalisierungen unterstützt, ihre Fusion bekannt.[9]
Im September 2011 gab JSTOR bekannt, gemeinfreie Inhalte, die in den USA vor 1923 bzw. in anderen Ländern vor 1870 veröffentlicht worden sind, könnten weltweit frei genutzt werden. Über die erweiterte Suche ist es möglich, nur solche Aufsätze aus demEarly Journal Content anzeigen zu lassen, die für den jeweiligen Benutzer abrufbar seien.[10][11]
Im Juli 2011 wurde der US-amerikanischeUrheberrechts-AktivistAaron Swartz festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, imMIT ohne Genehmigung seinen Laptop an das dortige Netzwerk angeschlossen und so den Instituts-Zugang zu JSTOR genutzt zu haben, um zwischen September 2010 und Januar 2011 über vier Millionen Dokumente herunterzuladen. Da der Großteil dieser Dokumente durch universitäre und andere öffentliche Mittel finanziert worden war, war er der Ansicht, diese gehörten der Öffentlichkeit. NachdemKaution gestellt worden war, kam er wieder frei. Ihm drohten bei einer Verurteilung bis zu 35 Jahre Haft.[12] Die Gerichtsverhandlung war für April 2013 angesetzt. Dazu kam es aber nicht mehr, denn Swartz beging im Januar 2013Suizid.
Einen Tag nach Swartz’ Festnahme stellte ein unbekannter Nutzer knapp 19.000 wissenschaftliche Dokumente derPhilosophical Transactions of the Royal Society, die bei JSTOR gespeichert waren, beiThe Pirate Bay ein. Damit wolle er laut Datei-Beschreibung dagegen protestieren, dass JSTOR Geld für diese Dokumente nehme, obwohl siegemeinfrei sein sollten. Es handelte sich um Texte, die zwischen dem17. Jahrhundert und dem frühen20. Jahrhundert (vor 1923) veröffentlicht worden waren.[13] Diese Veröffentlichung wird zwar in Verbindung mit Swartz gebracht, jedoch hatte dieser beteuert, keine Dokumente veröffentlicht oder kopiert zu haben, und die Dokumente waren zuvor bei ihm sichergestellt worden.[12]
Nachdem dasArt Museum Image Consortium (AMICO), ein Webportal für Bilder von Kunstwerken, aufgebaut von einem Konsortium unter Leitung derGetty Foundation, im Jahr 2005 geschlossen worden war, wurdeARTstor[14] als Schwesterorganisation von JSTOR mit einem ähnlichen Abonnementmodel ins Leben gerufen. ARTstor hat Zugriff auf verschiedene Bilderdatenbanken und verfügt über mehr als zwei Millionen Bilder (Stand: Oktober 2009).
Project MUSE, ein Projekt derJohns Hopkins University Press (JHUP) und der Milton S. Eisenhower Library an der Johns Hopkins University, begann 1995, Online-Abonnements seiner Zeitschriften anzubieten. Im Jahr 2000 ergänzte Project MUSE sein Angebot um Zeitschriften anderer Verleger. Heute (Stand: Mai 2007) bietet das Projekt über 300 Zeitschriften von 60 Verlegern im Bereich Kunst, Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften an.
Eine Auswahl französischsprachiger akademischer Zeitschriften ist über das OnlineportalPersée frei zugänglich.
↑Robert S. Seeds:Impact of a digital archive (JSTOR) on print collection use, Collection Building, Sep 2002, 21/3, S. 120–122,doi:10.1108/01604950210434551