Das Quartier gilt als bedeutendes Exemplar derPostmoderne. Die Architektur orientiert sich an der Backsteintradition Hamburgs und im Gegensatz zu anderen modernen Einkaufszentren an klassischen Geschäfts- und Passagenhäusern wie dem bereits 1881 auf der gegenüberliegenden Straßenseite entferntenSillem’s Bazar[5]. Seit Januar 2018 steht das Hanseviertel unter Denkmalschutz; dasDenkmalschutzamt ist in zwei Obergeschossen des Hanseviertels angesiedelt.[6] Vorher gab es Abrisspläne für das Areal, gegen die öffentlicher Protest laut wurde.[7]
1970 kaufte eine britische Immobiliengesellschaft ein Paket von Grundstücken mit schlechter Bausubstanz zwischen Poststraße und Große Bleichen, reichte es dann aber nur an die Allianz Lebensversicherung weiter.[8]Auf 30 vormaligen Einzelgrundstücken, auf denen sich sogar noch eine Kriegsruine befand, entstand nach Entwurfsplanung ab 1974 ab 1978 das Hanseviertel.[9] Das Richtfest war am 27. Juni 1980,[10] die Eröffnung fand nach einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren am 14. November 1980 statt. Ein Jahr später folgte das Hotel[11] und 1983 das Parkhaus. Laut derHandelskammer Hamburg lag das Passantenaufkommen 1983 bei etwa 20.000 pro Tag.[12]
Im November 2017 wurde bekannt, dass das Hanseviertel innerhalb der folgenden Jahre abgerissen werden sollte, da es sich wirtschaftlich nicht mehr trage. Geplant war ein weit höherer Komplex mit Geschäften, Büros und etwa 100 Wohnungseinheiten. Der Anfang 2018 festgestellte Denkmalstatus konnte den Abriss verhindern.[13]
Im nach oben offenen Keller der großen Rotunde waren von 1980 bis 2007 Restaurants derMövenpick-Gruppe untergebracht. Nachdem man keinen Nachmieter gefunden hatte, wurde die Kellerdecke zum Erdgeschoss geschlossen und darauf 2012 ein Brunnen mit einer 205 cm großen und 13 t schweren schwimmenden Weltkugel aus Granit mit Handelsrouten HamburgerReedereien gestellt, deren Konzept ebenfalls von Marg stammte und die die größte Granitkugel Westeuropas war.[18][19] Nachdem im wieder geöffneten Keller seit Juli 2024[20] erneut Restaurants betrieben werden, wurde der Brunnen 2021 entfernt[21] und im Februar 2024 nach Überarbeitung vor dem Haupteingang aufgestellt.[22]
Der Gebäude-Komplex Hanseviertel umfasst 45.000 m² und besteht aus 60 Geschäften, vier Restaurants, einem Parkhaus mit 440 Stellplätzen, 51 Büroeinheiten und 16 Wohnungen – wobei der Bereich der eigentlichenEinkaufspassage 9000 m² umfasst. Zum Ensemble gehört auch dasBroschek-Haus, in diesem und Nebengebäude befindet sich auf 10.000 m² dasRenaissance Hamburg Hotel derMarriott-Gruppe.[1][23]
Zum Hanseviertel gehörende historische Häuser an den Straßenseiten
Unterhalb des Glockenspiels am Haupteingang ist ein ungefähr zwanzig Ziegel hoher hellerer Bereich zu sehen, in dem das Wort „POLEN“ in dunkleren Klinkern zu lesen ist. Von den 120 Maurern des damals staatlichen polnischen UnternehmensBudimex, die aufgrund von drohender Terminüberschreitung der Fertigstellung angeheuert worden waren, hatten einige die Ziegel nach Farbe sortiert und die helleren für den Hintergrund und die dunkleren für die Schriftzeichen verwendet.[8] Der Architekt Marg gab später an, dass der Schriftzug beim Bezug noch deutlicher zu sehen gewesen war und offenbar auf Geheiß des Eigentümers durch Nachbearbeitung der Klinker abgeschwächt wurde.[27]
Von 1980 bis zur Einstellung des RestaurantsMövenpick im Jahr 2007 spielte dort der BarpianistHans Rahner, anfangs Mittwoch bis Sonntag am frühen Abend, später nur noch zwei-, dann einmal die Woche. Er galt mit am Schluss über 100 Jahren als ältester Barpianist Deutschlands.[28]
Die schwedische ModeketteH&M eröffnete 1980 im Hanseviertel ihre erste Filiale in Deutschland.
Das in der Hamburger Innenstadt seit 1826[29] ansässige SchreibwarengeschäftSchacht & Westerich hatte von 1980 bis zur Insolvenz 2015 sein Hauptgeschäft im Hanseviertel.
Bei Eröffnung war das Hanseviertel mit 280 m nicht nur die längste Ladenpassage Europas,[17] im Supermarkt im Untergeschoss befand sich auch die mit 17 m längste Tiefkühltruhe Europas.[30]
Ab 1987 befand sich in einem Treppenhaus von der Poststraße aus dieKunsttreppe, auf der jeden Monat ein Hamburger Künstler seine Werke eine Woche lang präsentieren und auch verkaufen konnte. Nach 10 Jahren wurde bereits die 101. Ausstellung eröffnet und ein Bildband herausgegeben.[31] Das von einemHamburger-Abendblatt-Redakteur gegründete Format zog im Herbst 2005 in Räume des Abendblatts.[32]
↑Heinrich gem. Denkmalliste et al.; nach anderen AngabenHermann, z. B.Ralf Lange: Architekturführer Hamburg. Stuttgart: Edition Axel Menges 1995. S. 48.