| Invacar | |
|---|---|
| Rechtsform | Limited |
| Gründung | 1948 |
| Auflösung | 1977 |
| Auflösungsgrund | Insolvenz |
| Sitz | Thundersley (Essex),Vereinigtes Königreich |
| Leitung | Bert Greeves |
| Branche | Automobilhersteller |
DieInvacar Ltd war einbritischer Hersteller von Versehrtenfahrzeugen, der von 1948 bis 1977 in Thundersley beiSouthend-on-Sea inEssex ansässig war.
1948 kamBert Greeves beim Mähen des Rasens vor seinem Haus inWorcestershire auf die Idee, den Motor eines Rasenmähers in den Rollstuhl seines behinderten Vetters Derry Preston-Cobb einzubauen. Das Ergebnis konnte überzeugen und eingedenk der vielen kriegsversehrten britischen Soldaten aus demZweiten Weltkrieg sahen beide einen Markt für solche Gefährte. Sie gründeten 1948 die Invarcar Ltd in Thundersley beiSouthend-on-Sea inEssex.[1] Invarcar gewann eine Ausschreibung des Ministry of Pensions für ein motorbetriebenes, dreirädriges Fahrzeug für Behinderte.[2][3] Neben Invacar wurden auch nochR. A. Harding, Dingwall & Son,AC Cars,Barrett,Frank Tippen & Sons, Thundersley undCoventry Climax vom Ministerium mit dem Bau von Versehrtenfahrzeugen betraut.[3]
Frühe Ausführungen wurden von einem luftgekühltenEinzylinder-Zweitaktmotor vonVilliers mit einem Hubraum von 147 cm³ angetrieben. Als die Fertigung dieses Motors Anfang der 1970er-Jahre eingestellt wurde, wurden leistungsfähigereViertakt-Boxermotoren vonSteyr-Puch mit 500–600 cm³ eingebaut, die den Gefährten eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 131 km/h verliehen.[3] In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde das Invacar mit seiner modernenGFK-Karosserie und seiner eisblauen Lackierung volkstümlich “Ministry Blue” (nach demMinistry of Health) benannt.[4] Zehntausende Invacars wurden hergestellt. Weiterentwicklungen führten zu einem längeren Radstand, einer breiteren Spur und zum Einsatz der Räder desMini. Der letzte Auftrag zum Bau dieser Versehrtenautos wurde 1977 erteilt.[5] Es gab über die gesamte Produktionszeit mehr als 50 verschiedene Varianten.
Seit 31. März 2003 dürfen Invacars im Vereinigten Königreich aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf öffentlichen Straßen fahren.[6] Der Oldtimer erfüllte die modernen Vorschriften desMotorcycle Single Vehicle Approval Scheme, Teil der von der EU vorgeschriebenen Standards, nicht. Zu diesem Zeitpunkt waren noch etwa 200 Invacars im Vereinigten Königreich angemeldet. Hunderte von Invacars, die in staatlichen Lagerhäusern auf ihren Einsatz warteten, wurden zusammen mit den Ersatzteilen verschrottet. Einige Exemplare haben in privater Hand sowie in Museen im Vereinigten Königreich und im Ausland überlebt.
Alle Invacars gehörten dem Staat und wurden an die Versehrten als Teil der staatlichen Fürsorge verleast. Die Nutzung dieser Fahrzeuge nahm seit der Einführung desMotability-Programms stetig ab. Dieses staatliche Programm ermöglicht Behinderten und deren Angehörigen den Kauf eines normalen Autos mit speziellen Umbauten.[6]
Die Fabrik in Thundersley, in der auch dieGreeves-Motorräder gebaut wurden, wurde 1977 nach einem Brand geschlossen. Die Invacar Ltd ging inInsolvenz. Bert Greeves und Derry Preston-Cobb waren schon zwei Jahre früher aus dem Unternehmen ausgeschieden.[7]