Hochschulreife
AlsHochschulreife oderUniversitätsreife wird die Berechtigung zu einemStudium an einerHochschule bezeichnet.[1]
Diese kann zurImmatrikulation jeglicher Studien einer Hochschule oder bestimmter Studienrichtungen berechtigen.
Situation in Deutschland
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]DieHochschulzugangs- oderStudienberechtigung wird durch ein entsprechendesZeugnis über
- dieallgemeine Hochschulreife (Abitur),
- diefachgebundene Hochschulreife (fachgebundenes Abitur / umgangssprachlich: Fachabitur) oder
- dieFachhochschulreife (umgangssprachlich: Fachabitur)
bescheinigt, aus denen sich dem Grunde nach ein Anspruch auf Studienzulassung (Immatrikulation) ergibt. Weitere Zulassungsbedingungen wie bestandene Aufnahmetests oder Bewerbungsgespräche sind möglich, etwa Begabungsfeststellungen bei Kunst- und Musikhochschulen, oder können zu einem besseren Rang in der Zulassung vonNC-Fächern führen, etwa in der Medizin. Auch können dasLatinum oderGraecum verlangt werden, doch dürfen diese in der Regel durch Ergänzungsprüfungen zum Abitur an den Hochschulen vor dem Abschluss nachgeholt werden.
Die drei aufgeführten(Sammel-)Begriffe werden auf sämtlicheBildungsabschlüsse angewandt, die zur Aufnahme eines Studiums an einer Hochschule berechtigen.
Die mit einer erfolgreich bestandenen Abiturprüfung (einer „Reifeprüfung“, latinisiert: „Matura-Examen“) verbundene „allgemeine Hochschulreife“ besagt weder, dass der Abgänger vom Gymnasium eine menschliche Reife aufweist noch dass er in der Lage ist, das von ihm gewählte Studium erfolgreich abzuschließen. EineStudienberechtigung bedeutet keine faktisch gegebeneStudierfähigkeit.[2]
Gegenüber der aufnehmenden Hochschule gilt als Voraussage, dass ein Studienbewerber studierfähig sei, üblicherweise eine der oben angeführten Zeugnisurkunden, die nach dem erfolgreichen Abschluss derSekundarstufe II ausgestellt werden; dieser Nachweis kann aber auch in anderer geeigneter Form (siehe im Folgenden) erbracht werden.
Zugang zum Hochschulstudium
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Bescheinigung der Qualifikation für ein Hochschulstudium erfolgt grundsätzlich durch den erfolgreichen Abschluss einer auf das Studium vorbereitendenSchulbildung. In diesem Sinne ist allgemeine Zulassungsvoraussetzung einReifezeugnis mit entsprechender Dauer und Qualität. Mit einem Hochschulabschluss verbunden ist dieAllgemeine Hochschulreife, die volle Studienberechtigung für sämtliche Studiengänge.
Im November 2008 beschloss dieHochschulrektorenkonferenz dieNeuordnung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte. Im März 2009 einigten sich dieKultusminister der Länder darauf, dass Absolventen beruflicherAufstiegsfortbildungen – beispielsweiseHandwerksmeister,Industriemeister,Fachwirte,Staatlich geprüfte Techniker und Inhaber gleichgestellter Abschlüsse – deutschlandweit der Zugang zu einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulstudiengang ermöglicht wird. Berufstätigen mit mindestens zweijährigerBerufsausbildung plus dreijähriger Berufspraxis steht nach dieser Regelung der Zugang zu einem Bachelorstudium offen, wenn sie zuvor einen Qualifizierungstest bestanden oder ein einjähriges Probestudium erfolgreich absolviert haben.
Neben der notwendigen Bedingung des Vorliegens einer Hochschulzugangsberechtigung gibt es für viele Studienfächer auch weitere Bedingungen für die Zuweisung eines Studienplatzes, vor allem in Form einesNumerus clausus.
Zeugnisse der Hochschulreife
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]In den Schulsystemen der Bundesländer können verschiedene Hochschulzugangsberechtigungen erworben werden:
- dieallgemeine Hochschulreife, dasAbitur, als allgemeine Hochschulzugangsberechtigung für sämtlicheStudiengänge anUniversitäten,Technische Hochschulen,Musik- undKunsthochschulen,Pädagogische Hochschulen,Fachhochschulen usw.
- diefachgebundene Hochschulreife bzw. dasfachgebundene Abitur als eingeschränkte Hochschulzugangsberechtigung für bestimmte Studienfächer an den universitären Hochschulen, aber sämtlicheStudiengänge an Fachhochschulen
- dieFachhochschulreife (allgemein oder fachgebunden, umgangssprachlichFachabitur) als Zugangsberechtigung für Studiengänge an Fachhochschulen,Gesamthochschulen und (länderbezogen) bestimmte (Bachelor-)Studiengänge an Universitäten
- derberufsbildende Hochschulzugang für fachlich einschlägige Studiengänge
Fachabitur war eine Bezeichnung sowohl für diefachgebundene als auch für dieFachhochschulreife. Ursprünglich wurde allein diefachgebundene Hochschulreife umgangssprachlich als „Fachabitur“ oder in der SchreibweiseFach-Abitur (fachgebundenes Abitur) bezeichnet. Der Bedeutungswandel begann – insbesondere in den nördlichen Ländern der Bundesrepublik Deutschland – Anfang der 1970er Jahre mit der Gründung der neuen Hochschulart, der Fachhochschule. Zulassungsvoraussetzung war die Fachhochschulreife, die entweder über eine neu errichtete Schulform (Fachoberschule oder eine vergleichbare Oberschule) erworben werden konnte. Da das Abitur alsSynonym für dieallgemeine Hochschulreife bzw.fachgebundene Hochschulreife bekannt war, die Fachhochschulreife dagegen noch eher unbekannt, wurde umgangssprachlich oftmals die Fachhochschulzugangsberechtigung als „Fachabitur“ bezeichnet.
Vorschriften zur Vorbereitung auf die Hochschulreife
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Definition der Fähigkeiten, deren Besitz zu dem Besuch einer Hochschule berechtigen sollen, wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach verändert.
1964 wurde dasHamburger Abkommen abgeschlossen, einStaatsvertrag der Kultusministerkonferenz, welcher das allgemeinbildende Schulwesen der Bundesrepublik vereinheitlichte. Die Westdeutsche Rektorenkonferenz beschloss 1969 Kriterien der Hochschulreife,[3] die eine breit angelegteAllgemeinbildung forderte. Es wurde unterschieden zwischen kategorialen Fähigkeiten und formalen Fähigkeiten. 1972 folgte die KMK-Vereinbarung zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe. 1975 wurden mit der „Vereinbarung über die Anwendung einheitlicher Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung“ einheitliche Maßstäbe für die Abiturprüfungen festgelegt.
Im Zentrum der Ausführungen stehen:
- Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für ein Studium erforderlich sind (Schlüsselqualifikation) und
- das Wissen um die Kenntnisse (Bildungskanon).
In den letzten Jahrzehnten hat eine Verlagerung von der Seite des Wissens (Bildungskanon) auf die Seite der Schlüsselfertigkeiten stattgefunden.
Der BegriffStudierfähigkeit wurde von der Lehrerfortbildung Baden-Württemberg 2004 folgendermaßen definiert:
- inhaltlich-sachbezogen: fachliche Kenntnisse aller Art […]: Beherrschung der Verkehrssprache, Mathematisierungskompetenz, fremdsprachliche Kompetenz, IT-Kompetenz, Selbstregulation des Wissenserwerbs
- methodisch-formal: wissenschaftsbezogene Medien- und Methodenkompetenzen sowie Arbeitstechniken […], Differenzierungsvermögen (Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden können, Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen) etc.;
- sozial: Verantwortung, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit etc.;
- personal: Ausdrucksvermögen, Bekenntnis zur Rationalität, Dispositionen wie Arbeitsdisziplin, Lernbereitschaft, Selbstständigkeit, Ausdauer, Genauigkeit etc.[4]
Wenn ein Schulabgänger nach dem Abitur tatsächlich über das oben angeführte Wissen sowie über die dort genanntenKompetenzen verfügt, dürfte es keine Zweifel darüber geben, dass er ein Studium nach Wunsch erfolgreich abschließen kann. Tatsächlich klagen Universitäten und Hochschulen jedoch darüber, dass Studienanfänger über viele wichtige Kompetenzen nicht verfügen.[5]
Situation in Österreich
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Zulassung zu einem ordentlichen Studium ist mit der allgemeinen Universitätsreife oder einer besonderen Universitätsreife für das gewählte Studium möglich.
Die allgemeine Universitätsreife kann in Österreich durch dieMatura (AHS/BHS) erlangt werden. Auch dieBerufsreifeprüfung und dieStudienberechtigungsprüfung ermöglichen die allgemeine Universitätsreife. Der Abschluss eines mindestens dreijährigen Studiums, dasIB Diploma, dasEuropäische Abiturzeugnis und eine positiv beurteilte Zulassungsprüfung in den künstlerischen Studien werden ebenfalls als Nachweise akzeptiert.[1]
Ausländische Qualifikationen werden von den Studienzulassungsabteilungen der Hochschulen im Einzelfall auf Äquivalenz überprüft. Das Rektorat kann diesen Studieninteressierten Ergänzungsprüfungen vorschreiben, die vor der Zulassung abzulegen sind. Die Gleichwertigkeit bestimmter ausländischer Reifezeugnisse ist durch multilaterale und bilaterale Abkommen festgelegt.[6]
Situation in anderen Ländern
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Matura: entspricht inÖsterreich,Liechtenstein, derSchweiz (dort auchMatur,Maturitätsprüfung, in den anderen Sprachen mit demselben Wortstamm analog) undSüdtirol (dort auchReifeprüfung,staatliche Abschlussprüfung) der deutschen Hochschulreife. Entsprechungen in anderen Sprachen gibt es inBulgarien,Ungarn,Tschechien,Slowakei,Slowenien,Kroatien,Serbien,Nordmazedonien,Bosnien-Herzegowina undPolen.
- Frankreich: dasBaccalauréat général entspricht in etwa der deutschen Hochschulreife (auch inAlgerien,Marokko undTunesien). Damit erhalten die Betroffenen allerdings nur den Zugang zu den Hochschulzulassungsprüfungen an einer Hochschule beziehungsweiseGrande école. Das Baccalauréat général wird formal als ersterakademischer Grad verstanden.
- Spanischsprachige Länder: dasBachillerato entspricht schulisch der deutschen Hochschulreife. Damit erhalten die Betroffenen allerdings nur den Zugang zu den Hochschulzulassungsprüfungen (Pruebas de Acceso a la Universidad, im Volksmundselectividad genannt).
- USA: dasHigh School Diploma ist der Abschluss dersecondary education schools in den USA. Man erhält es nach zwölf Schuljahren, wobei die letzten vier Jahre auf derHigh School ausschlaggebend sind. Es stellt aber nicht automatisch eine Studienberechtigung dar. In der Regel erfolgen Einstufungstests wie zum Beispiel derScholastic Aptitude Test (SAT) oder derAmerican College Test (ACT).
- Vereinigtes Königreich: dasSchulsystem im Vereinigten Königreich kennt den sogenannten A-Level anComprehensive Schools,Grammar Schools oderPublic Schools, der zum Studium berechtigt. Man findet inSchottland,Wales,Nordirland undEngland jeweils eigenständige Schulsysteme, die sich in Details auch der Abschlüsse unterscheiden.
- Niederlande: dasBildungssystem in den Niederlanden kennt den „vorwissenschaftlichen“ oder „vor-universitären Bildungsgang“ (voorbereidend wetenschappelijk onderwijs, vwo). Er dauert sechs Jahre und hat die Vorbereitung der Schüler für die Aufnahme an eine Universität zum Ziel.
- Italien: durch dieStaatliche Abschlussprüfung erworbenesDiploma di Maturità,[7] allgemeine Hochschulreife (alle sogenannteSekundarschulen zweiten Grades umfassend)
Siehe auch
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Studienberatung undBerufsberatung – zu den Qualifikationen zur Aufnahme eines Studiums an Hochschulen
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Miriam Olbrisch:Allgemeine Hochschulunreife. In:Der Spiegel. Ausgabe 27/2022. 2. Juli 2022. S. 34 f. (über die Langzeitfolgen derCOVID-19-Pandemie in Deutschland für die Qualität des Abiturs)
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abRIS - Universitätsgesetz 2002 - Bundesrecht konsolidiert, Fassung vom 03.08.2022. Abgerufen am 3. August 2022.
- ↑Achim Gilfert:Ausbildungsreife – Eine ganzheitliche Betrachtung im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis. BIBB. 2013, S. 11
- ↑Kriterien der Hochschulreife (WRK 1969) (Memento vom 13. Dezember 2014 imInternet Archive)
- ↑Studierfähigkeit. Lehrerfortbildung Baden-Württemberg, abgerufen am 15. Dezember 2021.
- ↑Wissenschaftspropädeutik / Studierfähigkeit. Die "Trias der Ziele der gymnasialen Oberstufe". Lehrerfortbildung Baden-Württemberg, abgerufen am 15. Dezember 2021.
- ↑Universitätsreife. Abgerufen am 3. August 2022.
- ↑Seit 1999 lautet die offizielle BezeichnungEsame di Stato.