| Handelsblatt | |
|---|---|
| Beschreibung | Tageszeitung |
| Fachgebiet | Wirtschaft |
| Sprache | Deutsch |
| Verlag | Handelsblatt Media Group (Deutschland) |
| Hauptsitz | Düsseldorf |
| Erstausgabe | 16. Mai 1946 |
| Erscheinungsweise | Montag bis Freitag |
| Verkaufte Auflage | 111.515 Exemplare |
| (IVW 4/2025, Mo–Fr) | |
| Reichweite | 0,45 Mio. Leser |
| (MA 2019 II) | |
| Chefredakteur | Sebastian Matthes[1] |
| Weblink | handelsblatt.com |
| ISSN (Print) | 0017-7296 |
| CODEN | HADBA |

DasHandelsblatt ist eine deutscheTageszeitung. DieWirtschafts- und Finanzzeitung indeutscher Sprache wird von derDüsseldorferHandelsblatt Media Group publiziert, die ihrerseits zurHoltzbrinck-kontrolliertenDvH Medien GmbH gehört.Chefredakteur ist seit dem 1. Januar 2021Sebastian Matthes.
DasHandelsblatt istPflichtblatt der Wertpapierbörsen inFrankfurt am Main undDüsseldorf. Dieverkaufte Auflage beträgt 111.515 Exemplare, ein Minus von 30,9 Prozent seit 1998.[2] 2017 wurde es im Rahmen desEuropean Newspaper Award als „beste Zeitung Europas“ ausgezeichnet.[3] Laut GPRA-Vertrauensindex war dasHandelsblatt 2016 die vertrauenswürdigste Tageszeitung Deutschlands.[4] 2020 war es in Deutschland die meistzitierte Wirtschaftszeitung.[5]

Im Frühjahr 1946 beantragte der JournalistHerbert Gross bei den britischen Militärbehörden die Lizenz für die Herausgabe einer Wirtschaftszeitung. Er bekam diese mit der Auflage, dass die Zeitung frei vonnationalsozialistischem Gedankengut bleiben und für die Demokratie und ein friedliches Zusammenspiel von Arbeit und Kapital eintreten solle. Da es an Papier mangelte, durften wöchentlich nur 10.000 Exemplare mit nicht mehr als acht Seiten gedruckt werden. Die Veröffentlichung von Anzeigen wurde nicht erlaubt.
Am 16. Mai 1946 erschien die erste Ausgabe desHandelsblatts. Nachdem sich die Papierzuteilungen schon 1947 verbessert hatten, konnten Anzeigen veröffentlicht und die Auflage erhöht werden.
Die Ära Gross endete nach wenigen Monaten. Gross blieb dem Blatt als freier Autor verbunden. Neuer Lizenznehmer wurde der Gründungschefredakteur desHandelsblatts,Friedrich Vogel. Zweiter Lizenznehmer wurde der WirtschaftsprüferErich Potthoff. Potthoff schrieb regelmäßig eine Kolumne in der Zeitung, außerdem trug er maßgeblich zur Gründung der ZeitschriftDer Betrieb bei, deren erste Ausgabe im Januar 1948 erschien. 1949 schied Potthoff aus dem Verlag aus. Da 1949 die Lizenzpflicht, die Zensur und andere Auflagen wegfielen, war Vogel nun alleiniger Inhaber der Zeitung.
Ab 1949 erschien dasHandelsblatt dreimal pro Woche und ab 1959 börsentäglich. Im Jahre 1961 veränderte sich das äußere Bild der Zeitung. Insbesondere wurden mehr Bilder, Fotos und dann auch Karikaturen aufgenommen. 1964 übernahm dasHandelsblatt die „Deutsche Zeitung“, ein ebenfalls 1946 gegründetes Wirtschaftsblatt. Die „Deutsche Zeitung“ blieb bis 1970 Untertitel desHandelsblatts. Bis 1966 war der spätere SchriftstellerChristoph von Imhoff, zuvor Ressortleiter beimKölner Stadt-Anzeiger,[6] stellvertretender Chefredakteur.
Im Jahre 1969 nahm Friedrich Vogel, mittlerweile 67 Jahre alt und ohne Nachkommen,Georg von Holtzbrinck zunächst als Minderheitsgesellschafter auf. Mit von Holtzbrinck als Partner begann eine neue Zeit. Der erste Schritt: 1970 wurde der KonkurrentIndustriekurier übernommen. Zum langjährigen Chefredakteur avancierteKlaus Bernhardt.
Das Jahr 1983 brachte für den Verlag erhebliche Veränderungen: Ein neues Verlagshaus in der Düsseldorfer Kasernenstraße wurde bezogen. Gleichzeitig veränderte die Zeitung ihr Gesicht, ihr Format sowie den Druckort. Nach dem ersten großen Auflagenschub binnen fünf Jahren von 44.000 auf 78.000, der der Fusion mit dem „Industriekurier“ gefolgt war, wuchs die Auflage nun – ebenfalls innerhalb von fünf Jahren – von knapp 85.000 auf über 120.000 Exemplare.

1994 und 1997 wurde das Design desHandelsblatt gründlich überarbeitet, die Finanzzeitung erheblich ausgeweitet und auf Sonderseiten neue Themen angegangen (beispielsweise „Unternehmen Sport“). Nachdem der WettbewerberFinancial Times Deutschland für 1999 angekündigt worden war, wurden Redaktion und Korrespondentennetz verstärkt. Außerdem wurde die Zeitung inhaltlich weiter ausgebaut, äußerlich farbiger und moderner aufbereitet.
Langjähriger Chefredakteur desHandelsblatts war der Steuer- und ArbeitsrechtlerHans Mundorf.[7] Danach folgten Thomas Knipp (2002–2004) undBernd Ziesemer (2002–2010).[8] Ziesemer verließ die Zeitung in der zweiten Hälfte des Jahres 2010; neuer Chefredakteur wurde zum 1. April 2010Gabor Steingart, zuvor Redakteur des NachrichtenmagazinsDer Spiegel, zuletzt als Korrespondent inWashington, D.C.[9] Steingart wurde im Oktober 2012 in die dreiköpfige Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group berufen (Antritt 1. Januar 2013). Ihm folgte als ChefredakteurHans-Jürgen Jakobs zum 1. Januar 2013.[10] Seit Anfang 2015 teilte sich Jakobs den Posten mitSven Afhüppe, der seit dem 1. Januar 2016 alleiniger Chefredakteur der Zeitung war.[11]
2018 wurde der ehemalige Chefredakteur und damalige Herausgeber desHandelsblatts Gabor Steingart plötzlich entlassen. Sein Abgang löste eine öffentliche Diskussion aus. In einem Artikel vom 7. Februar 2018 benannte Steingart den Machtkampf an derSPD-Spitze einen „perfekten Mord“ des ParteivorsitzendenMartin Schulz an AußenministerSigmar Gabriel.[12] Verleger von Holtzbrinck erklärte, er und Steingart hätten „Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen“ und eine „im Einzelfall – unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards“.LautSpiegelging es bei der Entlassung um unterschiedliche strategische Pläne für die Handelsblatt Media Group. Steingart habe enorme Investitionen verlangt und soll den Verkauf von Fachzeitschriften angeregt haben. Auch kritisierte er den Aufsichtsrat als falsch zusammengestellt und nicht digitalaffin.[13] Dasmanager magazin schrieb, dass Steingarts gescheiterte Projekte wie dieHandelsblatt Global Edition zu Verlusten von gut 15 Millionen Euro geführt hätten – vor allem Holtzbrincks Aufsichtsratschef Grabner wollte das nicht länger hinnehmen. Hinzu kam, dass Steingart mit äußerst weitgehenden Werbegeschäften die üblichen Grenzen zwischen Redaktion und Verlag einriss.[14]
Seit November 2009 erscheint dasHandelsblatt imTabloid-Format.[15] Im Jahre 2011 wurde die kostenpflichtigeAppHandelsblatt First gestartet,[16] die 2013 durch die ebenfalls kostenpflichtige AppHandelsblatt Live ersetzt wurde.[17] 2016 wurde zusätzlich die kostenpflichtige AppHandelsblatt 10 veröffentlicht[18] und 2018 wurden die beiden Apps im Rahmen der Einführung einer neuen Paid-Content-Strategie zugunsten der regulärenHandelsblatt-App eingestellt.[19]
Im September 2014 wurde mit derHandelsblatt Global Edition eine kostenpflichtigeenglischsprachige Digitalausgabe der Zeitung gestartet.[20] Zum Ende des Jahres 2018 wurde sie in das kostenloseHandelsblatt Today umgewandelt,[21] das Ende Februar 2019 eingestellt wurde.[22]
Im Oktober 2014 lag demHandelsblatt erstmals dasHandelsblatt Magazin als Supplement bei. Das Magazin erscheint mehrmals im Jahr und beleuchtet „die schönen und persönlichen Seiten der Wirtschaft“.[23] Chefredakteur war bis Ende 2020Thomas Tuma.
Die Handelsblatt Media Group gliedert sich in drei journalistische Geschäftsfelder: Print, Digital und Live-Events. Zudem vergibt die Media Group zahlreiche Preise, darunter den seit 2007 verliehenenDeutschen Wirtschaftsbuchpreis für das beste Wirtschaftsbuch des Jahres.[24] Weitere Preise sind unter anderem die „Hall of Fame der Familienunternehmen“.[25]
Ende November 2020 gab dasHandelsblatt bekannt, dass Chefredakteur Sven Afhüppe die Zeitung im Dezember 2020 verlassen wird. Neuer Chefredakteur ist seit dem 1. Januar 2021Sebastian Matthes. Matthes war zuvor einer der drei Stellvertreter von Afhüppe und außerdem „Head of Digital“.[26]
Zum 75-jährigen Jubiläum desHandelsblatts erschien am 7. Mai 2021 eine Sonderausgabe mit dem Titel „75 Ideen, die Deutschland voranbringen“.
Im Gegensatz zu den anderen überregionalen Tageszeitungen in Deutschland erscheint die Printversion desHandelsblatts nur fünf Mal in der Woche. Die Ausgaben von Montag bis Donnerstag haben einen Umfang von jeweils 48 Seiten. Die am Freitag veröffentlichte Wochenendausgabe weist in der Regel 64 Seiten auf. DasHandelsblatt enthält gelegentlich auch Beilagen, die von anderen Medien hergestellt worden sind, wie beispielsweise vonChina Daily. Die Redaktion desHandelsblatts besteht aus den fünf Ressorts Politik, Unternehmen, Finanzen, Ausland und investigative Recherche. Chefökonom istBert Rürup.[27] Auf der Titelseite und im Impressum der gedruckten Exemplare verwendet dasHandelsblatt die Eigenbezeichnung „Deutschlands Wirtschafts- und Finanzzeitung“. In Anzeigen, die über Veranstaltungen und andere Angebote desHandelsblatts informieren, wird der Claim „Substanz entscheidet“ benutzt. Die Farbe des Corporate Designs ist Orange.
Ab Mitte der 1990er Jahre gingen, beginnend mitHandelsblatt undWirtschaftswoche, zahlreiche Objekte der Handelsblatt Media Group mit ihrem Informationsangebot in das Internet. Die Digitalaktivitäten wurden über die Jahre weiter ausgebaut und bildeten neben Print das zweite wichtige Geschäftsfeld.
Von 2011 bis 2015 war Oliver Stock Chefredakteur des Online-Auftritts, er löste Sven Scheffler ab.[28]
Im Zuge der Redaktionsreform wurdeHandelsblatt Online 2015 mit der Printredaktion verschmolzen. Die neu geschaffene Gesamtredaktion ist in vier Ressorts (Unternehmen, Wirtschaft & Politik, Finanzen und Agenda) organisiert und arbeitet für alle technischen Plattformen. Oliver Stock wurde dabei in die Chefredaktion berufen. Im Jahre 2017 hat er die Handelsblatt Media Group verlassen.
Handelsblatt Online setzte zunächst auf einFreemium-Modell, bei dem die Website-Inhalte gratis verfügbar waren oder teilweise hinter der Paywall lagen. Im Mai 2018 führte dasHandelsblatt eine neue Paid-Content-Strategie ein. Alle Texte, Videos, Recherchetools und Infografiken wurden kostenpflichtig.[29]
DasHandelsblatt hat wie die meistendeutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren anAuflage eingebüßt. Nach dem Start des Ende 2012 wieder eingestellten KonkurrenzblattesFinancial Times Deutschland im Jahr 2000, ging die verkaufte Auflage um rund 15 Prozent zurück, konnte sich aber bis 2012 auf diesem Niveau halten. Sie beträgt gegenwärtig 111.515 Exemplare.[30] Die verkaufte Auflage ist in den vergangenen 10 Jahren um durchschnittlich 1 % pro Jahr gesunken. Im vergangenen Jahr hat sie um 3,5 % abgenommen.[31] Der Anteil derAbonnements an der verkauften Auflage liegt bei 59,5 Prozent.
| 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 161.347 | 170.956 | 170.084 | 153.657 | 142.299 | 148.319 | 146.706 | 142.964 | 142.043 | 143.978 | 145.882 | 139.102 | 136.625 | 136.820 | 138.645 | 115.345 | 118.034 | 123.473 | 125.600 | 125.860 | 128.841 | 134.897 | 134.191 | 124.157 | 134.787 | 127.665 | 115.520 | 111.515 |
| 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 111.287 | 114.558 | 119.529 | 110.520 | 103.342 | 98.119 | 96.520 | 87.861 | 86.676 | 87.715 | 88.539 | 83.014 | 79.321 | 81.949 | 81.108 | 82.260 | 82.696 | 83.496 | 84.443 | 84.972 | 85.767 | 85.162 | 86.878 | 84.149 | 89.594 | 81.498 | 71.714 | 66.359 |