Heißschrauben-Compound, auchMontagepaste oderSchraubenpaste genannt, ist eine fettartige Schmierpaste und dient vornehmlich als thermisch stabiles und chemisch weitgehendinertesTrennmittel sowie alsSchmiermittel undKorrosionsschutzmittel für Verbindungsstellen und Gleitflächen in schwierigen Umgebungsbedingungen (hoheTemperaturen, aggressive chemische Umgebung), wie beispielsweiseVerschraubungen inAbgasanlagen oderTurbinen.
Traditionell wurde meist braunroteKupferpaste bzw.Kupferfett für Hochtemperaturanwendungen eingesetzt. Hierzu dient auchBremsenpaste, die nach ihrer Verwendung beim Einsetzen von Scheibenbremssätteln benannt ist. Sie enthält zusätzlich oder anstelle des Kupfers oft Aluminiumpulver alsFestschmierstoff und ist dann silbern gefärbt.[1]Weiße Pasten enthalten meist Keramikpulver alsTrockenschmierstoff.
Im englischen Sprachraum wird Heißschrauben-Compound alsAnti-Seize oderAntiseize bezeichnet, wörtlich „gegen das Festsetzen (Klemmen)“.
Armaturenfett enthält in der Regel keine Festschmierstoffe und wird bei weniger hohen Temperaturen eingesetzt, etwa in der (Warm-)Wasserinstallation.
Je nach Anwendungsfall bestehen Heißschrauben-Compounds auskeramischen (z. B.Titannitrid) oder metallischen Pulvern (wie z. B.Kupfer,Aluminium,Zink) oderGraphit inSilikonfetten oderPTFE-Massen als Trägersubstanz.
MancheKontaktfette, die den Übergangswiderstandelektrischer Kontakte reduzieren sollen, haben eine ähnliche Zusammensetzung.
Heißschrauben-Compound zeichnet sich durch eine gute Schmier- und Trennwirkung, Druckbeständigkeit,elektrische undthermische Leitfähigkeit,Haftfestigkeit und einen hohen Anteil an Festschmierstoffen (überwiegend Metallpulver) aus. Es dichtet Gewindegänge gegen den Eintritt von Flüssigkeiten ab.
Kupferpaste ist in der Regel für Temperaturen bis 700 °C vorgesehen. Moderne Schmierstoffe mit Keramikpartikeln können bei Temperaturen von −30 °C bis 1300 °C eingesetzt werden und sind (bei niedrigeren Temperaturen) beständig gegen Witterung und Feuchte, teilweise auch gegen aggressive chemische Umgebung oder korrosiv wirkende Gase.
Das als Schmier- und Bindemittel enthaltene Fett zersetzt sich oft bei Temperaturen um 160–200 °C, so dass der Korrosionsschutz und ein Teil der Schmierwirkung verloren geht.[1] Darüber hinaus besteht eineTrennwirkung durch die enthaltenen Trockenschmierstoffe.[2]
Der Einsatz von Heißschrauben-Compound erfolgt alsTrenn- oderGleitmittel in Hochtemperaturumgebungen, bei denen die sonst üblichen mineralölbasierten Trennmittel nicht mehr einsetzbar sind. Zweck ist, eine Oxidation oder auch Verschweißung der blanken, metallenen Oberflächen zu vermindern, die Funktionsfähigkeit vonGleitlagern oder Führungen sowie die Lösbarkeit einer Verschraubung langfristig sicherzustellen.
Beispiele:
Eine Anwendung von metallhaltigen Heißschrauben-Compounds mitAluminiummaterialien wie Motorblöcken oder anderen unedlen Metallen sollte im Allgemeinen vermieden werden. Verbindungen zwischenKupfer (edles Metall) und einem unedlen Metall verhalten sich wie eineGalvanische Zelle und führen zu einergalvanischen Korrosion. Das in den metallhaltigen Heißschrauben-Compounds enthaltene Fett kann diese Reaktion nur bedingt aufhalten, Feuchtigkeit und insbesondere die Anwesenheit vonChlorid-Ionen (etwa aus Streusalz) hingegen beschleunigt sie.[3] Hier sind keramikbasierte oder aluminium- odergraphithaltige Heißschrauben-Compounds(Grafitpaste) tauglicher.[4]
Die mit dem Compound zu präparierenden Flächen sollten gereinigt werden. Bei Schraubverbindungen müssen die Gewindegänge bis zum Grund gefüllt sein.
Heißschrauben-Compounds werden überwiegend als Montagehilfe, Korrosionsschutz und zur Schmierung vonGleitlagern eingesetzt. Bei Verwendung als Schmierstoff fürWälzlager können die Abrollflächen durch die im Schmierstoff enthaltenen Feststoffe erodiert werden.