Interaktionsdesign oderInteraction Design (abgekürztIxD, auchInteraktionsgestaltung) beschäftigt sich mit der Gestaltung vonMensch-Maschine-Schnittstellen.
Interaktionsdesign undInterfacedesign sind vergleichsweise junge Disziplinen desMediendesign, die Ende der 1980er Jahre zur Gestaltung vongrafischen Bedienoberflächen (GUI) ins Leben gerufen wurden.

Interaction Design wird häufig mitInterfacedesign (auchScreendesign) oder demUser-Experience-Design in Verbindung gebracht. Dabei beschäftigt sich Interaction Design verstärkt mit der Entwicklung des Dialoges zwischen Mensch und Maschine (zum Beispiel Mobiltelefon, Navigationsgerät, Notebook) über einen gewissen Zeitraum hinweg. Beide Disziplinen sind schwer voneinander zu trennen, denn jeder Interaktionsdesigner entwickelt am Ende meist auch ein Interface. Dabei wird während des Designprozesses auf einebenutzerzentrierte Gestaltung der sogenannten User Experience Wert gelegt. DieBedienoberfläche ist dabei ein Artefakt, das nicht zwingend visuell oder haptischer Art sein muss, sondern die dem Benutzer lediglich die Möglichkeit zur Interaktion bietet. Als konkretes Beispiel für die Interaktionsgestaltung kann hier ein interaktives Sprachausgabesystem gesehen werden, welches keinInterface Design (der nicht vorhandenen grafische Benutzeroberfläche) benötigt.Interface Design ist die Gestaltung der sensorischen Komponente innerhalb der Interaktion, sowie der Interaktion an sich.
Interaktivität ist dabei nicht an neue Technologien gebunden. Menschen interagieren untereinander seit jeher. Deshalb kann unterInteraction Design auch die Entwicklung von Lösungen für Dienstleistungen und Abläufe gesehen werden. Dabei haben zum Beispiel Produktdesigner wieDieter Rams (Ex-Chefdesigner vonBraun) bereits seit den 50er Jahren Interaktionen bei ihren Produkten (Taschenradio, Fernseher, Plattenspieler usw.) gestaltet, ohne diese Tätigkeit dabei alsInteraction Design zu bezeichnen. Aufgrund der stetig steigenden Anforderungen an immer komplexer werdende Kommunikationssysteme der Moderne wurde die Errichtung einer darauf spezialisierten Designdisziplin notwendig.
Interaction Designer verfolgen innerhalb ihres Designprozesses meist ähnliche Vorgehensweisen um eine Lösung, jedoch niemalsdie Lösung, für ein spezifisches Problem zu finden. Die Designer gestalten frühe Prototypen (Simulationen, interaktive Demos oder Bedienteile) um ihr Konzept weiterfolgend mit Hilfe von Benutzern auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Innerhalb der Interaktionsgestaltung gibt es somit sechs Hauptpunkte, die je nach Benutzer-Feedback und Häufigkeit der Iterationsstufen variieren kann.
Über Observation, Gespräche, Fragebögen und vergleichbarer Anwendungen und Produkte versuchen die Designer ihren Benutzer und sein (sozio-kulturelles) Umfeld zu erkunden um mehr über ihn herauszufinden, um anschließend die beste Designlösung für die Problemstellung zu finden.
Auf Grundlage der Recherche, neuester technologischer Möglichkeiten und betriebswirtschaftlicher Aspekte entwickelnInteraction Designer erste Konzepte für neue Software-Anwendungen, Endgeräte, Services und Systeme. Dieser Prozess erfordert häufig mehrere Durchgänge vonKreativitätstechniken (Brainstorming,semantische Intuition,Methode 635 etc.), Diskussionen und Verbesserungsvorschlägen. Um die Voraussetzungen und mögliche Einschränkungen der Benutzer verstehen zu können, entwerfen die Designer ca. 5 bis 10Personas (Benutzerprofile) für ihr Konzept. Für diese Personas werden dann sogenannteSzenarien entwickelt, in die fiktive Benutzer eingesetzt werden. Weiterführend werdenAnwendungsfälle (auch bekannt alsUse Cases) definiert, in die anschließend die besten Personas eingesetzt werden. Diese Abläufe werden zunächst als Mock-ups festgehalten und später eventuell via Animation greifbarer gemacht, um sich den zukünftigen Interaktionsablauf des Benutzers mit dem Gerät oder der Anwendung vorstellen zu können.
Nach der Analyse der Benutzeranforderungen gestalten die Designer eine ausführliche Zusammenfassung, die alle Aspekte der Problemstellung berücksichtigt. Anschließend wird einVision Statement verfasst, in dem alle derzeitigen und zukünftigen Projektziele definiert werden. Diese Zieldefinition ist während des Projektverlaufs die grundlegende Aussage, auf die während der folgenden Projektphase immer wieder zurückgegriffen werden kann.
Nachdem eine klare Problemstellung definiert wurde, beginnt der Designer Varianten mit Hilfe von frühenPrototypen (Screenflows,Papierprototypen etc.) zu entwickeln, die Konzept und Idee stützen. Die vorgeschlagenen Lösungen werden im Nachhinein evaluiert. Dabei werden jeweils die besten Ergebnisse in einer Lösung neu angewendet. Das Resultat sollte nun möglichst viele der Anforderungen erfüllen. Werkzeuge zur Visualisierung der Zusammenhänge sind hierbeihierarchische Modelle oderKlassendiagramme.
Interaction Designer verwenden eine Reihe von Prototypen-Techniken, um ihr Konzept zu überprüfen. Diese können grob in drei Kategorien eingeteilt werden. Die einen sollen dieAufgabe und Funktion des Produktes widerspiegeln, andere zielen darauf ab, dasLook and Feel erlebbar werden zu lassen und letztere wiederum sollen dieRealisierbarkeit der Anwendung aufzeigen. Prototypen können physisch oder digital, skizzenhaft oder äußerst detailliert ausgestaltet sein. Dabei gibt es horizontale Prototypen, welche die Funktionsvielfalt der Anwendung aufzeigen oder vertikale Prototypen, welche die Tiefe der Anwendung aufzeigen lassen.
Interaction Designer müssen während der Umsetzung (zum Beispiel von Programmierern, Medientechnikern und Elektroingenieuren) im Prozess integriert sein, um die richtige Umsetzung ihrer Konzeption zu überwachen. Oft treten innerhalb dieser Projektphase noch Änderungen auf, die vom Designer umgehend umgesetzt werden müssen. Des Weiteren muss der Designer über jede Änderung informiert werden.
Nachdem die Anwendung oder das Gerät entstanden ist, folgt oft eine weitere Testrunde (Usability- und Bug-Testing). Im Idealfall überwacht derInteraction Designer diesen Prozess, um notwendige Modifikationen vornehmen zu können.
Social Interaction Design (SxD) nimmt aufgrund der sich immer weiter ausweitenden Vernetzung von computergestützten Medien zu. Mobile Endgeräte, Navigationsgeräte und andere digitale Helferlein, von Computern bis hin zu Spielekonsolen, erleichtern die Möglichkeit, mit anderen Personen weltweit jederzeit und überall zu kommunizieren.Social Interaction Design beschäftigt sich mit der Interaktion zwischen Benutzern und ihren Geräten, sowie mit der Interaktion von Benutzern untereinander. Die Dynamik, die sich während einer zwischenmenschlichen Kommunikation (egal ob gesprochen oder schriftlich geführt) entwickelt und die Pragmatik, mit der eine Diskussion und Interaktion geführt werden, sind nun auch Problemstellungen, die bei der Benutzung von sozial-vernetzten Technologien berücksichtigt werden müssen. Diese Faktoren wurden bis jetzt nur unzureichend in derTheorie der rationalen Entscheidung von denKognitionswissenschaften und derSoziologie,Psychologie undAnthropologie beschrieben.
Während des gesamten Designprozesses müssenInteraction Designer nicht nur auf die reine Usability achten. Viel mehr geht es darum, den Benutzer nicht nur rational, sondern auch emotional anzusprechen. Die Nachfrage nach Geräten, bei denen die Interaktion anstatt Frust Freude aufkommen lässt, ist entscheidend für den Erfolg eines Produktes.[1] Um die Emotion des Benutzers ansprechen zu können, spielen unter anderem positive, negative, motivierende, assistierende, lernende, kreative, soziale und überzeugende Aspekte eine Rolle. Zur Veranschaulichung dieser Aspekte bedarf es eines besonders ausdrucksstarken Interfaces, welches zum Beispiel im Screen Design über dynamische Icons, Animationen und Audioeinblendungen gegeben werden kann. Diese sollen helfen, den derzeitigen Status des Systems zu vermitteln und dem Benutzer das Gefühl geben, Herr der Lage zu sein. Ein klassisches Beispiel ist die Minimierung eines Fensters in Apples BetriebssystemmacOS. Durch eine kurze, trichterförmige Verkleinerung des Fensters zur Ablage hin wird dem Benutzer dargestellt, dass sein Fenster nun in minimierter Form im Dock liegt. Dieses Detail ist ästhetisch animiert und hilft dem Benutzer den Vorgang nachvollziehbarer werden zu lassen. Genau diese Designdetails lassen ein Gerät oder eine Anwendung begehrenswert erscheinen (Charles Eames: „The details are not the details, the details are the design“). Auch Designparameter wie Schriftart, Farbigkeit, Form, Größe, Helligkeit etc. haben einen Einfluss darauf, ob das Produkt emotional positiv wahrgenommen wird. Studien haben bewiesen, dass emotionale Aspekte die Benutzerfreundlichkeit von Produkten entscheidend beeinflussen.[1] Theorien wie das „emotional design model“ von Don Norman, Patrick Jordans „pleasure model“ und McCarthy and Wrights „technology as experience framework“ beschäftigten sich bereits mit dem emotionalen Aspekt bei der Gestaltung interaktiver Artefakte.
Sonic Interaction Design ist das Studium und die Nutzung von Klang als Kommunikationskanal, der Informationen, Bedeutung und ästhetische / emotionale Inhalte in interaktiven Kontexten vermittelt.[2] Es ist die Schnittstelle zwischen Interaktionsdesign undComputermusik und verwendet Klang in diesem Kontext sowohl als Anzeige als auch als Eingabemedium.[3]
Der BegriffInteraction Design wurde zuerst vonBill Moggridge[4] undBill Verplank Ende der 80er Jahre erwähnt. Für Verplank war es eine Adaption des computerwissenschaftlichen BegriffesUser Interface Design durch die Industriedesigner.[5] Für Moggridge war es eine Verbesserung vonsoft-face, einem Begriff, den er 1984 anbrachte, um die Gestaltung von Produkten mit integrierter Software zu beschreiben (Moggridge 2006).
Gillian Crampton-Smith etablierte 1989 den Master-StudiengangInteraction Design amRoyal College of Art in London (zuvor als „computer-related design“ bezeichnet und mittlerweile bekannt als „design interactions“). 2001 war sie bei der Entstehung desInteraction Design Institute Ivrea beteiligt. Eine kleine Hochschule im nördlichen Italien, die sich ausschließlich mitInteraction Design beschäftigte. Eines der populärsten Produkte, die aus diesem Studiengang hervorgingen, ist zum Beispiel der MikrocontrollerArduino, der nach dem einzigen Lokal im Ort benannt wurde. Die Domus-Akademie kaufte im Oktober 2005 das Institut auf und verlegte ihren Sitz nach Mailand, aber von den damaligen Lehrenden befinden sich dort keine mehr. Dafür haben seit dem viele andere Hochschulen weltweitInteraction-Design-Studiengänge etabliert. So kann man in Deutschland an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd im Studiengang Interaktionsgestaltung[6] oder an der FH Potsdam im StudiengangInterface Design seinenBachelor of Arts erwerben oder an der Hochschule Furtwangen denMaster of Arts im Studiengang „Design Interaktiver Medien“[7] erhalten. AmCopenhagen Institute of Interaction Design (CIID, Dänemark)[8] und amUmeå Institute of Design (UID, Schweden)[9] wurden seit kurzem auch Masterstudiengänge eingerichtet.