Der Vorläufer des Internets war das 1969 in den USA gegründeteArpanet, das der Informationsübertragung zwischen den vielen bis dahin noch voneinander getrennten Rechnernetzwerken bspw. einzelner Universitäten diente. In den 1980er Jahren wurden im Arpanet die wichtigsten der heute noch verwendeten Protokolle eingeführt und es verbreitete sich unter dem neuen Namen „Internet“ weltweit zunächst vor allem in der Wissenschaft. In den 1990er Jahren nahm das Internet seine heutige Form an: Weltweit wurden nun auch die meisten Firmennetzwerke undPCs an das Internet angeschlossen und dasWorld Wide Web entstand. Die folgende exponentiell zunehmende Nutzung des Internets führte weltweit fundamentale Veränderungen herbei. Sie beschleunigte unter anderem dieDigitale Revolution und dieGlobalisierung deutlich. Die Verbreitung desSmartphones seit 2007 hat die Bedeutung des Internets nochmal verstärkt. Seitdem haben immer mehr Menschen ständigZugang zum Internet und nutzen täglichOnlinedienste. Dies hat zu Veränderungen in fast allen Lebensbereichen geführt, bspw. in der privaten Kommunikation, beim Medienkonsum und beimEinkaufen. Dieses neue, vom Internet durchwobeneAlltagsleben wird auch alsDigital Lifestyle bezeichnet.
Die Verbreitung des Internets hat vielfältige Vorteile, wird aber auch kritisch betrachtet, u. a. weil sieRegierungen eine umfangreichereautomatisierte Überwachung aller Menschen ermöglicht als jemals zuvor. Ebenso kritisiert wird die Kommerzialisierung des Internets seit den 1990er Jahren: Im neuenPlattformkapitalismus sind große Teile des Internets heute unter der Kontrolle von nur noch wenigen Unternehmen, genannt „Big Tech“, die nicht primär gemeinwohlorientiert handeln, sondernselbsterhaltungs- undprofitorientiert, und deshalb intensiv alleInternetnutzer verfolgen und manipulieren (bspw. von ihren „Diensten“ abhängig machen). Sie sind mittlerweile diegrößten Unternehmen der Welt und besitzen jeweils mindestens ein Monopol auf einen essentiellenOnlinedienst – daher ist es anderen kaum noch möglich, ihre Vormacht umzustoßen. Regierungen versuchen seit Kurzem, die derzeitige Situation wieder zu verbessern und die davon ausgehenden Gefahren einzuschränken, bspw. die EU mit den seit 2022 geltenden GesetzenDSA undDMA.
Visualisierung eines Teils des Internets (2005)
Bezeichnung
Der AusdruckInternet ist einAnglizismus. Er entstand als Kurzform der Bezeichnunginterconnected networks (zusammengeschaltete Netzwerke) bzw. des daraus entwickelten Fachausdrucksinternetwork,[1][2] unter dem in den 1970er und 1980er Jahren die Entwicklung eines Systems zur Vernetzung von bestehenden, kleineren Rechnernetzen diskutiert wurde. Aus der allgemeinen englischen Fachbezeichnung für eininternetwork oderinternet verbreitete sich das seit 1996 auch in denDuden aufgenommene Wort „Internet“ alsEigenname für das größte Netzwerk dieser Art, das aus demArpanet entstand. Mit der gesellschaftlichen Durchdringung des Internets etablierten sich die Bezeichnungen „Internet“ und umgangssprachlich „Netz“[3] auch in derAlltagssprache. „Netz“ bezeichnet aber in der Informatik nicht zwingend das Internet, sondern es gibt auch diverse andere Netzwerk-Infrastrukturen.
Sprachkritiker, wie beispielsweise verschiedene Sprachvereine und viele rechtsextreme Organisationen wie die ParteiDie Heimat oder dieNPD, verwenden anstelle des WortsInternet deutsche Wortschöpfungen wieWeltnetz,Zwischennetz oderInternetz. Obwohl seit Mitte der 1990er Jahre bekannt, sind diese Wortschöpfungen zwar in diversen sprachkritischen Publikationen zu finden,[4] haben aber in der Alltagssprache keine praktische Bedeutung erlangt.[5]Der BegriffWeltnetz wird heute bisweilen im rechtsextremen Umfeld verwendet.[6][7]
Das Internet begann am 29. Oktober 1969 alsArpanet.[8] Es wurde zur Vernetzung derGroßrechner von Universitäten und Forschungseinrichtungen genutzt. Das Ziel war zunächst, die Rechenleistungen dieser Großrechner effizienter zu nutzen, zuerst nur in den USA, später weltweit.
Diese Großrechner waren untereinander überInterface Message Processors verbunden, die die Netzwerkkommunikation mittelsPaketvermittlung übernahmen. Die verwendeten Protokolle waren in heterogenen Umgebungen unzuverlässig, weil sie für ein bestimmtes Übertragungsmedium optimiert waren.
Vinton G. Cerf undRobert E. Kahn entwickelten 1973 und 1974 eine frühe Version vonTCP, um andersartige Netze miteinander zu verbinden. Nach Weiterentwicklungen in den folgenden Jahren wurde es alsTCP/IP bekannt.
Nach einer weit verbreiteten Legende bestand das ursprüngliche Ziel des Projektes vor dem Hintergrund desKalten Krieges in der Schaffung einesverteilten Kommunikationssystems, um im Falle einesAtomkriegs eine störungsfreie Kommunikation zu ermöglichen.[9][10] Tatsächlich wurden hauptsächlich zivile Projekte gefördert, obwohl die ersten Knoten von derDARPA finanziert wurden.
Die wichtigste Anwendung in der Anfangszeit war dieE-Mail. In dem Jahr 1971 betrug die Datenmenge des E-Mail-Verkehrs mehr als die Datenmenge, die mit den anderen Protokollen des Arpanet, nämlich Telnet und FTP, übertragen wurde. Damit wurde das Ziel, Rechenarbeit nach Angebot und Nachfrage auszulagern, verfehlt.
1981–1993: TCP/IP, DNS und Usenet
1981 wurden mitRFC 790-793IPv4,ICMP undTCP spezifiziert, die bis heute die Grundlage der meisten Verbindungen im Internet sind. Diese sollten nach einer knapp zweijährigen Ankündigungszeit am 1. Januar 1983 auf allen Hosts aktiv sein. Mit der Umstellung von den Arpanet-Protokollen auf dasInternet Protocol begann sich auch der Name „Internet“ durchzusetzen. Dies stellt die erste globale Protokollumstellung in der Geschichte des Internets dar und dauerte laut Kahn fast sechs Monate.[11] Die anfängliche Verbreitung des Internets ist eng mit derEntwicklung desBetriebssystemsUnix verbunden.
Mit dem 1984 entwickeltenDNS wurde es möglich, auf der ganzen Welt Rechner mit von Menschen merkbaren Namen anzusprechen.
Das Internet verbreitete sich über immer mehr Universitäten und weitete sich auch über die Grenzen der USA aus. Dort fand dasUsenet weite Verbreitung und wurde zeitweise zu der dominanten Anwendung des Internets. Es bildeten sich erste Verhaltensregeln (Netiquette) und damit erste Anzeichen einer „Netzkultur“.
Ab 1989: Kommerzialisierung und das WWW
Im Jahr 1990 beschloss dieNational Science Foundation der USA, das Internet für kommerzielle Zwecke nutzbar zu machen, wodurch es über die Universitäten hinaus öffentlich zugänglich wurde.Tim Berners-Lee entwickelte um das Jahr 1989 amCERN die Grundlagen desWorld Wide Web. Am 6. August 1991 machte er dieses Projekt einesHypertext-Dienstes via Usenet mit einem Beitrag zurNewsgroup alt.hypertext öffentlich und weltweit verfügbar.[12]
Erster Web-Server am CERN
Rasanten Auftrieb erhielt das Internet ab 1993, als der erste grafikfähigeWebbrowser namensMosaic veröffentlicht und zum kostenlosen Download angeboten wurde, der die Darstellung von Inhalten des WWW ermöglichte. Insbesondere durchAOL und dessen Software-Suite kam es zu einer wachsenden Zahl von Nutzern und vielen kommerziellen Angeboten im Internet. Da der Webbrowser fast alles andere verdrängte, wird er auch als die „Killerapplikation“ des Internets bezeichnet. Das Internet ist ein wesentlicherKatalysator derDigitalen Revolution.
Mit der Verbesserung der Datenübertragungsraten und der Einführung normierter Protokolle wurde die Nutzung der Internet-Infrastruktur für die Telefonie attraktiv. Ende 2016 nutzten in Deutschland rund 25,2 Millionen Menschen dieVoice-over-IP-Technologie (VoIP).[13]
Als sich eine Verknappung des noch freienIP-Adressraums abzeichnete, begann die Entwicklung eines Nachfolgeprotokolls. Im Dezember 1995 wurde die erste Spezifikation vonIPv6 veröffentlicht[14] und fortan in Pilotprojekten getestet, etwa im globalen Testnetzwerk6Bone und im deutschsprachigen Raum imJOIN-Projekt. Im Februar 2011 wies dieICANN die letzten IPv4-Adressblöcke an dieRegional Internet Registries zur Weiterverteilung zu. Je nach Registry werden die restlichen IPv4-Adressblöcke noch zugeteilt oder sind bereits aufgebraucht. Infolge desWorld IPv6 Day und World IPv6 Launch Day im Juni 2011 und Juni 2012 stieg der Anteil von IPv6 am Internetverkehr, betrug insgesamt jedoch weniger als ein Prozent.[15]
2003 bis heute: Web 2.0 und die Cloud
MitSocial-Media-Plattformen wieFacebook,Twitter oderYouTube trat das bidirektionale Austauschen von Inhalten unter den Nutzern (sogenanntemuser-generated content) in den Vordergrund, allerdings jetzt auf zentralen, abgeschlossenen Plattformen und praktisch ausschließlich durch Nutzung eines Webbrowsers. Das SchlagwortWeb 2.0 verweist auf die zunehmende Interaktivität, auch durch Audio- und Videoeinbindung, des Internets.
Mit der zunehmenden Verbreitung von verschiedenen mobilen Endgeräten entwickeln sich über Webseiten ausgelieferteJavaScript-Programme in Kombination mit zentral gehosteten Serveranwendungen und deren Speicher zunehmend zur interoperablen Alternative zu herkömmlichen Anwendungen.
Unter dem Sammelbegriff „Internet der Dinge“ wurden Technologien etabliert, die den direkten Anschluss von Geräten, Maschinen, Anlagen, mobilen Systemen usw. an das Internet erlauben. Sie dienten der Interaktion dieser „Dinge“ untereinander bzw. dem Fernzugriff auf sie durch den menschlichen Bediener. Diese Anschlusstechnologien umfassten einerseitsCloud-basierte Dienste, andererseitsgeräteseitige Anbindungstechnologien.
Gesellschaftliche Aspekte und staatliche Eingriffe
Ein kleiner Ausschnitt des World Wide Web, dargestellt durch sogenannteHyperlinks
Das Internet gilt bei vielen Experten als eine der größten Veränderungen des Informationswesens seit der Erfindung desBuchdrucks mit großen Auswirkungen auf das alltägliche Leben. Im Jahr 2013 hat derBundesgerichtshof erklärt, dass das Internet zur Lebensgrundlage von Privatpersonen gehört.[16]
Eine zunehmende Bedeutung erhält auch derOnline-Journalismus, der heute zu einem großen Konkurrenten der klassischen Medienlandschaft geworden ist. Aktuell sehen Beobachter zudem einen Wandel des Nutzers vom „surfenden“ (passiven) Medienkonsumenten zum aktivenUser-generated content-Autor, der sich zu vielerlei Themen inOnline-Communitys mit Gleichgesinnten vernetzt, die die klassische, bisher eher techniklastigeNetzkultur ergänzt. Räumliche Grenzen sind durch das Internet aufgehoben und werden durch themenbezogene Gruppen ersetzt. Durch die Vielzahl der Informationsquellen stellt der sinnvolle Umgang mit dem Internet andere Anforderungen an dieMedienkompetenz der Benutzer als klassische Medien.
Das Internet wird häufig in politischen Kontexten alsrechtsfreier Raum bezeichnet, da nationale Gesetze durch die internationale Struktur des Internets und durchAnonymität als schwer durchsetzbar angesehen werden. Bei Anwendungen wie E-Mail zeigt sich, dass die Technik auf das Phänomen desSpam überhaupt nicht vorbereitet ist. Dienste wieMyspace oderFacebook sollen den Aufbausozialer Netzwerke ermöglichen; Funktionen wieInstant Messaging erlauben online nahezu verzögerungsfreie Kommunikation. Mit der steigenden Verbreitung des Internets wird in den Medien der BegriffInternetsucht immer wieder thematisiert, der wissenschaftlich jedoch umstritten ist. Ob und wann die exzessive Nutzung des Internets einen „schädlichen Gebrauch“ oder Missbrauch darstellt und zurAbhängigkeit führt, wird in verschiedenen Studien aktuell untersucht.Staatliche Stellen hatten lange Zeit von der Funktion des Internets wenig Kenntnisse und wenig Erfahrung mit der Anwendung der Gesetze. Bis zurNew Economy ab dem Jahr 1998 war zudem die Bedeutung des Internets seitens der Politik unterschätzt worden. Dies änderte sich erst infolge der New-Economy-Entwicklung, Gesetze wurden angepasst und die Rechtsprechung hat eine Reihe von Unsicherheiten zumindestde jure beseitigt. Der zunehmende Einfluss des Staates wird dabei teils als Steigerung derRechtssicherheit begrüßt, teils als Fortschreiten in Richtung auf einenÜberwachungsstaat („Netokratie“) kritisiert, etwa durch das am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Gesetz zurVorratsdatenspeicherung, das am 3. März 2010 vomBundesverfassungsgericht alsverfassungswidrig eingestuft wurde.
International wird das Internet durch verschiedene Staaten überwacht, kontrolliert und teilweise gesperrt, so etwa beim in Teilen gesperrtenInternet in der Volksrepublik China oder Aufbau eines vom Staat kontrollierbaren Internets inRussland.[17] Eine fallweise Sperre des Internets ist aus der Türkei oderIran bekannt; dort wird das Internet während Demonstrationen ausgeschaltet.[18]
Digitale Kluft
Der Begriffdigitale Kluft beschreibt Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere dem Internet, zwischen Volkswirtschaften bzw. verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund von technischen und sozioökonomischen Faktoren.
Schon Anfang der 1980er Jahre waren Mailbox-Netze entstanden, basierend aufDatenfernübertragung über das Telefonnetz oder auf Netzen wieDatex-P. Diese Technik blieb aber Experten vorbehalten, wie auch der Zugang zu weltweiten TCP/IP-Netzen lange Zeit zunächst nur über Universitäten möglich war. Erst mit der kommerziellen Verbreitung der Internet-E-Mail Anfang der 1990er und durchgreifend dann mit dem World Wide Web etablierte sich das Internet seit Mitte der 1990er Jahre zunehmend als Standard für die Verbreitung von Informationen jeder Art.
Waren dies in der Anfangszeit vor allem Kommunikation per E-Mail und die Selbstdarstellung von Personen und Firmen, folgte im Zuge derNew Economy zum Ende des letzten Jahrtausends der Online-Handel. Mit steigenden Datenübertragungsraten und sinkenden Preisen und nicht zuletzt begünstigt durch die Verfügbarkeit vonDSL-Flatrates dient es auch der Verbreitung größerer Datenmengen. Hiermit verbunden sind allerdings massenhafte Urheberrechtsverletzungen, deren Bekämpfung heute einen Großteil der Internet-Gesetzgebung ausmachen.
Das Internet besteht aus Netzwerken unterschiedlicheradministrativer Verwaltung, die zusammengeschaltet sind. Darunter sind hauptsächlich
Providernetzwerke, an die die Rechner der Kunden einesInternetproviders angeschlossen sind,
Firmennetzwerke (Intranets), die die Computer einer Firma verbinden, sowie
Universitäts- und Forschungsnetzwerke.
Typische Verbindung zum Internet
bei Heimanwendern
bei Firmen
Physikalisch besteht das Internet im Kernbereich, also bei Verbindungen zwischen den oben genannten Netzwerken und in denBackbones großer Netzwerke, kontinental und interkontinental hauptsächlich ausGlasfaserkabeln, die durchRouter zu einem Netz verbunden sind. Glasfaserkabel bieten eine enorme Übertragungskapazität und wurden vor einigen Jahren zahlreich sowohl als Land- als auch alsSeekabel in Erwartung sehr großen Datenverkehr-Wachstums verlegt. Da sich die physikalisch mögliche Übertragungsrate pro Faserpaar mit fortschrittlicher Lichteinspeisetechnik (DWDM) aber immens vergrößerte, besitzt das Internet hier zurzeit teilweise Überkapazitäten. Schätzungen zufolge wurden im Jahr 2005 nur drei Prozent der zwischen europäischen oder US-amerikanischen Städten verlegten Glasfasern benutzt.[19] AuchSatelliten undRichtfunkstrecken sind in die globale Internet-Struktur eingebunden, haben jedoch einen geringen Anteil.
Auf der sogenanntenletzten Meile, also bei den Hausanschlüssen, werden die Daten oft auf Kupferleitungen von Telefon- oder Fernsehanschlüssen und vermehrt auch über Funk, mittelsWLAN oder Mobilfunk (anfangsUMTS, gefolgt vonLTE,5G usw.), übertragen. Glasfasern bis zum Haus (FTTH) sind in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet. Privatpersonen greifen auf das Internet entweder über einen Schmalbandanschluss, zum Beispiel perModem oderISDN (siehe auchInternet by Call), oder über einen Breitbandzugang, zum Beispiel mit DSL,Kabelmodem oder Mobilfunk, eines Internetproviders zu. Firmen oder staatliche Einrichtungen sind häufig perStandleitung auf Kupfer- oder Glasfaserbasis mit dem Internet verbunden, wobei Techniken wieKanalbündelung,ATM,SDH oder – immer häufiger –Ethernet in allen Geschwindigkeitsvarianten zum Einsatz kommen.
In privaten Haushalten werden oft Computer zum Abrufen vonDiensten ans Internet angeschlossen, die selbst wenige oder keine solchen Dienste für andere Teilnehmer bereitstellen und nicht dauerhaft erreichbar sind. Solche Rechner werden alsClient-Rechner bezeichnet.Server dagegen sind Rechner, die in erster Linie Internetdienste anbieten. Sie stehen meistens in sogenanntenRechenzentren, sind dort schnell angebunden und in klimatisierten Räumlichkeiten gegen Strom- und Netzwerkausfall sowie Einbruch und Brand gesichert.Peer-to-Peer-Anwendungen versetzen auch obige Client-Rechner in die Lage, zeitweilig selbst Dienste anzubieten, die sie bei anderen Rechnern dieses Verbunds abrufen. So wird hier die strenge Unterscheidung desClient-Server-Modells aufgelöst.
AnInternet-Knoten werden viele verschiedene Backbone-Netzwerke über leistungsstarke Verbindungen und Geräte (Router undSwitches) miteinander verbunden. Darauf wird der Austausch von Erreichbarkeitsinformationen zwischen jeweils zwei Netzen vertraglich und technisch alsPeering, also auf der Basis von Gegenseitigkeit organisiert und somit der Datenaustausch ermöglicht. AmDE-CIX inFrankfurt am Main, dem größten Austauschpunkt dieser Art, sind beispielsweise mehr als hundert Netzwerke zusammengeschaltet. Eine solche Übergabe von Datenverkehr zwischen getrennten administrativen Bereichen, sogenanntenautonomen Systemen, kann auch an jedem anderen Ort geschaltet werden, es ist meist jedoch wirtschaftlich sinnvoller, dies gebündelt an verschiedenen Internet-Knoten vorzunehmen. Da in der Regel ein autonomes System, wie ein Internetprovider, nicht alle anderen auf diese Art erreichen kann, benötigt es selbst mindestens einen Provider, der den verbleibenden Datenverkehr gegen Bezahlung zustellt. Dieser Vorgang ist technisch dem Peering ähnlich, nur stellt der sog. Upstream- oder Transitprovider dem Kundenprovider alle via Internet verfügbaren Erreichbarkeitsinformationen zur Verfügung, auch diejenigen, bei denen er selbst für die Zustellung des zu ihnen führenden Datenverkehrs bezahlen muss. Es gibt derzeit neun sehr große, sogenannteTier-1-Provider, die ihren gesamten Datenverkehr auf Gegenseitigkeit abwickeln oder an ihre Kunden zustellen können, ohne einen Upstreamprovider zu benötigen.
Da das Arpanet als dezentrales Netzwerk möglichst ausfallsicher sein sollte, wurde schon bei der Planung beachtet, dass es keinen Zentralrechner geben soll, also keinen Ort, an dem alle Verbindungen zusammenlaufen. Diese Dezentralität wurde jedoch auf der politischen Ebene des Internets nicht eingehalten. DieInternet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ist als hierarchisch höchste Organisation zuständig für die Vergabe vonIP-Adressbereichen, die Koordination desDomain Name Systems (DNS) und der dafür nötigenRoot-Nameserver-Infrastruktur sowie für die Festlegung anderer Parameter derInternetprotokollfamilie, die weltweite Eindeutigkeit verlangen. Sie untersteht formal demUS-Handelsministerium.[20]
Die netzartige Struktur sowie dieHeterogenität des Internets tragen zu einer hohen Ausfallsicherheit bei. Für die Kommunikation zwischen zwei Nutzern existieren meistens mehrere mögliche Wege über Router mit verschiedenen Betriebssystemen, und erst bei der tatsächlichen Datenübertragung wird entschieden, welcher benutzt wird. Dabei können zwei hintereinander versandte Datenpakete beziehungsweise eine Anfrage und die Antwort je nach Auslastung und Verfügbarkeit verschiedene Pfade durchlaufen. Deshalb hat der Ausfall einer physikalischen Verbindung im Kernbereich des Internets meistens keine schwerwiegenden Auswirkungen; nur ein Ausfall der einzigen Verbindung auf derletzten Meile lässt sich mit der jetzigen Infrastruktur nicht rasch ausgleichen.Internetkomplettausfälle etwa aufgrund von Katastrophen sind bei der derzeitigen Infrastruktur dennoch möglich und regional begrenzt vielfach aufgetreten.Solare Superstürme würden laut einer Studie weltweite monatelange Internetausfälle verursachen, wobeiMeshnetzkapazitäten, verbundenePeer-to-Peer Anwendungen und neue Protokolle mögliche Ausnahmen und Maßnahmen sein könnten.[21][22][23]
Das Internet basiert auf derInternetprotokollfamilie, die die Adressierung und den Datenaustausch zwischen verschiedenen Computern und Netzwerken in Form vonoffenen Standards regelt. DasProtokoll, in dem die weltweit eindeutige Adressierung von angebundenen Rechnern festgelegt und benutzt wird, heißtInternetprotokoll (IP). Die Kommunikation damit geschieht nicht verbindungsorientiert, wie beim Telefon, sondern paketorientiert. Das heißt, dass die zu übertragenden Daten inIP-Paketen einer Größe von bis zu ca. 65.000Byte, meist aber nur 1500 Byte, übermittelt werden, die jeweils IP-Adressen als Absende- und Zielinformation beinhalten. Der Empfänger setzt die Daten aus den Paketinhalten, auchNutzdaten genannt, in festgelegter Reihenfolge wieder zusammen.
Die Netzwerkprotokolle sind je nach Aufgabe verschiedenenSchichten zugeordnet, wobei Protokolle höherer Schicht samt Nutzdaten in den Nutzdaten niederer Schichten transportiert werden. DieStandards und Protokolle des Internets werden inRFCs beschrieben und festgelegt. Ein großer Vorteil des Internetprotokolls ist, dass die Paketübertragung unabhängig von der Wahl der verwendeten Betriebssysteme und unabhängig von denNetzwerktechniken der Protokollschichten unterhalb von IP geschehen kann, ähnlich wie einISO-Container im Güterverkehr nacheinander per Schiff, Bahn und Lastwagen transportiert werden kann, um an sein Ziel zu gelangen.
Um einen bestimmten Computer ansprechen zu können, identifiziert ihn das Internetprotokoll mit einer eindeutigen IP-Adresse. Dabei handelt es sich bei der VersionIPv4 um vier Byte (32Bit), die als vierDezimalzahlen im Bereich von 0 bis 255 durch einen Punkt getrennt angegeben werden, beispielsweise66.230.200.100. Bei der neuen VersionIPv6 sind dies 16 Byte (128 Bit), die als acht durch Doppelpunkt getrennte Blöcke aus je vierhexadezimalen Ziffern angegeben werden, z. B.2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344. Man kann sich diese Adressen wie Telefonnummern für Computer mit dem Domain Name System (DNS) als automatischem Telefonbuch vorstellen.
Das DNS ist ein wichtiger Teil der Internet-Infrastruktur. Es ist eine über viele administrative Bereiche verteilte, hierarchisch strukturierte Datenbank, die einen Übersetzungsmechanismus zur Verfügung stellt: Ein für Menschen gut merkbarerDomänenname (zum Beispiel „wikipedia.de“) kann in eine IP-Adresse übersetzt werden und umgekehrt. Dies geschieht – vom Nutzer unbemerkt – immer dann, wenn er etwa imWebbrowser auf einen neuen Hyperlink klickt oder direkt eineWebadresse eingibt. Der Browser fragt dann zuerst mittels IP-Paket einen ihm bekannten DNS-Server nach der IP-Adresse des fremden Namens und tauscht dann IP-Pakete mit dieser Adresse aus, um die Inhalte der dort angebotenenDienste wie beispielsweiseWebseiten abzurufen. Zum Ermitteln der IP-Adresse befragt oft der DNS-Server selbst der Hierarchie folgend andere DNS-Server. Die Wurzel der Hierarchie, die in den Namen durch die Punkte erkennbar wird, bilden dieRoot-Nameserver. So wird also das Erreichen der erwähnten Dienste mit IP-Paketen ermöglicht, durch die den Anwendern erst ein Nutzen aus dem Internet entsteht. Auch das DNS selbst ist genau genommen schon ein solcher, wenn auch sehr grundlegender Dienst, ohne den die Nutzer zum Verbinden mit anderen Rechnern IP-Adressen statt Namen angeben müssten.
Im Kernbereich des Internets müssen die IP-Pakete durch ein weit verzweigtes Netz. Die Verzweigungsstellen sind Router, die über den kürzesten Weg zur Ziel-IP-Adresse des Paketes entscheiden. Sie verwenden dazuRoutingtabellen, die überRoutingprotokolle automatisch erstellt und aktuell gehalten werden; so wird automatisch auf ausgefallene Verbindungen reagiert. In Routingtabellen werden mehrere mögliche Ziel-IP-Adressen mit Hilfe vonNetzmasken – bei IPv6 spricht man vonPräfixlängen – zu Zielnetzen zusammengefasst, und diesen wird jeweils ein Ausgang des Routers, zum Beispiel in Form der Sprungadresse zum nächsten Router (Next Hop IP Address), zum Weiterleiten zugeordnet. Zwischenautonomen Systemen geschieht der Austausch dieser Erreichbarkeitsinformationen heute ausschließlich über dasBorder Gateway Protocol, innerhalb eines autonomen Systems stehen viele andere Routingprotokolle zur Verfügung. Für Computer und Router, die nicht im Kernbereich des Internets stehen, reicht eine statische, nicht durch Routingprotokolle erzeugte, Routingtabelle aus. Diese enthält dann eineDefault-Route, oft auchStandard- oderDefault-Gateway genannt, die für alle Zielnetze, die nicht anders eingetragen sind, in Richtung des Kernbereichs des Internets weist, ähnlich einem Wegweiser „Alle Richtungen“ im Straßenverkehr. Die Router im Kernbereich verwalten zurzeit Routingtabellen mit bis zu 900.000 Zielnetzen für IPv4 und 150.000 für IPv6.[24]
In den Nutzdaten des Internetprotokolls werden abhängig vom verwendeten Dienst immer noch Protokolle höherer Schichten (wie TCP oderUDP) übertragen, so wie ein ISO-Container im Güterverkehr Postpakete beinhalten kann, in denen wiederum Güter eingepackt sind. Die meisten Webseiten benutzen, aufbauend auf TCP, dasHypertext Transfer Protocol (HTTP) und für verschlüsselte Seiten dasHypertext Transfer Protocol Secure (HTTPS). E-Mails benutzen dasSimple Mail Transfer Protocol (SMTP), ebenfalls aufbauend auf TCP, das DNS wird dagegen weitgehend mittels UDP abgewickelt.
Bei IPv4 erhalten oft viele Arbeitsplatzrechner in dem Netzwerk einer Firma oder Organisationprivate IP-Adressen, die bei nach außen gerichteter Kommunikation perNetwork Address Translation (NAT) auf wenige öffentliche, global eindeutige IP-Adressen übersetzt werden. Auf diese Rechner kann aus dem Internet nicht direkt zugegriffen werden, was meistens zwar aus Sicherheitsgründen erwünscht ist (siehe auch:Firewall), aber auch offensichtliche Nachteile hat. Für IPv6 stehen erheblich mehr öffentliche Adressen zur Verfügung, so kann laut RFC 4864[25] auf NAT verzichtet werden und dieFilterung des Datenverkehrs hat mehr Möglichkeiten.
Im Jahr 2003 wurden in Deutschland etwa 6,8 MilliardenKilowattstundenelektrischer Strom für den Betrieb des Internets benötigt, für das Jahr 2010 gehen Schätzungen von einemEnergiebedarf des Internets von 31,3 Milliarden Kilowattstunden nur in Deutschland aus. Berücksichtigt wurden sowohl dieEndgeräte von Privathaushalt undGewerbe sowie der Energieaufwand zur Bereitstellung der notwendigenInfrastruktur des Internets anServerstandorten. Nicht in diese Rechnung eingegangen ist der Energiebedarf von Serverstandorten im Ausland.[26]
Für das Jahr 2005 wurde weltweit von einemEnergieverbrauch von 123 Milliarden Kilowattstunden nur für den Betrieb der Infrastruktur für das Internet ausgegangen. Unberücksichtigt blieben nach dieser Studie die Geräte der Endverbraucher.[27] Zu dieser Zeit wurden damit etwa 0,8 Prozent der weltweitenStromerzeugung für den Betrieb des Internets benötigt.[28] Laut einer Schätzung ist der Anteil am weltweiten Stromverbrauch von rund 3,9 Prozent im Jahr 2007 auf 4,6 Prozent im Jahr 2012 gestiegen,[29] was gut 900Terawatt entspricht. Darin ist der gesamte Bereich derInformations- und Kommunikationstechnik enthalten.
Laut einer Studie des amerikanischen WissenschaftlersJonathan Koomey sindRechenzentren am weltweiten Stromverbrauch mit 1,1 bis 1,5 Prozent beteiligt, in denUSA seiner Schätzung nach bis zu 2,2 Prozent. Das Borderstep-Institut geht für die Rechenzentren inDeutschland von 2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Jahr 2015 aus – im RaumFrankfurt läge dieser sogar bei bis zu 20 Prozent.[33]
Insgesamt soll das Internet im Jahr 2023 für 2 bis 3 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich sein.[32]
Im Jahr 2012 betrug das Datenaufkommen im festverkabelten, öffentlich zugänglichen Internet mehr als 26,7Exabyte (1 Exabyte = 1 Mrd. Gigabyte) pro Monat, was einem täglichen Datenaufkommen von annähernd einem Exabyte entspricht. Die Datenmenge von einem Exabyte ist vergleichbar mit der mehr als 2500-fachen Datenmenge aller Bücher, die je geschrieben wurden.[35] Das mobile Datenaufkommen (Datenaustausch überMobilfunknetze) beläuft sich im Jahr 2012 auf über 1,1 Exabyte Daten monatlich.
Bis zum Jahr 2015 wird das Datenaufkommen im festverkabelten Internet voraussichtlich auf annähernd 60 Exabyte pro Monat wachsen. Im mobilen Internet wird ein Datenaufkommen von mehr als 6,2 Exabyte monatlich prognostiziert. Über die Hälfte der übertragenen Daten machen Videodienste (Video-on-Demand) aus.[36]
Weltweit wird der IP-Datenverkehr für 2017 auf 1,4 Zettabyte angenommen, allein in Deutschland werden 38 Exabyte angenommen, gegenüber einem Aufkommen im Jahre 2012 von 17 Exabyte. Dabei wird eine Steigerung im mobilen Datenverkehr mit Smartphones und Tablets bis 2017 um jährlich 60 Prozent auf dann 13,6 Exabyte erwartet.[37]
Nutzerzahlen
Dieser Abschnitt behandelt den Zugang zum Internet unter demographischen Aspekten; technische Aspekte werden im ArtikelInternetzugang erläutert.
DieInternationale Fernmeldeunion sowie dieWorld Wide Web Foundation kamen nach Schätzungen aus dem Jahr 2020 zu dem Ergebnis, dass in den Jahren 2019 und 2020 ca. 54 Prozent der Weltbevölkerung einen Zugang zum Internet hatten.[42][43] Etwa 3,5 Milliarden derWeltbevölkerung hatten in diesen Jahren dagegen keinen Internetzugang.[42]
Laut demEuropean Information Technology Observatory nutzten Anfang 2008 etwa 1,23 Milliarden Menschen das Internet.[44] Im März 2007 hatten 16,9 Prozent der Weltbevölkerung einen Internetzugang.[45] In der EU nutzten Anfang 2008 mehr als die Hälfte (51 Prozent) der 500 Millionen EU-Bürger regelmäßig das Internet, wobei 40 Prozent das Internet gar nicht benutzten. In Europa gab es starke Unterschiede bei den regelmäßigen Internetbenutzern. 80 Prozent der Haushalte mit Internetanschluss verfügen über einenBreitbandzugang.[46] In den USA waren es da bereits 75 Prozent, skandinavische Länder lagen bei 70 Prozent, osteuropäische Staaten teilweise bei 14 Prozent. Besonders verbreitet war das Internet bereits in Estland, da Estland per Gesetz den kostenlosen Zugang ins Internet garantierte.
In China hatten nach dem Report über die Entwicklung des Internets Mitte 2007 etwa 162 Millionen Menschen einen Internetzugang, davon besaßen 122 Millionen einen Breitbandanschluss.[47] Bei jungen Europäern verdrängt das Internet das Fernsehen und andere traditionelle Medien.[48] US-Amerikaner nutzen als Nachrichtenquellen vorwiegend (48 Prozent) das Internet.[49]
Die Nutzerzahlen sind seit 2003 stets bei jüngeren Altersgruppen höher als bei älteren. Vor allem die mobilen Geräte trieben die Nutzung des Internets in den Jahren um 2013 herum weiter voran. Innerhalb eines Jahres stieg der Anteil der mobilen Nutzung des Internets von 23 Prozent (2012) auf 41 Prozent (2013).[51]
Klassisches wird von elektronischem Spielzeug verdrängt: „Während schon 80 Prozent der 10- bis 13-jährigen mindestens ab und zu im Internet unterwegs sind, ist es bei den 6- bis 9-jährigen jeder Dritte.“[52] Neben alten Menschen nutzen in Deutschland auch sozial Schwache und Arbeitslose das Internet weniger.[53] In Deutschland verfügen über 80 Prozent der Internetnutzer über einen Breitbandzugang.[54]
Nach einer Studie der Stiftung für Zukunftsfragen – eine Initiative vonBritish American Tobacco – waren 2015 rund 73 Prozent der Deutschen regelmäßig im Netz unterwegs. Im Zeitraum von 2010 bis 2015 erhöhte sich damit die Zahl der Internetnutzer um 25 Prozent.[55]
Insbesondere bei den 14- bis 24-Jährigen herrschte Vollversorgung. In der Altersgruppe 25-49 Jahre konnten 86 Prozent nicht auf das Internet verzichten und bei den Jungsenioren im Alter von 50 bis 64 Jahren waren mehr als sieben von zehn regelmäßig online. Die über 65-Jährigen zeigten sich mit 35 Prozent hingegen auch 2015 noch vergleichsweise zurückhaltend.[55] Im Fünfjahresvergleich ergab sich auch hier eine deutliche Steigerung. 2010 waren es noch 14 Prozent.
Deutsche besuchen statistisch gesehen regelmäßig acht Internet-Seiten. (Männer: durchschnittlich 9,4; Frauen: 6,4 Seiten / 14- bis 19-jährige: 5,8; 30 bis 39 Jahre alte: 9,1 Seiten). Die Jungen nutzen bevorzugt Unterhaltungsangebote.[56] Die deutschen Männer sind im Durchschnitt 1,3 Stunden am Tag online, bei den deutschen Frauen sind es durchschnittlich 0,8 Stunden.[57]
In der Auswertung der Umfrage Private Haushalte in der Informationsgesellschaft 2013[58] ergaben sich für Deutschland folgende Zahlen
83 % der privaten Haushalte besitzen einen Computer, 82 % einen Internetzugang
97 % der Haushalte mit Internetzugang nutzen einen Breitbandanschluss, wobei 82 % über einen DSL-Zugang verfügen
19 % der Personen über 10 Jahren waren noch nie online, dagegen sind 78 % innerhalb eines Quartals mindestens einmal online, wobei von diesen 80 % täglich oder fast täglich das Internet nutzen
Die Nutzung ist nahezu geschlechtsunabhängig, die Altersstruktur ist differenzierter: nur 66 % der über 54-Jährigen nutzen das Internet häufig, bei den 10- bis 24-Jährigen nutzen 49 % mobile Geräte. Die Nutzung mobiler Geräte nimmt mit dem Alter ab und sind Männer häufiger als Frauen mobil im Internet.
Genutzt wird der Internetzugang von 91 % der privaten Nutzer für den E-Mail-Verkehr, 50 % nutzen soziale Netze, 89 % nutzen es neben Informationen auch für Waren und Dienstleistungen und 64 % lesen Online-Nachrichten. Für Reisedienstleistungen nutzen 61 % ihren Zugang und zur Jobsuche und Bewerbung sind es 20 %.
In Österreich
Acht von zehn Haushalten waren 2012 mit einem Internetzugang ausgestattet (79 Prozent). Für den Internetzugang werden in Haushalten auch immer öfter Breitbandverbindungen genutzt, in 77 Prozent aller Haushalte wurden Breitbandverbindungen eingesetzt. 60 Prozent nutzten dabei feste Breitbandverbindungen über eine Leitung (DSL, TV-Kabel, Glasfaser), in 41 Prozent wurde mobiles Breitband (z. B. über tragbare Computer mit Modem oder über Mobiltelefon mit zumindest 3G-Technologie, wieUMTS,HSDPA) verwendet.
88 Prozent der Internetnutzer nutzten das Internet um Informationen über Waren und Dienstleistungen zu finden. Ebenfalls 57 Prozent der User wickelten ihre Bankgeschäfte über das Internet ab. Das Internet wurde von 46 Prozent zum Chatten oder zum Posten von Nachrichten in Social Networking-Sites, in Blogs, in Newsgroups oder auf Online-Diskussionsforen oder zum Nutzen von Instant-Messaging genutzt.
Den größten Anteil an Internetnutzerinnen und Internetnutzern, die das Internet anderswo als zu Hause oder in der Arbeit nutzten, findet man bei den unter 35-Jährigen: 83 Prozent der 16- bis 24-Jährigen haben dies getan, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es 71 Prozent.
In der Schweiz
Im 1. Quartal 2017 hatte fast die gesamteSchweizer Bevölkerung zwischen 15 und 54 Jahren einen Internetzugang. Je nach Alterskategorie sind es zwischen 96 und 99 Prozent. Bei den Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren nutzen 91 Prozent das Internet, gegenüber 80 Prozent drei Jahre zuvor. Bei den 65- bis 74-Jährigen stieg die Zahl von 62 auf 77 Prozent. 45 Prozent der Personen ab 75 Jahren verwenden das Internet, 2014 waren es 20Prozentpunkte weniger.[59]
Digitale Schriftlichkeit
Das Internet hat eine eigene Art der Schriftlichkeit hervorgebracht. Ebenso haben soziale Netzwerke zur Entwicklung einer eigenen Netzkultur mit verschiedenen sprachlichen Ausprägungen beigetragen.
Charakteristika
Das Internet eignet sich dafür, über zeitliche und räumliche Distanzen hinweg schriftlich zu kommunizieren. Es integriert dabei multimediale Aspekte in seine Schriftlichkeit (Emoticons – Symbole, die sich bewegen und bestimmte Gefühlszustände darstellen sollen). Außerdem unterliegt es einer beständigen Wandlung und hat keinen Anspruch auf Endgültigkeit. Die schriftlichen Produkte im Internet lassen sich schnell verändern und verlangen die Bereitschaft, sich beständig auf Neues einzustellen. Durch die Möglichkeiten der lokalen und globalen Verlinkung von einzelnen Wörtern eines Online-Textes, kann auch die Linearität, die einem traditionellen Text innewohnt, teilweise aufgehoben werden. Man spricht in dem Zusammenhang auch vonHypertexten.
Literatur im Internet
Via Internet wird Literatur zur Verfügung gestellt und Literatur geschrieben. So entstanden etwa literarische Gattungen wieDigitale Poesie,Weblogs oderkollaboratives Schreiben im Internet. Literarische Produktion via Internet folgt anderen Kriterien als herkömmliche Literatur und Textproduktion. Literatur im Internet ist von Aspekten der Technik, Ästhetik und Kommunikation geprägt. So haben beispielsweise Neal Stephenson und sein Team mit dem Schreiben eines Romans („The Mongoliad“) via Internet begonnen, bei dem eine Community von Autoren interaktiv mitschreibt. Neben dem eigentlichen Text gibt es eine eigene E-Publishing-Plattform („Subutai“) mit Videos, Bildern, einer Art Wikipedia und einem Diskussionsforum zum Roman.
Literatur
Matthias Röhr:Der lange Weg zum Internet. Computer als Kommunikationsmedien zwischen Gegenkultur und Industriepolitik in den 1970er/1980er Jahren, transcript, Bielefeld 2021,ISBN 978-3-8376-5930-6.
Schmitt, Martin:Internet im Kalten Krieg: eine Vorgeschichte des globalen Kommunikationsnetzes, transcript, Bielefeld 2016,ISBN 978-3-8376-3681-9.
Abbate, Janet: Inventing the Internet, Cambridge, Mass: MIT Press 1999 (Inside technology).
Hellige, Hans Dieter: „Die Geschichte des Internet als Lernprozess“, Kreowski, Hans-Jörg (Hrsg.) Informatik und Gesellschaft. Verflechtungen und Perspektiven, Münster, Hamburg, Berlin 2007 (Kritische Informatik 4), S. 121–170.
Andreas Schelske:Soziologie vernetzter Medien. Grundlagen computervermittelter Vergesellschaftung, Oldenbourg Verlag, München 2006,ISBN 3-486-27396-5. (Reihe: Interaktive Medien. Herausgeber: Michael Herczeg)
Stefan Scholz:Internet-Politik in Deutschland. Vom Mythos der Unregulierbarkeit, Lit, Münster 2004,ISBN 3-8258-7698-5.
Bridgette Wessels:Understanding the Internet: a socio-cultural perspective, Palgrave Macmillan, Basingstoke 2010,ISBN 978-0-230-51733-2.
Michael Friedewald:Vom Experimentierfeld zum Massenmedium: Gestaltende Kräfte in der Entwicklung des Internet. In: Technikgeschichte, Bd. 67 (2000), H. 4, S. 331–361.
Siehe auch
Portal: Internet – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Internet
Weblinks
Wiktionary: Internet – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Internet Explained – Eingehender Überblick und Erklärung über den Ursprung des Internets (englisch)
Einzelnachweise
↑Internet, n. In:Oxford English Dictionary. (online).: „the global network comprising a loose confederation of interconnected networks using standardized communication protocols, which facilitates various information and communication systems such as the World Wide Web and email. - Etymology: Shortened < INTERNETWORK n.(…) a network composed of two or more interconnected networks“
↑Internet (n.). In:Online Etymology Dictionary. (online).: „shortened from internetwork“
↑Netz in duden.de, abgerufen am 26. September 2014
↑Thomas Paulwitz, Stefan Micko: Engleutsch? Nein, danke! Wie sag ich’s auf deutsch? Ein Volks-Wörterbuch, Erlangen und Wien, 2000,ISBN 3-00-005949-0, S. 71
↑SieheLeipziger Wortschatz zu den Häufigkeitsklassen vonInternet (HK 7, Anzahl: 76.969),Weltnetz (HK 19, Anzahl: 21),Internetz (HK 19, Anzahl: 19) undZwischennetz (HK 23, Anzahl: 2);beiWeltnetz ein Verhältnis von 3665:1 bzw. ein Anteil von 0,027 Prozent, die anderen Begriffe entsprechend geringer
↑Bundesgerichtshof erkennt Schadensersatz für den Ausfall eines Internetanschlusses zu. Bundesgerichtshof, 24. Januar 2013, abgerufen am 7. Mai 2015: „Die Nutzbarkeit des Internets ist ein Wirtschaftsgut, dessen ständige Verfügbarkeit seit längerer Zeit auch im privaten Bereich für die eigenwirtschaftliche Lebenshaltung typischerweise von zentraler Bedeutung ist.“
↑Sangeetha Abdu Jyothi:Solar superstorms: planning for an internet apocalypse. In:Proceedings of the 2021 ACM SIGCOMM 2021 Conference. Association for Computing Machinery, 9. August 2021,S.692–704,doi:10.1145/3452296.3472916 (englisch).
↑Ward Van Heddeghem, Sofie Lambert, Bart Lannoo, Didier Colle, Mario Pickavet, Piet Demeester:Trends in worldwide ICT electricity consumption from 2007 to 2012. In:Computer Communications. 50, 2014, S. 64,doi:10.1016/j.comcom.2014.02.008.
↑abPetra Pinzler:CO₂-Ausstoß durch Internetnutzung: Ist Surfen schmutziger als Fliegen? In:Die Zeit. 21. August 2023,ISSN0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 10. Dezember 2023]).