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Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn

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Siegelmarke der Herzoglich Braunschweigischen Eisenbahngesellschaft

DieHerzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn war die ersteStaatseisenbahn inDeutschland. Deren erste Strecke vonBraunschweig nachWolfenbüttel wurde am 1. Dezember 1838 eröffnet. 1869 wurde die Gesellschaft privatisiert und 1879 an diePreußischen Staatseisenbahnen verkauft. Die Strecken sind teilweise bis heute in Betrieb.

Geschichte

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Der Bau der Eisenbahn war wesentlich das Werk des KaufmannsPhilipp August von Amsberg. Dieser beschäftigte sich mit den Verkehrsverbindungen desHerzogtums Braunschweig zu den HansestädtenHamburg,Bremen undLübeck und erkannte, dass Holz und Bergbauerzeugnisse aus demHarz in den Seehäfen nicht konkurrenzfähig waren. Umgekehrt wurden die Produkte aus den Seehäfen bevorzugt auf derElbe nachMagdeburg und nicht nach Braunschweig transportiert. 1824 stellt er in einerDenkschrift den Plan vor, Eisenbahnverbindungen von Braunschweig nach Hamburg und Bremen zu bauen. Diese Ideen wurden 1832 veröffentlicht.

1835 befasste sich Amsberg mit dem Plan einer Eisenbahn von Braunschweig überHelmstedt nach Magdeburg. Dieser Plan wurde zu Gunsten einer Linienführung überOschersleben wieder aufgegeben, um dort den Anschluss an dieBahnstrecke Magdeburg–Thale derMagdeburg-Halberstädter Eisenbahn zu erreichen.

Auf Anregung Amsbergs fasste das Braunschweigische Staatsministerium den Entschluss, zunächst eine Bahnverbindung von Braunschweig überWolfenbüttel nachBad Harzburg (Bahnstrecke Braunschweig–Bad Harzburg) zu bauen und damit der Absicht derhannoverschen Regierung zuvorzukommen, unter südlicher Umgehung von Braunschweig eine Bahn über Halberstadt nach Magdeburg zu bauen.

Am 1. August 1837 begannen die Bauarbeiten für das erste Teilstück von Braunschweig in südlicher Richtung bis Wolfenbüttel. Am 1. Dezember 1838 wurde die Strecke als erste deutsche Staatsbahn und vierte Eisenbahnstrecke imDeutschen Bund dem Verkehr übergeben. Bereits am Vortag unternahm der Landesherr, HerzogWilhelm vonBraunschweig, in Begleitung von Philipp August von Amsberg eine erste Fahrt von Braunschweig nach Wolfenbüttel und zurück. Dazu zog die LokomotiveSWIFT, die von dem englischen EisenbahningenieurJohn Stanley Blenkinsop gefahren wurde, einen zweiachsigenFlachwagen, auf dem eineKutsche des Herzogs stand – einenSalonwagen gab es erst ab 1840. Die Hinfahrt erforderte 20 Minuten, zurück schaffte es derSonderzug in 13 Minuten.[1] Am 31. Oktober 1841 war die Bahn bis Harzburg fertiggestellt. Die Steigung zwischenVienenburg und Harzburg wurde anfänglich noch mit Pferden bewältigt, bis 1843 auch hier der Dampfbetrieb mit drei aus England bezogenenLokomotiven eingeführt wurde. Diese Lokomotiven waren die ersten dreifach gekuppelten Lokomotiven in Deutschland.

1850 wurde Philipp August von Amsberg Leiter der Herzoglichen Eisenbahn- und Postdirektion in Braunschweig.

Eisenbahnunfall von Jerxheim (9. September 1844)

Am 10. Juli 1843 wurde dieStrecke Wolfenbüttel–Oschersleben mit Anschluss an die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn und weiter nachBerlin,Leipzig undBlankenburg in Betrieb genommen. Die Strecke nach Peine mit Anschluss an dieKöniglich Hannöverschen Staatseisenbahnen wurde am 19. Mai 1844 eröffnet. Am 9. September 1844 kam es bei Jerxheim zu einem schweren Unfall, als ein Personenzug aufgrund einer falsch gestellten Weiche entgleiste.

DieBraunschweigische Südbahn vonBörßum nachKreiensen wurde ab 1853 gebaut und 1856 eröffnet. 1858 erfolgte der Anschluss des Helmstedter Braunkohlenreviers mit derStrecke Jerxheim–Helmstedt, dann dieStrecke Vienenburg–Goslar (eröffnet 1866 durch die Hannoversche Staatsbahn, zunächst aber betrieben durch die Braunschweigische Eisenbahn). Mit der Verbindung Kreiensen–HolzmindenHöxterGodelheim zurBahnstrecke Altenbeken–Höxter derKöniglichen Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft im Oktober 1865 entstand eine durchgehende Strecke überAltenbeken insRuhrgebiet. Mit derVerbindungsstrecke Jerxheim–Börßum entstand 1868 eine durchgehende Fernverbindung zwischen Magdeburg und dem Ruhrgebiet unter Umgehung von Hannover und Braunschweig, was besonders den InteressenPreußens sehr entgegenkam.

Im Jahr 1869 setzte sich Amsberg schweren Herzens für den Verkauf der Braunschweigischen Staatsbahn an Preußen ein. DasHerzogtum Braunschweig hatte zu diesem Zeitpunkt hohe Schulden, die in erster Linie durch den Ausbau der Eisenbahn entstanden waren. Zudem war das Netz ganz von den Strecken derPreußischen Staatseisenbahnen umschlossen.

Im März 1870 wurden die Braunschweigischen Staatsbahnen mit Wirkung vom 1. Januar 1869 in eine private Aktiengesellschaft überführt. Sie firmierten fortan alsBraunschweigische Eisenbahn-Gesellschaft.[2] Der preußische Staat kaufte die Aktien dieser Gesellschaft in den Jahren 1879 bis 1882 auf und betrieb sie fortan unter der Verwaltung der Preußischen Staatseisenbahnen. Im Jahr 1886 wurden die Strecken derKöniglichen Eisenbahndirektion Magdeburg unterstellt.

Führung

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Vorsitzende der Eisenbahn-Commission

  • 1. Mai 1837 bis 1845: Philipp August von Amsberg
  • 1845 bis 30. Juni 1850: Albert Steigerthal (1804–1883)

Generaldirektor

  • 1. Juli 1850 bis 6. Dezember 1870: Phillipp August von Amsberg

Präsident

Lokomotiven

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Nr.[3][4]NameHerstellerAchsformelInbetriebnahmeAusmusterung[5]Anmerkung
1ADVANCE
(Fortschritt)
Forrester & Co, Liverpool, England1A1Dez. 1838Ende 1864Per Schiff und Kutschen in Einzelteilen transportiert und durch den englischen EisenbahningenieurJohn Stanley Blenkinsop vor Ort montiert und eingefahren.
2SWIFT
(Schwalbe)
Forrester & Co, Liverpool, England1A1Dez. 1838Ende 1864
3BALTIMORENorris, Philadelphia, USA2'AJan. 1839Ende 1854Tender gebaut von Maschinenfabrik Zorge.
4DARTForrester & Co, Liverpool, England1A1Aug. 1840Aug. 1871
5ZORGEMaschinenfabrik Zorge1A1Mai 1842Ende 1864
6HACKELBERGMaschinenfabrik Zorge1A116. Juli 1842Ende 1869
7MANCHESTERSharp, Roberts & Co, Manchester, England1A1Sep. 1842Ende 1861Lieferung von zwei Lokomotiven, eine 1840 zerlegt zur Maschinenfabrik Zorge zum Nachbau.
8BRAUNSCHWEIGBahnbetriebswerkstätte Braunschweig2'AApr. 1843Jan. 1871Nachbau der Nr. 3Baltimore.Teilweise Neukonstruktion durch John Stanley Blenkinsop. Dienstgewicht: 251 Ztr. = 12,6 t.[6]
9HARZBURGMaschinenfabrik Zorge1A1Mai 1843Ende 1859
10WILDEMANNRobert Stephenson & Co, Newcastle, EnglandCSep. 1843
11CRODORobert Stephenson & Co, Newcastle, EnglandCOkt. 1843
12HERCYNIARobert Stephenson & Co, Newcastle, England1BOkt. 1843Aug. 1871
13BLANKENBURGMaschinenfabrik Zorge1A1Nov. 1843
14MAGDEBURGMaschinenfabrik Zorge1A1Nov. 18435. Okt. 1866
15WOLFENBÜTTELRobert Stephenson & Co, Newcastle, England1B9. Nov. 1846Ende 1871
16BROCKENRobert Stephenson & Co, Newcastle, EnglandC9. Nov. 1846
17GERMANIAEgestorff, Linden, Hannover1B23. Apr. 1848Dez. 1877Alle ab 1848 beschafften Lokomotiven stammten von Egestorff.[7]
18CONCORDIAEgestorff, Linden, Hannover1B1. Sep. 1848Dez. 1877
19HANNOVEREgestorff, Linden, Hannover1B23. Dez. 1848
20KÖLNEgestorff, Linden, Hannover1B19. März 1849Dez. 1877
21BERLINEgestorff, Linden, Hannover1B3. Mai 1850Dez. 1877
22BREMENEgestorff, Linden, Hannover1B25. Juli 1850Dez. 1877
OKEREgestorff, Linden, Hannover1B n21848Lastzug-Lokomotiveder Oschersleben-Braunschweiger Bahn, Schnittzeichnungen und weitere Angaben.[8]
Nr. 202Egestorff, Linden, Hannover1A1 n21863

Literatur

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  • Erhard Born (Hrsg.):Pioniere des Eisenbahnwesens. Carl Röhrig Verlag, Darmstadt o. J. [1961].
  • Wilhelm M. Wunderlich:Die erste deutsche Staatseisenbahn. Braunschweig-Wolfenbüttel. Elm-Verlag, Cremlingen 1987,ISBN 3-9800219-7-1.

Weblink

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Einzelnachweise

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  1. Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel, 30 Slg. 23 Nr. 2, Band 1.
  2. Daten zur Geschichte der Braunschweigischen Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) - Bahnarchiv.de. Abgerufen am 29. Mai 2015. 
  3. Friedhelms Eisenbahnseiten: Historische Lokomotiven / erste Staatseisenbahn Deutschlands (eisenbahn-harzvorland.de), abgerufen am 22. Januar 2019.
  4. TU Braunschweig:Betriebsresultate der Herzoglich Braunschweigischen Eisenbahnen 1850. (tu-braunschweig.de), abgerufen am 25. März 2023.
  5. TU Braunschweig:Betriebsresultate der Herzoglich Braunschweigischen Eisenbahnen 1878. (tu-braunschweig.de), abgerufen am 25. März 2023.
  6. Manfred E. Ganz:Die Entstehungsgeschichte der braunschweigischen Eisenbahn. Zum 150-jährigen Jubiläum der ersten deutschen Staatseisenbahn von Braunschweig nach Waltenbüttel im Jahre 1988. In: Braunschweigischer Landesverein für Heimatschutz e. V. (Hrsg.):Braunschweigische Heimat. 74. Jahrgang, Braunschweig 1990,doi:10.24355/dbbs.084-201702131426-0, S. 6–36, hier S. 13 (tu-braunschweig.de PDF).
  7. Jörg Wolberg:175 Jahre Staatseisenbahn und Bahnindustrie in Braunschweig (Memento desOriginals vom 24. Januar 2019 imInternet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vdi.de, Oktober 2013, S. 9 (PDF; 7,92 MB), abgerufen am 22. Januar 2019.
  8. Edmund Heusinger von Waldegg,Wilhelm Clauss:Locomotive für Güterzüge auf der Herzoglich Braunschweigischen Eisenbahnen erbaut in der Maschinenfabrik von Georg Egestorff. In:Abbildung und Beschreibung der Locomotive-Maschine nach den besten und neusten Constructionen : unter Benutzung der englischen Werke von Tredgold, Kinnear Clark, und der französischen Schriften von Le Chatelier, Flachet, Petiet, Polonceau, Mathias … Verlag von Kreidel und Niedner, Wiesbaden 1858,S. 169–172 und Tafel XXXIX–XL (Textarchiv – Internet Archive,Textarchiv – Internet Archive). 
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