DieInternationalen Filmfestspiele von Cannes (französischFestival de Cannes) zählen zu den bedeutendstenFilmfestivals der Welt. Sie werden seit 1946 jährlich im Mai an derCôte d’Azur veranstaltet. Hauptveranstaltungsort inCannes ist dasPalais des Festivals et des Congrès. Als Hauptpreis für den besten Film des Internationalen Wettbewerbs wird dieGoldene Palme vergeben.
Notiz aus dem Jahr 1939 über die Entscheidung der französischen Regierung, künftig nicht mehr an denInternationalen Filmfestspielen von Venedig teilzunehmen, sondern ein eigenes Festival in Biarritz, Cannes oder Nizza auszurichten
Konzipiert wurden die Filmfestspiele auf Initiative des französischen Bildungs- und KulturministerJean Zay. Ursprünglich bereits für das Jahr 1939 geplant, fanden – verzögert durch denZweiten Weltkrieg – dieersten Filmfestspiele in Cannes vom 20. September bis 5. Oktober 1946 statt.[1] 1948 und 1950 fiel das Festival wegen Finanzierungsschwierigkeiten aus.
1955 wurde der beste Film erstmals mit derGoldenen Palme ausgezeichnet. Die von der französischen Juwelierin Lucienne Lazon entworfene Trophäe löste den bis dahin vergebenen Grand Prix ab.[2]
DieFilmpreise des Festivals von Cannes werden von einer jährlich neu zusammengestellten internationalen Jury vergeben, die hauptsächlich aus Filmschaffenden besteht. Der wichtigste Preis ist dieGoldene Palme (Palme d’Or), mit der der besteFilm des Wettbewerbs ausgezeichnet wird. Weitere von der Jury für einen Gesamtfilm vergebene Preise sind (in absteigender Ordnung) derGroße Preis der Jury (Grand prix du jury), derPreis der Jury (Prix du Jury) sowie der (nicht jedes Jahr vergebene)Spezialpreis der Jury. Daneben gibt es Preise in den Einzelkategorien weiblicher Darsteller, männlicher Darsteller, Regie und Drehbuch.
Die Trophäen werden von dem Schweizer JuwelierChopard inGenf hergestellt und gestiftet. Chopard verleiht ebenfalls Schmuck für die Prominenten.
Weitere Jurys zeichnen ebenfalls Wettbewerbsfilme aus. Am bedeutendsten sind derFIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik (Prix de la FIPRESCI) und derPreis der Ökumenischen Jury (Prix du Jury oecuménique).
Neben dem Hauptwettbewerb beinhaltet das Festival einenKurzfilm-Wettbewerb mit derGoldenen Palme für Kurzfilme (Palme d’Or du court métrage), den WettbewerbCinéfondation, in dem Arbeiten von Filmstudenten prämiert werden, und die ReiheUn Certain Regard, in der seit 1998 derPrix Un Certain Regard vergeben wird.
Außer den Sektionen, die direkt zu den Filmfestspielen von Cannes gehören, gibt es drei Parallelsektionen, die in Kooperation mit dem Festival stattfinden.[4]
Die VereinigungSRF, Société des Réalisatrices et Réalisateurs führt mit ihrerQuinzaine des cinéastes (vor 2023:La Quinzaine des Réalisateurs)[5] eine dieser Nebensektion des Festivals durch. Im Programm sind dokumentarische und szenische Kurz- sowie Langfilme.
DieKritikerorganisationSyndicat français de la critique de cinéma organisiert dieLa Semaine Internationale de la Critique, auf der ebenfalls mehrere Preise vergeben werden. Die seit 1978 vergebeneGoldene Kamera (Caméra d’Or) für ein Erstlingswerk dient dabei als Klammer, da der Preisträger von einer Jury aus Repräsentanten der drei Veranstaltungsträger aus den Wettbewerbsprogrammen aller drei Parallelveranstaltungen ausgewählt wird.
ACID (Association for the Distribution of Independent Cinema) organisiert ein Programm, das überwiegend aus Erstlingswerken zusammengestellt wird und in dem sowohl Dokumentar- als auch Spielfilme ab einer Länge von 60 Minuten gezeigt werden. Die Auswahl treffen ausschließlich Filmemacher.[6]
Die wichtigsten Auszeichnungen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes
In Cannes werden auch immer wieder große Filmkünstler geehrt, so 1985François Truffaut, der 1958 als Kritiker in Cannes ausgeschlossen worden war, da seine Berichte als überkritisch empfunden wurden. Ein Jahr darauf erhielt er den Regie-Preis für sein Erstlingswerk,Sie küßten und sie schlugen ihn. Nach den PariserMai-Unruhen boykottierte Truffaut mit Kollegen die Filmfestspiele, die deshalb 1968 nicht stattfinden konnten. Ein Jahr nach Truffauts Tod versammelteJeanne Moreau in Cannes Stars seiner Filme (Jean-Pierre Léaud,Claude Jade,Catherine Deneuve,Gérard Depardieu,Fanny Ardant) und präsentierte eineHommage à François Truffaut, die Claude de Givray alsVivement Truffaut verfilmte.
2018 vergab die Jury erstmals in der Geschichte des Festivals einePalme d’Or spéciale an den französischen RegisseurJean-Luc Godard, dessen FilmLe Livre d’Image im Wettbewerb lief, aber keinen regulären Preis gewann. Mit dem neu geschaffenen Preis sollten sowohl der Film als auch Godards überragende Leistungen für das Kino gewürdigt werden.[7]
Die Einladung derNetflix-EigenproduktionenThe Meyerowitz Stories undOkja im Jahr 2017 rief kontroverse Diskussionen hervor. Grundsätzlich war sie konform mit den Statuten des Festivals, doch es missfiel, dass Netflix die übliche Reihenfolge derFilmverwertung nicht einhält, sondern statt im Kino direkt viaAbruf (Video-on-Demand) veröffentlicht. Daraufhin wurden die Statuten mit Wirkung ab 2018 geändert. Seitdem muss jeder Film, um nominiert werden zu können, eine Kinoauswertung inFrankreich nachweisen.[8] Diese lehnt Netflix jedoch ab, da damit eine dreijährige rechtliche Sperrfrist für die SVOD-Veröffentlichung (Abrufvideo per Abonnement) einhergeht.[9][10]
Christian Jungen:Hollywood in Cannes: Die Geschichte einer Hassliebe, 1939–2008. Schüren, Marburg 2009,ISBN 978-3-89472-521-1.
Enno Patalas:Cannes. Eine Ordnung im Verfall. In:Filmkritik, Nr. 7, 1966,ISSN0015-1572, S. 367–368 (Patalas zeigt auf, wie schon damals eigentlich drei Festivals koexistierten: das offizielle, die Filmmesse als Treffen der Händler und Produzenten und das Festival als Treffpunkt der Cinephilen)
Kenneth Turan:Sundance to Sarajevo. Film festivals and the world they made. University of California Press, Berkeley 2002,ISBN 0-585-46625-4, Kap.Cannes,S.13–30.
↑The Palme d'or. Abgerufen am 10. Januar 2025 (amerikanisches Englisch).
↑Marc Spitz:Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (GewidmetBrendan Mullen); deutsch:Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012,ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 126.
↑Hannah Pilarczyk:Filmfestspiele: Cannes 2017 – was Kinofans wissen müssen. In:Spiegel Online. 17. Mai 2017 (spiegel.de [abgerufen am 13. April 2018]).