Dieser Artikel beschreibt eine antike Sprache. Zur veralteten Bezeichnung „illyrische Sprache“ für südslawische Sprachen sieheIllyrische Sprache (Neuzeit).
Dieillyrische Sprache wurde in derAntike vom Volk derIllyrer gesprochen und war ein eigenständiger Zweig derindogermanischen Sprachen. Das Verbreitungsgebiet deckte sich größtenteils mit der historischen RegionIllyrien. DieMessapier inApulien (im heutigenItalien) sprachen möglicherweise ebenfalls einen illyrischen Dialekt.
Das Illyrische ist nur spärlich überliefert und kaum erforscht. Man kennt lediglich wenige Einzelwörter sowie einige Orts- und Personennamen, die vornehmlich auf Grab- oder Gebäudeinschriften überliefert sind.
Die illyrische Sprache hat kaum schriftliche Spuren hinterlassen und ist deswegen besonders spärlich überliefert. Es ist bisher noch kein ganzer illyrischer Satz gefunden worden; deswegen sind die einzigen Quellen eine Handvoll Wörter, die in griechischen und römischen Quellen überliefert worden sind. Außerdem sind mehrere Personennamen überliefert.
Einzelwörter kennt man aus griechischen und römischen Quellen, so z. B.sabaia ‚bierartiges Getränk‘,sybina ‚Jagdspieß‘,mantia ‚Maulbeere‘,rhinos ‚Nebel, Wolken‘,brisa ‚Gefäß mit Trauben gefüllt‘,tertigio ‚Händler‘ undbosona ‚laufendes Wasser‘. Auch viele Orts- und Personennamen sind über griechische und römische Quellen überliefert, so z. B. die KöniginTeuta, die KönigeAgron,Genthios,Glaukias,Bardyllis undMonunios und illyrische Orte wieAmantia,Lychnidos,Byllis,Ulpiana und andere.
Über die illyrische Grammatik ist praktisch nichts bekannt; nur dass die indogermanischenFälle erhalten gewesen sind, ist sicher.
Die illyrischen Dialekte entstanden erstmals vermutlich um das 2. Jahrtausend v. Chr., vielleicht um 1200 v. Chr., als diemykenischen Palastzentren in Griechenland zusammenfielen. Die Sprache entwickelte sich ziemlich autochthon in ihren Regionen (Illyrien). Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. gründetenGriechen einzelne Kolonien auf dem Gebiet der Illyrer (z. B.Dyrrachium,Apollonia oderLissus), seit diesem Jahrhundert beeinflusste diealtgriechische Sprache die illyrische im Wortschatz.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. begann die Eroberung der illyrischen Gebiete durch dieRömer, erstmals unterCaesar (Illyrisch-Römischer Krieg). Die weitere Geschichte der illyrischen Sprache ist nicht sicher geklärt.
Bis heute ist es umstritten, ob und in welchem Umfang diealbanische Sprache mit dem Illyrischen zusammenhängt. Ein solcher Zusammenhang wurde bereits vonJohann Georg von Hahn in dessen 1845 erschienenem BuchAlbanesische Studien angenommen. Die Ergebnisse sprachwissenschaftlicher Forschungen des 20. Jahrhunderts sprechen teilweise für und teilweise gegen diese Vermutung. Laut Joachim Matzinger (2009) kann weder die Abstammungshypothese noch die gegenteilige Hypothese bewiesen werden.[1]
Die Annahme, dass das Albanische eine Tochtersprache des Illyrischen sei, entspricht der Hypothese, dass eine vollständigeRomanisierung der illyrischen Sprache(n) nicht stattgefunden hat und auch die spätereslawische Einwanderung diese nicht verdrängen konnte.
Das Illyrische wird im weiteren Sinne zu denBalkanindogermanischen Sprachen im Sinne eines Sammelbegriffes gezählt. Ob es im engeren Sinne einer genetischen VerwandtschaftBalkanindogermanisch ist, ist umstritten und mit der Einordnung des Albanischen verschränkt.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde speziell in derhistorischen Linguistik undUrgeschichtsforschung des deutschen Sprachraums die Theorie einesPanillyrismus entwickelt. Ausgehend vom Befund, dass sich vieleToponyme nicht demKeltischen,Lateinischen oder späteren Sprachschichten zurechnen ließen, wurde einillyrisches (in Vermengung mit dervenetischen Sprache der antikenVeneter auchveneto-illyrisches) Sprachgebiet postuliert, das nicht nur den Balkan, sondern auch weite TeileMitteleuropas umfasste. Obwohl diese Theorie und damit auch alsillyrisch deklarierteetymologische Erklärungen in der akademischen Welt bereits Mitte des 20. Jahrhunderts als unhaltbar verworfen wurden, blieben sie inheimatkundlicher Literatur auch im Folgezeitraum wirkmächtig. Die Existenz einer vorkeltischen und vorrömischen indogermanischen Sprachschicht in Teilen Mitteleuropas wird nach wie vor angenommen, allerdings operiert die Sprachwissenschaft nun imOstalpenraum mit Begriffen wieOstalpenblock oderOstalpenindogermanisch, inOstösterreich undUngarn mitPannonisch.[2]
Ivan Duridanov: Illyrisch. (PDF-Datei; 147 kB) In: uni-klu.ac.at. Enzyklopädie des europäischen Ostens, abgerufen am 4. Februar 2022 (Eintrag zur illyrischen Sprache in der Enzyklopädie des Europäischen Ostens).
↑Joachim Matzinger:Die Albaner als Nachfahren der Illyrer aus Sicht der historischen Sprachwissenschaft. In:Oliver Jens Schmitt (Hrsg.):Albanische Geschichte: Stand und Perspektiven der Forschung. Oldenbourg Verlag, 2009, S. 13–36.
↑Karl Kaus:Die Illyrier und die „illyrische Besiedlung“ des Burgenlandes. Geschichtsfälschung, Wiederbetätigung oder nur Unwissenheit? In:Burgenländische Heimatblätter. Band 71, 2009, S. 81–102 (zobodat.at [PDF; 1 MB]).