

DieGeschichte Sachsens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des deutschen BundeslandesFreistaat Sachsen und historischer sächsischer Reiche, die dem Land als Namensgeber dienten, von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Zu den historischen sächsischen Reichen gehören jene Gebiete, die ab der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts im Laufe der Zeit in den Besitz derWettiner gelangt und von denHerzögen und Kurfürsten von Sachsen regiert wurden.
Seinen Namen hat das heutige Sachsen von dem untergegangenenfrühmittelalterlichenStammesherzogtum Sachsen, dessen Name vom historischen Volk derSachsen in Norddeutschland abgeleitet wurde.

Bereits inurgeschichtlicher Zeit hatte die Mittelgebirgslandschaft des südlichen Teils des heutigen Sachsens (Vogtland,Elstergebirge,Erzgebirge,Sächsische Schweiz undLausitzer Gebirge) eine Grenzfunktion.
Für kulturelle Impulse aus demSüdosten Europas war die aus demBöhmischen Becken kommendeElbe wichtig. BedeutsameGebirgspässe waren immer beim heutigenOelsnitz/Vogtl., im mittleren Erzgebirge, in der Nähe vonSayda und amLückendorfer Pass beim heutigenZittau. DerBergbau imErzgebirge begann spätestens am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. mit dem Abbau vonZinngraupen an derRoten Weißeritz beiSchellerhau – sieheMetallverarbeitung in der Bronzezeit. Die dort vom ForschungsprojektArcheo Montan entdeckten Bergbauspuren sind die derzeit ältesten in Europa.[1]

In derJungsteinzeit und in derBronzezeit wurden vor allem die großenAuen der Flüsse und deren Nebenflüsse besiedelt. Sie wurden in der Regel flussaufwärts besiedelt. DasSächsische Hügelland war wegen derBodenverhältnisse offenes Siedlungsland (etwa ein, nach Westen allerdings nicht abgegrenztes Gebiet zwischen den heutigen Städten Leipzig, Riesa, Großenhain, Bautzen, Meißen, Döbeln, Rochlitz, Geithain). Gleichrangige Siedlungsgebiete waren dieLausitzen,[2] die von jeher intensive Verbindungen zurOderlandschaft hatten.
Die erste jungsteinzeitliche Besiedlung erfolgte durch die Träger derLinearbandkeramischen Kultur (LBK) um 5500 v. Chr. aus Böhmen. Dorfanlagen der LBK sind beispielsweise ausEythra bekannt, wo 20 Langhäuser und ein Brunnen freigelegt wurden.[3][4] Bei Casabra wurdeluftbildarchäologisch eine Siedlung mit Langhäusern von 40 bis 43 m Länge nachgewiesen, was für die LBK nichts Ungewöhnliches darstellt. Ein einzelnes Haus, das sich von Nord nach Süd erstreckt, weist allerdings mit 68 m Länge ein für das Sachsen dieser Kultur ungewöhnliche Maß auf. Dieses Gebäude war im Norden bis zu 6,5 m, im Süden bis zu 8 m breit.[5]
Aus der nachfolgendenstichbandkeramischen Kultur 4800 bis 4600 v. Chr. stammen dieErdwerke von Dresden-Nickern. Eine dieser Anlagen hatte ca. 150 m im Durchmesser und bestand ausGräben, Erdwällen undPalisaden.[3]
Vereinfacht für die Zeit ca. 4000–500 v. Chr.: Nach derTrichterbecherkultur entstand in der Bronzezeit aus derSchnurkeramik- und derGlockenbecherkultur dieAunjetitzer Kultur. Ihr folgte dieLausitzer Kultur.
Funde im Vogtland, beiTeplice undHalle lassen auch einkeltisches Vordringen auf das Gebiet des heutigen Sachsen als wahrscheinlich erscheinen.
Ein Großteil des sächsischen Raumes gehörte zum Einflussgebiet dessuebischen Stammes derHermunduren und von anderen, namentlich nicht bekanntenelbgermanischen Kleinstämmen. 17 n. Chr. kam es in derLeipziger Tieflandsbucht zum Kampf zwischen demCheruskerbund und demMarkomannenbund unter KönigMarbod, aus dem kein eindeutiger Sieger überliefert ist. Des Weiteren zog der Stamm derLangobarden im Verlauf derVölkerwanderung dieElbe aufwärts und somit auch durch weite Teile des heutigen Sachsens. Besondere Bedeutung für den Raum Sachsen hatte der Stamm derThüringer. Nordwestsachsen gehörte gesichert zum ursprünglichen thüringischen Stammesgebiet. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts gerieten die Thüringer in Abhängigkeit von denHunnen unterAttila, der sein Reich damit auch aufMitteldeutschland ausdehnen konnte. Nach dem Abzug der Hunnen und dem Zerfall des Hunnenreiches konnte sich in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts ein eigenständiges thüringisches Königreich etablieren. Die Ostgrenze dieses Reiches zog sich durch das heutige Sachsen; ihr Verlauf ist heute unbekannt.


Nach der Niederlage der Thüringer gegen dieFranken im Jahre 531 n. Chr. fielen die südlichen Gebiete des Königreiches unter fränkische Herrschaft, die nördlichen Gebiete untersächsische (heutigesNiedersachsen). Die Gebiete östlich derSaale konnten von den Franken nicht gehalten werden und wurden im ausgehenden 6. Jahrhundert von den westslawischenSorben beherrscht und verstärkt besiedelt. Teile des heutigen Sachsen wohl bis zurElster undPleiße, vielleicht sogar stellenweise bis zurMulde, gehörten vermutlich schon seit der Mitte des 9. Jahrhunderts zurSorbischen Mark und standen damit in loser Abhängigkeit vomFränkischen Reich. Ihren Namen erhielt dieseGrenzmark von dem östlich davon siedelnden Stammesverband der Sorben. Die Gebiete an der Elbe und in derLommatzscher Pflege waren von den slawischenDaleminziern besiedelt, in der Oberlausitz saßen dieMilzener undBesunzane.
Die Daleminzier wurden 929/930 in einem großangelegten Heereszug von KönigHeinrich I. besiegt, ihre HauptburgGana zerstört und auch dieses Gebiet in das Reich eingegliedert. Während derUngarneinfälle ließ Heinrich 929 bis 931 zur dauerhaften Beherrschung und Sicherung des neuerworbenen Landes auf einem Felsplateau an der Mündung derTriebisch in dieElbe die BurgMeißen(Misina, Misni) gründen, die Namensgeberin derMarkgrafschaft Meißen und die „Wiege des heutigen Sachsens“ wurde.
Die Eroberungen slawischer Länder setzte sich unter KaiserOtto I. durch den MarkgrafenGero fort. Unter dem Terminussächsische Ostmark versteht sich kein Vorläufer Sachsens, sondern lediglich ein großes Territorium, das bis ins nördliche heutigeBrandenburg reichte und von demTribut gesammelt wurde. Nach heutigem Forschungsstand hat eine derartige Markgrafschaft mit Gero als königlichem Amtswalter nicht existiert.
Zwischen 985 und 1002 fanden ersteMünzprägungen in Meißen statt. Es sind die Münzen vom TypSachsenpfennige mit der Inschrift EKKIHART und MISSNI.[6] EinenBurggrafen gab es wahrscheinlich seit 965, belegt ist er allerdings erst 1068. 968 wurde dasBistum Meißen durch KaiserOtto I. gegründet, Bischofssitz wurde wiederum die gleichnamige Burg. Der Markgraf bzw. die Markgrafschaft wurden 1046 erstmals alsMarchia Misnensis erwähnt. Bis 1089 herrschten verschiedeneAdelsgeschlechter in der Mark Meißen. In dem Jahr übernahmen die damals sich selbst noch nicht so bezeichnenden Wettiner dieMarkgrafschaft.

Der NameWettin für dieses Geschlecht taucht in den Quellen erst im 12. Jahrhundert auf und bezieht sich auf denStammsitz, dieBurg Wettin an derSaale nordwestlich vonHalle (Saale). Ein männlicher Spross dieses Geschlechts vermählte sich 1089 mit der Witwe desMarkgrafen, aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor,Heinrich I. von Eilenburg (1070 bis 1103), der erste Wettiner, der 1089 mit der Mark Meißen belehnt wurde. Dessen Nachfolger, sein Sohn, warHeinrich II. von Eilenburg. Dieser starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, deshalb ging der Titel des Markgrafen auf seinen VetterKonrad den Großen (1123 bis 1156). Nachfolger Konrads wurde sein Sohn,Otto der Reiche, Markgraf von 1156 bis 1190. In seine Regierungszeit fällt die GründungLeipzigs 1165 (Ersterwähnung 1015) als er, der Markgraf, dem Ort an der Kreuzung derVia Regia mit derVia ImperiiStadtrecht undMarktprivileg erteilte, die Entdeckung derSilbervorkommen beim jetzigenFreiberg 1168/70 und die Gründung der Stadt Freiberg als „freie Stadt auf dem Berge“ um 1170. Außerdem wurde vermutlich um 1185/90 die StadtChemnitz gegründet, die damals nicht zur Mark Meißen gehörte, sondern als Reichsstadt dem Kaiser unterstand. Otto der Reiche erwarb verschiedene Territorien, so unter anderemWeißenfels, dem er 1185 das Stadtrecht verlieh. Das von denBurggrafen von Dohna gegründeteDresden wurde 1206 erstmalsurkundlich erwähnt.

1180 wurde der mächtige Reichsfürst HerzogHeinrich der Löwe entmachtet und seinHerzogtum Sachsen geteilt: Der westliche Landesteil wurde alsHerzogtum Westfalen dem Erzbischof von Köln unterstellt. Mit dem östlichen Landesteil, das den Namen Sachsen weiter trug, wurde derAskanierBernhard III. (Sachsen), SohnAlbrechts I. (Brandenburg) belehnt. Nach dem Tod von Bernhard III. um den Jahreswechsel 1211/12 auf seinerBurg Bernburg an der Saale wurde die askanische Herrschaft beimBernburger Erbfall zwischen den beiden SöhnenAlbrecht undHeinrich geteilt. Albrecht erbte dabei den sächsischen Herzogstitel und Gebiete umAken (Elbe) undWittenberg, während Heinrichs Erbteil sich später zum FürstentumAnhalt weiter entwickelte.[7] In der Folge dieser Teilung überschritt der NameSachsen im Zuge derhistorischen Namensverschiebung die alte Kulturgrenze der Elbe-Saale-Linie.[8] Aus dem herzoglich-sächsischen Erbteil gingen 1296 die askanischen HerzogtümerSachsen-Lauenburg undSachsen-Wittenberg hervor. 1356 wurden die Wittenberger Askanier durch dieGoldene Bulle zuKurfürsten erhoben.
Mit dem Tod vonAlbrecht III. 1422 starben die WittenbergerAskanier imMannesstamme aus. In der Folge erhoben sowohl die lauenburgischen Askanier unter HerzogErich V. als auch die Meißner Wettiner in Person vonFriedrich I. Anspruch auf Sachsen-Wittenberg und die damit verbundene Kurwürde. 1423 verlieh KönigSigismund dasKurfürstentum Sachsen an diemeißnischenWettiner, womit auch die Kurwürde an die Wettiner überging und der NameSachsen elbaufwärts wanderte. Die Lauenburger Herzöge erhielten jedoch ihren Anspruch auf Herzogtum und Kurwürde weiter aufrecht.

König Otto I. hatte im südlichen Teil des Herzogtums Sachsen, in derSaale-Unstrut-Region diePfalzgrafschaft Sachsen eingerichtet. Der erstesächsische Pfalzgraf aus dem HauseGoseck warBurchard (1003 bis 1017, Enkel desDedi). Mit dem TodeFriedrich V. im Jahr 1179 erlosch die Linie der Pfalzgrafen aus dem Hause Goseck. Die Pfalzgrafschaft Sachsen wurde im gleichen Jahr von KaiserFriedrich Barbarossa anLudwig den Frommen aus dem Geschlecht derLudowinger verliehen. Dieser überließ sie 1181 seinem BruderHermann. Nach Hermanns Tod 1217 fiel die Pfalzgrafschaft an dessen SohnLudwig.
Als Ludwig IV. auf einem Kreuzzug 1227 ums Leben kam, übernahm sein BruderHeinrich Raspe für Ludwigs minderjährigen SohnHermann II. die Regierungsgeschäfte. Hermann II. starb 1241 im Alter von 19 Jahren und Heinrich Raspe übernahm offiziell die Herrschaft. Da auch Heinrich Raspe kinderlos blieb, erwirkte er 1242 beiKaiser Friedrich dieEventualbelehnung seines wettinischen NeffenHeinrich der Erlauchte mit der Pfalzgrafschaft Sachsen sowie derLandgrafschaft Thüringen.
Nach dem Tod des Wettiners Heinrich des Erlauchten wurde der WelfeHerzog Heinrich I. Fürst von Braunschweig-Grubenhagen († 1322) sächsischer Pfalzgraf.
Im Jahr 1363 wurde erstmals einePfalzgrafschaft Sachsen-Allstedt genannt.[9]

Nach dem Aussterben deraskanischen Herzöge von Sachsen-Wittenberg konnten die Wettiner 1423 zurMarkgrafschaft Meißen und ihren thüringischen Besitzungen das Herzogtum Sachsen hinzugewinnen: Am 6. Januar 1423 belehnte KönigSigismund den Meißner MarkgrafenFriedrich den Streitbaren aus dem Adelsgeschlecht derWettiner mit dem HerzogtumSachsen-Wittenberg. Mit diesem Territorium an der mittleren Elbe war gemäß derGoldenen Bulle von 1356 auch dieKurwürde verbunden: Seitdem waren die meißnischen Wettiner auch Herzöge und Kurfürsten von Sachsen und gehörten damit zu den bedeutendsten Fürsten imReich.
Schnell breitete sich der Name ihres wichtigsten Territoriums Sachsen auf alle von ihnen beherrschten Länder aus. In ihrer Titulatur zählten die Wettiner aber zumeist ihre ganzen Besitzungen auf: sie waren Kurfürsten und Herzöge von Sachsen, Markgrafen von Meißen, Landgrafen von Thüringen usw. Auch dauerte es sehr lange, bis die verschiedenen Länder zu einem einheitlichen Staatswesen zusammengewachsen waren, was durch die bis ins 17. Jahrhundert immer wieder vorgenommenen Landesteilungen nicht eben erleichtert wurde.
Die wettinischen Lande gehörten nicht nur wegen ihrer Größe, sondern auch wegen ihrer Wirtschaftskraft zu den bedeutendsten Territorien des Reiches. Die Meißener Markgrafen und Kurfürsten konnten bedeutende Einnahmen aus dem Silberbergbau im Erzgebirge ziehen, sie geboten mit Leipzig über eines der wichtigsten Handelszentren im Reich und schon im 14. Jahrhundert hatten sie mit der so genannten Amtsverfassung eine fast flächendeckende Verwaltung geschaffen, die dem Hof aus den einzelnen Ämtern stabile Einnahmen zuführte. Durch Bergbau und Handel war im Sachsen des 15. Jahrhunderts viel Geld im Umlauf, wodurch auch die anderen Wirtschaftszweige nachhaltig belebt wurden. Der von den Kurfürsten in derLandeshauptmünzstätte Freiberg geprägteMeißner Groschen war weit über die Grenzen der wettinischen Lande hinaus eine anerkannte Währung.
Im Jahr 1446 kam es zumSächsischen Bruderkrieg, nachdem der Plan derAltenburger Teilung von den zerstrittenen Brüdern Friedrich II. und Wilhelm III. abgelehnt wurde. Erst mit dem Naumburger Frieden von 1451 wurde der Streit beigelegt. Das Nachspiel des sächsischen Bruderkrieges war derAltenburger Prinzenraub im Juli 1455, als der RitterKunz von Kauffungen die Prinzen Ernst und Albrecht aus derBurg in Altenburg entführte.
Am 17. Juni 1485 vereinbarten die BrüderErnst undAlbrecht der Beherzte in Leipzig die Trennung ihres Besitzes, den sie bisher gemeinsam regiert hatten. Damit entstanden die beiden wettinischen Linien derErnestiner und derAlbertiner. Der ältere Bruder Ernst erhielt das Herzogtum Sachsen umWittenberg herum, mit dem die Kurwürde verbunden war, dazu auch die thüringischen Gebiete und Gebiete in der Mark Meißen. Albert regierte als Herzog von Sachsen, den größeren Teil der meißnischen Gebiete mit den StädtenLeipzig undDresden (siehe dazu auchLeipziger Teilung sowieSächsischer Münzstreit).
Ernst starb schon 1486. Sein SohnFriedrich der Weise wurde sein Nachfolger. Er gründete 1502 die Universität Wittenberg und holte 1505Lucas Cranach den Älteren als Hofmaler dorthin. Von Wittenberg aus verbreitete sich dieReformation. Er versteckteMartin Luther auf derWartburg. Friedrich der Weise starb 1525, Nachfolger wurde sein BruderJohann der Beständige. 1527 wurde die Evangelisch-Lutherische Landeskirche gegründet, deren „oberster Bischof“ der Kurfürst war. Der 1530 zur Verteidigung der Reformation gegründeteSchmalkaldische Bund der evangelischen Reichsstände stand unter Führung Kursachsens und Hessens.

1532 starb Johann, Nachfolger wurde sein SohnJohann Friedrich. 1546 führten die Spannungen zwischen Kaiser undSchmalkaldischem Bund zumSchmalkaldischen Krieg, den der Bund in derSchlacht bei Mühlberg 1547 verlor. Johann Friedrich musste dieKurwürde und den Großteil seiner Besitzungen einschließlich der StadtZwickau an seinen VetterMoritz von Sachsen abtreten. Ihm blieben nur die thüringischen Besitzungen, die nach seinem Tod 1554 unter seine Söhne aufgeteilt wurden (sieheGeschichte Thüringens).

Albrecht der Beherzte wählteDresden stattMeißen alsResidenz. Er starb 1500 bei Kämpfen inFriesland. Sein SohnGeorg der Bärtige war ein entschiedener Gegner der Reformation. In derSächsischen Fehde, die er 1514 bis 1517 gegen denostfriesischen GrafenEdzard I. (1462 bis 1528) führte, fanden die Kriegshandlungen überwiegend auf ostfriesischem Boden statt und zerstörten ganze Landstriche. In dieser Fehde kam eine sächsische Flotte von 10 Schiffen einschließlich einesAdmiralsschiffs auf derEms zum Einsatz, die jedoch schon 1514 von einer Flotte ausEmden zerstört wurde.
Erst als nach Georgs Tod 1539 sein BruderHeinrich der Fromme Herzog wurde, kam das Herzogtum zum Protestantismus. Nach dessen Tod 1541 wurde sein SohnMoritz Herzog. Moritz verbündete sich mit dem Kaiser gegen den Schmalkaldischen Bund. Nach der Schlacht bei Mühlberg 1547 bekam er die Kurwürde und große Teile der bisherigen kursächsischen Besitzungen. Alle bis dahin in Betrieb gewesenen Münzstätten kamen in seinen alleinigen Besitz. Die zwischen den ernestinischen und albertinischen Fürsten bestandene Münzgemeinschaft wurde beendet. Moritz münzte nunmehr unter seinem alleinigen Namen in seinen MünzstättenAnnaberg,Freiberg undSchneeberg. DieBuchholzer Münzstätte wurde mit derAnnaberger Münze vereinigt und der Münzbetrieb in Buchholz beendet. DieSächsische Münztrennung unter Moritz zwischen den beiden sächsischen Linien war endgültig.


Später verschlechterte sich das Verhältnis von Kaiser und Kurfürst und es kam zu einem neuen Waffengang. Moritz siegte dabei, starb jedoch 1553 bei derSchlacht bei Sievershausen. Seit Abschluss desAugsburger Religionsfriedens im Jahre 1555 stand der sächsische Kurfürst fest an der Seite der jeweiligen Kaiser aus demHause Habsburg.August I. verstand sich als Führer der lutherischen Reichsstände, in deren Interesse der zwischen Protestanten und Katholiken erreichtestatus quo zu bewahren sei. Für seine kaiserfreundliche Politik erhielt August von KaiserFerdinand I. freie Hand, die mitteldeutschenHochstifteMerseburg,Naumburg undMeißen zusäkularisieren und in densächsischen Kurstaat zu integrieren.
In der Religionspolitik legte sich Sachsen ganz auf das orthodoxe Luthertum fest. Reformierte Strömungen wurden unterdrückt und mit den Habsburgern war man sich einig, dass dieCalvinisten nicht in den reichsweiten Religionsfrieden aufgenommen werden sollten und ihnen damit der Status einer reichsrechtlich anerkanntenKonfession verwehrt bleiben sollte. Ihren dogmatischen Ausdruck fand die strenge Ausrichtung auf die „reine Lehre“Martin Luthers durch dieKonkordienformel und dasKonkordienbuch, die in Sachsen als verbindliche Religionsgesetze von jedem evangelischen Pfarrer zu unterschreiben waren. Neben der Geistlichkeit wurden auch die Universitäten und letztlich alle Untertanen der konfessionellen Disziplinierung durch den Behördenapparat des Kurfürsten unterworfen.
Zur Klärung der politischen Probleme im mitteldeutschen Raum wurde mit denErnestinern 1554 derNaumburger Vertrag geschlossen.
Die friedliche Zeit in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkte sich auf die sächsische Ökonomie und die Staatsfinanzen positiv aus. August war einer der wenigen Reichsfürsten jener Epoche, die einen umfangreichen Staatsschatz ansammeln konnten. Er war auch nicht ständig auf Steuerbewilligungen der Landstände angewiesen, so dass der sächsische Landtag nur selten einberufen wurde und die sächsischen Stände sich deshalb kaum an der Landespolitik beteiligen konnten. Ab 1570 erfolgte der Steuereinzug durch das Obersteuerkollegium, welches nur dem Kurfürsten verantwortlich war.[10] Die von Kurfürst August 1556 in seiner Residenz errichteteMünzstätte Dresden wurde nach Schließung sämtlicher Landesmünzstätten einzige Münzstätte im Kurfürstentum, die nun unter seiner Oberaufsicht stand.
Unter Augusts Nachfolger, seinem SohnChristian I. (1586 bis 1591) gewannen calvinistische Strömungen am Hof an Einfluss. Außerdem versuchte Christians KanzlerNikolaus Krell der sächsischen Politik eine neue Richtung zu geben. Das Kurfürstentum sollte sich vom Kaiser lösen und eine Union mit den protestantischen Reichsfürsten sowie Bündnisse mit den westeuropäischen Gegnern der Habsburger eingehen. Insbesondere die demCalvinismus wohl gesinnte Religionspolitik stieß auf den erbitterten Widerstand der lutherischen Kräfte in der Landeskirche und unter den Ständen. Der frühe Tod Christians I. machte die hochfliegenden Pläne Krells zunichte. Der Kanzler wurde erst ins Gefängnis geworfen und 1601 hingerichtet.
Nach dem Ausbruch des durch denzweiten Prager Fenstersturz eingeleiteten Böhmischen Ständeaufstands stellte sich der KurfürstJohann Georg I. noch 1618 auf die Seite des Kaisers. Er setzte damit auf Anraten seiner Regierung die seit Jahrzehnten gültige sächsische Reichspolitik fort. Ihr Ziel war es, den imAugsburger Reichs- und Religionsfrieden erreichten status quo zu wahren. Man war sich 1618 in Dresden bewusst, dass die böhmischen Unruhen einen reichsweiten Krieg auslösen konnten. Zunächst versuchte Johann Georg gemeinsam mit dem Mainzer Kurfürsten zwischen den böhmischen Ständen und dem Kaiser zu vermitteln. Nach dem Tod von KaiserMatthias im März 1619 spitzte sich die Lage aber zu. Als die böhmischen Stände im gleichen Jahr den bereits gekrönten NachfolgerFerdinand II. absetzten und KurfürstFriedrich V. von der Pfalz zu ihrem König wählten, gab Johann Georg seine abwartende Haltung auf und erklärte sich bereit, am Krieg gegen Böhmen teilzunehmen. Mit Ferdinand II. wurde vereinbart, dass Sachsen die beiden böhmischenNebenländerOber- undNiederlausitz für den Kaiser zurückerobern sollte. Formalrechtlich wurde Johann Georg dafür vom Kaiser mit derReichsexekution gegen die böhmischen Rebellen beauftragt.
Im September 1620 marschierten die sächsischen Truppen in die beiden Lausitzen ein. Die beiden Markgraftümer konnten ohne größeren Widerstand besetzt werden. Weil der Kaiser dem sächsischen Kurfürsten dieKriegskosten nicht wie vereinbart erstatten konnte, musste er Johann Georg die beiden Lausitzen 1623 als Pfand überlassen.
In der Folgezeit verschlechterten sich die Beziehungen Sachsens zum Kaiser mehr und mehr, unter anderem, weil die Neutralität Sachsens von den kaiserlichen Truppen unterAlbrecht von Wallenstein kaum geachtet wurde. Albrecht von Wallenstein führte mehrfach plündernde Truppen in die Lausitzen. Auch die rücksichtslos betriebeneRekatholisierung in Schlesien und Böhmen missfiel dem sächsischen Kurfürsten, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Die militärischen Erfolge Wallensteins schließlich ließen nichts Gutes für die Zukunft der protestantischen Reichsstände erwarten. 1631 sah sich Johann Georg I. schließlich genötigt auf Seiten der Schweden in den Krieg gegen den Kaiser einzutreten. Ausschlaggebend für diesen radikalen Wechsel in der sächsischen Politik war die militärische Lage, denn die Truppen des Schwedenkönigs standen zu dieser Zeit schon auf sächsischem Gebiet.
1635 schloss Sachsen mit dem Kaiser denPrager Frieden und gelangte dadurch endgültig in den Besitz der Lausitzen. Die Verheerungen des Landes durch denDreißigjährigen Krieg dauerten aber an, denn die Kämpfe gegen die Schweden gingen noch mehr als zehn Jahre auch in Mitteldeutschland weiter. Kursachsen schied mit demWaffenstillstand von Kötzschenbroda 1645 vorläufig und mit demFrieden von Eilenburg 1646 endgültig aus den direkten Kampfhandlungen aus. Jedoch erst derWestfälische Friede 1648 brachte das Ende der Kriegsnot. Für Sachsen wurden weitgehend die Bestimmungen des Prager Friedens bestätigt.




Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren viele sächsische Städte und Dörfer zerstört, große Verluste an Menschenleben waren zu beklagen, das Land war verarmt und die Staatskasse leer. Allerdings erholte sich der Kurstaat aufgrund seiner natürlichen und politischen Voraussetzungen (gute Böden und reiche Erzvorkommen auf der einen, eine gut organisierte Verwaltung auf der anderen Seite) schneller als andere Territorien des Reiches von den Folgen des Krieges. Eine wichtige Komponente für den Wiederaufstieg Sachsens stellten die aus den habsburgischen Territorien in den Kurstaat einströmendenExulanten dar, durch die der Bevölkerungsverlust aus den Kriegszeiten schneller ausgeglichen werden konnte. Das technischeknowhow der Exulanten und ihr Gewerbefleiß kurbelten die Wirtschaft an.
Durch den starken Geldbedarf der landesfürstlichen Kasse hatten die sächsischen Stände schon während des Krieges wieder an Einfluss gewonnen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mussten die Kurfürsten den Landtag weit häufiger einberufen, als dies noch zu Anfang jenes Jahrhunderts der Fall gewesen war und 1661 konnten die Stände sogar ihrSelbstversammlungsrecht durchsetzen.
1635 erhielt Sachsen im sog. Sonderfrieden von Prag endgültig die Herrschaft über beide Lausitzen und den Queiskreis bei gleichzeitiger Neutralitätsverpflichtung sowie Bestandsgarantie für die dortigen konfessionellen Verhältnisse. DerQueiskreis ausBautzen verwaltet blieb bis 1815 bei Sachsen, danach fiel der Kreis anPreußen. Es war einEinwanderungsgebiet für Glaubensflüchtlinge (Exulanten) aus Böhmen und Schlesien.
Das am 8. Oktober 1656 eröffnete Testament vonJohann Georg I. sah vor, Teile Kursachsens seinen drei SöhnenAugust,Christian undMoritz zu vermachen und sie in einerkursächsischenSekundogenitur als eigenständige Herzogtümer einzurichten. Es entstanden die HerzogtümerSachsen-Zeitz,Sachsen-Merseburg undSachsen-Weißenfels, die jedoch 1718, 1738 bzw. 1746 wieder an Kursachsen zurückfielen.
Außenpolitisch blieb Sachsen bis zum Ende des 17. Jahrhunderts an der Seite des österreichischen Kaiserhauses. 1683 beteiligte sich KurfürstJohann Georg III. persönlich mit demSächsischen Heer an derSchlacht am Kahlenberg die dieZweite Wiener Türkenbelagerung beendete und für die wichtige Befreiung Wiens sorgte. Das Kurfürstentum Sachsen war Teil einesdeutsch-polnischenEntsatzheeres unter der Führung des polnischen KönigsJohann III. Sobieski. Die Niederlage derosmanischen Armee bedeutete den Anfang vom Ende der türkischenHegemonialpolitik. Die sächsischen Kurfürsten leisteten weitere Truppenhilfen gegen die Türken und Sachsen war auch amReichskrieg gegen den französischen König Ludwig XIV. beteiligt.
August der Starke wurde 1694 Kurfürst. 1697 trat er zum katholischen Glauben über, um die polnische Königskrone zu erwerben. Die PersonalunionSachsen-Polen bestand bis zum Ende desSiebenjährigen Krieges 1763, mit zwei kurzen Unterbrechungen 1706 bis 1709 und 1733 bis 1736. Unter der Herrschaft Augusts und seines SohnesFriedrich August II. erblühte Dresden. Die berühmten Bauwerke wieZwinger undFrauenkirche entstanden.
In den 1720er Jahren setzte eine regeBesuchsdiplomatie mit dem nördlichen Nachbarn und Rivalen Preußen ein. Auch eine Aufstockung derSächsischen Armee bis auf 30.000 Mann folgte, um der gestiegenen militärischen Gefährdung durch den hochgerüsteten nördlichen Nachbarn zu begegnen. Ab den 1740er Jahren verschlechterte sich das Verhältnis zu Preußen weiter, bis es imZweiten Schlesischen Krieg zu einer offenen Konfrontation mit Preußen kam, die Sachsen verlor. 1756 wurde Sachsen erneut von einerpreußischen Armee besetzt und seine vorab reduzierte Armee kapitulierte nach wenigen Wochen derBelagerung bei Pirna. Der Kurfürst floh in seine Zweitresidenz nach Warschau und blieb dort bis zum Kriegsende. Nach demFrieden von Hubertusburg 1763 setzte ein langanhaltender Aufschwung mit demRétablissement ein.

1778/79 beteiligte sich Sachsen amBayerischen Erbfolgekrieg auf der SeitePreußens gegen dieHabsburgermonarchie. Als „buchstäblicher“Mittelstaat des „Dritten Deutschlands“ war Sachsen aber auch prädestiniert, zwischen den beiden deutschen Großmächten zu vermitteln. Zur Unterstützung KönigLudwigs XVI. von Frankreich gegen dierevolutionären Bestrebungen wurde inPillnitz bei Dresden am 27. August 1791 diePillnitzer Deklaration formuliert.
DasKönigreich Sachsen entstand aus dem Kurfürstentum Sachsen und existierte von 1806 bis 1918. Es gehörte von 1806 bis 1815 demRheinbund und von 1815 bis 1866 demDeutschen Bund an. Seit 1867 war es Mitglied desNorddeutschen Bundes und von 1871 bis 1918 desDeutschen Reiches.

Im September 1806 beteiligte sich Sachsen an der Seite Preußens amKrieg gegen das napoleonische Frankreich. In derSchlacht bei Jena im Oktober 1806 kämpften auch 22.000 sächsische Soldaten. Der Feldzug endete mit einer katastrophalen Niederlage. Sachsen kam kurzzeitig unter französischeBesetzung. Ihm wurden zunächst 25 Millionen FrancKontribution auferlegt und es musste Hilfslieferungen zur Versorgung der französischen Armee leisten. Bereits am 11. Dezember 1806 endete imFrieden von Posen der Kriegszustand mit Frankreich. Sachsen wechselte die Seite. Es wurde Mitglied desRheinbunds undNapoleon erhob den KurfürstenFriedrich August III. zum KönigFriedrich August I. Das Königreich Sachsen stellte Napoleon ein Kontingent von 20.000 Soldaten im Krieg gegen Preußen zur Verfügung. Im Gegenzug verzichtete Frankreich auf die Kriegskontribution. Auf Veranlassung des französischen Kaisers gewährte der neue sächsische König in einemDekret von 1807 seinen Untertanen die Freiheit der Religionsausübung. Von da an waren die Katholiken gleichberechtigte Staatsbürger. ImFrieden von Tilsit musste Preußen dieHerrschaft Cottbus an Sachsen abtreten und Napoleon erhob Friedrich August zumHerzog von Warschau. Die napoleonischeKontinentalsperre hatte starke Auswirkungen auf die sächsische Wirtschaft. Sie verhinderte einerseits den Handel mit Großbritannien, schuf andererseits aber günstige Bedingungen für den Absatz des sächsischen Gewerbes auf dem Kontinent, weil die britische Konkurrenz ausgeschaltet war. Insbesondere die gewerbliche Produktion im Erzgebirge und in derOberlausitz nahm dadurch zu.
ImFünften Koalitionskrieg 1809 kämpften die Sachsen mit 13.000 Soldaten an der Seite Napoleons in derSchlacht bei Wagram gegen Österreich. Zum Dank fügte Napoleon im Jahr 1809Krakau und das bisher österreichischeWestgalizien dem Herzogtum Warschau hinzu. 1812 nahmensächsische Truppen amRusslandfeldzug Napoleons teil. In derSchlacht bei Borodino eroberten die vonGeneral Thielmann befehligten sächsischen Kavallerieregimenter (Garde du Corps, Zastrow-Kürassiere) unter horrenden Verlusten die zentrale russische Verteidigungsstellung um die sogenannte Rajewski-Schanze. Der Angriff hinterließ bei Verbündeten und Feinden gleichermaßen Eindruck, brachte die sächsische Kavallerie aber an den Rand der Auflösung.[11] Von den insgesamt 21.000 sächsischen Soldaten der Invasionsarmee kehrten nur knapp 1.000 in die Heimat zurück.

1813 wurde Sachsen zum Hauptkriegsschauplatz der antinapoleonischenBefreiungskriege, wodurch die sächsische Zivilbevölkerung in den umkämpften Gebieten viel zu leiden hatte. Besonders betroffen waren durch die Gefechte die westliche Oberlausitz (Bischofswerda wurde in Brand geschossen und verwüstet),Räcknitz bei Dresden sowie die Dörfer in der Umgebung von Leipzig, die während derVölkerschlacht im Oktober 1813 verwüstet wurden.
Obwohl Teile des sächsischen Militärs schon mit Beginn derBefreiungskriege Anfang 1813 die Seiten gewechselt hatten, gelang es Friedrich August I. im entscheidenden Herbst 1813 nicht, sich auf die Seite der Verbündeten zu schlagen, sondern blieb als Rheinbundstaat französischer Verbündeter. Das nach der verlorenen Völkerschlacht besetzte Sachsen verwaltete ein preußisch-russischesGeneralgouvernement Sachsen, zunächst unterNikolai Grigorjewitsch Repnin-Wolkonski und Friedrich August kam insSchloss Friedrichsfelde bei Berlin in Gefangenschaft.
Preußen wollte das Land nach dem Sieg über Napoleon auf demWiener Kongress seinem Staatswesen einverleiben, jedoch verhinderte dies der österreichische StaatskanzlerMetternich zugunsten einer Teilung. Friedrich August, im Februar 1815 aus der preußischen Gefangenschaft entlassen, blieb inPreßburg keine Wahl, als dem ausverhandelten Teilungsvertrag, einemDiktatfrieden, zuzustimmen. Er unterzeichnete am 18. Mai 1815 den ihm vorgelegtenFriedensvertrag mit Preußen und Russland. Sachsen verlor den Kurkreis mit Wittenberg und Torgau, die Niederlausitz, die Hälfte der Oberlausitz und alle Gebiete in Thüringen. ImRumpfstaat des Königreichs Sachsen verblieben 1,2 Millionen von etwa 2 Millionen Einwohnern und 15.000 von 35.000 Quadratkilometern. Damit waren 57 Prozent der Fläche mit 42 Prozent der Einwohner Sachsens an Preußen gefallen.

Der Titel „Herzog von Sachsen“ ging aufgrund des Friedensvertrages, der in wesentlichen Teilen Artikel 16 derWiener Kongressakte wurde[12] getroffenen Vereinbarungen aufFriedrich Wilhelm III. von Hohenzollern über. Als neuer Landesherr des Herzogtums Sachsen brachte der preußische König die Kerngebiete des historischen askanischenHerzogtums Sachsen-Wittenberg in eine neu geschaffene preußische Provinz mit einem Gebietsschwerpunkt an Harz, Elbe und Saale ein, die daraufhin, unter persönlicher Einflussnahme des preußischen StaatskanzlersKarl August von Hardenberg, „Provinz Sachsen“ genannt wurde.[13] Das herzoglich-askanische Rautenkranz-Wappen wurde mit der Kabinettsorder vom 9. Januar 1817[14] in das Wappen Preußens übernommen, dessen König nun auch den Titel „Herzog zu Sachsen, Engern und Westphalen“ führte. Seit 1864 wurde die Streifung des Schildes der Provinz Sachsen mit Gold begonnen.[15]


Prägend für Sachsen (wie auch für viele andere Länder) waren im 19. Jahrhundert Faktoren wie
Nach dem Wiener Frieden folgte auch in Sachsen eine Zeit der politischen Restauration. Nachdem König Friedrich August I. 1827 starb, folgte ihm sein damals 71-jähriger BruderAnton im Amt. KabinettsministerDetlev von Einsiedel versuchte jegliche Reformen zu verhindern. Die bürgerlichen Eliten drängten jedoch auf Beteiligung an der politischen Macht. DieJulirevolution von 1830 in Frankreich löste auch in Deutschland Unruhen und Aufstände aus, die in den verschiedenen Staaten infolge der lokalen Besonderheiten einen unterschiedlichen Verlauf nahmen und sehr unterschiedliche Ergebnisse zeigten.
In Sachsen wurde der Aufstand 1831 zwar militärisch bekämpft, die Regierung machte aber auch politische Zugeständnisse, mit denen insbesondere die Forderungen des liberalen Bürgertums teilweise aufgegriffen wurden. Es kam zu gemäßigten Reformen; am wichtigsten war dabei der Erlass derersten Verfassung im September 1831.
Das Königreich Sachsen war nunkonstitutionelle Monarchie geworden, bürgerliche Freiheiten waren erstmals verfassungsmäßig garantiert und es sollten Wahlen zum Landtag stattfinden. Der neueLandtag gliederte sich in zwei Kammern. Die I. Kammer war das Oberhaus und in seiner ständischen Zusammensetzung ein Abbild des alten Landtags. Die II. Kammer wurde auf einer breiteren Basis gewählt.
Mit der Allgemeinen Städteordnung von 1832 erhielten die Städte eine weitgehende Selbstverwaltung und mit dem Gesetz über Ablösungen undGemeinheitsteilungen wird die Befreiung der Bauern von den Feudallasten eingeleitet. Auch Justiz und Verwaltung wurden in den folgenden Jahren grundlegend neu gestaltet.
Anton starb 1836; ihm folgte sein NeffeFriedrich August II. (1797–1854).
Nach 1815 erlebte Sachsen einen enormen industriellen Aufschwung. Das Land war die erste wirklicheIndustrieregion Deutschlands. Die Bevölkerung der Städte nahm wegen des Bedarfs an Arbeitskräften rasch zu. Es kam zur Entstehung eines Industrieproletariats, dessen Lebensverhältnisse sehr schlecht waren. Die Kommunen konnten die sozialen Probleme kaum bewältigen, bzw. hatten die bürgerlichen Führungsschichten wenig Interesse daran.
Im Frühjahr 1848 war Leipzig eines der Zentren derRevolution in den deutschen Staaten. Am 13. März musste der König eine bürgerliche Regierung einsetzen. Am 19. März sprach Robert Blum auf einer Kundgebung auf demZwickauer Kornmarkt. Nachdem ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen wurde, zog er als gewählter Vertreter des Zwickauer Bezirkes insFrankfurter Vorparlament ein. Allerdings zeigte es sich bald, dass Vertreter desGroßbürgertums ihre eigenen familiären Verbindungen zum Adel und Gruppeninteressen sicherten und die Aktivitäten der Volksmassen bremsten. Angesichts von 60.000 Arbeitslosen in Sachsen im Frühjahr 1848 und dem Unmut der ländlichen Bevölkerung, die am 5. April dasSchloss Waldenburg (Sachsen) in Flammen aufgehen ließ, war das kein leichtes Unterfangen.
Friedrich August II. berief während der Märzrevolution liberale Minister in die Regierung, hob die Zensur auf und erließ ein liberales Wahlgesetz (Nähereshier).
Später änderte sich seine Haltung und er löste Ende April 1849 das Parlament auf, was schließlich zumDresdner Maiaufstand führte. Am 3. Mai wurde eine Demonstration der Bürgerwehr verboten und offiziell mit dem Einmarsch preußischen Militärs gedroht, was den letzten Zündfunken für den bewaffneten Widerstand lieferte. In der Folge kam es in Dresden zu Kämpfen und der König flüchtete auf dieFestung Königstein. Am 6. Mai trafen jedoch, wie angedroht, preußische Truppen ein. Das Resultat nach vier Tagen Kämpfen waren 30 gefallene Soldaten und ca. 200 tote Barrikadenkämpfer sowie zahlreiche politische Gefangene. Die Revolution wurde niedergeschlagen, ohne dass größere politische Zugeständnisse gemacht worden waren.

Am 14. Juni 1866 stellte sich Sachsen imDeutschen Krieg auf die Seite Wiens, dem die preußische Kriegserklärung folgte. Auf eine wenig Erfolg versprechende Verteidigung des Landes gegen die übermächtigen preußischen Verbände wurde verzichtet.König Johann wich stattdessen mitsamt seiner Armee nach Böhmen aus, um sich mit den verbündeten Österreichern zu vereinen. Sachsen wurde schnell von preußischen Truppen besetzt und seine Armee teiltebei Königgrätz die Niederlage der Österreicher. ImFriedensvertrag von Berlin[16] musste die sächsische Regierung schließlich die politischen Veränderungen anerkennen und das Land wurde Mitglied imNorddeutschen Bund unter preußischer Führung. Ursprünglich wollte Preußen das Königreich Sachsen komplettannektieren, wie es schon mit Schleswig-Holstein, Kurhessen, Nassau und Hannover verfahren war. Dagegen verwahrte sich der österreichische Kaiser Franz Joseph ausdrücklich, da er den staatlichen Fortbestand des treuesten Verbündeten als eine Frage der Ehre betrachtete.[17] Außerdem wollte er eine EinkreisungBöhmens durch Preußen verhindern. Unter Vermittlung vonAlfred Graf von Fabrice, der Preußen eine weitgehende militärische Kooperation zusicherte, sowie der FürspracheOtto von Bismarcks verzichtete Wilhelm I. schließlich auf eine Annexion Sachsens.
Als Chef des Generalstabs war Fabrice maßgeblich an der strategischen Bravour derSächsischen Truppen bei Königgrätz beteiligt. Dies wurde von Freund und Feind anerkannt, auch von Preußen. Bei den Friedensverhandlungen standen die militärischen Aspekte und die Eingliederung der Sächsischen Armee im Mittelpunkt. General Alfred Graf von Fabrice konnte soviel Vertrauen aufbauen, dass sie durch den Abschluss einerMilitärkonvention mit Preußen in Gestalt desSächsischen Armeekorps des Norddeutschen Bundes mit eigenen Feldzeichen, Einrichtungen und Uniformen erhalten blieb.[18]
Sachsens staatliche Souveränität war allerdings seitdem stark eingeschränkt. 1868 wurde eine Verfassungsänderung durchgeführt, diedem Landtag mehr Rechte einräumte und das Wahlrecht zur II. Kammer auf eine breitere Basis stellte. 1870/71 nahm Sachsen amDeutsch-Französischen Krieg teil und 1871 wurde Teil des neu gegründetenDeutschen Reiches. Da es bei denWaffenstillstandsgesprächen in Frankreich zu Verhärtungen gekommen war, beauftragte derReichskanzlerOtto von Bismarck den sächsischen Kriegsminister Alfred von Fabrice die Gespräche zu übernehmen. Er wurde zum Generalgouverneur für das besetzte Frankreich ernannt und vermittelte erfolgreich in allen wichtigen Angelegenheiten zur Vorbereitung desFriedens von Frankfurt.
Sachsen profitierte nach 1871 besonders von demallgemeinen Aufschwung in Deutschland. Es war das Land mit der höchsten Industriedichte und dem höchsten Nationaleinkommen pro Kopf unter allen deutschen Bundesstaaten. Nach 1871 kam es auch zu einem Modernisierungsschub auf dem Gebiet der Verwaltung, während das politische System rückständig blieb. Das geltende Wahlrecht sicherte einer kleinen Minderheit der besitzenden Schichten die Macht. Sachsen war im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auch ein Zentrum derdeutschen Arbeiterbewegung unter FührungAugust Bebels undWilhelm Liebknechts und trug daher auch den BeinamenRotes Königreich.
KönigFriedrich August III. von Sachsen (1865 bis 1932; reg. 1904 bis 1918) war der letzte sächsische König und der letzte wettinische Landesherr Sachsens. Friedrich August III. galt als konservativ und konfliktscheu, war manchmal aber auch recht tolerant, was sich zum Beispiel im Jahr 1906 mit der Ernennung des liberalen Grafen Hohenthal, der dasPluralwahlrecht in Sachsen einführte, zum Innenminister zeigte. Mit Hohenthals Tod im Jahr 1909 schliefen die politischen Reformen im Königreich jedoch schnell wieder ein.
Am 2. August 1914 rief der König seine „Söhne und Brüder“ zu den Waffen. ImErsten Weltkrieg stellte Sachsen zum letzten Mal eineeigene Armee. Der eigentlich als begeisterter Militär und fähiger Stratege geltende König verzichtete als einziger deutscher Monarch auf den Oberbefehl über seine Truppen.
| Daten im Jahr 1930 | |
|---|---|
| Landeshauptstadt: | Dresden |
| Fläche: | 14.986km² |
| Einwohner: | 4.994.281 |
| Bevölkerungsdichte: | 333 Einwohner/km² |
| Stimmen imReichsrat: | 4 |

Am 8. November 1918 übernahmen in Sachsen Arbeiter- und Soldatenräte die Macht, der USPD-PolitikerHermann Fleißner rief am 10. November 1918 imZirkus Sarrasani die Republik Sachsen aus und drei Tage später dankte der sächsische König Friedrich August III. aufSchloss Guteborn beiRuhland ab.
Am 15. November 1918 übernahm das „Gesamtministerium Lipinski“ alsRat der Volksbeauftragten unter dem Vorsitz vonRichard Lipinski die Staatsgewalt.
Am 28. November 1918 wurde das allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Verhältniswahlrecht für Männer und Frauen über 21 Jahre eingeführt. Die „vorläufige Vertretung des gesamten Volkes der Republik Sachsen“, die sich „Volkskammer der Republik Sachsen“ nannte, wurde am 2. Februar 1919 gewählt.[19] Am 25. Februar 1919 trat das „Vorläufige Grundgesetz für denFreistaat Sachsen“ (diese Bezeichnung wurde einstimmig beschlossen) in Kraft.
Im Februar/März 1919 kam es zumGeneralstreik im Leipziger Raum und im April 1919 legten die Arbeiter desZwickauer Steinkohlenreviers die Arbeit nieder.[20] Nachdem aufgebrachteKriegsopfer den sächsischen KriegsministerGustav Neuring am 12. April 1919 nach einer öffentlichen Rede in der Elbe ertränkt hatten, verhängte die Reichsregierung denBelagerungszustand über Sachsen[21] und die Brigade 16 dervorläufigen Reichswehr unterGeorg Maercker besetzte Leipzig.[22]
Im März 1920 floh die Reichsregierung vor denKapp-Putschisten nach Dresden. Bei Straßenkämpfen zwischen Reichswehr und Demonstranten während des Kapp-Putschs starben am 15. März 1920 auf dem Postplatz 59 Menschen. Die Straßenschlachten in Leipzig forderten 40 Todesopfer. Mit ihrem Generalstreik brachte die Arbeiterschaft den Kapp-Putsch schließlich zum Erliegen.
Das sächsische Gesamtministerium legte derVolkskammer am 19. April 1920 den Entwurf einer Verfassung vor. Diese passte sich im Aufbau und in der Terminologie an die Reichsverfassung vom 11. August 1919 an, orientierte sich an bereits verabschiedeten Landesverfassungen sowie am vorliegenden Entwurf für Preußen.
Diese Vorlage wurde am 12. Mai 1920 in erster Lesung behandelt. Die Volkskammer wählte einen Sonderausschuss. Dieser bestand aus 18 Abgeordneten aller Fraktionen (SPD – 7, DDP – 4, USPD – 3, DNVP – 3, DVP – 1). Die Beratung erfolgte in 18 Sitzungen. Am 20. Oktober 1920 lag der Volkskammer der Bericht des Ausschusses vor und am 26. Oktober 1920 erfolgte die 2. Lesung und Annahme der „Verfassung des Freistaates Sachsen“ mit einstimmigem Ergebnis. Die Verfassung trat am 1. November 1920 in Kraft.
Diese neue Verfassung orientierte sich an derWeimarer Verfassung. In der Zeit der Weimarer Republik war Sachsen nun ein Freistaat mit einem Parlament, einem Ministerpräsidenten und den schon einhundert Jahre zuvor eingeführten Landesfarben weiß-grün.
Angesichts eines Erstarkens rechter Kräfte und einer enormen Verschlechterung der Wirtschaftslage (mit derHyperinflation 1923) beteiligte MinisterpräsidentErich Zeigner (SPD) am 10. Oktober 1923KPD-Minister anseiner Regierung, welches bis dahin nur aus SPD-Ministern bestanden hatte.[23] Nachdem Hinweise auf revolutionäre Vorbereitungen erkennbar waren und Anweisungen der Reichsregierung, neuaufgestellte paramilitärische Milizen (Proletarische Hundertschaften) aufzulösen, von der Landesregierung nicht befolgt wurden, sandte die Regierung in Berlin Truppen, um im Rahmen derReichsexekution einen befürchteten kommunistisch orientierten Umsturz zu verhindern.[24] Am 29. Oktober 1923 entmachtete GeneralleutnantAlfred Müller auf der Basis einer Notverordnung des ReichspräsidentenFriedrich Ebert (sogen. Reichsexekution) die sächsische Regierung, jedoch gelang es bereits nach wenigen Stunden (Abend- und Nachtsitzung vom 30. auf den 31. Oktober 1923) eine neue und handlungsfähige Regierung zu etablieren.
DasGesamtministerium Fellisch (nur SPD-Politiker) amtierte vom 31. Oktober 1923 bis zum 4. Januar 1924; dasGesamtministerium Heldt I bis zum 13. Januar 1927 (am 31. Oktober 1926 hatte die Wahl zum 3. Landtag stattgefunden[25]); dasGesamtministerium Heldt II amtierte bis zum 30. Juni 1927 und das (ähnliche)Gesamtministerium Heldt III bis zum 25. Juni 1929 (bis nach der Landtagswahl vom 12. Mai 1929[26]).
An den Beisetzungsfeierlichkeiten für den letzten sächsischen König im Jahr 1932 in Dresden nahmen hunderttausende Trauergäste teil, auch, weil sich nach den politischen Wirren seit 1918 und dem rasanten wirtschaftlichen Niedergang viele Sachsen in die Zeit der Monarchie zurücksehnten.
1928 erfolgte ein Gebietsaustausch und eine Grenzbereinigung zwischen dem Freistaat Sachsen und demLand Thüringen.[27] Insgesamt kamen 1115 ha mit 4890 Einwohnern zu Sachsen und 1778ha mit 2900 Einwohnern zu Thüringen. Sachsen erhielt insbesondere die ehemaligenExklaven desHerzogtums Sachsen-Altenburg, nämlich die GemeindenRußdorf beiOberfrohna undNeukirchen beiWaldenburg, aber auch die Gemeinden Wickersdorf, Waldsachsen und ein Teil der Gemeinde Ponitz, die Flur Gosel. BeiPlauen wurden unter anderem teilweise die FlurCaselwitz, ein Teil der Gemeinde Greiz, die Gemeinde und die FlurGörschnitz sowie ein Teil der Gemeinde und FlurSchönbach Sachsen zugeordnet. Im Austausch kamen nach Thüringen die sächsische ExklaveLiebschwitz beiGera mit den Gemeinden und Fluren Lengefeld, Liebschwitz, Lietzsch, Niebra, Pösneck, und Taubenpreskeln sowie den benachbarten Gemeinden Hilbersdorf, Loitzsch, Rückersdorf, Thonhausen und Grobsdorf. Außerdem wurden dem Land eingegliedert die Gemeinde Bocka beiAltenburg undKauritz beiMeerane sowie Flur Frohnsdorf der Gemeinde Ziegelheim und Teile der Gemeinde und Flure Obergrünberg. BeiGreiz kamen von Sachsen die Flur Stelzen (ein Teil der Gemeinde Reuth), ein Teil der Gemeinde und Flur Noßwitz, die Flur Sachswitz (ein Teil der GemeindeElsterberg) und teilweise die Flur Cunsdorf (ein Teil der GemeindeReichenbach).(Der Freistaat Sachsen hatte vor dem Gebietsaustausch mit Thüringen eine Fläche von 14.993 km².)
| Jahr | SPD | DDP | USPD | DNVP | DVP | CVP | „rechte“USPD | „linke“USPD | Zentrum | KPD | WP | VRP | ASPS | NSFB | SLV | NSDAP | CSVD | VNRV |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1919 | 41,6 % – 42 Sitze | 22,9 % – 22 Sitze | 16,3 % – 15 Sitze | 14,4 % – 13 Sitze | 3,9 % – 4 Sitze | 1,0 % – 0 Sitze | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | |
| 1920 | 28,3 % – 27 Sitze | 7,7 % – 8 Sitze | – | 21,0 % – 20 Sitze | 18,6 % – 18 Sitze | – | 13,9 % – 13 Sitze | 2,9 % – 3 Sitze | 1,1 % – 1 Sitz | 5,7 % – 6 Sitze | – | – | – | – | – | – | – | |
| 1922 | 41,8 % – 40 Sitze | 8,4 % – 8 Sitze | – | 19,0 % – 19 Sitze | 18,7 % – 19 Sitze | – | – | – | – | 10,5 % – 10 Sitze | – | – | – | – | – | – | – | |
| 1926 | 32,1 % – 31 Sitze | 4,7 % – 5 Sitze | – | 14,5 % – 14 Sitze | 12,8 % – 12 Sitze | – | – | – | – | 14,5 % – 14 Sitze | 10,0 % – 10 Sitze | 4,2 % – 4 Sitze | 4,2 % – 4 Sitze | 1,6 % – 2 Sitze | – | – | – | |
| 1929 | 34,3 % – 33 Sitze | 4,3 % – 4 Sitze | – | 8,1 % – 8 Sitze | 13,5 % – 13 Sitze | – | – | – | – | 12,8 % – 12 Sitze | 11,3 % – 11 Sitze | 2,6 % – 3 Sitze | 1,5 % – 2 Sitze | – | 5,2 % – 5 Sitze | 5,0 % – 5 Sitze | – | – |
| 1930 | 33,4 % – 32 Sitze | 3,3 % – 3 Sitze | – | 4,8 % – 5 Sitze | 8,7 % – 8 Sitze | – | – | – | – | 13,6 % – 13 Sitze | 10,6 % – 10 Sitze | 1,7 % – 2 Sitze | – | – | 4,6 % – 5 Sitze | 14,4 % – 14 Sitze | 2,2 % – 2 Sitze | 1,5 % – 2 Sitze |
An 100 % Fehlende = Nicht im Landtag vertretene Wahlvorschläge.

DieNSDAP wurde bei einer Landtagswahl nie die fraktionsstärkste Partei. 1930 wurde sie mit 14,4 % derWählerstimmen die zweitstärkste Partei, aber dieSPD erhielt mit 33,4 % mehr als die doppelte Anzahl. Die NSDAP war nie an einer demokratisch legitimierten Regierung in Sachsen beteiligt, wobei seit 1930 nur ein geschäftsführendes aus Beamten bestehendesGesamtministerium Schieck regierte.[29] Bei derReichstagswahl im März 1933 lag in einem der drei Wahlkreise Sachsens das Wahlergebnis der NSDAP mit 50 % (Chemnitz-Zwickau) deutlich über, in den beiden anderen mit 40 % (Leipzig) und 43,6 % (Dresden-Bautzen) knapp unter dem republikweiten Durchschnitt von 43,9 %.
Im Zuge derGleichschaltung der Länder wurde am 5. Mai 1933Martin Mutschmann zumReichsstatthalter von Sachsen ernannt; Anfang 1935 beauftragte Hitler ihn zusätzlich mit der Führung der Landesregierung.Ministerpräsident in der Zeit von 1933 bis 1935 warManfred von Killinger. Mit demGesetz über den Neuaufbau des Reichs vom 30. Januar 1934 hörte der Freistaat Sachsenstaatsrechtlich auf zu bestehen, es gab stattdessen denGau Sachsen. Im Zusammenhang mit diesem Gesetz wurden 1939 auch dieKreishauptmannschaften inRegierungsbezirk und dieAmtshauptmannschaften inLandkreis umbenannt.
Am 13. Februar und 14. Februar 1945 wurde Dresden Zieleines der schwersten Bombenangriffe imZweiten Weltkrieg. Am 25. April 1945 trafen sich bei Strehla undTorgau/Elbe amerikanische und sowjetische Soldaten („Elbe Day“). Da die Grenzen derBesatzungszonen vorab von den Alliierten festgelegt worden waren, wurde ab Juli 1945 ganz Sachsen von derRoten Armee besetzt; hier dann auch die Gebiete westlich derMulde mitLeipzig,Eilenburg,Grimma undRochlitz sowie westlich derZwickauer Mulde mitAuerbach/Vogtl.,Falkenstein/Vogtl.,Glauchau,Plauen,Oelsnitz,Reichenbach und Zwickau, welche vorher von US-Streitkräften besetzt waren. Ein Sonderfall war der damaligeLandkreis Schwarzenberg, der als so genannteFreie Republik Schwarzenberg anfangs unbesetzt blieb. Am 3. Juli wurde dann ganz Sachsen außer einem kleinen Gebiet östlich der Lausitzer Neiße umReichenau Teil derSBZ.
| Daten im Jahr 1950 | ||
|---|---|---|
| Landeshauptstadt: | Dresden | |
| Fläche: | 17.004km² | |
| Einwohner: | 5.682.800 | |
| Bevölkerungsdichte: | 334 Einwohner/km² | |
| Karte | ||
Land Sachsen 1945–1952 | ||
1945 wurde das Land Sachsen innerhalb derSowjetischen Besatzungszone, bestehend aus dem ehemaligen Freistaat Sachsen und den Gebieten der preußischenProvinz Niederschlesien westlich derOder-Neiße-Grenze (Oberlausitz), mit einer Gesamtgröße von 17.004 km², neu gebildet. Die sächsischen Gebiete desLandkreises Zittau östlich der Neiße gingen an Polen verloren.
Bei derBodenreform im November 1945 wurde etwa ein Achtel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Sachsens (1.212 Güter mit 260.000 ha Land) enteignet und anNeubauern vergeben. DemPotsdamer Abkommen zufolge gingen die großen deutschen Unternehmen und das Eigentum der aktivsten Nationalsozialisten in die Verfügungsgewalt der Alliierten über. Im Mai 1946 übertrug dieSowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) diese Güter den Landesverwaltungen der sowjetischen Besatzungszone.
BeimVolksentscheid in Sachsen am 30. Juni 1946(Gesetz über die Übergabe von Betrieben von Kriegs- und Naziverbrechern in das Eigentum des Volkes) stimmten 77,6 % der Wahlbeteiligten für die Enteignung von mehr als 1.800 Betrieben. Einige große Unternehmen blieben in sowjetischer Hand. Einen besonderen Status besaß die im Jahr 1945 als sowjetische Aktiengesellschaft gegründeteSDAG Wismut, die beiJohanngeorgenstadt mit dem Uranerzbergbau begann und noch bis zum Ende der DDR-Zeit – unter enormen Umweltschäden – Uranerz für das sowjetische Atombombenprogramm förderte.
Auch die bedeutenden Kulturgüter der zahlreichen sächsischen Schlösser und Herrensitze gelangten in staatliche Verwaltung. Dazu gehörten etwa 1.000 Gutsarchive und bedeutende Schlossbibliotheken (zum Beispiel vonSchloss Kuckuckstein undSchloss Gaußig), die man den Staatsarchiven zuordnete, sowie etwa 9.800 Kunstgegenstände, die in den Bestand derDresdner Kunstsammlungen einflossen. Etwa 11.400 weitere Kunstwerke bildeten den Grundstock der in den Nachkriegsjahren gegründeten 130sächsischen Museen.
Anfang Mai 1945 begann die für Sachsen zuständigeKPD-Gruppe unterAnton Ackermann in Dresden mit ihrer politischen Arbeit. Die Landesverbände von SPD und KPD vollzogen in Sachsen bereits vor dem zonenweiten Zusammenschluss am 22. April 1946 dieZwangsvereinigung von SPD und KPD zurSED. Im Mai 1946 fand die erste beratende Versammlung der provisorischen Landesversammlung statt; Mittelpunkt der Beratung war die Vorbereitung eines Gesetzes über die entschädigungslose Enteignung von Unternehmen und Schaffung von Volkseigenen Betrieben.
Am 20. Oktober 1946 fand die erste Wahl zumsächsischen Landtag statt.Zum ersten Ministerpräsidenten wurde der SozialdemokratRudolf Friedrichs (1892 – Juni 1947) gewählt. Am 28. Februar 1947 wurde dieLandesverfassung[30] verabschiedet.
Am 23. Juli 1952 wurde Sachsen durch das „Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der Deutschen Demokratischen Republik“ in die BezirkeDresden,Leipzig undChemnitz (Karl-Marx-Stadt 1953 bis 1990) geteilt und damit faktisch aufgelöst. Ein „sächsisches Selbstverständnis“ konnte per Gesetz aber nicht beseitigt werden. Ein kleiner Teil der Oberlausitz wurde demBezirk Cottbus zugeschlagen. Im Zuge vonGrenzbereinigungen wurden einzelne Städte und Gemeinden von den Nachbarkreisen eingegliedert oder an diese angegliedert, so dass sich die Bezirksgrenzen gegenüber den ehemaligen Landesgrenzen verschoben.
Für die Zeit 1952 bis 1990 siehe:Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik
Als Beispiel für das sächsische Selbstbewusstsein in dieser Zeit ist das Lied „Sing, mei Sachse, sing“ vonJürgen Hart geeignet. DieSächsische Zeitung blieb als Organ der SED bestehen.

Das heutige Land Sachsen wurde am 3. Oktober 1990 durch Zusammenlegung derDDR-BezirksterritorienDresden,Chemnitz undLeipzig (ohne die LandkreiseAltenburg undSchmölln) sowie der LandkreiseHoyerswerda undWeißwasser des südlichen Teils desBezirkes Cottbus als Land derBundesrepublik Deutschland neu gebildet. Am Ende des Monats nahm das Land offiziell die Bezeichnung „Freistaat“ an. Kleine, ehemals sächsische Gebiete, aus demLandkreis Greiz die GemeindenCunsdorf undGörschnitz sowie die StadtElsterberg; aus demLandkreis Schleiz die GemeindenLangenbach,Thierbach, die StadtMühltroff und aus demLandkreis Zeulenroda die GemeindenEbersgrün,Ranspach,Unterreichenau und die StadtPausa/Vogtl. kamen 1992 nach einemBürgerentscheid vonThüringen wieder zum Freistaat Sachsen. Wegen der nach Kriegsende am 9. Juli 1945 erfolgten Eingliederung der westlich der Neiße gelegenen,oberlausitzischen Restgebiete der ehemaligen preußischenProvinz Niederschlesien (LandkreiseGörlitz,Hoyerswerda und Weißwasser, ehemalsRothenburg (Oberlausitz)) und weil derBezirk Leipzig am 25. Juli 1952 um die vorher zuSachsen-Anhalt gehörenden KreiseDelitzsch,Eilenburg undTorgau erweitert wurde, ist der heutige Freistaat deutlich größer als es das Königreich zu seinem Ende war. Gleichwohl waren diese Gebiete schon bis zur Teilung des Landes 1815 Bestandteil des Kurfürstentums respektive Königreichs. Die 1952 an denBezirk Cottbus abgetretenen KreiseWeißwasser undHoyerswerda – bis auf den äußersten westlichen Zipfel umRuhland, der beimKreis Senftenberg imLand Brandenburg verblieb – wurden 1990 ebenfalls an Sachsen zurückgegliedert (siehe oben).
Seit 1990 fandenLandtagswahlen in Sachsen statt. Die ersteLandtagswahl fand am 14. Oktober 1990 statt. Die Sitzverteilung war:CDU 92,SPD 32,PDS 17,Bündnis 90/Die Grünen 10,F.D.P. 9 Sitze.Kurt Biedenkopf wurde zum ersten Ministerpräsidenten Sachsens nach der Wiedervereinigung gewählt.
Der Umbau der Verwaltung vom System der DDR zum bundesrepublikanischen System geschah unter Hilfe der Länder Baden-Württemberg und Bayern als Paten derAufbauhilfe.[31]
Durch dieWährungsunion und dieWiedervereinigung 1990 und die Auflösung desRates für gegenseitige Wirtschaftshilfe am 28. Juni 1991 kam es zu einem wirtschaftlichen Rückgang: Auflösen von Verträgen mit westlichen Handelspartnern, erhebliche Reduzierung der Produktion durch den Rückgang des Verkaufes sächsischer Waren, Entlassung von Arbeitern, Arbeitslosenanstieg, Betriebsstilllegungen,Insolvenzverfahren. Dem entgegenzuwirken wurden von Städten und Gemeinden, Gewerbegebiete zur Ansiedelung von Unternehmen angelegt und neue produktive Unternehmen mit guter Wirtschaftsentwicklung gegründet (beispielsweise VW-Werk Mosel, Siemensfabrik Dresden,Sachsenring AG Zwickau). Auch die Landwirtschaft wurde von denLPGs zu neuenGesellschaften umstrukturiert.
In Sachsen hatte es in der Zeit der DDR bedeutende sowjetische Militäreinrichtungen und große Truppenkontingente in Gestalt der 1. Gardepanzerarmee mit Stab in Dresden, den ihr unterstellten Panzerdivisionen in Riesa (9.) und Dresden (11. Gardepanzerdivsion), der 20. Garde-motSchützendivision mit Stab in Grimma und der 105. Jagdbombenfliegerdivison mit Stab in Großenhain, welche dem 61. Fliegerkorps unterstellt war, gegeben. Der Abzug der sowjetischen Truppen begann im Januar 1991. Dabei galt es 340.000 Soldaten, 200.000 Zivilisten und 2,6 Mio. Tonnen Material sowie 4.000 Panzer, 8.000 gepanzerte Fahrzeuge, 3.500 Artilleriesysteme, 600 Flugzeuge, 600 Hubschrauber und 90.000 Kraftfahrzeuge nach Russland zu verlagern. Die Bundesrepublik finanzierte diese Truppenverlegung mit 12 Milliarden DM. Am 31. August 1994 wurden die letzten Einheiten feierlich verabschiedet. Hinzu kamen von der NVA als Großverbände die 7. Panzerdivision mit Stab in Dresden und großen Garnisonen in Frankenberg, Marienberg, Zeithain, Großenhain und Döbeln. Darüber hinaus gab es in Leipzig als Standort der Militärverwaltung des Militärbezirkes III eine Vielzahl an militärischen Einrichtungen sowie an mehreren Standorten in den drei sächsischen Bezirken Ausbildungseinrichtungen der Land- und Luftstreitkräfte der DDR. Hervorzuheben sind hier die Militärakademie in Dresden, die Offiziershochschulen in Kamenz, Bautzen, Löbau und Zittau sowie die Militärtechnische Schule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung in Bad Düben. Weiterhin sind Flugplätze mit entsprechenden Einheiten in Kamenz, Bautzen Rothenburg und Dresden zu nennen. Dazu kam noch der über 150 km² große Truppenübungsplatz in Nochten.

Am 6. Juni 1992 trat dieVerfassung des Freistaates Sachsen in Kraft, wonach Sachsen wieder zum Freistaat wurde. Am 1. August 1994 trat das „Sächsische Gesetz zur Kreisgebietsreform“ in Kraft, weil eine Reduzierung der Kreiszahl und eine Zusammenlegung von Gemeinden zu Großgemeinden notwendig geworden war. 1997 gab es daher 787 Gemeinden (1989 existierten 1623 Gemeinden), 7 kreisfreie Städte und 23 Landkreise. Eine Änderung des Gesetzes erfolgte im Jahr 1995. Zur zweiten Landtagswahl am 11. September 1994 wurde die Anzahl derMandate auf 120 verkleinert. Sitzverteilung: CDU 77, SPD 22, PDS 21 Sitze. Die CDU-Alleinregierung unterKurt Biedenkopf wurde durch Landtagswahl am 19. September 1999 bestätigt. Sitzverteilung: CDU 76, SPD 14, PDS 30 Sitze. Kurt Biedenkopf gab das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten 2002 an den CDU-PolitikerGeorg Milbradt ab.
Bei derLandtagswahl vom 19. September 2004 gelangten Bündnis 90/Die Grünen, FDP undNPD neu ins Parlament, die CDU verlor ihreabsolute Mehrheit und bildete eine Koalition mit der SPD, die nur 0,6 Prozentpunkte mehr an Stimmen erhielt als die NPD. Georg Milbradt gab das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten 2008 an den CDU-Politiker und gebürtigen SachsenStanislaw Tillich ab, der nach der Landtagswahl 2009 eine Koalition mit der FDP bildete. Im Jahr 2008 wurde darüber hinaus in Sachsen eineumfassende Kreisreform vollzogen. Aufgrund des demografischen Wandels und des damit einhergehenden Bevölkerungsschwunds wurden hierbei vor allem die bis dahin bestehenden Kreise und einige kreisfreie Städte zu größeren Einheiten zusammengefasst. Seit diesem Zeitpunkt gibt es nur noch zehn Landkreise und die kreisfreien Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz.
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