Die StadtHeidelberg istSujet zahlreicher Werke der Literatur, des Theaters und der Musik, darunter populärerLieder undSchlager, die Teil des allgemeinen Liedguts wurden. Häufig äußert sich dabei Heidelbergs Ruf als Stadt derRomantik.

Johann Wolfgang von Goethe wohnte imPalais Boisserée bei den Brüdern Boisserée am Fuß des Schlosses und schrieb dort folgendes Gedicht:
Ros' und Lilie morgenthaulich
Blüht im Garten meiner Nähe;
Hintenan, bebuscht und traulich,
Steigt der Felsen in die Höhe;
Und mit hohem Wald umzogen,
Und mit Ritterschloß gekrönet,
Lenkt sich hin des Gipfels Bogen,
Bis er sich dem Thal versöhnet.

Friedrich Hölderlins Gedichte über Heidelberg gehören zu den am meisten zitierten. In der OdeHeidelberg schwärmt er von „der Vaterlandsstädte Ländlichschönste[r], so viel ich sah“.
Heidelberg
Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
Ländlichschönste, so viel ich sah.
Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.
Wie von Göttern gesandt, fesselt' ein Zauber einst
Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging
Und herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien,
Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog,
Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
Liebend unterzugehen,
In die Fluten der Zeit sich wirft.
Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
All’ ihm nach, und es bebte
Aus den Wellen ihr lieblich Bild.
Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
Von den Wettern zerrissen;
Doch die ewige Sonne goß
Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab.
Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
An den Hügel gelehnt oder dem Ufer hold,
Deine fröhlichen Gassen
Unter duftenden Gärten ruhn.
Seit 1895 gehört der Originalentwurf zu Friedrich Hölderlins OdeHeidelberg zu den Beständen des Kurpfälzischen Museums. Das Heidelberger Exemplar der Handschrift ist eine zweiseitige Entwurfsfassung, die der Dichter mehrfach sowohl mit Tinte als auch mit Bleistift überarbeitet und fortgeschrieben hat. Sie umfasst die ersten sieben Strophen der Ode, der bis heute gelungensten literarischen Hommage an die Stadt am Neckar. Die erste Strophe des Gedichts ist – mit fehlerhafter Versabtrennung –[1] alsInschrift auf einemGedenkstein in der sogenanntenHölderlin-Anlage am HeidelbergerPhilosophenwegeingraviert.

Heidelberg und sein Schloss wurden vor allem in derRomantik viel besungen und beschrieben.Clemens Brentano dichtete dasLied von eines Studenten Ankunft in Heidelberg.
Der Neckar rauscht aus grünen Hallen
Und giebt am Fels ein freudig Schallen,
Die Stadt streckt sich den Fluß hinunter,
Mit viel Geräusch und lärmt ganz munter,
Und drüber an grüner Berge Brust,
Ruht groß das Schloß und sieht die Lust,
Und da ich auf zum Himmel schaut',
Sah ich ein Gottes Werk gebaut,
Vom Königstuhl zum heil’gen Berges Rücken
Sah ich gesprengt eine goldne Brücken,
Sah ich gewölbt des Friedens Regenbogen
Und sah ihn wieder in Flusses Wogen (…)
Im 19. Jahrhundert zog Heidelberg die berühmtesten deutschen Dichter an. Unter ihnen war auchJean Paul, der in der Stadt wie ein Fürst behandelt wurde:
„Ich habe hier Stunden erlebt, wie ich sie unter dem schönsten Himmel meines Lebens gefunden, besonders die Wasserfahrt, das Studentenvivat, und gestrige Gesänge (…) Der gesellige Ton ist hier Leichtigkeit, Anstand und Freude; vier angetrunkene Punschbowlen bei Voß und 100 ausgetrunkene Weinflaschen auf dem Schiff ließen doch diesen Ton bestehen.“

Heinrich Heine vergleicht dasGroße Fass mit einem Sarg, in dem er seine bösen Träume begraben wollte:[2]
Die alten, bösen Lieder,
Die Träume schlimm und arg,
Die laßt uns jetzt begraben,
Holt einen großen Sarg.
Hinein leg ich gar Manches,
Doch sag ich noch nicht was;
Der Sarg muß sein noch größer
Wies Heidelberger Faß.

Der Zürcher DichterGottfried Keller hielt sich von Oktober 1848 bis Mai 1850 zum Studium in Heidelberg auf, hörte dort die Vorträge des PhilosophenLudwig Feuerbach, erlebte das Ende derBadischen Revolution und verliebte sich unglücklich inJohanna Kapp, Tochter des Politikers und PhilosophieprofessorsChristian Kapp. Seinen Liebesschmerz hat er der steinernen Alten Brücke geklagt und sie mit folgenden Versen angeredet:
Schöne Brücke, hast mich oft getragen,
Wenn mein Herz erwartungsvoll geschlagen
Und mit dir den Strom ich überschritt.
Und mich dünkte, deine stolzen Bogen
Sind in kühnerm Schwunge mitgezogen
Und sie fühlten meine Freude mit.
Weh der Täuschung, da ich jetzo sehe,
Wenn ich schweren Leids hinübergehe,
Daß der Last kein Joch sich fühlend biegt;
Soll ich einsam in die Berge gehen
Und nach einem schwachen Stege spähen,
Der sich meinem Kummer zitternd fügt?
Aber sie, mit anderm Weh und Leiden
Und im Herzen andre Seligkeiten:
Trage leicht die blühende Gestalt!
Schöne Brücke, magst du ewig stehen,
Ewig aber wird es nie geschehen,
Daß ein bessres Weib hinüberwallt!
Joseph Victor von Scheffel (1826–1886) schrieb mehrere Gedichte über Heidelberg. Eines davon wurde in der VertonungSimon Anton Zimmermanns (1807–1876) alsStudentenlied populär. Nach Scheffel wurde die dem Schloss gegenüberliegendeScheffel-Terrasse benannt.
Alt-Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.
Stadt fröhlicher Gesellen,
An Weisheit schwer und Wein,
Klar ziehn des Stromes Wellen,
Blauäuglein blitzen drein.
Und kommt aus lindem Süden
Der Frühling übers Land,
So webt er dir aus Blüten
Ein schimmernd Brautgewand.
Auch mir stehst du geschrieben
Ins Herz gleich einer Braut,
Es klingt wie junges Lieben
Dein Name mir so traut.
Und stechen mich die Dornen,
Und wird mir’s drauß zu kahl,
Geb' ich dem Roß die Spornen
Und reit' ins Neckartal.
Der amerikanische SchriftstellerMark Twain verbrachte im Sommer 1878 einige Monate in Heidelberg und schrieb in seinem BuchA Tramp Abroad (deutsch:Bummel durch Europa) mehrere Kapitel über seine Erlebnisse in der Stadt und mit den dortigenCorpsstudenten.
Mark Twain beginnt seinen bekannten EssayDie schreckliche deutsche Sprache mit einem Besuch im Heidelberger Schloss:„I went often to look at the collection of curiosities in Heidelberg Castle, and one day I surprised the keeper of it with my German. I spoke entirely in that language. He was greatly interested; and after I had talked awhile he said my German was very rare, possibly a 'unique'; and wanted to add it to his museum.“ [„Ich ging oft ins Heidelberger Schloss, um mir das Raritätenkabinett anzusehen, und eines Tages überraschte ich den Leiter mit meinem Deutsch, ich redete nämlich ausschließlich in dieser Sprache. Er zeigte großes Interesse; und nachdem ich eine Weile geredet hatte, sagte er, mein Deutsch sei sehr selten, möglicherweise ein 'Unikat'; er wolle es in sein Museum aufnehmen.“]
Alt-Heidelberg nennt sich ein Schauspiel in fünf Aufzügen vonWilhelm Meyer-Förster. Personen: Karl Heinrich, Erbprinz v. Sachsen-Karlsburg; Staatsminister von Haugk; Hofmarschall Freiherr von Passarge; Kammerherren Baron von Metzing; Baron von Breitenbach; Dr. phil. Jüttner; Kammerdiener Lutz, vier Studenten vom Corps »Saxonia«: Detlev, Karl, Kurt, v. Wedell; Gastwirth Rüder und Frau; Frau Dörffel, deren Tante; Kellermann; das Mädchen Käthie; diverse Herzogliche Bediente und Bedienstete.
Das Stück[3] stilisiert den Abschied, und Heidelberg ist der Bahnhof dazu. Folgende Zitate zeigen dies und kennzeichnen zugleich die Art des Stücks:
Die Uraufführung fand am 22. November 1901 am Berliner Theater statt, danach wurde das Stück immer wieder in Heidelberg auf die Bühne gebracht.
Die Distanz zumTourismus und zur klischeehaft romantischen Liebe im Studentenstädtchen am Neckar verändern im 20. Jahrhundert die literarischen Haltungen zu Heidelberg.Ernst Lubitsch bearbeitete Meyer-Försters Stoff 1927 als Stummfilm unter dem TitelAlt-Heidelberg (Old Heidelberg).
The Student Prince: Mit diesemMusical (Text von Dorothy Donnelly, 1880–1928), das der Handlung vonAlt-Heidelberg recht genau folgt, hat der amerikanische KomponistSigmund Romberg (1887–1951) viel zur Bekanntheit der Stadt in den USA beigetragen. Es kam 1924 am Broadway heraus und bildete über Jahrzehnte den Hauptprogrammpunkt derHeidelberger Schlossfestspiele. Dort wurde es 2006 wieder im Schlosshof aufgeführt. Das Musical wurde 1954 vonRichard Thorpe verfilmt.Mario Lanza sang für den Soundtrack die Titelpartie.
In dem TextWenn die Igel in der Abendstunde karikiert der SchriftstellerKurt Tucholsky (1890–1935) den Ruf Heidelbergs:
Denn der schönste Platz, der hier auf Erden mein,
das ist Heidelberg in Wien am Rhein.

Der Komponist Friedrich Raimund Vesely (1900–1954), aliasFred Raymond, veröffentlichte 1927 ein Singspiel mit dem NamenIch hab’ mein Herz in Heidelberg verloren. Der Text stammt vonFritz Löhner-Beda undErnst Neubach. Das Hauptlied wurde bereits 1925 zum Schlager:
Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuß, da hab ich’s klar erkannt:
Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren.
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.
Der evangelische Pfarrer und SchriftstellerArtur Brausewetter, der über vier Jahrzehnte an derOberpfarrkirche St. Marien in Danzig wirkte, war durch Verwandte eng mit Heidelberg verbunden und veröffentlichte 1920 seinen NovellenbandAlt-Heidelberg du feine. 1929 brachte Brausewetter gemeinsam mit dem SchriftstellerHermann Beuttenmüller das WerkHeidelberg du mein Heidelberg heraus. Beuttenmüller wurde durch die Herausgabe literarischerAnthologien über seine HeimatstadtBaden-Baden bekannt.
Der Heidelberger Dichter Frederik Hahn ist als Rapper unter dem NamenTorch bekannt. Der TextWunderschön entstand 2008, als er seine Geburtsstadt mit 35 Jahren verließ, und ist auf der CDHeidelberg Mixtape vertont worden.
Der RomanTomboy vonThomas Meinecke aus dem Jahr 1998 spielt im Heidelberger Universitätsmilieu. Neben langen Ausführungen zu sozialwissenschaftlichen Gender-Theorien wird auch dem Lokalkolorit von Heidelberg und Umgebung viel Raum eingeräumt.
Anthologien