Helmut Griem

Helmut Griem (*6. April1932 inHamburg; †19. November2004 inMünchen) war eindeutscherSchauspieler undTheaterregisseur. Er trat in großen Rollen an fast allen großen deutschsprachigen Bühnen auf, verschaffte sich aber auch als Film- und Fernsehschauspieler internationale Anerkennung.
Leben
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Helmut Griem wurde als Sohn des Marine-Funkoffiziers Walter Griem und seiner Ehefrau Paula, geborene Rackebrandt, in Hamburg geboren. Er machte 1953 sein Abitur und studierte bis 1956Literaturwissenschaften undPhilosophie mit dem Vorhaben, Journalist zu werden.[1] Um etwas Geld für sein Studium zu verdienen, arbeitete Griem nebenbei als Darsteller in halbprofessionellen Schauspielgruppen. Während eines Engagements bei denBuchfinken wurde Griem, der nach eigenen Angaben nie zuvor an eine Schauspielkarriere gedacht hatte, zum professionellen Theater nachLübeck verpflichtet. Prompt erhielt er in Lübeck die Titelrolle im TheaterstückDie Regenmacher.[2] Finanziell über Wasser hielt er sich in dieser Zeit mit dem Verfassen vonKurzgeschichten für Zeitungen undHörspielen fürs Radio.
Obwohl er nie eine Schauspielschule besucht hatte, konnte sich Griem innerhalb weniger Jahre als hochgeschätzter Theaterschauspieler etablieren.[3] Ende der 1950er-Jahre arbeitete er fürOscar Fritz Schuh am Kölner Theater, was ihm den endgültigen Durchbruch brachte. In den folgenden Jahrzehnten war Griem an allen großen deutschsprachigen Bühnen tätig. So stand er in Engagements amThalia-Theater und amDeutschen Schauspielhaus in Hamburg, am WienerBurgtheater, an denStaatlichen Schauspielbühnen Berlin, an denMünchner Kammerspielen und zuletzt amResidenztheater (Bayerisches Staatsschauspiel) in München. Er spielte etwa die großen Rollen aus den Stücken von Lessing, Kleist und Goethe,[4] trat aber auch in moderneren Stücken wie vonTennessee Williams auf. SeinFaust – Vom Himmel durch die Welt zur Hölle unter Regie vonDieter Dorn wurde 1988 sogar für eine Fernsehausstrahlung aufgezeichnet.
Seit 1960 war Griem auch als Filmschauspieler tätig und er gewann gleich für seinen ersten FilmFabrik der Offiziere einenBambi alsBester Nachwuchsdarsteller. Seinen anschließenden Filmen war dagegen nur geringer Erfolg beschieden, weshalb er sich zeitweise vom Film abwandte. Der internationale Durchbruch auf der Kinoleinwand gelang ihm schließlich 1969 als SS-Obersturmbannführer Aschenbach im FilmklassikerDie Verdammten unter Regie vonLuchino Visconti. Mit dem Italiener Visconti sollte Griem drei Jahre später nochmal die FilmbiografieLudwig II. drehen. Nach dem Erfolg mitDie Verdammten spielte Griem in zahlreichen hochkarätigen Filmproduktionen aus dem In- und Ausland. ImOscar-prämierten FilmmusicalCabaret vonBob Fosse aus dem Jahr 1972 spielte er etwa an der Seite vonLiza Minnelli undMichael York den reichen BaronMaximilian von Heune.

Eine seiner bedeutenden Filmrollen war der Hans Schnier inAnsichten eines Clowns (1975), der Verfilmung vonHeinrich Bölls gleichnamigem Roman. Zu weiteren bedeutenden Regisseuren, mit denen Griem arbeitete, zählenVolker Schlöndorff (Die Moral der Ruth Halbfass),Hans W. Geißendörfer (Die gläserne Zelle),Rainer Werner Fassbinder (Berlin Alexanderplatz) undJacques Rouffio (Die Spaziergängerin von Sans-Souci).
Trotz großer Filmerfolge blieb das Theater Zentrum seiner Arbeit. Vor allem in der Spätphase seiner Karriere inszenierte Helmut Griem auch selbst, so etwa an den Münchner KammerspielenEines langen Tages Reise in die Nacht vonEugene O’Neill. Mit der Arbeit an demBotho-Strauß-StückDie eine und die andere konnte er nicht mehr beginnen.
Helmut Griem starb 2004 im Alter von 72 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.[5] Er wurde auf dem HamburgerFriedhof Ohlsdorf im Bereich der Familiengrabstätte im Planquadrat F14 nahe Kapelle 4 beigesetzt.[6]
Griem war seit 1973 mit der Schauspielerin Helga Köhler verheiratet. Aus der Ehe ging ein Sohn namens Philip hervor.
Wichtige Theaterarbeiten
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- „Kabale und Liebe“ vonFriedrich Schiller – Rolle: Ferdinand – Regie:Willi Schmidt
- „Leonce und Lena“ vonGeorg Büchner – Leonce – Regie: Hans Bauer
- „Wie es euch gefällt“ vonWilliam Shakespeare – Orlando – Regie: Willi Schmidt
- „Die Glasmenagerie“ vonTennessee Williams – Tom – Regie: Willi Schmidt
- „Richard II.“ von William Shakespeare – Titelrolle – Regie:Hans Lietzau
- „Der Kirschgarten“ vonAnton P. Tschechow – Lopachin – Regie: Hans Lietzau
- „Der Menschenfreund“ – vonChristopher Hampton – Philipp – Regie:Dieter Dorn
- „Prinz Friedrich von Homburg“ vonHeinrich von Kleist – Titelrolle – Regie: Hans Lietzau
- „Die Zofen“ vonJean Genet – Claire – Regie: Dieter Dorn
- „Philoktet“ vonHeiner Müller – Titelrolle – Regie: Hans Lietzau
- „Die Räuber“ von Friedrich Schiller – Karl Moor – Regie: Hans Lietzau
- „Minna von Barnhelm“ von Gotthold Ephraim Lessing – Major von Tellheim – Regie: Dieter Dorn
- „Ein Klotz am Bein“ von Georges Feydeau – Ferdinand de Bois-d'Enghien – Regie: Dieter Dorn
- „My Fair Lady“ – Professor Higgins – Regie:August Everding
- „Der neue Prozess“ von Peter Weiss – Josef K. – Regie: Dieter Dorn
- „Troilus und Cressida“ von William Shakespeare – Thersites – Regie: Dieter Dorn
- „Faust“ vonJohann Wolfgang von Goethe – Titelrolle – Regie: Dieter Dorn
- „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow – Michail Lwowitsch Astrow – Regie: Hans Lietzau
- „Seid nett zu Mr. Sloane“ von Joe Orton – Ed – Regie: Helmut Griem
- „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ vonEdward Albee – George – Regie:Martin Meltke
Inszenierungen an den Münchner Kammerspielen (Auswahl):
- "Seid nett zu Mr. Sloane" von Joe Orton
- "Der Held der westlichen Welt" von John M. Synge
- "Love Letters" von A. R. Gurney
- "Die schöne Fremde" vonKlaus Pohl
- "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O’Neill
Filmografie
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- 1958: Die Brüder – Regie:Egon Monk
- 1960:Fabrik der Offiziere
- 1961:Bis zum Ende aller Tage
- 1961:Barbara
- 1961:Der Traum von Lieschen Müller
- 1963: Alles wegen dieser Frauen(À cause, à cause d’une femme) – Regie:Michel Deville
- 1963: Sessel am Kamin – Regie:Raoul Wolfgang Schnell
- 1965:Cristinas Heimreise
- 1965: Antigone (Fernsehfilm) – Regie:Franz Peter Wirth
- 1968:Bel Ami (Fernsehserie) – Regie:Helmut Käutner
- 1969:Die Verdammten(La caduta degli dei)
- 1969:Ausbruch der 28(The McKenzie Break)
- 1972:Cabaret
- 1972:Die Moral der Ruth Halbfass
- 1973:Ludwig II.(Ludwig)
- 1975:Amphitryon - Regie:Niels-Peter Rudolph
- 1975: Children of Rage – Regie: Arthur Allan Seidelman
- 1975:Ansichten eines Clowns
- 1976:Die Tatarenwüste(Il deserto dei Tartari)
- 1976:Reise der Verdammten(Voyage of the Damned)
- 1978:Die gläserne Zelle
- 1978:Deutschland im Herbst (Episodenfilm)
- 1978:Annas Begegnungen(Les Rendez-vous d’Anna) - Regie:Chantal Akerman
- 1979:Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil
- 1979:Die Hamburger Krankheit
- 1980:Kaltgestellt
- 1980:Berlin Alexanderplatz
- 1981:Malou
- 1981:Stachel im Fleisch
- 1982:Die Spaziergängerin von Sans-Souci(La Passante du Sans-Souci)
- 1982:Der Zauberberg
- 1982: Versuchung – Regie:Krzysztof Zanussi
- 1982:Die Wahlverwandtschaften - Regie:Claude Chabrol
- 1984: Der Leutnant und sein Richter
- 1984: Ein Klotz am Bein (Fernsehaufzeichnung der gleichnamigen Bühneninszenierung) – Regie:Dieter Dorn
- 1986:Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit
- 1986:Peter der Große (Fernsehserie)(Peter the Great) (Fernseh-Mehrteiler)
- 1988:Faust – Vom Himmel durch die Welt zur Hölle
- 1989: Hard Days, Hard Nights – Regie: Horst Königstein
- 1990:Stauffenberg – Verschwörung gegen Hitler (Fernsehfilm)
- 1993: Verlassen Sie bitte Ihren Mann! - Regie:Reinhard Schwabenitzky
- 1993: Karl der Große (Charlemagne, le prince à cheval) – Regie:Clive Donner
- 1995: Brennendes Herz – Regie:Peter Patzak
- 2000:Das Traumschiff – Olympia 2000 (Fernsehfilm) – Regie: Karola Meeder
- 2001:Bernadette von Lourdes (Lourdes; Fernsehfilm)
- 2001:Amokfahrt zum Pazifik – Regie:Hans Werner
- 2004: Liebe auf Bewährung (Fernsehfilm) – Regie:Bernd Böhlich
Synchronisation
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]AlsSynchronsprecher lieh Griem seine Stimme u. a.James Garner(Sexy! – Männer gehören an die Leine) undSam Shepard(Homo Faber).
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Hermann J. Huber:Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986,ISBN 3-7844-2058-3, S. 320 f.
- C. Bernd Sucher (Hrsg.):Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel undMarietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999,ISBN 3-423-03322-3, S. 245 f.
- Katja Uhlenbrok:Helmut Griem – Schauspieler. In:CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 26, 1995.
- Kay Weniger:Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3:F – H. John Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001,ISBN 3-89602-340-3, S. 396 f.
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Helmut Griem im Katalog derDeutschen Nationalbibliothek
- Helmut Griem beiIMDb
- Helmut Griem beifilmportal.de
- Helmut Griem in derDeutschen Synchronkartei
- Interview mit vielen Fotos von Helmut Griem werbefrei Kultur Fibel
- Helmut Griem bei steffi-line.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑Nachruf im Spiegel
- ↑Nachruf im Spiegel
- ↑Interview mit vielen Fotos von Helmut Griem werbefrei Kultur Fibel (Memento desOriginals vom 15. August 2006 imInternet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kulturfibelverlag.de
- ↑Nachruf im Spiegel
- ↑Nachruf im Stern
- ↑Grablage beiknerger.de
Personendaten | |
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NAME | Griem, Helmut |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler und Regisseur |
GEBURTSDATUM | 6. April 1932 |
GEBURTSORT | Hamburg,Deutschland |
STERBEDATUM | 19. November 2004 |
STERBEORT | München,Deutschland |