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Helm (Architektur)

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Reich verzierter achteckiger Turmhelm (Dorfkirche Röpersdorf)

EinHelm (auchTurmhelm,Helmdach,Dachhelm,Turmdach[1], Turmpyramide[2], Spitzhelm[3]; früher auchKaiserdach[4]) bezeichnet in derArchitektur eine Art derBekrönung vonTürmen, die eine spitzeDachform über einem polygonalen Grundriss aufweist[1] – unabhängig vom Baumaterial.

Begriff

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Der BegriffTurmhelm ist bisher nicht abschließend und allgemeingültig definiert. Jedoch ist nicht jedes Turmdach einTurmhelm, wenngleich einige Sammeldefinitionen[5] dies nahelegen könnten. ImBildwörterbuch der Architektur vonHans Koepf undGünther Binding wird imLemmaHelm präzisiert und differenziert: So sei einHelm eine solche Zimmermannskonstruktion, die eine „spitze Dachform über polygonalem Grundriß“ aufweise, während derTurmhelm „eher massiv oder durchbrochen im Steinbau“ vorkomme.[1] Die Betonung derspitzen Form und desquadratischen bzw.achtseitigen Grundrisses nahm schonOscar Mothes in seinemIllustrirten Baulexikon (1883) vor, als er die Form desHelms „meist auf die vierseitige oder achtseitigePyramide“ beschränkt sah.[6]

Vor diesem Hintergrund fallen alleKuppeln,Hauben (auch Welschen Hauben),Zwiebeln oderKegeldächer aus derTurmhelm-Begriffsdefinition und dem folgenden Artikel heraus.

Verwendung

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Helme bilden die Bedachung und Bekrönung von allen möglichen Typen vonTurmbauten, in der Regel wird durch einen auffälligen und hohen Turmhelm ein repräsentatives und funktional oder gesellschaftlich herausragendes zugehöriges Bauwerk ausgezeichnet. Besonders häufig sind Turmhelme in Europa bei historischenKirchtürmen anzutreffen.

Formen verschiedener Turmhelme (Otto Warth, 1900[7])

Gestaltung

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Diearchitektonische Gestaltung des Turmhelms und dessen Umriss kann sehr unterschiedlich ausfallen. Sie ist abhängig von der Grundrissform des Turmschaftes (quadratisch, achteckig bis sechzehneckig[3]), kann aber als Pyramide auch absichtsvoll von der quadratischen in die achteckige Grundrissform wechseln. Einfache Turmhelme bestehen ausZeltdächern, die bisweilen sehr in die Höhe gestreckt sind. Die alsKnickhelm beschriebene Form eines Turmhelms beschreibt eine sehr steile Turmpyramide mit weit eingezogenem Fuß; sie erscheint nur bei Holzkonstruktionen und wird baukonstruktiv durch relativ flach ansetzendeAufschieblinge am Fuß desDachwerks gebildet.

Besonders aufwändige Turmhelme werden durchLaternen gegliedert und in die Höhe emporgehoben.

Turmhelme erzeugen durch ihre Höhe eine besondereästhetische und ortsbildprägende Wirksamkeit; oft dominieren sie dieSilhouette von Landschaften, Dörfern und Städten. In einigen Fällen nimmt der Helm über die Hälfte der Gesamthöhe des Turmes ein.

Bekrönt wird die Spitze von hölzernen Turmhelmen oft durch eineHelmstange mit aufgepflanzterWetterfahne, Kugeln, Kreuzen oder anderen Symbolen, die auf die besondere Gebäudenutzung verweisen.Maßwerk-Turmhelme werden in der Regel von einerKreuzblume bekrönt.

Holzkonstruktion eines Turmhelms, hier derMarienkirche in Halle (Theodor Böhm 1911, nachFriedrich Ostendorf[8])

Eine zusätzliche Möglichkeit der gestalterischen Betonung von Turmbekrönungen war die Vervielfachung der Turmhelmspitzen. Dadurch entstand der sogenannteFünfknopfturm (auch Fünfknopfhelm), bei dem die zentrale hohe Turmspitze durch vier kleinere Ecktürmchen begleitet wird. Die Bezeichnung rührt von Kugeln oder Knäufen („Knöpfen“) auf den Spitzen.

Konstruktionen und Schäden

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Das Helmdach sitzt traditionell auf einem massiven steinernenTurmschaft. Im Gegensatz zum Turmschaft hat das Helmdach meist einen leichten hölzernenDachstuhl inZimmermannskonstruktion oder einTragwerk ausStahl. DieDacheindeckung erfolgte häufig mit Blei- oder Kupferblech,Dachschiefer,Schindeln oderDachziegeln.

Gelegentlich wurden Turmhelme auch aus Naturstein ausgeführt (z. B. Südturm derKathedrale von Chartres, um 1160, Höhe 105 m), später auch durchbrochen mitgotischemMaßwerk (z. B.Turm des Freiburger Münsters, um 1330, Höhe 116 m oder der außergewöhnliche Turm desBrüsseler Rathauses, um 1455, Höhe 95 m).

Turmhelme sind starkemWinddruck ausgesetzt, die sogar zu einer Verdrehung führen können – Beispiele dafür sind die Turmhelme vonSt. Clemens inMayen oder vonSt. Pankratius inKaisersesch.

Blitzeinschläge infolge der exponierten Lage führten in der Vergangenheit häufig zuBränden der Holzkonstruktion im Innern, die durch die schlechte Zugänglichkeit kaum zu löschen waren. Heute sind nahezu alle Helme durchBlitzableiter geschützt. Brände entstehen gelegentlich bei Dachdeckerarbeiten.

Weitere Turmhelmformen

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Siehe auch

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Literatur

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Weblinks

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Commons: Spires – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. abcHans Koepf,Günther Binding:Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (=Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005,ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 21. Juli 2024), S. 240:Helm.
  2. Franz Stade:Die Holzkonstruktion. Lehrbuch zum Selbstunterrichte. Verlag von Moritz Schäfer, Leipzig 1904, S. 260.
  3. abHans Vogts:Dach, in:Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. III, 1953, Sp. 911–968 (Abschrift), hier: Kapitel A.4,Turmdächer.
  4. Oscar Mothes:Illustrirtes Bau-Lexikon, Band 3: H bis P. Leipzig 1883, S. 31 f.:HelmII. (Digitalisat)
  5. So etwa:Hans Koepf,Günther Binding:Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (=Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005,ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 21. Juli 2024), S. 490:Turmhelm. –Wilfried Koch: Baustilkunde. Europäische Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Mosaik-Verlag, München 1982,ISBN 3-570-06234-1, S. 405:Dachformen.
  6. Oscar Mothes:Illustrirtes Bau-Lexikon, Band 3: H bis P. Leipzig 1883, S. 31 f.:HelmII., hier S. 32. (Digitalisat)
  7. Abbildung beiOtto Warth:Die Konstruktionen in Holz. J. M. Gebhardt’s Verlag, Leipzig 1900, Tafel 18; Textbeschreibung auf S. 211.
  8. Theodor Böhm:Handbuch der Holzkonstruktionen des Zimmermanns (...). Verlag von Julius Springer, Berlin 1911, S. 474, Fig. 833; Beschreibung im Text: S. 473 ff.
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