Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Herrlisheim im Unterelsass. Zur gleichnamigen Gemeinde im Oberelsass siehe
Herrlisheim-près-Colmar.
Herrlisheim (deutschHerlisheim) ist einefranzösischeGemeinde mit 4694 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) imDépartementBas-Rhin in derRegionGrand Est (bis 2015Elsass).
Der Ort liegt in derOberrheinischen Tiefebene.
Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes findet sich in einer Schenkungsurkunde von 743 zu Gunsten des KlostersWeißenburg. Das Dorf wirdHariolfesvilla („Hariolds Hof“) genannt. Die Landgrafen vonUnterelsass, die Grafen vonÖtingen, verwalten 1251 das Dorf. 1342 wurde Herlisheim an dieHerrschaft Lichtenberg verkauft. Von den Lichtenbergern wurde es zwischenzeitlich verpfändet, aber 1401 wieder ausgelöst.[1] Durch den Gebietserwerb im 14. Jahrhundert mussten zu Beginn des 15. Jahrhunderts die zu umfangreich gewordenen ÄmterIngweiler undBuchsweiler der Herrschaft Lichtenberg neu organisiert werden. Dabei wurde unter anderem dasAmt Pfaffenhofen ausgegliedert und verselbständigt.[2] Als auch dieses durch weiteren Gebietszuwachs erneut geteilt werden musste, entstand dasAmt Offendorf noch vor 1440.[3] Zu diesem Amt gehörte auch Herlisheim.
Elisabeth, eine der beiden ErbtöchterLudwigs V. von Lichtenberg (* 1417; † 1474), heiratete GrafSimon IV. Wecker vonZweibrücken-Bitsch. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers,Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Elisabeth, erbte sie die Hälfte der Herrschaft Lichtenberg, zu der auch das Amt Offendorf – und damit Herlisheim – gehörte.
GrafJakob von Zweibrücken-Bitsch (* 1510; † 1570) und sein schon 1540 verstorbener BruderSimon V. Wecker hinterließen nur jeweils eine Tochter als Erbin. Die Tochter des Grafen Jakob,Margarethe (* 1540; † 1569), war mitPhilipp V. von Hanau-Lichtenberg (* 1541; † 1599) verheiratet. Zu dem sich aus dieser Konstellation ergebenden Erbe zählte auch die zweite, nicht bereits in derGrafschaft Hanau-Lichtenberg liegende Hälfte der ehemaligen Herrschaft Lichtenberg und darin auch das Amt Offendorf mit Herlisheim.
Der zu diesem Zeitpunkt regierende GrafPhilipp IV. vonHanau-Lichtenberg (1514–1590) führte dieReformation in seiner Grafschaft und auch den durch die Erbschaft hinzu gewonnenen Gebieten konsequent durch, die nunlutherisch wurde.
Mit derReunionspolitik Frankreichs unter KönigLudwig XIV. kam das Amt Offendorf unter französische Oberhoheit. In diesem Prozess wurde in Herlisheim auch wieder einerömisch-katholische Pfarrei errichtet.[4]
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen,Johann Reinhard III. 1736, fiel Hanau-Lichtenberg – und damit auch das Amt Offendorf – an den Sohn seiner einzigen Tochter,Charlotte, LandgrafLudwig (IX.) vonHessen-Darmstadt. Mit dem durch dieFranzösische Revolution begonnenen Umbruch wurde Herlisheim französisch.
| 1798[5] | 1910 | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2005 | 2017 |
|---|
| 1.495 | 2.227[6] | 2461 | 3108 | 3780 | 3941 | 3877 | 4198 | 4438 | 4861 |
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand in Herrlisheim einejüdische Gemeinde. Um 1780 lebten dort fünfzehn jüdische Familien. Die erste örtlicheSynagoge wird um das Jahr 1805 vermutet. 1850 wurde sie neu erbaut. 1936 zählte die jüdische Gemeinde rund 80 Personen. 1940 wurden die als „jüdisch“ klassifizierten Menschen nach Südfrankreichdeportiert und mindestens elf von ihnen ermordet. Im selben Jahr wurden die Synagoge und einige Nebengebäude durch ein Bombardement zerstört, in den Fünfzigerjahren aber wieder aufgebaut. Allerdings lebten nach demZweiten Weltkrieg nur noch wenige Juden in Herrlisheim und so wurde die Synagoge 1969 geschlossen; sie ist aber als historisches Gebäude erhalten geblieben.
→ siehe auch:Jüdischer Friedhof (Herrlisheim)
- Fritz Eyer:Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts. In:Schriften derErwin-von-Steinbach-Stiftung. 2. Auflage.Band 10. Pfaehler, Bad Neustadt an der Saale 1985,ISBN 3-922923-31-3 (268 Seiten, Im Text unverändert, um eine Einführung erweiterter Nachdruck der Ausgabe Strassburg, Rhenus-Verlag, 1938).
- Friedrich Knöpp:Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstädtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden inHessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6].
- Alfred Matt:Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.):Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480–1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.
- Le Patrimoine des Communes du Bas-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Charenton-le-Pont 1999,ISBN 2-84234-055-8, S. 148–150.
- ↑Eyer, S. 71.
- ↑Eyer, S. 238.
- ↑Vgl.: Eyer, S. 98.
- ↑Knöpp, S. 15.
- ↑Matt, S. 7.
- ↑Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Kreis Hagenau