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Herde

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unterHerde (Begriffsklärung) aufgeführt.
Schafherde in Mittelengland

AlsHerde bezeichnet man in derZoologie überwiegend eineAnsammlung großer, in der Regel gleichartiger ebenerdig-laufend (kursorial) lebender, oft ausschließlichpflanzenfressenderAmnioten, vor allem großerSäugetiere und großerLaufvögel. Die Bezeichnung ist unabhängig davon, ob es sich umWildtiere oder umHaustiere handelt. Insbesondere in Herden zusammenlebende, sowohl wilde als auchdomestizierte,Huftiere werden alsHerdentiere bezeichnet.

Struktur

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Huftierherden in der ostafrikanischenSavanne
Oben: KleineElefantenherde (Simbabwe)
Unten: Große Gnu-Herde auf Wanderung (Kenia)

Bei einer Herde handelt es sich um einen mehr oder weniger einheitlich koordinierten Sozialverband von weniger als zehn bis einigen tausend Individuen. Je nach Größe kann eine Herde ein anonymer Sozialverband sein, in dem die meisten Individuen einander nicht kennen, oder ein individualisierter Sozialverband, in dem die Tiere miteinander vertraut sind. Unter bestimmten Umständen vereinigen sich vor allem beiWiederkäuern (Ruminantia) kleinere Gruppen, bei denen die Gruppenmitglieder engere Bindungen zueinander haben, zu großen anonymen Herden. Solche großen Herden können dann auch aus Tieren verschiedener Arten zusammengesetzt sein, beispielsweise ausGnus,Zebras undStraußen.

Kleinere Herden können entweder locker und ohne ein (permanent) führendes Tier organisiert sein, wie bei männlichenHirschen außerhalb der Paarungszeit, oderhierarchisch mit einem Leit- oderAlphatier, wie beiPferden. Das Herdenverhalten ist von vielen Faktoren abhängig, sei es die Verfügbarkeit der Nahrung, sei es artspezifisches Fortpflanzungsverhalten. Durch eine große Herde mit vielen wachsamen Tieren sinkt die Wahrscheinlichkeit für das einzelne Tier, von einemRaubtier erbeutet zu werden.[1]Pinguine stehen beim Überwintern in großer Zahl dicht zusammen, das reduziert den Verlust an Körperwärme. Das Herdenverhalten gilt alsevolutionäre Anpassung.[2]

DerHerdentrieb (oderHerdeninstinkt) ist die zu beobachtendeTendenz, dass vieleTierarten ein Zusammenleben in größeren Verbänden (Herde,Rudel,Schwarm) praktizieren, wobei auchArbeitsteilung undHierarchien erkennbar sind.[3]

Vergleichbare Bezeichnungen

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Links: Herde (jägerspr. „Rudel“) aus weiblichenRothirschen („Kahlwild“).
Rechts: In derBrunft sind männliche Tiere beim Kahlwild.

Vergleichbar ist die Herde mit demRudel bei Landraubtieren (wie demWolf), der Schule bei Meeressäugetieren (wieDelfinen und anderenWalen) und demSchwarm beiInsekten,Fischen undVögeln.

In derJägersprache werden Herden oft mit artspezifischen Namen belegt, soRotte beiWildschweinen,Rudel beiHirschen,Sprung beiRehen.

Die jüngere zoologische und verhaltensbiologische Literatur verwendet auch Anglizismen, beispielsweiseClan für Familienverband oderPack für Rudel.

Sprachgeschichte

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Künstlerische Darstellung vonAuerochsen,Wildpferden undNashörnern in derChauvet-Höhle

Das deutsche WortHerde lässt sich auf dasmittelhochdeutsche Worthert, dasalthochdeutscheherta sowie, über akademischeRekonstruktion, auf dasgermanische*herdō zurückführen. Entsprechungen finden sich inwest- undnordgermanischen Sprachen sowie imAltkirchenslawischen, welche auf die voreinzelsprachliche Rekonstruktion*kerdhā mit der Bedeutung „Reihe, Herde, Gruppe von Tieren“ zurückgeführt werden. Dasd imNeuhochdeutschen hat sich wohl unter Einfluss desNiederdeutschen entwickelt.

Aufgrund des gemeinsamen indoeuropäischen Ursprungs ähneln dem sowohl die Wortecordd für „Stamm, Gruppe, Schar“ imKymrischen bzw.kórthys für „Getreidehaufen, Garbe“ imGriechischen als auch deren Entsprechungen. Das ähnlich klingende WortHorde istetymologisch nicht verwandt.[4]

Ur- und Frühgeschichte

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InsteinzeitlichenHöhlenmalereien sind frei zusammengestellte Tierherden ein häufiges Motiv. In derPaläontologie verwendete man nebenFossilien auch die künstlerischen Darstellungen der noch wildlebenden Herdentiere um Rückschlüsse auf die damaligeWildfauna und dieStammesgeschichte der heutigen Herdentiere zu ziehen. Auch heutige Vorstellungen von der Lebensweise der Steinzeitmenschen konnten unter anderem aus Gemälden mit Tierherden abgeleitet werden. AlsNomaden lebende Menschen folgten den jahreszeitlichen Wanderungen der wildlebenden Tierherden. In Afrika in denwechselfeuchten Tropen folgen wildlebende Herden denRegenzeiten. Im Laufe von Jahrtausenden kam es bei einigen Herdentierarten zurDomestikation.

Geschichtliche Zeit

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Ernst Ludwig Kirchner,Schafherde, 1938
EinHirtenjunge führt eine Schafherde beimAlmabtrieb

Schon zubiblischer Zeit bestand der Reichtum der Landbewohner in den seinerzeit von frühen Formen derZivilisation geprägten Regionen der Erde in der Größe ihrer Herden ausSchafen,Rindern undKamelen.[5] Die Beweidung durch wildlebende oder domestiziertepflanzenfressende Herdentiere führte in Vegetationszonen mitWald alspotenzieller natürlicher Vegetation zur Entstehung desBiotoptyps derOffenlandschaft. Zur Protektion der Herdentiere gegenüber Wildtieren oder Umwelteinflüssen wurde derHerdenschutz entwickelt.

Beweidung durch Herdentiere

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In verschiedenen Wirtschaftsformen wie derWeidewirtschaft,Almwirtschaft undFernweidewirtschaft macht sich der Mensch das durch den Sozialinstinkt dieser Tiere bedingte Herdenverhalten zunutze, um die Tiere gemeinsam in Herden zu halten, zuzüchten und die gemeinsamen Wanderungen von einem Weidegrund zum nächsten oder auch zurück zu den Stallungen zu lenken. Bei zu großen Herden oder zu langem Aufenthalt im selben Weidegebiet besteht die Gefahr derÜberweidung.[6]

Zum Schutz wie auch der Bewegung von Herden, insbesondere von Schafen, werden auchHütehunde verwendet.[7]

Weblinks

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Commons: Herde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Herde – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Guy Beauchamp:What is the magnitude of the group-size effect on vigilance? Behavioral Ecology. Bd. 19, Nr. 6, 2008, S. 1361–1368,doi:10.1093/beheco/arn096
  2. Julia K. Parrish, Leah Edelstein-Keshet:Complexity, Pattern, and Evolutionary Trade-Offs in Animal Aggregation. Science. Bd. 284, Nr. 5411, 1999, S. 99–101,doi:10.1126/science.284.5411.99 (alternativer Volltextzugriff:University of Arizona)
  3. Gerd Reinhold (Hrsg.),Soziologie-Lexikon, 2000, S. 257
  4. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Berlin/New York 2002.
  5. B. K. Pierce:The Bible Scholar’s Manual Carlton & Porter, New York 1853 (HathiTrust),S. 173
  6. Elinor G. K. Melville:A Plague of Sheep: Environmental Consequences of the Conquest of Mexico. Cambridge University Press, 1997,ISBN 0-521-57448-X,S. 164 (Google Books)
  7. Vivek Jadhav et al.:Collective responses of flocking sheep to a herding dog. 26. Mai 2024,doi:10.1101/2024.05.24.595762. 
Normdaten (Sachbegriff):GND:4159591-9 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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