Zimmer einer Intensivstation (2018)Patient in einer Intensivstation (2007)
EineIntensivstation (seltenerIntensivpflegestation,[1] noch seltenerIntensivtherapiestation undIntensivbehandlungsstation) ist eine Station imKrankenhaus, auf derPatienten mit schweren bis lebensbedrohlichenKrankheiten oderVerletzungenintensivmedizinisch behandelt werden. Gebräuchliche Abkürzungen sindIS vonIntensivstation,IPS vonIntensivpflegestation,ITS vonIntensivtherapiestation,IB vonIntensivbehandlungsstation,[2]ICU von engl.intensive care unit undITV[3] vonIntensiv.
Viele Krankenhäuser inDeutschland haben inzwischen eine Unterteilung der Patienten nach Schweregraden ihrer Erkrankung vorgenommen und Stationen eingerichtet, die in ihrer personellen wie technischen Ausstattung zwischen Intensiv- und Normalstation liegen. Solche Stationen werden oft alsIMC oderIC vonIntermediate Care bezeichnet.
In vielen, insbesondere kleineren Krankenhäusern ist nur eine interdisziplinäre Intensivstation vorhanden, die allen medizinischen Bereichen zur Verfügung steht. Diese Intensivstationen werden meist vonAnästhesisten geleitet, die für die intensivmedizinische Therapie verantwortlich sind, während Fachärzte des primär zuständigen Fachgebietes das Grundleiden behandeln.In Krankenhäusern der Maximalversorgung gibt es oft zwei (operative und nicht-operative) oder mehrere Intensiveinheiten, die jeweils einem Fachgebiet zugeordnet sind (Anästhesiologie, Chirurgie, Herzchirurgie, Kardiologie, Neurochirurgie, Neurologie, Pädiatrie, Neonatologie, Innere Medizin mit Nephrologie, Gastroenterologie, Pneumologie usw.).
1954 leiteteBjörn Ibsen imKommunehospital inKopenhagen eine selbständigeAnästhesieabteilung[4] und richtete einen ganztägigenAufwachraum ein, welcher einediagnose- und krankheitsunabhängige Intensivbehandlung der Patienten ermöglichte sowie Fachpersonal ausschließlich zur Intensivbehandlung ausbildete, somit wurde die weltweit erste Intensivstation gegründet. Ibsen war aufgrund der Poliomyelitis-Epidemie mit vielen Patienten konfrontiert, die über einen längeren Zeitraum beatmet werden mussten.[5] Die weltweit erste zentrale Intensivstation wurde in denVereinigten Staaten von Amerika 1958 im Baltimore City Hospital auf Initiative vonPeter Safar gegründet. Die erste Intensivstation Österreichs wurde am 11. September 1963 unter Leitung von Rudolf Kucher (1922–1971) undKarl Steinbereithner (Leiter der Abteilung für experimentelle Anästhesiologie an der Klinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin der Universität Wien) zusammen mitOtto Mayrhofer eingerichtet und hatte zunächst 11 Betten.[6][7]
Die Intensivabteilung unterscheidet sich von anderen Einheiten im Krankenhaus durch die Verwendung vielfältiger technischer Apparate (unter anderem zur Durchführung von Narkosen[8] und längerdauernden Beatmungstherapien) sowie durch den Einsatz von mehr Personal. Auf Intensivstationen betreut jedePflegefachkraft nur ein bis drei Patienten gleichzeitig, während auf Normalstationen bis zu zwanzig Patienten Betreuung durch eine Pflegekraft erhalten. Es werden auch mehrÄrzte eingesetzt, so dass immer ein Arzt anwesend oder in kürzester Zeit verfügbar ist.
Für die pflegerische Arbeit auf Intensivstationen sind besondere Kenntnisse bei der Bedienung und Funktion von Geräten, bei der Assistenz und teilweise Übernahme ärztlicher Tätigkeiten und Fachwissen über spezielle Krankheitsbilder notwendig. Pflegekräfte können eineZusatzqualifikation für Intensivpflege und Anästhesie erwerben.
Grundsätzlich werden Kranke jeden Alters auf Intensivstationen behandelt, wenn ihre Erkrankung oder ihr Zustand besonders intensiveÜberwachungs- oderBehandlungsmaßnahmen erfordern. Der Vorteil der ITS besteht vor allem in der Möglichkeit ständiger Kontrolle derVitalparameter von Patienten.
Alle Patienten, bei denen auf Grund ihrer Krankheitszeichen eine künstlicheBeatmung[10] erforderlich ist, wie beispielsweise Menschen nachHerz-Lungen-Wiederbelebung, werden auf einer Intensivstation betreut, da nur hier die Maßnahme Beatmung durchgeführt werden kann.
Sowohl die räumliche Gestaltung als auch die Ausstattung einer Intensivstation unterscheidet sich von üblichen Krankenhausstationen meist erheblich, um den besonderen Anforderungen an die Versorgung der überwiegend schwer kranken Menschen gerecht zu werden.
Der Zugang zu einer Intensivstation erfolgt üblicherweise durch eine sogenannteSchleuse, um die Einfuhr krankheitserregender Keime möglichst gering zu halten. Intensivstationen sind in der Regel mit einem Türcode geschützt, damit Unbefugte die Station nicht betreten können. Ebenso wird dadurch verhindert, dass die Intensivstation als Durchgang von Besuchern und Logistik verwendet wird.
Für die aufwändigen Überwachungs- und Behandlungsverfahren werden pro Patient beispielsweise 20–25 m² Grundfläche, 16–20 Steckdosen, drei bis vierSauerstoffanschlüsse,Druckluftanschlüsse undVakuumanschlüsse sowie gegebenenfalls eine Narkosegasableitung für notwendig gehalten.[11] Zur kontinuierlichen Kontrolle vonEKG,Blutdruck,Körpertemperatur und oftmals noch viel mehrVitalparametern sind an jedem BehandlungsplatzMonitore angebracht, deren Signale zusätzlich meist in eine Überwachungszentrale geleitet und auch von dort beobachtet und ausgewertet werden können. Viele der in der Intensivmedizin verwendeten Medikamente müssen über elektronisch gesteuerte Medikamentenpumpen (Spritzenpumpe) direktintravenös verabreicht werden, so dass oft vier bis zehn derartige Geräte neben dem Patientenbett aufgestellt sind. Daneben werden viele Menschen maschinell beatmet, weshalb oft auchBeatmungsgeräte bereitstehen. Manche Patienten benötigen auch dieDialyse oderApherese; sämtliche Gerätschaften müssen in unmittelbarer Patientennähe aufgestellt werden können.
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Eine weitere besondere Bedeutung kommt den Intensivstationen seit dem Ausbruch derCOVID-19-Pandemie im Jahr 2020 zu. In vielen Ländern gelten sie als Nadelöhr der Versorgung von COVID-19-Patienten. In den ersten beiden Pandemiewellen im Frühjahr und im Herbst 2020 kam es in vielen Ländern der Welt zu einer so großen Anzahl von Patienten mit intensivmedizinischem Pflegebedarf, dass Intensivstationen vielerorts überlastet wurden und Ärzte nach demTriage-Prinzip sortierten, um zu entscheiden welcher Patient einIntensivbett bekommt oder behalten durfte und wer zum Sterben in diePalliativmedizin verlegt wurde. Deutschland richtete im Frühjahr 2020 eine Notreserve von rund 12.000 Intensivbetten ein und nahm wiederholt Intensivpatienten aus anderen Ländern auf, vor allem aus Frankreich und Italien. Zudem bemühen sich Krankenhäuser unter anderem in Deutschland darum, nicht-lebensnotwendige Operationen, die im Anschluss eventuell zu intensivmedizinischem Pflegebedarf führen, auf eine unbestimmte Zeit nach einer möglichen Überwindung von COVID-19 oder nach dem Abflauen einer Welle zu verschieben.
Karl Steinbereithner, Rudolf Kucher:Intensivstation Intensivpflege Intensivtherapie. Möglichkeiten, Erfahrungen und Grenzen. Thieme, Stuttgart 1972; 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage, herausgegeben von Hans Bergmann, ebenda (und New York) 1984.
↑ B. Ibsen:From anaesthesia to anaesthesiology. Personal experiences in Copenhagen during the past 25 years. In:Acta Anaesthesiologica Scandinavica. Supplementum 1975; 61:1-69, S. 29.
↑Otto Mayrhofer:Gedanken zum 150. Geburtstag der Anästhesie. In:Der Anaesthesist. Band 45, 1996, S. 881–883, hier: S. 883.
↑Michael Zimpfer:Zum 80. Geburtstag von Dr. med. univ., DDDr. med. h.c. Otto Mayerhofer-Krammel. In:Anästhesiologie – Intensivmedizin – Notfallmedizin – Schmerztherapie. Jahrgang 36, Nr. 5, Mai 2001, S. 259–261, hier: S. 261.
↑Martin Lindig:Schmerz, Sedierung und Narkose. In: Jörg Braun, Roland Preuss (Hrsg.):Klinikleitfaden Intensivmedizin. 9. Auflage. Elsevier, München 2016,ISBN 978-3-437-23763-8, S. 581–618, hier: S. 593–595 (Narkose auf der Intensivstation).
↑G. Wolff:Die künstliche Beatmung auf Intensivstationen. Unter Mitarbeit von E. Grädel und D. Gasser. 1975; 3., neubearbeitete Auflage. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York / Tokyo 1983,ISBN 3-540-12115-3.
↑G. Jorch, S. Kluge, F. König, A. Markewitz, K. Notz, V. Parvu, M. Quintel, D. Schneider, G. W. Sybrecht, C. Waydhas:Empfehlungen zur Struktur und Ausstattung von Intensivstationen. Hrsg.: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. 30. November 2010 (divi.de [PDF; abgerufen am 6. Mai 2022]).