Zusammen mit den NachbarstädtenEspoo,Vantaa undKauniainen bildet es die sogenannteHauptstadtregion, einen Ballungsraum mit etwa 1,49 Millionen Einwohnern und damit den nördlichsten Ballungsraum der Welt mit über einer Million Einwohnern.[3] Helsinki ist das politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum Finnlands. Rund sechs Prozent der Einwohner Helsinkis sindschwedischsprachig, offiziell ist die Stadtzweisprachig.
Helsinki liegt 80 km nördlich vonTallinn, Estland, 400 km östlich vonStockholm, Schweden, und 300 km westlich vonSankt Petersburg, Russland. Es hat enge historische Verbindungen zu diesen drei Städten.
Die Stadt wurde unter dem schwedischen NamenHelsinge fors[4] im Jahr 1550 während derschwedischen Herrschaft gegründet, blieb aber lange unbedeutend. Kurz nachdem Finnland unterrussische Herrschaft gekommen war, wurde Helsingfors 1812 zur Hauptstadt des neugegründetenGroßfürstentums Finnland bestimmt und löste soÅbo (finnischTurku) als wichtigste Stadt des Landes ab. Der offizielle Gebrauch des finnisierten NamensHelsinki begann erst 1819.[5]
Seit 1917 ist Helsinki Hauptstadt des unabhängigen Finnlands.
Der schwedische Name der StadtHelsingfors stammt vom Namen desKirchspielsHelsinge und dem FlussHelsingån (heuteVanda å), an dessen letzterStromschnelle (schwedischfors) vor der Mündung die Stadt gegründet wurde.[6] Der Ursprung des NamensHelsinge ist umstritten. Entsprechend einer seit den 1630er Jahren geltenden Auffassung hätten Neusiedler aus dem schwedischenHälsingland, die sich im 13. Jahrhundert amFinnischen Meerbusen ansiedelten, dem FlussHelsingån den Namen ihrer Heimat gegeben.[7] Heute wird diese Theorie in Frage gestellt, weilDialektologen zeigen konnten, dass die Neusiedler tatsächlich ausUppland und benachbarten Gebieten stammten.[8] Der NameHelsinge kann somit nicht auf dasEthnonym der Neusiedler zurückgehen und beschreibt wahrscheinlich eine Eigenschaft in der Landschaft.[9] Diese könnte mit dem „Hals“ des Flusses zu tun haben, d. h. der schmalen Stelle an der Stromschnelle. Der gleichlautende Wortteil findet sich außer im Namen der schwedischen historischen Provinz Hälsingland auch in den Namen anderer Städte, die in Verbindung zu einer Meerenge stehen, z. B.Helsingborg undHelsingør.
Als die Stadt 1550 an der Mündung des Helsingån gegründet wurde, bekam sie den NamenHelsinge fors. Die Stromschnelle heißt heute auf SchwedischGammelstadsforsen (finnischVanhankaupunginkoski). Lokal nannte man die StadtHelsinge oderHelsing, was auf Finnisch zuHelsinki wurde.[10]
Der finnische Name der Stadt ist in offiziellen Dokumenten erstmals 1819 in Verordnungen desFinnischen Senats belegt.[11] Erst seit dem 20. Jahrhundert wird im internationalen Kontext vorwiegend der finnische Name verwendet, außer in Schweden und Norwegen, woHelsingfors weiterhin üblich ist. Auch in Deutschland war der schwedische Name lange üblich und wurde deshalb für die Benennung von Plätzen und Straßen herangezogen, wie zum Beispiel derHelsingforser Platz und dieHelsingforser Straße inBerlin. Daneben gibt es auch eineHelsinkier Straße in der Stadt.
Im lokalenSlang sagt manStadi, eine finnisierte Form des schwedischen Wortesstad („Stadt“). Besonders außerhalb des Stadtgebiets ist Helsinki alsHesa bekannt.[12] Beide Namen werden sowohl vonFinnen als auchFinnlandschweden verwendet. AufNordsamisch heißt HelsinkiHelsset. Der NameHelsinki wird in Schriftform oft zuHki (früher:H:ki) verkürzt; die entsprechende Abkürzung fürHelsingfors istH:fors.
Als Helsingfors 1812 Finnlands Hauptstadt wurde, kam der Vorschlag auf, es (nach ZarAlexander I.) inAlexandria umzubenennen; doch diese Idee verfiel.[13]
Helsinki erstreckt sich auf einer Fläche von 715 km², wovon 214 km² Land sind[14], über das Festland und etwa 300 vorgelagerteSchären. Die mehr als 100 Kilometer lange Küstenlinie ist mit zahlreichen Buchten und Halbinseln stark gegliedert. Im Laufe der letzten Jahrhunderte wurden zahlreiche Aufschüttungen vorgenommen, die die Küstenlinie teils stark verändert haben. Beispielsweise lag der zentrale StadtteilKluuvi noch Anfang des 19. Jahrhunderts unter Wasser.
DerVantaanjoki durchfließt die nördlichen Außenbezirke Helsinkis und mündet im StadtteilVanhakaupunki, dem ursprünglichen Gründungsort Helsinkis, ins Meer. Für Finnland eher untypisch, gibt es auf dem Stadtgebiet Helsinkis nur neun kleine Seen oder Teiche.[15] Das Gelände ist, wie auch das sonstige Südfinnland, vonRundhöckern, also flachen, leicht ansteigenden Hügeln aus Granitfelsen bestimmt. Mit dem GesteinHelsinkit hat die Stadt auch einer lokalenGranit- bzw.Unakit-Varietät ihren Namen gegeben. Die höchste Stelle im Stadtgebiet ist mit 90 Metern eine Aufschüttung von Bauaushub im TeilgebietMalminkartano. Die höchste natürliche Erhebung befindet sich im TeilgebietKivikko und erreicht 62 Meter über dem Meeresspiegel.
Von der Landfläche Helsinkis besteht etwa die Hälfte aus diversen Grüngebieten (Wälder, Parks, landwirtschaftlich genutzte Flächen)[16] (einer anderen Quelle zufolge 36 %, davon 22 % Wald[17]). Große zusammenhängende Grüngebiete finden sich vor allem in den nördlichen und östlichen Außenbezirken. Neben dem für Finnland typischenborealen Nadelwald finden sich auch vereinzelt Haine mitsommergrünem Laubwald. Auf den äußeren Inseln ist die Vegetation teilweise recht karg, andererseits lebt dort eine große Vielfalt von Vogelarten. Es gibt in Helsinki 50 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 684 ha.[17]
Von den etwa 300 Inseln ist mehr als die Hälfte kleiner als 0,5 ha; etwa 50 Inseln sind größer als 3 ha.[18] Zu den bekanntesten Inseln zählen die AusflugsinselnKorkeasaari (mit einemZoo),Seurasaari (mit einem Freilichtmuseum) und diePihlajasaaret. Die historische SeefestungSuomenlinna erstreckt sich über mehrere, künstlich miteinander verbundene Inseln. Zu den flächenmäßig größten Inseln zählen die WohngebieteLaajasalo undLauttasaari und die GarnisonsinselSantahamina.
Landnutzung in der Hauptstadtregion (2005, mit den damaligen Gemeindegrenzen)
Das Stadtzentrum befindet sich auf einer Halbinsel im Südwesten des Stadtgebietes. Charakteristisch für Helsinki ist der große Unterschied zwischen der historisch gewachsenen, dicht bebauten Kernstadt(kantakaupunki) auf der Halbinsel und den wesentlich großzügiger angelegten, seit der Mitte des 20. Jahrhunderts entstandenen Neubaugebieten, die sich nördlich, westlich und östlich anschließen. Letztere reichen bis in das Gebiet der NachbarstädteEspoo,Kauniainen undVantaa, mit denen Helsinki zu einer zusammenhängendenAgglomeration zusammengewachsen ist. Die vier politisch eigenständigen Städte bilden die sogenannteHauptstadtregion(pääkaupunkiseutu), faktisch eine einzige Großstadt mit über einer Million Einwohnern. Das vom finnischen Amt für Statistik definierte zusammenhängende Stadtgebiet(taajama), das sich nicht an den Gemeindegrenzen, sondern an der tatsächlichen Besiedlung orientiert, hatte zum Jahresende 2011 eine Landfläche von 631,11 km² und eine Einwohnerzahl von 1.159.211.[19] Zum weiterenEinzugsbereich Helsinkis gehört dieRegion Helsinki(Helsingin seutu) mit den GemeindenKirkkonummi,Vihti,Nurmijärvi,Tuusula,Kerava,Sipoo,Järvenpää undHyvinkää. In diesem Großraum leben insgesamt 1,3 Millionen Menschen, was gut ein Viertel der Gesamtbevölkerung Finnlands ausmacht.
Die durchschnittlicheBevölkerungsdichte in Helsinki beträgt 2787 Ew./km². In der Kernstadt werden mit bis zu 19.500 Ew./km² (Punavuori) hohe Werte erreicht, während die Außenbezirke mit ihren oft sehr großzügig angelegten und von weitläufigen Grüngebieten durchsetztenSiedlungen(lähiö) vergleichsweise dünn besiedelt sind. Gänzlich unbewohnte Gegenden gibt es hauptsächlich im GroßbezirkÖstersundom, der erst 2009 durch Eingemeindung zu Helsinki kam.
Die Aufteilung in Großbezirke, Stadtbezirke und TeilgebieteDie Aufteilung in Stadtteile
Grundlage der amtlichen Gliederung Helsinkis sind die 137 Teilgebiete (finnischosa-alue) mit den ihnen untergeordneten 369 Kleingebieten(pienalue). Übergeordnet gibt es zwei parallele Systeme: Die Teilgebiete werden auf unterschiedliche Weise einerseits zu59 Stadtteilen(kaupunginosa), andererseits zu 34 Stadtbezirken(peruspiiri) zusammengefasst. Die Stadtbezirke werden ihrerseits zu acht Großbezirken(suurpiiri) zusammengefasst. Die praktische Bedeutung dieser Verwaltungseinheiten ist jedoch begrenzt, die im Alltag benutzten Bezeichnungen der verschiedenen Gebiete weichen von den offiziellen oft ab.
1812 kam Johan Albrecht Ehrenström auf die Idee, den Häuserblocks im Stadtzentrum ebenfalls Namen zu geben. Diese bekamen von 1820 bis 1900 jeweils einen Tier- oder Blumennamen, z. B.: Kortteli 32 Dromedaari (schwedisch: Kvarteret 32 Dromedaren, deutsch: Häuserblock 32 Dromedar).
Weiße Nacht 2005 – Mitternacht in HelsinkiZugefrorener Südhafen
Das Klima von Helsinki verbindet Merkmale desKontinental- undSeeklimas. Die Jahresdurchschnittstemperatur in Helsinki beträgt 5,9 °C, das Jahresmittel des Niederschlages liegt bei 655 mm. Der meiste Niederschlag fällt im August (80 mm im Monatsmittel), der wenigste im April (32 mm). Der kälteste Monat ist der Februar mit einer Durchschnittstemperatur von −4,7 °C, am wärmsten ist es im Juli mit 17,8 °C. Im Sommer können Höchsttemperaturen von bis zu 30 °C erreicht werden. Im Winter sind Temperaturen unter −10 °C keine Seltenheit; die niedrigste je in Helsinki gemessene Temperatur betrug −34,3 °C (10. Januar 1987).[20] Wegen des Meerwindes liegt diegefühlte Temperatur vor allem im Winter oft noch niedriger als die gemessene Temperatur (Windchill).
Die Wassertemperatur schwankt von 1 °C im Februar bis zu 17 °C im August.[21] In den zahlreichen geschützten, flachen Buchten kann die Wassertemperatur im Sommer auch höhere Werte erreichen.
Der erste Schnee fällt meist Mitte November. Eine bleibende Schneedecke gibt es meist ab Ende Dezember bis Ende März. Im Winter friert der Finnische Meerbusen zu, sodassEisbrecher benötigt werden, um eine Fahrrinne freizuhalten.
Helsinki liegt auf derselbengeographischen Breite wie der SüdteilAlaskas und die SüdspitzeGrönlands. Auch wenn das Klima in Helsinki aufgrund desNordatlantikstroms wärmer ist, sorgt die nördliche Lage dafür, dass die Helligkeit im Laufe des Jahres stark schwankt. Zur Zeit derSommersonnenwende dauert derlichte Tag fast 19 Stunden, auch während der verbleibenden Stunden wird es nicht vollständig dunkel, da die Sonne nur knapp unter dem Horizont steht (sog.weiße Nächte). Zur Zeit derWintersonnenwende dauert der lichte Tag weniger als sechs Stunden, selbst am Mittag steht die Sonne niedrig am Himmel.[22]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Helsinki
Die an der Südküste Finnlands gelegene LandschaftUusimaa (schwed.Nyland) kam im 12. Jahrhundert unter die HerrschaftSchwedens und wurde von schwedischen Neusiedlern in Besitz genommen. Zuvor hatten die Einwohner der LandschaftHäme im Binnenland sowie dieEsten von der anderen Seite des Finnischen Meerbusens die Gegend als Jagdgrund genutzt, ohne sich dort dauerhaft niederzulassen. Das Gebiet, in dem später die Stadt Helsinki gegründet werden sollte, wurde alsKirchspiel Helsinki (schwed.Helsinge) in die Kirchenverwaltung eingegliedert.
Die Stadt Helsinki (schwed.Helsingfors) wurde am 12. Juni 1550 auf Befehl des schwedischen KönigsGustav I. Wasa gegründet. (Heute ist dieser „Helsinki-Tag“ städtischer Feiertag.) Ursprünglich befand sich die Stadt an der Mündung des FlussesVantaanjoki. Der schwedische NameHelsingfors leitet sich von einer Stromschnelle (schwed.fors) am Unterlauf des Vantaanjoki ab, der damals nochHelsinge å genannt wurde. Das Gebiet des ursprünglichen Helsinki heißt noch heuteVanhakaupunki (Altstadt), obwohl von der ursprünglichen Stadt nichts mehr erhalten ist. Die Einwohnerschaft Helsinkis bestand aus Bürgern der StädtePorvoo,Ekenäs,Rauma undUlvila, die sich auf Anweisung des Königs in der neugegründeten Stadt niederlassen mussten.
Helsinki wurde gegründet, um einen Konkurrenzhafen zurHansestadtTallinn (Reval) auf der anderen Seite des Finnischen Meerbusens zu schaffen. Nur wenig später, im Jahr 1561, eroberte Schweden imLivländischen Krieg aber Tallinn, was Helsinkis weitere Entwicklung hemmte. Zudem war die Lage des Hafens am Ende einer flachen und klippenreichen Bucht für große Segelschiffe ungünstig. Daher wurde Helsinki 1640 unter der Leitung des GeneralgouverneursPer Brahe rund fünf Kilometer näher an das offene Meer an die Stelle des heutigen Stadtzentrums verlegt. Die alte Stadt an der Mündung des Vantaanjoki wurde aufgegeben.
Der Rathausplatz in Helsinki im Jahr 1820. Kupferstich von Carl Ludwig Engel
Das Erstarken desRussischen Reiches und die Gründung der StadtSankt Petersburg im Jahr 1703 hatten maßgeblichen Einfluss auf Helsinki. DerGroße Nordische Krieg zwischen Schweden und Russland traf die Stadt schwer. Zunächst fiel ein großer Teil der Bevölkerung 1710 einerPestepidemie zum Opfer, dann wurde Helsinki 1713 von der eigenen Armee beim Rückzug niedergebrannt. Von 1713 bis 1721 sowie erneut während desRussisch-Schwedischen Krieges 1741–1743 stand Helsinki unter russischer Besatzung. Nachdem Schweden imFrieden von Turku die FestungHamina an Russland hatte abtreten müssen, wurde 1748 als Schutz für die Ostgrenze Schwedens vor der Küste Helsinkis die Seefestung Sveaborg (heute finn.Suomenlinna) errichtet.
Am 2. März 1808 wurde Helsinki während desRussisch-Schwedischen Krieges von russischen Truppen erobert. Dabei wurde es durch eine Feuersbrunst abermals fast völlig zerstört. Als Resultat des verlorenen Krieges musste Schweden 1809 ganz Finnland an Russland abtreten.
Die Hauptstadt des neugegründetenGroßfürstentums Finnland war anfangsTurku, die bis dahin größte und bedeutendste Stadt des Landes. Aus Sicht von ZarAlexander I. war Turku aber zu weit von Sankt Petersburg entfernt, weshalb er am 8. April 1812 per Dekret Helsinki zur neuen Hauptstadt bestimmte.[24] Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt mit rund 4000 Einwohnern eher unbedeutend. Der deutsche ArchitektCarl Ludwig Engel wurde damit beauftragt, das durch den Stadtbrand zerstörte Helsinki als repräsentative Hauptstadt neu aufzubauen. So entstand dasklassizistische Zentrum rund um denSenatsplatz. Die umliegenden Stadtviertel bestanden aus meist einstöckigen Holzhäusern, von denen heute nur noch einige vereinzelte erhalten sind. Seit 1819 war Helsinki Sitz des finnischen Senats und damit endgültig Hauptstadt des Großfürstentums.
Deutsche Soldaten in Helsinki nach der Eroberung der Stadt (1918)
Als das finnische Parlament am 6. Dezember 1917 dieUnabhängigkeit erklärte, wurde Helsinki zur Hauptstadt des neuen Staates. Im bald darauf ausgebrochenenfinnischen Bürgerkrieg brachten die Roten Garden die Stadt am 28. Januar 1918 unter ihre Kontrolle, die bürgerliche Regierung flüchtete nachVaasa. Im April griffendeutsche Truppen zur Unterstützung derWeißen in das Kriegsgeschehen ein underoberten Helsinki nach zweitägigen Kämpfen am 13. April 1918. Anders als inTampere richtete der Bürgerkrieg in Helsinki relativ wenig Schaden an. Nachdem der Krieg zu Gunsten der bürgerlichen Weißen entschieden worden war, wurden auf der Insel Suomenlinna rund 10.000 Anhänger der Roten interniert, von denen ca. 1.500 verhungerten oder an Krankheiten starben.
ImZweiten Weltkrieg war Helsinki mehreren Großbombardements durch diesowjetische Luftwaffe ausgesetzt. Im Vergleich zu anderen europäischen Städten blieben die Schäden aber relativ gering, was nicht zuletzt einer effizientenLuftabwehr zu verdanken war.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschränkte sich das Stadtgebiet Helsinkis noch auf die Halbinsel Helsinginniemi. Dieses Gebiet wird heute als Kernstadt(kantakaupunki) bezeichnet. Die Stadt war umgeben vom Gebiet der Landgemeinde Helsinki(Helsingin maalaiskunta), deren Reste das heutigeVantaa bilden.
Im Laufe des Jahrhunderts wurden immer wieder Teile der Landgemeinde in die Stadt Helsinki eingegliedert: 1906 die StadtteileMeilahti,Käpylä undKumpula, 1912Pasila, 1926Ruskeasuo undUusipelto. Ihre heutige Form erhielt die Stadt im Wesentlichen im Jahr 1946, als im Zuge einer großen Eingemeindung 14 Stadtteile aus der Landgemeinde der Stadt zugeschlagen wurden. Gleichzeitig wurden die damals selbständigen GemeindenHaaga,Huopalahti,Kulosaari sowieOulunkylä eingemeindet. Zuletzt erwarb Helsinki noch im Jahr 1966 den StadtteilVuosaari und im Jahr 2009 Teile der NachbargemeindenSipoo und Vantaa, aus denen die neuen StadtteileÖstersundom,Salmenkallio,Talosaari,Karhusaari undUltuna gebildet wurden.
Überlegungen, Helsinki mit den anderen Städten der Hauptstadtregion, Vantaa, Espoo und Kauniainen, zu einem Groß-Helsinki zu verbinden, sind über Jahrzehnte immer wieder aufgegriffen worden. Da die Regierung in Finnland heute generell die Schaffung größerer Gemeindeeinheiten anstrebt, wird diese Option derzeit wieder ernsthaft diskutiert.
Die Einwohnerzahl Helsinkis beträgt 684.018 (Stand 31. Dezember 2024). Damit ist Helsinki mit Abstand die größte Stadt Finnlands. In der gesamten Hauptstadtregion (Helsinki, Espoo, Vantaa und Kauniainen) leben über eine Million Menschen, fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Finnlands. Die Mobilität der Bevölkerung ist in Helsinki höher als im Rest Finnlands. Viele Menschen aus anderen Gemeinden Finnlands ziehen zum Arbeiten oder Studieren in die Hauptstadt. Gleichzeitig verlassen sie vor allem viele Familien wegen der hohen Wohnkosten in Richtung der Vororte. Im Jahr 2005 zogen insgesamt 33.953 Menschen aus anderen Gemeinden Finnlands oder dem Ausland nach Helsinki, während 33.381 Personen die Stadt verließen.[25]
Anfang 2010 hatten 7,2 Prozent der Einwohner Helsinkis eine ausländische Staatsbürgerschaft, 10,7 Prozent waren im Ausland geboren. Die wichtigsten einzelnen Herkunftsländer sindRussland,Estland,Schweden undSomalia. Die meisten Migranten wohnen im Osten und Norden der Stadt, am höchsten ist ihr Anteil im StadtbezirkJakomäki (14,0 Prozent ausländische Staatsbürger bzw. 20,4 Prozent außerhalb Finnlands geborene Menschen).[26] Im Vergleich mit anderen europäischen Hauptstädten ist der Ausländeranteil in Helsinki zwar niedrig, doch ist die Tendenz seit Anfang der 1990er Jahre deutlich steigend. Im Zeitraum 1985–2009 hat sich die Anzahl der ausländischen Staatsbürger in Helsinki mehr als versiebenfacht.[27]
Der starke Anstieg der Bevölkerungszahl Helsinkis begann, als die Stadt 1812 zur Hauptstadt Finnlands wurde, und setzte sich unvermindert bis Ende der 1960er Jahre fort. In den 1970ern verlangsamte sich das Wachstum. Als viele Bewohner in die Nachbargemeinden zogen, sank die Einwohnerzahl sogar zeitweise, bis sie in den 1990ern wieder zu steigen begann. Zuletzt wuchs die Einwohnerzahl um 1,4 Prozent jährlich. Im Jahr 2012 durchbrach Helsinki erstmals die Marke von 600.000 Einwohnern.
Bevölkerungsentwicklung Helsinkis seit 1875[28] und Vorhersage 2020–2050[29]
Von den Einwohnern Helsinkis sprechen 81,9 ProzentFinnisch und 5,9 ProzentSchwedisch als Muttersprache. Die restlichen 12,2 Prozent entfallen auf andere Sprachen (Stand 2013).[30] Offiziell ist Helsinkizweisprachig mit Finnisch als Mehrheits- und Schwedisch als Minderheitssprache. So haben sämtliche Straßen einen finnischen und schwedischen Namen, Ansagen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sind zweisprachig etc. Im Alltag dominiert aber das Finnische als Verkehrssprache zwischen den Sprechern verschiedener Sprachen. So sind Finnischkenntnisse de facto eine Voraussetzung für die Teilhabe am Arbeitsmarkt.[31]
Die Südküste Finnlands gehört historisch zum Siedlungsgebiet derFinnlandschweden. Daher war auch Helsinki bis Ende des 19. Jahrhunderts mehrheitlich schwedischsprachig: Noch 1850 sprachen fast 90 Prozent der Einwohner Helsinkis Schwedisch als Muttersprache.[32] Durch den Zuzug aus anderen Gebieten des Landes verringerte sich der Anteil der schwedischsprachigen Bevölkerung aber zusehends. 1870 sprachen von den Einwohnern Helsinkis noch 57 Prozent Schwedisch, 26 Prozent Finnisch, 12 ProzentRussisch, 2 ProzentDeutsch und 3 Prozent andere Sprachen als Muttersprache.[33] Im Jahr 1900 stellten die Finnisch-Sprecher mit 50 Prozent gegenüber 42 Prozent Schwedisch-, 5 Prozent Russisch- und 3 Prozent Anderssprachigen bereits die Bevölkerungsmehrheit.[34]
Die in Helsinki gesprochene Varietät des Finnischen hat sich alsAusgleichsdialekt unter Sprechern verschiedener finnischer Dialekte in einer ursprünglich schwedischsprachigen Umgebung entwickelt. Heute dient sie als Modell für die allgemeinfinnische Umgangssprache.[35] Ein besondererSoziolekt ist der sogenannteHelsinki-Slang(stadin slangi), der sich Ende des 19. Jahrhunderts unter der mehrsprachigen Arbeiterklasse als Mischsprache mit finnischer Grammatik und überwiegend schwedischem Wortschatz herausbildete.
Die Mehrheit der Einwohner Helsinkis gehört derEvangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands an. Der Anteil der evangelisch-lutherischen Kirchenmitglieder liegt mit 47,4 Prozent aber deutlich niedriger als der Landesdurchschnitt von 65,2 Prozent (Stand Ende 2022).[36][37] In Helsinki bestehen 18 finnischsprachige, drei schwedischsprachige und eine deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Die Stadt ist Sitz desBistums Helsinki, welches die finnischsprachigen Kirchengemeinden in Helsinki, Vantaa und dem östlichen Uusimaa umfasst. Die Kathedrale des Bistums Helsinki ist derDom von Helsinki. Die schwedisch- und deutschsprachigen Gemeinden Helsinkis gehören dagegen zumBistum Borgå.
Die Uspenski-Kathedrale ist Sitz eines orthodoxen Bischofs
Neben der evangelisch-lutherischen Kirche ist auch die zweite Staatskirche Finnlands, dieOrthodoxe Kirche Finnlands, in Helsinki präsent. Orthodoxe Christen sind in Helsinki seit der russischen Zeit ansässig. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele orthodoxe Flüchtlinge ausKarelien nach Helsinki. Heute hat die orthodoxe Kirchengemeinde Helsinki, die ganz Uusimaa umfasst, rund 20.000 Mitglieder (Stand 2011), was rund ein Drittel aller orthodoxen Gläubigen in Finnland ausmacht.[38] Helsinki ist auch Sitz des orthodoxenBistums Helsinki, eines von drei Bistümern der Orthodoxen Kirche in Finnland. Hauptkirche der orthodoxen Gemeinde und zugleich Bischofskirche ist dieUspenski-Kathedrale.
Die kleinerömisch-katholische Minderheit in Finnland hat ihr Zentrum in Helsinki: Die Stadt ist Sitz des römisch-katholischenBistums Helsinki, das ganz Finnland umfasst. Bischofskirche ist dieHenrik-Kathedrale. Die zwei in Helsinki ansässigen römisch-katholischen Kirchengemeinden umfassen neben der Stadt auch den Rest Uusimaas und haben zusammen rund 6600 Mitglieder, mehr als die Hälfte aller Katholiken Finnlands.[39] Daneben bestehen in Helsinki mehrere kleinerefreikirchliche Gemeinden.
Die Anzahl derMuslime in Helsinki lässt sich nicht genau bestimmen; es wird geschätzt, dass ein großer Teil der 60.000 Muslime Finnlands in der Hauptstadtregion leben. In Helsinki gibt es etwa zehn muslimische Gebetsräume.[40] Der Islam wurde bereits im 19. Jahrhundert vonTataren nach Helsinki gebracht, in jüngerer Zeit hat die Anzahl der Muslime durch Einwanderung aus demNahen Osten undSomalia stark zugenommen. Ferner gibt es in Helsinki einejüdische Gemeinde, eine von zweien in Finnland, mit rund 1200 Mitgliedern.[41] Die Synagoge von Helsinki wurde im Jahr 1906 geweiht.
Der Marktplatz mit Blick auf das Rathaus am Südhafen
Wie in allen finnischen Städten, ist auch in Helsinki der Stadtrat (finn.kaupunginvaltuusto) die höchste Entscheidungsinstanz bei lokalen Angelegenheiten. Dazu zählen Stadtplanung, Schulen, Gesundheitswesen und öffentlicher Verkehr. Der aus 85 Mitgliedern bestehende Rat wird auf vier Jahre gewählt.
Traditionell stellt die konservativeSammlungspartei die stärkste Fraktion im Stadtrat, gefolgt vomGrünen Bund, der in Helsinki landesweit am stärksten vertreten ist und hier dieSozialdemokraten auf den dritten Platz verdrängt hat. Derzeit fallen knapp zwei Drittel der Sitze auf diese drei Parteien. DasLinksbündnis und die rechtspopulistischenBasisfinnen erreichten bei den Stadtratswahlen 2012 mit jeweils ca. 10 % ihre bisher besten Ergebnisse. DieSchwedische Volkspartei, die politische Vertretung der Finnlandschweden, erreicht mit gut 6 % einen Stimmenanteil, der dem Bevölkerungsanteil der Minderheit in der Hauptstadt entspricht. Obwohl eine der drei größten Parteien des Landes, hat dieZentrumspartei, wie in den meisten anderen Großstädten, nur eine geringe Bedeutung. Weiterhin im Stadtrat vertreten sind dieChristdemokraten und dieKommunistische Partei Finnlands.
Der Stadtdirektor von Helsinki trug aus historischen Gründen den Titel Oberbürgermeister (finn.ylipormestari). Er war dem Stadtrat unterstellt und wird von diesem ernannt. Seit 2017 wählt der Stadtrat den Bürgermeister aus der Mitte der Delegierten und stellvertretenden Abgeordneten für eine Amtszeit von vier Jahren. Die Amtszeit des Bürgermeisters dauert an, bis ein neuer Bürgermeister gewählt wird. Der Rat kann jedoch die Amtszeit zwischen dem Bürgermeister und dem stellvertretenden Bürgermeister trennen.Jan Vapaavuori von der Sammlungspartei ist der erste nach dem neuen Verfahren gewählte Bürgermeister.
Helsinki unterhält keine Städtepartnerschaften, gehört aber zumMETREX-Netzwerk der europäischen Metropolregionen. Die Stadt unterhält Beziehungen zu den Hauptstädten der anderenEU-Mitgliedsstaaten undNordischen Länder sowie Städten desOstseeraums. Daneben besteht eine besondere Zusammenarbeit mitMoskau undPeking. Helsinki ist Mitglied imKonvent der Bürgermeister.
Der Dom von Helsinki ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt
Helsinki gilt als Hochburg desKlassizismus. Zudem wird das Stadtbild durch dieJugendstil-Architektur aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts geprägt. Unter den modernen Gebäuden sind mehrere Vertreter desFunktionalismus hervorzuheben.
Klassizismus
Nachdem Helsinki 1812 zur Hauptstadt erkoren worden war, beauftragte man den ArchitektenCarl Ludwig Engel (1778–1840) mit der Planung eines repräsentativen Zentrums nach dem Vorbild vonSankt Petersburg. Rund um den zentralenSenatsplatz(Senaatintori) liegt ein einzigartiges klassizistisches Ensemble mit dem zwischen 1830 und 1852 erbautenDom, dem alten Senatsgebäude und dem Hauptgebäude derUniversität. Weitere nennenswerte klassizistische Bauten sind u. a. dieNationalbibliothek und derPräsidentenpalast. Engels klassizistisches Zentrum brachte Helsinki später den Beinamenweiße Stadt des Nordens ein.
Beispiele für die Jugendstilarchitektur kann man in den Wohnhäusern vor allem von Stadtteilen wieKatajanokka,Kruununhaka oderEira entdecken. Auch Repräsentationsbauten wie derHauptbahnhof, dasNationalmuseum oder dieKirche von Kallio entstanden im nationalromantischen Jugendstil. Als bedeutendster Vertreter der finnischen Jugendstilarchitektur giltEliel Saarinen (1873–1950).
Die Finlandia-Halle, eines der prominentesten Beispiele des Funktionalismus
Funktionalismus
Mehrere Bauten in Helsinki entwarf der berühmte finnische ArchitektAlvar Aalto (1898–1976), einer der Vorreiter desFunktionalismus. Viele seiner Entwürfe wie dieFinlandia-Halle, ein 1971 fertiggestelltes Konzert- und Kongressgebäude, oder das Hauptquartier des PapierkonzernsStora Enso sind von der Bevölkerung teilweise kontrovers aufgenommen worden. Entlang der HauptstraßeMannerheimintie befinden sich mit dem KulturzentrumLasipalatsi, dem Posthaus und demOlympiastadion weitere funktionalistische Bauten.
Die Flaniermeilen sind dieAleksanterinkatu und dieEsplanadi. Erstere ist nach ZarAlexander I. benannt und führt vom Senatsplatz zum Mannerheimintie. Die Aleksanterinkatu wird von zahlreichen Geschäften gesäumt, darunterStockmann, dem größten Warenhaus der nordischen Länder. Die Esplanadi verläuft parallel zur Aleksanterinkatu und besteht aus zwei StraßenPohjoisesplanadi undEteläesplanadi (Nord- und Südesplanade) mit einem dazwischen gelegenen Park. Am östlichen Ende der Esplanadi direkt am Südhafen liegt derMarktplatz(Kauppatori). Im Sommer werden auf dem belebten Markt Obst, Gemüse, frisch gefangener Fisch und Souvenirs verkauft. Dort befindet sich auch dieVanha kauppahalli, die älteste Markt- und Kaufhalle von Helsinki. Am Rand des Marktplatzes steht die bekannte Skulptur derHavis Amanda.
Die Festung Suomenlinna, auf fünf Inseln vor Helsinki gelegenDas Sibelius-Denkmal
Vom Marktplatz verkehrt eine Fähre zur FestungSuomenlinna (schwed.Sveaborg). Die Festung wurde 1748 auf mehreren vorgelagerten Inseln erbaut und gehört seit 1991 zumUNESCO-Weltkulturerbe. Suomenlinna ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische wie Touristen. Die Inseln werden heute noch von etwa 950 Menschen bewohnt. Ein Teil des Geländes wird militärisch genutzt und ist für Zivilisten nicht zugänglich.
Auf einem Felsen im Westen der HalbinselKatajanokka erhebt sich dieorthodoxeUspenski-Kathedrale. Der Bau im russisch-byzantinischen Stil wurde 1868 fertiggestellt und ist die größte orthodoxe Kirche im westlichen Europa. Ein weiteres Kirchengebäude, das viele Besucher anzieht, ist die moderneTemppeliaukio-Kirche im StadtteilTöölö. Sie wurde 1969 in einen Granitfelsen hineingebaut. Noch jünger ist die 2012 fertiggestellteKamppi-Kapelle. Ebenfalls im StadtteilKamppi befindet sich das älteste Hallenbad Finnlands, dieYrjönkadun uimahalli.
DasSibelius-Denkmal im Sibelius-Park im StadtteilTöölö ist eine der meistbesuchten und beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das abstrakte und seinerzeit kontrovers diskutierte Denkmal wurde 1967 eingeweiht.
Helsinki hat drei größereTheater. DasFinnische Nationaltheater(Suomen Kansallisteatteri) wurde ursprünglich inPorvoo gegründet. Es war das erste Theater, das Stücke in finnischer Sprache aufführte. Seit 1902 ist es in einem Jugendstilgebäude am Bahnhofsplatz untergebracht. Das Helsinkier Stadttheater(Helsingin Kaupunginteatteri) entstand durch den Zusammenschluss des Arbeitertheaters und des Volkstheaters. Seit 1967 befindet sich das Stadttheater im StadtteilKallio. Das Schwedische Theater(Svenska Teatern) ist das älteste Theater der Stadt und führt Stücke auf Schwedisch auf.
Ende August oder Anfang September ist Helsinki Schauplatz derHelsingfors Biennale. Konzerte, Ausstellungen, Oper und Ballett von internationalem Rang werden dann veranstaltet. Im Fünfjahreszyklus findet zu Ehren vonJean Sibelius der Internationale Violinwettbewerb statt.
Im Sommer finden im Zentrum Helsinki zahlreiche Rock- und Popveranstaltungen unter freiem Himmel statt, darunter mehrere kostenlose Konzerte im ParkKaivopuisto und im Park vonKaisaniemi neben dem Hauptbahnhof. Im letztgenannten Park zieht das jährlicheTuska Open Air Metal Festival jeden Juli rund 30.000 Besucher an und ist damit das größte Metalfestival Finnlands.
DasFinnische Nationalmuseum(Suomen kansallismuseo) beherbergt Exponate über die Geschichte Finnlands von prähistorischen Zeiten bis ins 21. Jahrhundert. Das Museumsgebäude aus dem Jahr 1910 imitiert im nationalromantischen Jugendstil mittelalterliche Burgen und Kirchen. Das Museum der Stadt Helsinki stellt die fünfhundertjährige Geschichte Helsinkis vor. Auch dieUniversität Helsinki unterhält einige Museen, darunter das Universitätsmuseum und das Museum für Naturgeschichte.
DieFinnische Nationalgalerie ist auf drei Museen aufgeteilt. Im 1887 im Stil derNeorenaissance errichtetenAteneum am Bahnhofsplatz sind die wichtigsten finnischen Kunstwerke des 18. bis 20. Jahrhunderts ausgestellt, darunter etwa Gemälde vonAkseli Gallen-Kallela,Helene Schjerfbeck undAlbert Edelfelt. DasSinebrychoff-Kunstmuseum(Sinebrychoffin taidemuseo) zeigt klassische europäische Kunst. Derzeitgenössischen Kunst sind dieKunsthalle Helsinki und dasKiasma-Museum gewidmet. Diese Sammlungen enthalten finnische und ausländische, vor allem nordeuropäische Kunst ab den 1960er Jahren. Die Architektur des modernen Baus an der StraßeMannerheimintie führte bei seiner Eröffnung 1998 zu Kontroversen. In Helsinki befindet sich mit demFinnischen Architekturmuseum eines der ältesten Architekturzentren Europas. Neben dem Architekturmuseum liegt das Designmuseum, in dem u. a. die Kunst des finnischen Architekten und DesignersAlvar Aalto vorgestellt wird.
Das Kunstmuseum HAM (Helsinki Art Museum) befindet sich in dem funktionalistischen ehemaligen Tennispalast in der Stadtmitte. Das HAM spezialisiert sich auf moderne und zeitgenössische Kunst und lockt Besucher mit seinen außergewöhnlichen Ausstellungen wie etwa zuCharlie Chaplin,Yayoi Kusama undTove Jansson. Es zeigt die Kunstwerke auch außerhalb der eigenen Räumlichkeiten in Parks, U-Bahn-Stationen und auf den Straßen Helsinkis.
Auf der InselKuusisaari im äußersten Westen der Stadt, nahe der Grenze zur NachbarstadtEspoo, befindet sich das Kunstmuseum Didrichsen. Das Ehepaar Marie-Louise und Gunnar Didrichsen sammelte seit der Mitte des 20. Jahrhunderts Kunstwerke und machte seine von einem modernen Skulpturenpark umgebene Villa, errichtet von dem ArchitektenViljo Revell in den Jahren 1958/59, zu einem Museum. Jährlich werden dort Ausstellungen von Künstlern wieEdvard Munch und Helene Schjerfbeck gezeigt.[43]
Für eine Stadt ihrer Größenordnung verfügt Helsinki über recht viele Grünanlagen. Ungefähr 30 % des Stadtgebietes bestehen aus Wäldern oder Parks. Der bekannteste Park Helsinkis ist der im Südosten des Stadtzentrums direkt am Meer gelegeneKaivopuisto. Er entstand in den 1830er Jahren als Park eines Kurbades. Seit 1886 ist er ein öffentlicher Park. Von den Felsen des Kaivopuisto eröffnet sich ein Blick über dieSchären vor der Küste Helsinkis hinüber nachSuomenlinna. Weitere Parks im Zentrum sind der Park inKaisaniemi und der sogenanntePestpark(Ruttopuisto) an derAlten Kirche in derBulevardi-Straße. Letzterer diente bis 1829 als Friedhof und erhielt seinen Namen, weil dort die Toten derPestepidemie von 1710 bestattet wurden.
Im zentrumsnahen StadtteilAlppiharju befindet sich der 1950 eröffnete FreizeitparkLinnanmäki. Er wird umgangssprachlich auchLintsi genannt und wird vom KinderhilfswerkLasten Päivän Säätiö betrieben. Der Park hat 40 Fahrgeschäfte von unterschiedlicher Größe, deren bekanntestes die 1951 gebaute HolzachterbahnVuoristorata ist. Der Eintritt ist frei; die einzelnen Fahrgeschäfte verlangen jedoch Eintritt (mit einigen Ausnahmen, wie z. B. dem AussichtsturmPanoraama).[44] Linnanmäki hat von April bis September geöffnet.
An der Hietaniemi-Bucht im Westen des Zentrums befinden sich ein Badestrand und der weitläufigeFriedhof von Hietaniemi. Etwas weiter nördlich im StadtteilTaka-Töölö liegt der Sibelius-Park mit dem Sibelius-Denkmal, das zu Ehren des KomponistenJean Sibelius aus über 600 Stahlröhren errichtet wurde. Die InselSeurasaari ist ein beliebtes Ausflugsziel und beherbergt ein Freilichtmuseum. Der größte Park in Helsinki ist der 10 km² große Zentralpark(Keskuspuisto), der nördlich vonTöölö beginnt und bis zur Nordgrenze Helsinkis reicht. Allerdings handelt es sich eher um ein naturbelassenes Waldgebiet als um einen Park. Als Besonderheit des Parks gelten dieFlughörnchen, deren Population sich in den letzten Jahren erstaunlich schnell erholt hat, nachdem sie Ende des 20. Jahrhunderts schon als verschwunden gegolten hatten.[45]
Der Badestrand Hietaranta ist der größte Strand der Stadt
Vom Südhafen aus fuhren die meisten Freizeitfähren ab
Allegro-Züge fuhren mehrmals täglich nach St. Petersburg
Die Insel Seurasaari ist ein beliebtes Ausflugsziel
Die wichtigste internationale Sportveranstaltung, die bisher in Helsinki stattgefunden hat, waren dieOlympischen Sommerspiele 1952. Ursprünglich sollte Helsinki bereits dieOlympischen Spiele 1940 ausrichten, diese mussten aber wegen des Zweiten Weltkrieges abgesagt werden. Das größte internationale Ereignis, das in Finnland stattgefunden hat, war für das kleine Land, das sich gerade erst von den Kriegsfolgen erholte, eine Möglichkeit, sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. DieLeichtathletik-Weltmeisterschaften fanden1983 und2005 in Helsinki statt. Daneben wurde1974,1982,1991,1997 und2003 in Helsinki um dieEishockey-Weltmeisterschaft gespielt. Im Jahr 2009 war Helsinki zentraler Schauplatz der in Finnland ausgetragenenFußball-Europameisterschaft der Frauen.
Die größte regelmäßig in Helsinki stattfindende Sportveranstaltung ist derHelsinki Cup, ein seit 1976 veranstaltetesFußballturnier für Junioren. 2002 wurde mit 819 Mannschaften ein Teilnehmerrekord aufgestellt. AmHelsinki City Marathon nehmen alljährlich rund 6000 Läufer statt. Der Rundparcours derMarathonstrecke beginnt in der Nähe desOlympiastadions neben demPaavo-Nurmi-Denkmal, führt am Ostseeufer entlang über mehrere Brücken und Inseln und endet normalerweise im Olympiastadion (während der Renovierung des Stadions von 2016 bis 2019 im direkt angrenzendenTöölö-Fußballstadion).[46]
Das Hauptgeschäft von Stockmann im Zentrum HelsinkisHauptgebäude vonYle
Die Wirtschaft Finnlands ist untrennbar mit derRegion Helsinki verbunden, die ungefähr ein Drittel desBruttoinlandsproduktes der Volkswirtschaft erwirtschaftet. Mit derBörse Helsinki und zahlreichen Banken ist Helsinki Zentrum des Finanzlebens in Finnland. Als Rückgrat der Wirtschaft von Helsinki können heute dieInformationstechnik und der Finanzsektor gelten.
Die Wirtschaft von Helsinki hat sich schrittweise von der Industrie entfernt und beruht heute hauptsächlich auf demDienstleistungssektor. Die meisten finnischen Konzerne und die regionalen Abteilungen von internationalen Konzernen haben ihre Hauptquartiere im Großraum Helsinki, hauptsächlich wegen der internationalen Verbindungen, des Logistik-Netzwerks und der Verfügbarkeit von Arbeitskräften. 83 der 100 größten Unternehmen des Landes haben ihren Hauptsitz in Helsinki. Allerdings haben sich einige der bedeutendsten Unternehmen, darunter zum BeispielNokia, in der NachbarstadtEspoo angesiedelt. Zu den wichtigsten in Helsinki selbst ansässigen Konzernen gehören der Telekom-DienstleisterElisa, die MedienkonzerneOtava undSanoma sowie im Handelswesen die EinzelhändlerKesko,HOK-Elanto sowie die WarenhausketteStockmann.
AuchYleisradio, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Finnlands, hat ihren Sitz in der Hauptstadt. Yle betreibt vier nationale Fernsehsender sowie einige nationale und regionale Radiosender. Die Rundfunkanstalt ist Mitglied in derEuropäischen Rundfunkunion (EBU) und derNordvision, einem Zusammenschluss staatlicher Rundfunkanstalten in dennordischen Ländern.
Während der Mitte des 20. Jahrhunderts konnte Helsinki als wichtigster Industriestandort Finnlands gelten, doch zwischen 1960 und 1980 halbierte sich die Anzahl der Arbeitsplätze im Industriesektor. Übriggeblieben sind aber noch unter anderem die WerftHelsinki Shipyard inHietalahti und dieABB-Werke inPitäjänmäki. DieArabia-Keramikfabrik, die zeitweilig eine der größten in Europa war, wurde 2016 geschlossen; ihre Produktion wurde nach Rumänien und Thailand ausgelagert.[49]
Jedes Jahr im Oktober findet im Zentrum Helsinkis der traditionelleStrömlingsmarkt statt.
Jedes Jahr im November findet in Helsinki das Startup- und Technik-EventSlush statt.
Der internationaleFlughafen Helsinki-Vantaa liegt 15 Kilometer nördlich des Stadtzentrums in der NachbarstadtVantaa. Er ist der größte Verkehrsflughafen Finnlands und bedient 18 Millionen Fluggäste im Jahr. Bis zu seiner Eröffnung im Jahr 1952 war derFlughafen Malmi im StadtteilMalmi, 10 Kilometer nordöstlich des Zentrums, der Hauptflughafen der Stadt. Heute dient er derallgemeinen Luftfahrt. Die Stadt Helsinki strebt langfristig eine Schließung des Flughafens Malmi an, um die Fläche für den Wohnungsbau freizumachen. Die geplante Schließung ist aber umstritten. Daneben betrieb die FluggesellschaftCopterline bis 2008 eine Hubschrauberverbindung vom Hafen Helsinkis nachTallinn.
Der Südhafen mit Olympiaterminal, Hauptanlegestelle der Fähren derSilja Line
DerHafen Helsinki ist der größte Hafen für den Fracht- und Personenverkehr in Finnland. Der Personenverkehr konzentriert sich auf den im unmittelbaren Zentrum der Stadt gelegenen Südhafen(Eteläsatama) sowie auf den Westhafen(Länsisatama) im gleichnamigen Stadtteil. Der Frachtverkehr wird heute komplett im Ende 2008 fertiggestellten Hafen inVuosaari abgewickelt (abgesehen vonLkw, die auf den Passagierfähren mitfahren, die den Süd- und Westhafen benutzen). Die Flächen des früher für den Frachtverkehr genutzten Teiles des Westhafens und des ehemaligen Containerhafens im StadtteilSörnäinen sind dadurch für neue Wohnbauprojekte freigeworden.
Im Jahr 2020 wurden im Hafen 13,3 Millionen Tonnen Güter (2019: 14,4 Millionen Tonnen; 2018: 14,7 Millionen Tonnen) umgeschlagen, die Zahl derContainer lag bei rund 507.000 TEU (2019: 533.810 TEU; 2018: 509.500 TEU).[51] Im Fährverkehr gab es 2019 12,2 Millionen Reisende und 603.500 Passagiere vonKreuzfahrtschiffen[52], 2018 waren es 11,6 Millionen Passagiere, 520.000 auf Kreuzfahrtschiffen.[53] Im Jahr 2013 legten insgesamt 8126 Schiffe im Hafen von Helsinki an; das entspricht einem Schnitt von etwa 22 Schiffen pro Tag. In der Sommersaison 2013 besuchten 283 Kreuzfahrtschiffe den Hafen und brachten 424.000 Tagesausflügler nach Helsinki. Das Volumen des Linienverkehrs lag 2013 bei 10,7 Millionen Reisenden im Jahr.[54] Da sich die Passagierkapazität der Kreuzfahrtschiffe erhöht, waren es in der Sommersaison 2017 insgesamt 266 Kreuzfahrtschiffe mit 478.000 Tagesgästen; das entspricht einer Zunahme von 18,6 Prozent zum Vorjahr. Kreuzfahrtschiffe legen je nach ihrer Größe sowohl im Südhafen als auch im Westhafen an.[55] Außerdem überholte die Verbindung Tallinn–Helsinki–Tallinn von ihrer Passagierkapazität alle anderen Schiffsrouten in Europa,[56] zum Beispiel auch diejenige zwischen Dover und Calais. Die FährgesellschaftenViking Line,Silja Line,Finnlines,Tallink,Linda Line undStella Naves Russia bieten regelmäßige Fährverbindungen nachTallinn,Stockholm,Sankt Petersburg,Lübeck-Travemünde,Rostock undGdynia an. Reisen mit den sogenannten Schwedenschiffen(ruotsinlaiva), die an Bord Restaurants, Nachtklubs und Tax-Free-Shops bieten, sind schon seit langem populär.
Nach dem Zusammenbruch derSowjetunion entstanden zur rund 80 Kilometer entferntenestnischen Hauptstadt Tallinn dermaßen rege Verbindungen, dass man schon von einer gemeinsamen Großstadtregion namensTalsinki spricht. Tallinn ist wegen seiner malerischen Altstadt und des niedrigen Preisniveaus für Tagesausflügler aus Helsinki attraktiv. Umgekehrt pendeln etwa 17.500 bis 18.500 Esten zum Arbeiten in die Region Helsinki (Stand 2011).[57] Die Möglichkeit einesHelsinki-Tallinn Tunnels für den Schienenverkehr wurde von 2016 bis 2018 in einer von der EU finanzierten Feasibility-Studie untersucht.[58][59] Dieser Tunnel wäre der längste Unterseetunnel der Welt.
Helsinki Hauptbahnhof ist der größteKopfbahnhof des Zugverkehrs in Finnland. Fernzüge verkehren in die wichtigsten Städte Finnlands. Außerdem ist der Hauptbahnhof Endpunkt aller Linien desSchienennahverkehrs, der das Zentrum mit den nördlichen und westlichen Vororten und Nachbarstädten verbindet. Das Bahnhofsgebäude wurde 1919 nach Plänen des ArchitektenEliel Saarinen fertiggestellt und ist ein Wahrzeichen der Stadt.
Alle vom Hauptbahnhof abfahrenden Züge halten als erstes imBahnhof Pasila, der für die Bewohner der Vororte und umliegenden Gemeinden das größte Umsteigedrehkreuz bildet. Hier teilt sich die Strecke in die Hauptbahn(päärata) überHämeenlinna nachTampere und die Küstenbahn(rantarata) nachTurku.
Die Metro Helsinki ist die nördlichste U-Bahn der Welt
Deröffentliche Personennahverkehr wird mit Bussen, Straßenbahn-, U-Bahn-, Nahverkehrs-Zügen und Fähren durchgeführt. Für Planung und Koordination des Nahverkehrs ist seit 2010 der regionaleVerkehrsverbundHSL zuständig. Im Jahr 2010 wurden auf dem gesamten HSL-Gebiet (Helsinki, Espoo, Vantaa, Kauniainen, Kerava, Kirkkonummi, Sipoo) 326,9 Millionen Fahrgäste befördert, davon 166,6 Mio. mit Bussen, 57,1 Mio. mit der U-Bahn, 54,5 Mio. mit der Straßenbahn, 47,1 Mio. mit Nahverkehrszügen und 1,6 Mio. mit der Fähre nach Suomenlinna.[60] Der Anteil des ÖPNV am gesamten stadtinternen Verkehrsaufkommen lag im Herbst 2014 bei 32 %.[61]
Die 1982 eröffneteMetro Helsinki ist die einzige U-Bahn Finnlands. Sie verband zunächst das Zentrum mit dem Osten der Stadt. Durch die Inbetriebnahme der sogenannten Westmetro zwischen 2017 und 2022 wurde sie im Westen in die NachbarstadtEspoo verlängert. Die beiden Linien der Metro (M1 und M2) verkehren zum größten Teil auf derselben Strecke, verzweigen sich aber am östlichen Ende. Das Netz mit 25 Stationen ist 35 km lang, davon befinden sich 19 Stationen im Stadtgebiet Helsinkis und die restlichen 6 in Espoo[62].
DieStraßenbahn Helsinki ist neben derStraßenbahn Tampere der einzige Straßenbahnbetrieb Finnlands. Sie besitzt zehn herkömmliche Straßenbahnlinien, die alle in der Innenstadt verkehren, sowie mit derLinie 15(Raide-Jokeri) eine Schnellstraßenbahnlinie, die halbringförmig vom Osten Helsinkis über die nördlichen Außenbezirke nach Espoo führt. Eine weitere Schnellstraßenbahnstrecke über die neu zu errichtendenKruunusillat-Brücken ist im Bau.
DasSchienennahverkehrssystem ist in dieser Form das einzige des Landes. Es besteht aus Zügen, die das Zentrum Helsinkis mit Zielen nördlich und westlich der Stadt verbinden. Auch der Flughafen Helsinki wird seit 2015 von den Nahverkehrszügen angefahren. Daneben gibt es ein dichtes Busnetz. Im unterirdischen Busbahnhof im 2005 eröffnetenKampin keskus werden der Busverkehr nach Espoo und der Fernbusverkehr abgewickelt. Die Busterminals werden jeden Tag von insgesamt etwa 170.000 Fahrgästen benutzt.
Das Verkehrssystem ist weitgehendradial auf das Zentrum Helsinkis ausgerichtet. Somit sind die Verbindungen von den Außenbezirken ins Zentrum sehr gut, die Querverbindungen zwischen den Außenbezirken sind schlechter ausgebaut. Im 21. Jahrhundert wurden daher vorrangig Tangentialstrecken gebaut. DieMetrobus-ähnliche Jokeri-Buslinie im Jahr 2003 und deren Umbau in dieStraßenbahnlinie 15 zwanzig Jahre später bilden einen Halbring um die Stadt, während die 2015 eröffneteRingbahn über den Flughafen die Eisenbahnstrecken nach Tampere und Turku verbindet. Außerdem hat sich die U-Bahn mit der Eröffnung der Westmetro von einer Radial- in eineDurchmesserlinie gewandelt.
Die Gesamtlänge des Helsinkier Straßennetzes beträgt 1078 km, davon sind 997 km asphaltiert (Stand 2007).[63] Die Stadt wird von zwei Ringstraßen, Ring I und Ring III, umschlossen. Weil Helsinki an der Küste liegt, sind diese halbkreisförmig. Die mittlere Ringstraße (Ring II) ist ein Bruchstück geblieben, ein vollständiger mittlerer Ring ist nicht mehr geplant. Stattdessen wird die Option diskutiert, in einem sogenannten Zentrumstunnel den Ost-West-Durchgangsverkehr unter dem Zentrum hindurchzuführen.
Aus Helsinki führen acht große Ausfallstraßen heraus. Die Stadt ist Anfangspunkt der finnischen Staatsstraßen1,3,4 und7. DieEuropastraßen12,18 und75 folgen teilweise dem Verlauf dieser Fernstraßen. Daneben ist Helsinki Endpunkt derE 67 (Via Baltica).
Wegen des guten öffentlichen Verkehrs und der kurzen Entfernungen spielt der Pkw-Verkehr in Helsinki, insbesondere in der Innenstadt, eine vergleichsweise geringe Rolle. Im stadtweiten Durchschnitt lag der Anteil des Autoverkehrs im Herbst 2014 bei 22 % des Verkehrsaufkommens.[61] Die Anzahl der zugelassenen Personenkraftwagen pro 1000 Einwohner, der sogenannteMotorisierungsgrad, liegt mit 403 deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 548 (Stand: Ende 2011).[64] Die Mehrheit der Helsinkier Haushalte hat kein eigenes Auto.[65]
Die Politik versucht besonders den Kraftfahrzeugverkehr von außerhalb in Richtung Innenstadt durch eine Reglementierung der Parkmöglichkeiten zu begrenzen. So gibt es für Ortsfremde in der Innenstadt fast nur kurzfristige und/oder kostenpflichtige Parkplätze. Anwohnerparken wird dagegen gefördert: Dauerparkgenehmigungen sind für Anwohner relativ günstig, und für Neubauten schreibt die Stadt eine vergleichsweise hohe Mindestanzahl von Parkplätzen vor, die auf dem Grundstück zu realisieren sind (oft in einerTiefgarage).
Helsinki verfolgt dieVision Zero, deren Ziel es ist, schwere Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden. Die Zahl derVerkehrstoten und möglichst auch die der schwer Verletzten soll auf null sinken. Bezüglich Verkehrstoter hat Helsinki dieses Ziel bereits in mehreren Jahren erreicht. Zu den Hintergründen und den umgesetzten Maßnahmen gab es in Deutschland Radioberichte und Fach-Fortbildungen.[66][67]
Fuß- und Fahrradverkehr
Die ehemalige EisenbahntrasseBaana im Zentrum Helsinkis ist heute für Radfahrer und Fußgänger reserviert.
Im Herbst 2014 lag der Anteil desFußverkehrs bei 34 % und der desFahrradverkehrs bei 11 % des gesamten stadtinternen Verkehrsaufkommens.[61] Die Gesamtlänge der Helsinkier Fahrradwege beträgt 1200 km, allerdings handelt es sich zu einem großen Teil um kombinierte Geh- und Radwege. Die Radwege sind auf einer Strecke von 730 km asphaltiert. Etwa 500 km der Radwege befinden sich in Grüngebieten, 90 km folgen Ufern.[68] Die Stadt Helsinki strebte bis zum Jahr 2020 eine Anhebung des Anteils der Radverkehrs auf 15 Prozent an.[69] Erreicht werden sollte dies insbesondere durch den Ausbau des Radwegnetzes, vor allem in der bislang relativ schlecht abgedeckten Innenstadt. Vorzeigeprojekt ist die 2012 auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse eröffneteBaana, ein 1,3 km langer, kreuzungsfreierRadschnellweg, der vonRuoholahti mitten durchs Zentrum in die Nähe des Hauptbahnhofs führt.[70] Auch die Instandhaltung der Radwege soll verbessert werden, vor allem die Schneeräumung während der Wintermonate. Seit Mai 2016 gibt es wieder ein öffentlichesFahrradverleihsystem mit 238 Verleihstationen, die von Anfang April bis Ende Oktober in Benutzung sind.[71] Ein solches gab es bereits Anfang des 21. Jahrhunderts einige Jahre lang.
Das Kohlekraftwerk Salmisaari; im Hintergrund das kleine Ölkraftwerk Kellosaari, das als Reserve für Ausnahmesituationen dient
Die Stadt Helsinki besitzt ein eigenes Energieversorgungsunternehmen,Helsingin Energia, dasStrom,Fernwärme undFernkälte produziert und Eigentümer der entsprechenden Übertragungsnetze in Helsinki ist. Ein großer Teil der Stromabnehmer in der Stadt bezieht seinen Strom von Helsingin Energia; es gibt aber auch andere Anbieter. Das Fernwärmesystem von Helsingin Energia deckt fast die gesamte Stadt ab und befriedigt 90 % ihres Wärmebedarfs.[72]
Es gibt in Helsinki drei größere Kraftwerke, die alle von Helsingin Energia betrieben werden und im sehr energieeffizientenKraft-Wärme-Kopplungsverfahren gleichzeitig Strom und Fernwärme produzieren. Dies sind: ein erdgasbetriebenesGas-und-Dampf-Kombikraftwerk mit zweiBlöcken im StadtteilVuosaari und jeweils einsteinkohlebetriebenes Kraftwerk in Salmisaari (StadtteilLänsisatama) und in Hanasaari (StadtteilSörnäinen). Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Anlagen.[73] Als erneuerbare Energiequelle hat das Kraftwerk in Hanasaari seit 2012Holzpellets in einer Pilotanlage[74] verbrannt; seit Anfang 2018 werden Holzpellets im Kraftwerk Salmisaari für die Energieproduktion auch routinemäßig verfeuert.[75] Das Verbrennungskraftwerk Hanasaari wird nur noch bis Ende 2024 in Betrieb bleiben und dann durch ein modernes Kraftwerk in Vuosaari ersetzt werden, das seine Energie durch (Meerwasser-)Wärmepumpen und aus erneuerbaren Energiequellen bezieht.[76] Helsingin Energia besitzt auch Anteile an anderen Energieunternehmen, über die es auch anWind- undAtomkraftanlagen außerhalb Helsinkis beteiligt ist.
Im Jahr 2011 wurden von Helsingin Energia und den Tochtergesellschaften 7.126 GWh Strom produziert, davon 5.081 GWh innerhalb der Stadt. Der Energiemix der gesamten Stromproduktion war wie folgt: 51 % Erdgas, 21 % Steinkohle, 20 % Atomkraft, 8 % erneuerbare Energien. Fernwärme wurde innerhalb Helsinkis 6.674 GWh produziert. Hier war der Energiemix 51 % Erdgas, 42 % Steinkohle, 4 % Öl, 3 % aus Abwässern zurückgewonnene Wärme (s. u.).[77] Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 % angehoben werden, bis 2050 soll die Produktionklimaneutral sein.[78]
Der Silvola-Stausee in Vantaa wird vom Wasser desPäijänne-Tunnels gespeist; er dient als Wasserspeicher für die Versorgung der Hauptstadtregion.
Für die Wasserversorgung ist seit 2010 der RegionalverbandHSY zuständig. Das Leitungswasser kommt aus dem etwa 120 km nördlich gelegenenPäijänne-See und wird durch denPäijänne-Tunnel, einen der längsten Felstunnel der Welt, nach Helsinki geführt. Dort gibt es zweiWasseraufbereitungsanlagen, in denen das Wasser zu Trinkwasser aufbereitet wird: eine inPitkäkoski und eine inVanhakaupunki.[79] Das qualitativ hochwertige Wasser wurde zeitweise sogar in Trinkflaschen abgefüllt ins Ausland exportiert.[80] Nötigenfalls kann statt des Päijänne-Wassers auch das Wasser desVantaanjoki zu Trinkwasser aufbereitet werden.
Die Abwässer werden in zwei Anlagen, inViikinmäki in Helsinki und inSuomenoja in Espoo, gereinigt, bevor sie ins Meer geleitet werden. Als Nebenprodukt der Reinigung entsteht u. a.Biogas, welches zur Energiegewinnung genutzt wird.[81] Außerdem wird die im Abwasser enthaltene Wärmeenergiezurückgewonnen und ins Helsinkier Fernwärmenetz eingespeist.[82]
Beleuchtetes Hauptgebäude der Universität Helsinki (2017)
Die Region Helsinki ist das wissenschaftliche Zentrum Finnlands. Es gibt dort fünf Hochschulen und Universitäten mit insgesamt ca. 60.000 Studenten. Alle diese Hochschulen haben ihren Hauptsitz in Helsinki selbst, mit Ausnahme derAalto-Universität, die ihren Hauptsitz in der Nachbarstadt Espoo hat. Dazu kommen sechsFachhochschulen sowie mehrere unabhängige Forschungseinrichtungen wie z. B. dasVTT Technical Research Centre (letzteres in Espoo).
Südlicher Lesesaal der Finnischen NationalbibliothekHistorisches GymnasiumHelsingin normaalilyseo
DieUniversität Helsinki ist die älteste und mit ca. 35.000 Studenten (Stand: 2013)[83] auch die größte Universität Finnlands. Sie ist eineVolluniversität und Nachfolgerin der 1640 gegründetenAkademie zu Turku, die nach dem großen Turkuer Stadtbrand von 1828 nach Helsinki verlegt wurde. Das klassizistische Hauptgebäude liegt amSenatsplatz und wurde vonCarl Ludwig Engel entworfen. Neben dem Campus im Zentrum gibt es drei weitere Campusse in den StadtteilenKumpula (Mathematik und Naturwissenschaften),Viikki (Bio- und Umweltwissenschaften, Agrarwirtschaft, Tiermedizin, Pharmazie) undMeilahti (Medizin)[84]. Bei internationalen Hochschulrankings ist die Universität Helsinki regelmäßig die bestplatzierte finnische Universität. ImShanghai-Ranking 2014 lag sie auf Platz 73. (Zum Vergleich: Nur drei deutsche Universitäten konnten sich besser platzieren, nämlich dieLudwig-Maximilians-Universität München und dieRuprecht-Karls-Universität Heidelberg auf dem geteilten Platz 49 und dieTechnische Universität München auf Platz 53.)[85]
Die 1881 eröffnete Rikhardinkatu-Bibliothek war das erste von Anfang an als öffentliche Bibliothek konzipierte Gebäude der Nordischen Länder.[94] In den 1920er Jahren wurde das Gebäude um eine Etage aufgestockt.Lesesaal im dritten Obergeschoss der Oodi-Bibliothek (2019)[95][96]
DieFinnische Nationalbibliothek direkt gegenüber vom Dom von Helsinki ist die älteste und bedeutendste wissenschaftliche Bibliothek des Landes. Sie ist der Universität Helsinki unterstellt und führte bis 2006 den NamenUniversitätsbibliothek Helsinki. Die heutigeUniversitätsbibliothek Helsinki dagegen entstand 2010 durch die Fusion der diversen Fachbibliotheken der Universität und ist in einem modernen, 2012 fertiggestellten Gebäude untergebracht.
Die städtischen Bibliotheken der Hauptstadtregion (Helsinki, Espoo, Vantaa und Kauniainen) sind zu einem Verbund namensHelMet (vonHelsinki Metropolitan Area Libraries) zusammengeschlossen. Dieser unterhält ein Netz von 63 eigentlichen Bibliotheken, davon 37 in Helsinki,[97] sowie einigen anderen Einrichtungen wie z. B. sechsFahrbibliotheken (Stand: 2015).[98] Der Bau einer neuen Zentralbibliothek wurde im Januar 2015 vom Stadtrat Helsinkis beschlossen. Die BibliothekOodi entstand nordwestlich des Hauptbahnhofs und wurde im Dezember 2018 eröffnet.[99][100][101] Zu den weiteren Bibliotheken vor Ort zählt auch dieDeutsche Bibliothek Helsinki.
Astrid Feltes-Peter:Baedeker Finnland. 2. Auflage. Baedeker, Ostfildern 2002,ISBN 3-89525-478-9, S. 114 ff.
Arvi Ilonen:Helsinki: An Architectural Guide. Otava, Helsinki 1990,ISBN 951-1-10762-3 (englisch).
Neil Kent:Helsinki: A Cultural and Literary History. Signal Books, Oxford 2004,ISBN 1-902669-75-4 (englisch).
Heikki Mäntymäki, Teresia Liljelund:Städtebauliche Betrachtungen Helsinki. Helsingin kaupungin kaupunkisuunnitteluvirasto / Stadtplanungsamt, Helsinki 2008,ISBN 978-952-223-054-6.
Eino E. Suolahti:Helsinki: Eine Empirestadt. Otava, Helsinki 1973,ISBN 951-1-01240-1.
Hélène le Tac, Lotta Sonninen:National Geographic Explorer – Helsinki (Übersetzt von Ulrike Jamin). National Geographic, Hamburg 2010,ISBN 978-3-86690-176-6.
↑Tapio Salminen:Vantaan ja Helsingin pitäjän keskiaika. Vantaan kaupunki, Vantaa 2013,ISBN 978-952-443-455-3,S.140–147 (finnisch).
↑Sonja Hellman:Historiska fel upprättas i ny bok. Hufvudstadsbladet, 7. Juni 2015,S.12 (schwedisch).
↑Tapio Salminen:Vantaan ja Helsingin pitäjän keskiaika. Vantaan kaupunki, Vantaa 2013,ISBN 978-952-443-455-3,S.167.
↑Jere Jäppinen:Helsingin nimi. In:Sofia, Helsingin Kaupunginmuseon Asiakaslehti / Helsingfors Stadsmuseums Kundtidning.Nr.2, 2007,S.12 (finnisch,helsinginkaupunginmuseo.fi [PDF;2,4MB; abgerufen am 31. Januar 2021]).
↑Jere Jäppinen:Mistä Helsingin nimi on peräisin? Helsingin Sanomat, 15. November 2011 (finnisch).
↑Staffan Bruun: Inget att fyra, tyckte många Helsingforsare. Hufvudstadsbladet, 7. April 2012, S. 34, abgerufen am 5. Februar 2020 (schwedisch): „Ursprungligen fanns planer på att Finlands huvudstad skulle heta Alexandria.“
↑Heikki Paunonen:The Finnish Language in Helsinki. In: Bengt Nordberg (Hrsg.):The Sociolinguistics of Urbanization: The Case of the Nordic Countries. de Gruyter, Berlin / New York 1994, S. 223–245, hier S. 223.
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↑Hyvä tietää. In: Linnanmäki. Abgerufen am 23. April 2019.
↑Esa Lammi, Pekka Routasuo:Helsingin liito-oravakartoitus 2018 (= Helsingin kaupungin kaupunkiympäristön julkaisuja). City of Helsinki, Helsinki 2019,ISBN 978-952-331-519-8.
↑Es geht wieder los: Gemeinsam mit dem FC Germania Helsinki schauen wir im Gemeindesaal alle Deutschland-Spiele bei der Fussball-WM 2018 in Russland … In:Deutsch-Evangelisch in Finnland. Gemeindebrief der Deutschen Gemeinde in Finnland.Nr.103. Deutsche Evangelisch–Lutherische Gemeinde in Finnland, 2018,ISSN1456-1042,S.17: „Über den Fußball hinaus werden auch weitere soziale Aktivitäten organisiert.“
↑Oodi. Abgerufen am 17. Dezember 2018 (englisch, offizielle Webpräsenz der Oodi-Bibliothek).
↑Andreas Fanizadeh:Oodi-Bibliothek in Helsinki: Bollwerk gegen Populismus. In:Die Tageszeitung: taz. 17. Dezember 2018,ISSN0931-9085 (Online [abgerufen am 17. Dezember 2018]).
↑Thomas Rogers:Helsinki’s New Library Has 3-D Printers and Power Tools. (And Some Books, Too.). In:The New York Times. 6. Dezember 2018,ISSN0362-4331 (Online [abgerufen am 17. Dezember 2018]).