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Hallenkirche

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Pfarrkirche Wartberg an der Krems Zweischiffiger und zweijochiger Einsäulenraum
St. Wolfgang in Schneeberg im Erzgebirge
„Minster“ St Nicholas inGreat Yarmouth,Norfolk,England, mit hölzernemTonnengewölbe

DieHallenkirche ist ein Bautyp einerKirche, der durch die Gestalt desLanghauses gekennzeichnet ist. DessenSchiffe sind von gleicher oder annähernd gleicher Höhe und meist unter einem gemeinsamenDach vereinigt. Im Unterschied zurBasilika hat die Hallenkirche keinenObergaden. Neben derSaalkirche, derBasilika, derQuerkirche und demZentralbau bildet dieser Bautyp einen der Grundtypen des christlichen Kirchenbaus. Eine Querkirche hat den Altar in der Mitte einer Längswand, kann also entweder den Saalkirchen oder den Hallenkirchen angehören.

Formen

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Neben der am häufigsten anzutreffenden dreischiffigen Form gibt es fünfschiffige und asymmetrische Formen mit nur einem Seitenschiff. Es gibt auch symmetrische Hallenkirchen mit mittlerer Säulenreihe und zwei oder vier Schiffen.

Hallenkirchen können schlichteHolzbalkendecken oderGewölbe besitzen. Sie sind mit oder ohneQuerhaus anzutreffen und mit unterschiedlicher Ausbildung desChors erbaut.

Als „Staffelhalle“, „Stufenhalle“ oder „gestufte Halle“ bezeichnet man einen Bau, bei dem das Mittelschiff etwas höher aufragt als die Seitenschiffe. Die Gewölbe des Hauptschiffs können zwar etwas höher ansetzen als die der Seitenschiffe, aber die Höhenbereiche überlappen einander.

Von einer „Pseudobasilika“ spricht man, wenn das Mittelschiff deutlich höher aufragt als die Seitenschiffe und eine Mittelschiffwand (Obergaden) über den Arkaden ausbildet, die jedoch – anders als bei einer echten Basilika – fensterlos bleibt. Während bei einer Basilika die Außenwände der Kirche relativ niedrig bleiben können, gehen bei Hallenkirchen die äußeren Fensterwände über die volle Höhe des Baus und erreichen bei großen Bauten beachtliche Maße.

In der Frühzeit der Entwicklung wurden Stufenhallen mit Tonnengewölben errichtet. Dabei liegt die Basis der Längstonne des Mittelschiffs über den Scheiteln der Arkadenbögen, aber es gibt keine Obergaden. Die Seitenschiffe können dabei Quertonnen haben, oder Kreuzgratgewölbe, manchmal auch Halbtonnen, die sich an das Mittelschiffsgewölbe anlehnen und so dessen Seitenschub aufnehmen.

In der Spätzeit, nämlich ab derRenaissance, wurden auch Stufenhallen mit Mitteltonne und dem Querschnitt einesPalladiofensters gebaut, mit flach gedeckten Seitenschiffen und einer Längstonne über dem Mittelschiff. Auch hier gibt es keinen Obergaden, aber die Decke des Mittelschiffs liegt vollständig über Anschlüssen und Decken der Seitenschiffe.

Außer Kirchenräumen, bei denen der gesamte mehrschiffige Bereich aus gleich hohen Schiffen besteht, gibt es auch Kirchen, bei denen das Langhaus den Querschnitt einer Hallenkirche hat, der Chor aber den einer Basilika. Umgekehrt gibt es auch Kirchen mit basilikalem Langhaus, aber mit einem Hallenchor.

Auch bei Kirchen mitVierungskuppel kann das Langhaus eine Halle mit gleich hohen Schiffen sein.

  • Hallenkirche
    Hallenkirche
  • Staffel- = Stufenhalle
    Staffel- = Stufenhalle
  • Pseudo­basilika mit Längs­tonne über Quer­tonnen
    Pseudo­basilika mit Längs­tonne über Quer­tonnen
  • Pseudobasilika
    Pseudobasilika
  • Basilika
    Basilika
  • Hallenkirche mit teils waagerechter, teils schräger Hallendecke
    Hallenkirche mit teils waagerechter, teils schräger Hallendecke
  • Pseudobasilika (oder Hallenkirche) mit tonnen­gewölbtem Mittel­schiff und un­ge­wölbten Seiten­schiffen
    Pseudobasilika (oder Hallenkirche) mittonnen­gewölbtem Mittel­schiff und un­ge­wölbten Seiten­schiffen

Anzahl und Maße der Schiffe

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Bei dreischiffigen Hallenkirchen können die Schiffe etwa gleich breit sein, was bei gleicher Höhe eine weitgehende Gleichwertigkeit zufolge hat, oder die Seitenschiffe können deutlich schmaler sein als das Mittelschiff, dienen dann eher der für viele gotische Kirchen typischen Wandauflösung. Wenn das Kirchenschiff bei gleich breiten (Teil-)Schiffen auch nur dreiJoche lang ist, bewirkt das eine Annäherung an denZentralbau, allerdings oft ohne Betonung des Zentrums. Bekannt ist die Bezeichnungwestfälisches Quadrat, aber derartige Kirchenschiffe finden sich beispielsweise auch inSüddeutschland und inSchlesien.

Manche Hallenkirchen haben sogar fünf (Teil-)Schiffe. So wurde derKolberger Dom in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts,[1]St-Éloi inDünkirchen (Nordfrankreich) erst 1782 von drei auf fünf Schiffe erweitert.

Es gibt aber auch Hallenkirchen mit gerader Anzahl von Schiffen. Ist eine einschiffige Kirche nachträglich um ein weiteres Schiff erweitert worden, so ist die Breite der Schiffe oftmals ungleich und die Kirche auch hinsichtlich desChors zumeist asymmetrisch.Eine nicht unerhebliche Anzahl von Hallenkirchen wurde planmäßig zweischiffig angelegt. Solche Kirchen sind üblicherweise symmetrisch.

Die kleinste Form der zweischiffigen Hallenkirche ist dieEinstützenhalle; ein Pfeiler in der Mitte des Kirchenschiffs stützt vier Gewölbejoche. Eine Häufung derartiger Kirchen findet sich auf derschwedischen InselGotland.

InNordhessen gibt es ein paar sehr einfache zweischiffige Hallenkirchen mit flachen Holzdecken. Hölzerne Pfeiler tragen einen Längsbalken, der die Decke in der Mitte abstützt.Auch diese Form gibt es als Einstützenhalle.

Geschichte

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Die wohl ersten Säulenhallen mit gleich hohen Gewölben in allen Schiffen waren Krypten.Als älteste Hallenkirche nördlich der Alpen gilt die um 1017 errichteteBartholomäuskapelle inPaderborn.Seit etwa dem Jahr 1000 entstanden inKatalonien und Südwestfrankreich mehrere überwiegend kleine Kirchen mit Tonnengewölben, deren Mittelschiffstonne gleich über den Arkadenbögen lag. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde imPoitou einige größere Stufenhallen mit Tonnengewölbe wenigstens des Mittelschiffs errichtet, die jüngeren schon mit der wohl imBurgund entwickeltenSpitztonne. DieKathedrale von Poitiers stellt die frühgotische Weiterentwicklung dieses Typs dar. Es wird angenommen, dassHeinrich der Löwe und sein GefolgsmannBernhard II. zur Lippe in ihrem imAngevinischen Reich verbrachten „englischen“ Exil die in Bau befindliche Kathedrale kennenlernten. Dadurch gilt sie als Vorbild der spätromanischen und gotischen Hallenkirchen in Westfalen und Norddeutschland.

Die ab 1230 errichteteElisabethkirche inMarburg, eine der ersten in gotischem Stil begonnenen Kirchen in Deutschland, ist eine Hallenkirche. Ebenfalls ab etwa 1230 wurden zwei bedeutende in romanischem Stil begonnene Kirchen in Westfalen, dasHerforder Münster und derPaderborner Dom als gotische Hallenkirchen weitergebaut.In der Epoche der Gotik wurden in Mitteleuropa und dem Ostseeraum zwar weiterhin auchBasiliken gebaut, aber seit dem 14. Jahrhundert waren eine sehr große Zahl der neuerrichteten Gotteshäuser Hallenkirchen. Mancherorts war es nur die größte Pfarrkirche einer Stadt, mancherorts waren es mehrere. Die Anwendung der Hallenstruktur auf die Bauform desChorumgangs tritt erstmals beimHallenchor im Dom von Verden an der Aller (1310–1326) auf. Allerdings gibt es mit völlig anderer Raumwirkung viel früher schon den Umgangschor einer Emporenhalle, in der St. John’s Kapelle desTower of London aus dem letzten Viertel des 11. Jahrhunderts. In Süddeutschland wurde der erste Hallenchor 1351 amMünster von Schwäbisch Gmünd begonnen, jedoch wurde der vonSt. Sebald inNürnberg (1361–1372) dann früher fertiggestellt.

Mit der Entwicklung der spätgotischenNetzgewölbe gab es bei der Entwicklung des Raumeindrucks zwei gegenläufige Tendenzen: Wo das Netzgewölbe eine zierliche Weiterentwicklung des Tonnengewölbes war, wurden Hauptschiff und Seitenschiffe wieder stärker voneinander abgegrenzt. Mancherorts aber gelangen nahezu flächige Netzgewölbe auf schlanken Säulen, die die Halle kaum noch unterteilten.

In der Spätgotik war die Hallenkirche besonders für Deutschland kennzeichnend und wird daher manchmal als eine der deutschen Besonderheiten bei der Ausformung des „gotischen“ Stils betrachtet. In der älteren Literatur wurde unter dem vonKurt Gerstenberg geprägten Begriff der „Deutschen Sondergotik“ die Raumform der spätgotischen Hallenkirche idealisiert. Die damit verbundene Behauptung, die Hallenkirche sei eine typische Bauform der bürgerlichen Stadtpfarrkirche und ihr Raumbild sei sozusagen „demokratischer“ als die Basilika, wird heute kritisch gesehen.[2]

Emporenhalle

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Trinitatiskirche inSondershausen, 17. Jh., Emporen­halle im Re­nais­sance­stil, Chornachgotisch

Eine Sonderform der Hallenkirche sindEmporenhalle, deren Seitenschiffe durch Emporen besetzt sind. Der Bautyp wurde vonWilfried Koch anhand von romanischen Beispielen in Frankreich beschrieben[3] und ist auch nach der Reformation wegen des gesteigerten Sitzplatzbedarfs bei protestantischen Kirchenneubauten verbreitet.

Baugeschichten

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St. Johannis inVerden (Aller), durchbrochene alte Seitenwände, angebaute Seitenschiffe
Saint-Pierre inVienne, nachträglich auf­geteilter spätantiker Saalbau

In Westfalen und Flandern, zwei Gebieten mit besonders großer Dichte an Hallenkirchen, sind mancherorts einschiffige Kirchen zu Hallenkirchen erweitert worden, indem man an das vorhandene Schiff ein oder zwei Schiffe etwa gleicher Höhe anbaute, oft mit eigenen Dachstühlen. In einzelnen Fällen ging der Umbau in entgegengesetzter Richtung, so wurde in der Kirche Saint-Pierre inVienne ein spätantiker Saalbau nachträglich durch Einbau von Arkaden zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgebaut.Von den Hallenkirchen im deutschen Sprachgebiet und ehemaligen deutschen Sprachgebieten ist ein großer Teil durch den Umbau einer Basilika entstanden oder anstelle einer früheren Basilika errichtet worden, darunter wohl ab vor 1230 dieLiebfrauenkirche inBremen.

Es gibt jedoch zwei prominente Ausnahmen, heutige Basiliken, die als Hallenkirche geplant waren: Das Schiff derMarienkirche in Lübeck war schon bis in große Höhe als Halle gediehen, als man sich aus Ehrgeiz entschied, das Mittelschiff höher zu bauen. DasUlmer Münster war zunächst als Staffelhalle vorgesehen.Ulrich von Ensingen plante dann einen höheren Turm und ließ als optisches Gegengewicht dazu auch das Mittelschiff höher bauen, also basilikal. Dadurch wirkten die Schubkräfte von Mittelschiff und Seitenschiffen in unterschiedlichen Höhen auf die Arkadenpfeiler, statt einander auszugleichen. Der drohende Einsturz wurde dadurch abgewendet, dass man jedes der beiden breiten Seitenschiffe durch ein Paar schmaler ersetzte.

Regionale Bauformen

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Die Zahl regionaler Variationen der Bauform ist groß und lässt sich nur schwer in einem erzählerischen Bogen darstellen. Darum sei hier auch auf die mit zahlreichen, teilweise kommentierten, Abbildungen illustrierte europaweiteListe der Hallenkirchen verwiesen.

Westfalen

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In der westfälischen Architektur derSpätromanik bildeten sich einige Sonderformen der Hallenkirche heraus, so durch Einfügen von Zwischenpfeilern dieHallenkirche gebundener Ordnung[4] sowie dieWandpfeilerhalle mit nach innen gezogenem Stützensystem.[5]In den Städten Westfalens erreichten nicht nur bürgerliche Hallenkirchen, sondern beispielsweise auch derMindener Dom eine Sonderform von im Ideal quadratischem Grundriss.[6] Wichtige Beispiele sind diePetrikirche inDortmund, dieWiesenkirche inSoest undSt. Lamberti in Münster. Alle drei sind kaum länger als breit, man spricht hier auch vomWestfälischen Quadrat. Eine der ältesten westfälischen Hallenkirchen, an der sich die Entwicklung des westfälischen Typs der Hallenkirche, der architektonisch bis nach Nordosteuropa ausstrahlte, gut ablesen lässt, ist dieHohnekirche in Soest. Der Gemeinderaum dieser Kirche ist tatsächlich breiter als lang.

Sachsen

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Eine regionale Häufung hochentwickelter spätgotischer Gewölbetechnik stellen die so genanntenobersächsischen Hallenkirchen dar. Beispiele sind derFreiberger Dom, dieSt.-Wolfgangs-Kirche inSchneeberg, dieSt. Marienkirche inMarienberg, dieSt. Annenkirche inAnnaberg-Buchholz und dieMarienkirche inPirna.

Süddeutschland

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Schon Anfang des 12. Jahrhunderts entstanden in und bei Regensburg romanische Hallenkirchen, so dieKlosterkirche Prüll[7] (1104–1110) und dieSt.-Leonhard-Kirche[8] (1120/1130).

Romanisch mit ersten gotischen Anklängen wurde ebenfalls in derOberpfalz im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts am FlussRegen das Hallenschiff der ZisterzienserkircheWalderbach errichtet.[9][10]Zu den ersten gotischen Hallenkirchen in Süddeutschland gehörenSt. Quintin (1288–1330) inMainz und dasHeiligkreuzmünster (1321 bis nach 1500) inSchwäbisch Gmünd.

Zu den bekanntesten Hallenkirchen in Franken gehörenSt. Georg[11] in der ehemaligen Freien ReichsstadtDinkelsbühl und der Chor (1361–1372) vonSt. Sebaldus[12] inNürnberg.

Wenig später entstanden imHerzogtum Bayern mehrere Hallenkirchen aus Backstein unter der MitwirkungHans von Burghausens, geboren zwischen 1350 und 1360.

Österreich

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InÖsterreich wurde nach bedeutenden Vorläufern inTulln (Dominikanerkirche) mit dem 1295 geweihten Hallenchor derStiftskirche Heiligenkreuz eines der größten und zugleich innovativsten Beispiele dieses Bautypus errichtet. Ausgehend davon begann 1327 der Bau desNeuberger Münsters, einer besonders eindrucksvollen, architektonisch einheitlichen und klaren Halle mit geradem Chorabschluss.

Zweischiffige Hallenkirchen im Donau- und Salzachgebiet

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Der Typus derzweischiffigen Hallenkirche hat sich im Inn-Salzach-Gebiet entwickelt, er ist auch imMühlviertel verbreitet. Ihm gehören mehrere Kirchen imoberösterreichischenInnviertel an (Spitalkirche inBraunau, die Pfarrkirchenin Eggelsberg,in Hochburg am Weilhart undin Handenberg).In Helpfau und inRied im Innkreis wurden die zweischiffige gotischen Hallen im 18. Jahrhundert durch barockeAbseitensäle ersetzt. In Oberbayern folgen dem zweischiffigen Schema die Pfarrkirchen vonSchnaitsee,Burgkirchen am Wald,St. Peter und Paul in Oberbuch (GemeindeTyrlaching) und die Pfarrkirche vonTacherting, in Oberösterreich weiter die Kirchen vonLaakirchen und nördlich der Donau die Kirchen inMauthausen,Kreuzen,Gramastetten,Königswiesen,Arbing,Ried in der Riedmark undSchenkenfelden, in Tschechien die Wallfahrtskirche inKájov (Gojau) sowie als Gotteshaus außerhalb des Christentums dieAltneu-Synagoge inPrag. Der Typus prägte auch Kirchen wie dieFranziskanerkirche in Berchtesgaden und die Stadtpfarrkirche inSchwaz und beeinflusste u. a. die Walseer Kapelle im ehemaligenFranziskanerkloster Enns.[13]

Eine Besonderheit stellt die Pfarrkirche "Zu unserer lieben Frau Mariä Himmelfahrt" in Schwaz dar, die einen vierschiffigen Innenraum hat. Sie ist die größte vierschiffige Hallenkirche in Europa.

Siebenbürgen

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In Rumänien beschränkt sich das Vorkommen von Hallenkirchen auf deutsch besiedelte Orte, da dieRumänen traditionell derOrthodoxen Kirche angehören,deren Kirchenbauten nach anderen Prinzipien errichtet wurden.

Mehrere StadtkirchenSiebenbürgens sind Hallenkirchen, darunter dieSchwarze Kirche aus dem 14. Jahrhundert inBrașov, die größte spätgotische Hallenkirche östlich von Wien. Demgegenüber haben dieKirchen mehrerer ländlicher Kirchenburgen die Form vonPseudobasiliken

England

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Chor der Londoner Templerkirche (Foto 1910)
St Denis Church, Silk Willoughby,Lincolnshire

In der englischen Architektur des Mittelalters ist der Bautypus der Hallenkirche gar nicht selten, kam aber lange Zeit kaum ins Bewusstsein, da es in England den Begriff nicht gab. In der deutschen Fachliteratur werden die häufigen Typen englischer Hallenkirchen zwar erwähnt, aber nur beiläufig.[14]Tatsächlich gibt es in England mehr als 1500 Hallenkirchen im engeren Sinne, mehr als in irgendeinem anderen Land. Dazu kommen noch über 1100 Pseudobasiliken; an Hallenkirchen im weiteren Sinne sind das zusammen über 2400.

Zu den wenigen altbekannten Beispielen zählen die Kathedrale von Bristol und in London die Temple Church (Templerkirche). DieKathedrale von Salisbury erhielt von 1220 bis 1228 als ersten Bauabschnitt einen östlichen Kapellenanbau in Form einer dreischiffigen Halle über schlanken Säulen. DieTemple Church ist im ältesten Teil ein Rundbau, dem noch vor 1240 ein gotischer Hallenchor angefügt wurde. Zwischen 1298 und 1332 wurde der östliche Teil derKathedrale von Bristol in Form einer gotischen Hallenkirche neuerrichtet und von 1868 bis 1877 das Langhaus der Kirche in Fortführung des Chorraums hinzugefügt.

Die meisten Hallenkirchen in England sind Dorfkirchen, mit hölzernenTonnengewölben oder offenen Dachstühlen, nicht wenige an der Grenze zwischenStufenhalle und einerPseudobasilika. In den Grafschaften Südenglands und derRegion West Midlands bilden Hallenkirchen und Pseudobasiliken zusammen üblicherweise eine größere Gruppe als die Basiliken, inDevon sind mit über 200 sogar mehr als die Hälfte aller Kirchen Hallenkirchen, sieheListe der Hallenkirchen im Vereinigten Königreich.

Ein wegen seiner Asymmetrie und des längs geteilten Hauptschiffs auch in England außergewöhnliches Beispiel ist die St Vincent's Church in Caythorpe im DistrictSouth Kesteven inLincolnshire:

  • Westgiebel mit geteiltem Hauptschiff und nördlichem Seitenschiff
    Westgiebel mit geteiltem Hauptschiff und nördlichem Seitenschiff
  • Arkaden zwischen Haupt- und Seitenschiff und in der Mitte des Hauptschiffs
    Arkaden zwischen Haupt- und Seitenschiff und in der Mitte des Hauptschiffs
  • Zwischen Chor und Schiff ein Vierungsturm mit rudimentärem Querhaus
    Zwischen Chor und Schiff ein Vierungsturm mit rudimentärem Querhaus
La Frontera (El Hierro)

Spanien

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Etwa so zahlreich wie in Deutschland sind dieHallenkirchen in Spanien, dort sind es über 700. Die ältesten wurden schon im 12. Jahrhundert als Hallenkirche errichtet, die meisten aber erst gegen Ende der Gotik, nicht selten mit Details der Gotik und derRenaissance. Am reichsten ist dieProvinz Burgos mit Hallenkirchen bestückt; hier existieren über 100 solcher Bauten. InKatalonien undAragonien wurden die meisten Hallenkirchen erst in derBarockzeit errichtet. Der Renaissance und dem Barock gehören die meisten Kirchen auf denKanarischen Inseln an, darunter befinden sich mehr als 40 Hallenkirchen. Eine derartige Kirche steht auch in dem DorfLa Frontera auf der InselEl Hierro; diese ist – abgesehen von Island – die westlichste Pfarrkirche derAlten Welt.

Russland

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Wyborger Kathedrale im Stadtplan von 1642

In den Gebieten des heutigen Russlands, die einst zu den anderen Staaten gehörten, sind der wiederhergestellteKönigsberger Dom und der Alte Dom von Wyborg[15] (15. Jh., mehrmals umgebaut, seit 1940 Ruine) erwähnenswert.

Die Hallenkirchen sind auch in Russland zu beobachten. Zu den frühen Beispielen gehört dieMariä-Entschlafens-Kathedrale inWladimir aus dem 12. Jahrhundert mit einer Halle von drei mal drei Jochen westlich der Hauptkuppel.. In Sankt Petersburg wurde diePeter-und-Paul-Kathedrale (1712–1733) in derPeter-und-Paul-Festung auch als eine Hallenkirche gebaut. Die Kirchen dieser Art sind auch in den anderen russischen Städten auffindbar, so z. B. die Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Smolensk[16] (1677–1740).

Dächer

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Die Dächer von Hallenkirchen wurden sehr unterschiedlich gestaltet, mit regionaltypischen Häufungen. In mehreren Gegenden Deutschlands und bei seinen östlichen Nachbarn erhebt sich über allen Schiffen ein einziges, sehr hohesSatteldach,Walmdach oder Zwischending zwischen beiden.

In manchen Gegenden ist eine Kombination aus einem Längsdach und Reihen von Querdächern verbreitet. Die Querdächer über den einzelnen Jochen der Seitenschiffe können nahezu waagerechte Traufen haben, oder sich als Gauben aus den Flanken des Mitteldachs erheben. Sie können in Zwerchgiebeln enden, wie beiPaderborner Dom undHerforder Münster, oder als Walmdächer ausgebildet sein, wie bei derElisabethkirche inMarburg und demEssener Münster. In und bei Bremen gibt es einige Kirchen, die über dem Hallenschiff Querdächer ohne verbindendes Längsdach haben.

InFlandern und denNiederlanden überwiegen parallele Längsdächer, die in Deutschland nur vereinzelt vorkommen, etwa auf derMarienkirche inGüstrow. Die meisten großen KirchenDanzigs haben ebenfalls parallele Längsdächer. DieDanziger Marienkirche hat wegen ihres Querschiffs ein kompliziertes System aus einander kreuzenden Mitteldächern und parallelen Längsdächern.

Listen der Hallenkirchen

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Literatur

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  • Hans Erich Kubach, Isolde Köhler-Schommer:Romanische Hallenkirchen in Europa. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1997.

Weblinks

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Commons: Hallenkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Hallenkirche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Georg Dehio:Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 2):Nordostdeutschland (1908), S. 215
  2. Hans-Joachim Kunst:Zur Ideologie der deutschen Hallenkirche als Einheitsraum. In:Architectura: Zeitschrift für Geschichte der Architektur. 1, 1971, S. 38–53
  3. Baustilkunde.Europäische Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Mosaik-Verlag, München 1982,ISBN 3-570-06234-1 (35. Auflage: Prestel, München/London/New York 2018,ISBN 978-3-7913-4997-8), S. 121.
  4. Kurt Röckener: Die münsterländischen Hallenkirchen gebundener Ordnung, Untersuchungen zu einer Baugruppe des 13. Jahrhunderts. Münster 1980
  5. Johann Josef Böker:Die spätromanische ‚Wandpfeilerhalle‘: Entstehung und Rezeption einer Sonderform des Kleinkirchenbaus im Umkreis des Wittgensteiner Landes, in:Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 62, 1984, S. 54–76
  6. Elisabeth Fink.Die gotischen Hallenkirchen in Westfalen. Emsdetten 1934.
  7. Bayerischer Denkmalatlas, ANr. = D-3-62-000-745, ID = 139116,Klosterkirche Prüll
  8. Bayerischer Denkmalatlas, ANr. = D-3-62-000-1027, ID = 49340,Ehem. Johanniterordenskirche (Regensburg)
  9. Bayerischer Denkmalatlas, ANr. = D-3-72-170-3, ID = 45354,Ehem. Zisterzienserabteikirche, jetzt Pfarrkirche St. Nikolaus und St. Maria (Walderbach)
  10. Gebaut:Walderbach
  11. Bayerischer Denkmalatlas, ANr. = D-5-71-136-305, ID = 82090,Stadtpfarrkirche St. Georg (Dinkelsbühl)
  12. Bayerischer Denkmalatlas, ANr. = D-5-64-000-2163, ID =80977,Pfarrkirche St. Sebald (Nürnberg)
  13. Herbert Schindler:Große Bayerische Kunstgeschichte. Band I. Süddeutscher Verlag, München 1963, S. 323 f.
  14. Johann Josef Böker:Englische Sakralarchitektur des Mittelalters. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1984, S. 170 und 228/229.
  15. Wikimedia-Commons-Category
  16. Wikimedia-Commons-Category
Normdaten (Sachbegriff):GND:4137658-4 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS) |LCCN:sh99001984
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