| Halle-Neustadt | |
|---|---|
| Staat | Deutschland |
| Bundesland | Sachsen-Anhalt |
| Stadt | Halle (Saale) |
| Stadtbezirk | West |
| Fläche | 9,855 km² |
| Einwohner | 47.270(31.03.2024)[1] |
| Bevölkerungsdichte | 4.633 Einwohner je km² |
| Art | Planstadt,Großwohnsiedlung |
Karte und aktuelle Stadtviertel | |
Halle-Neustadt, imVolksmund auchHa-Neu oderNeustadt genannt, war eine Stadt imBezirk Halle derDeutschen Demokratischen Republik und bezeichnet heute denStadtteilNeustadt der StadtHalle (Saale) mit seinen vier StadtviertelnNördliche Neustadt,Südliche Neustadt,Westliche Neustadt undGewerbegebiet Neustadt.
Halle-Neustadt wurde am 12. Mai 1967 von Halle abgetrennt und gleichzeitig zumStadtkreis erklärt[2], nachdem es ursprünglich als neuer Stadtteil Halle-West erbaut worden war. Die Einwohnerzahl betrug Ende 1972 ca. 51.600 und erreichte am Jahresende 1980 mit 93.578 Einwohnern ihren Höchstwert. Am 6. Mai 1990 wurde Halle-Neustadt in die Stadt Halle (Saale) eingemeindet. Die Bevölkerungszahl hat sich seitdem etwa halbiert und lag im März 2024 auf einem Wert von 47.270 Einwohnern.[1]

Halle-Neustadt liegt im Süden des LandesSachsen-Anhalt innerhalb der Stadt Halle (Saale). Das Stadtviertel liegt am Westrand derSaaleaue auf der orographisch linken Flussseite, gegenüber und ca. 2 km westlich derAltstadt von Halle. Das Gebiet ist morphologisch flach auf Höhen von ca. 77 m NHN (Rennbahnkreuz im Osten) bis 100 m NHN (Westrand in der Soltauer Straße). Die Ost-West-Ausdehnung der Wohnbebauung beträgt ca. 4 km und die Nord-Süd-Ausdehnung ca. 2,5 km.[3].Zu DDR-Zeiten war der jetzige Stadtteil Halle-Neustadt (ohneNietleben undHeide-Süd) einekreisfreie Stadt, die in drei Richtungen von Halle umschlossen war und in einer Richtung an die Gemeinden desSaalkreises (ungleich dem heutigenSaalekreis) grenzte.[4]
Das Wohngebiet besteht aus acht, vorwiegend ausPlattenbauten bestehendenWohnkomplexen. Jeder dieser Wohnkomplexe enthielt früher jeweils eine Polytechnische Oberschule (POS), Kindergarten und Kinderkrippe in Form einerKinderkombination, einen Jugendklub, eine Buchhandlung sowie eine Bibliothek, eineKaufhalle und verschiedene Arztpraxen[5] und heute mindestens einen Supermarkt.
Im Süden des Stadtteils liegt zusätzlich noch das Wohngebiet Südpark, das einem eigenen Wohnkomplex entspricht.[6]
Unmittelbar am Nordwestrand von Halle-Neustadt liegt der dörflich geprägte StadtteilNietleben. Während Nietleben beim Bau von Halle-Neustadt bestehen bleiben durfte, sind von der Ortschaft Passendorf im südlichen Teil der Neustadt nur noch wenige kleinere Häuser zu finden (siehe dazuSüdliche Neustadt (Halle)).
Halle-Neustadt liegt regionalgeologisch auf der Halle-Merseburg-Scholle, ca. 1 km südlich derHalleschen Marktplatzverwerfung. Die östliche Hälfte des Stadtteils liegt in den natürlichen Überflutungsgebieten der Saale. Dort kommen im Untergrund die Lockersedimente desAuelehms undSaalekieses vor. Im Westen dominieren die Lockersedimente despleistozänen Flugsandes (Löß) sowie Sedimente desTertiärs, dieBraunkohle enthalten. Der tiefere Untergrund wird südöstlich des Neustadtzentrums von den Festgesteinseinheiten des Oberen und MittlerenBuntsandsteins gebildet. Nordwestlich davon bildet derMuschelkalk den oberen Festgesteinshorizont.[7]
Halle-Neustadt wird verkehrstechnisch durch eine große vierspurige Allee, dieMagistrale genannt wird, erschlossen. In der Mitte dieser Straße verläuft,stadtbahngerecht auf einem eigenen Gleiskörper, eine von mehreren Linien benutzteStraßenbahntrasse derHAVAG. Diese verbindet Neustadt mit der Altstadt von Halle.[8] Von der Magistrale zweigen kleinere Erschließungsstraßen in die, Wohnkomplexe genannten, einzelnen Viertel des Stadtteils ab. Von diesen zweigen wiederum noch kleinere Straßen ab, an denen die meisten Wohnblöcke stehen. Im ganzen Gebiet existiert ein weit ausgedehntes Netz aus Fuß- und Radwegen. DieBundesstraße 80 führt von Osten kommend südlich als fast kreuzungsfreie Schnellstraße um Halle-Neustadt herum, erreicht die AutobahnanschlussstelleHalle-Neustadt derBundesautobahn 143 am westlichen Rand Halle-Neustadts und verlässt das Gebiet im Westen in RichtungLutherstadt Eisleben.[3]
Neben der Ost-West-verlaufenden Straßenbahnverbindung auf der Magistrale gibt es noch eine weitere am Nordostrand von Halle-Neustadt.[9] Diese verbindet den Stadtteil mit den nördlich gelegenen StadtteilenHeide-Süd undKröllwitz.
Eine Strecke derS-Bahn Mitteldeutschland verläuft in einem Tunnel von Nord nach Süd durch Halle-Neustadt. An dieser Strecke befinden sich der alsTunnelbahnhof ausgeführteBahnhof Halle-Neustadt und der S-BahnhofZscherbener Straße. DieStrecke wird von der LinieS3 der S-Bahn Mitteldeutschland bedient.
Das Zentrum von Halle-Neustadt liegt unmittelbar nördlich der Magistrale. Hier befindet sich die FußgängerzoneNeustädter Passage auf zwei Etagen mit Geschäften, die ihre Form bei einer Erneuerung zwischen 2005 und 2006 erhielt. Ihren Abschluss findet die Passage im Westen am EinkaufszentrumNeustadt Centrum, das auch ein großes Kino beherbergt.[10] Die dominanten Gebäude sind die ab 1970 in Hallescher Monolithbauweise errichteten Scheiben A, B, C, D und E. Dabei kam ein industrielles Schalungssystem mit einem Querwandraster von 3,6 Metern zum Einsatz. Die Scheibe A diente bis 1998 als Studentenwohnheim, danach stand sie leer. Seit 2021 nutzt die Stadt das Haus als Verwaltungsstandort.[11] Die Scheibe C steht seit 1998 leer, sie wird saniert. Aufwändig werden Decken mitStahlstreben verstärkt, um das Gewicht von mehr als 300 Wohnungen auszuhalten. In der Scheibe D befindet sich das Jobcenter Halle im Erdgeschoss.[12] Die Scheibe B steht leer. In der Scheibe E wird nur das Erdgeschoss gewerblich genutzt, der Rest steht leer.[13] Unter dem Zentrum von Halle-Neustadt befindet sich derTunnelbahnhof der S-Bahnstrecke. In dem ehemals als Rathaus gebauten Gebäude südöstlich davon hat dasLandesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt (LVermGeo) eine Außenstelle.[14]
Halle-Neustadt bietet vielseitige Erholungsmöglichkeiten. Zum einen sind die Wohnblöcke fast durchgängig in Grünflächen eingebettet. Zusätzlich gibt es noch größere Parks wie den Südpark. Dieser erstreckt sich auf beiden Seiten einesAltwassers derSaale (sieheKirchteich). Südöstlich des Südparks liegt die Saaleaue mit einem alten Schifffahrtskanal[15] und einer gefluteten, renaturierten Kiesgrube. Ein großer Teil des Nordrandes von Halle-Neustadt besteht aus einem lang gestreckten Landschaftspark. Nördlich des Zentrums gibt es dazu denBruchsee in einem altenMuschelkalk-Steinbruch.[3] Während des Winters ist eine Schwimmhalle geöffnet[16], und während des Sommers stehen drei Freibäder in der unmittelbaren Umgebung zur Verfügung.[17][18] Verschiedene Sportvereine wie beispielsweise derMotoballverein1. Motoballclub 70/90 Halle e. V. im ADAC unterhalten Sportplätze und Sportstätten in und um Halle-Neustadt. Zuletzt gibt es eine provisorische Eissporthalle[19] und eine Pferderennbahn.
Im Südwesten von Halle-Neustadt gibt es dasGewerbegebiet Neustadt. Hier betreibt dieCoca-Cola Company eine Flaschenfabrik und Abfüllstation.[20] Die 2006 gegründete Automatenfabrik Gollmann Kommissioniersysteme GmbH hat (Stand 2024[21]) 400 Mitarbeiter.[22]Nördlich von Halle-Neustadt schließt sich auf der anderen Seite des Landschaftsparkes der Wissenschafts-, Forschungs- und WirtschaftsstandortWeinberg Campus an, in dem mehrere Institute derMartin-Luther-Universität und weitere Forschungseinrichtungen stehen.
Es gibt in Halle-NeustadtKindertagesstätten undGrundschulen in öffentlicher Trägerschaft; zudem dieBerufsbildenden Schulen IIIJohann Christoph von Dreyhaupt, eineFörderschule und dieGemeinschaftsschule Kastanienallee.[23] Das allgemeinbildendeChristian-Wolff-Gymnasium ist benannt nach dem Philosophen derAufklärungChristian Wolff. Es bietet als eine der wenigen Schulen Sachsen-AnhaltsItalienisch als weiterführende Fremdsprache an.[24]

Bereits zur Wende zum 20. Jahrhundert bestand die Notwendigkeit, aufgrund der rasant wachsenden Bevölkerung nach neuen Flächen für Wohnungsbau zu suchen. Dabei war die Nord-Süd-Ausdehnung der Stadt Halle – eingezwängt zwischenSaale im Westen sowie Bahngleisen und Industriegebieten im Osten – eines der Hauptprobleme. Aus diesem Grund fielen Überlegungen auf Gebiete westlich der Altstadt im Bereich der OrtslagePassendorf und der Saale. Wegen der äußerst schwierigen geologischen und vor allem hydrologischen Bedingungen durch Grund- und Hochwasser wurde die Entwicklung dieses Gebietes zu einem weiteren Wohnstandort für die Stadt Halle verworfen. So bestand das Gebiet zum Ende des Zweiten Weltkriegs aus ländlichem Raum. Neben den Dörfern Nietleben und Passendorf sowie demFlugplatz Halle-Nietleben war dieBahnstrecke Halle Klaustor–Hettstedt eines der wenigen raumgliedernden Elemente. In den 1920er Jahren wurde die Idee einer Bebauung nochmals aufgegriffen jedoch wiederad acta gelegt. Zu einer größeren Neuanlage von Wohnraum in dieser Gegend kam es daher einzig nordöstlich des damals noch eigenständigen VorortesNietleben, wo eine Gartenstadt nach dem Vorbild derDresdener VorstadtHellerau errichtet wurde.

Die eigentliche Stadtgeschichte begann 1958 mit einer Konferenz desZK der SED zum Thema „Chemieprogramm der DDR“, auf der die Ansiedlung von Arbeitskräften in der Nähe der Chemiestandorte derBuna-Werke inSchkopau und derLeunawerke inLeuna beschlossen wurde. Nach umfangreichen Standortuntersuchungen und Planungen im Bezirk Halle beschloss dasPolitbüro der SED am 17. September 1963 den Aufbau der „Chemiearbeiterstadt“, wobei diese in größerer Entfernung von den Chemieanlagen errichtet wurde. Chefarchitekt von Halle-Neustadt warRichard Paulick; seine Stellvertreter und Leiter von Entwurfsgruppen waren Joachim Bach,Horst Siegel, Karl-Heinz Schlesier, Sigbert Fliegel und Harald Zaglmaier.
Die neue Stadt wurde am Rande der Saaleaue zwischen der kleinen OrtschaftZscherben sowie den halleschen Ortsteilen Passendorf und Nietleben platziert, wobei Passendorf größtenteils abgerissen wurde. Reste des dörflichen Charakters jener Siedlung, darunter auch das ehemalige Rittergut, sind nur entlang der Kamm- und Teichstraße erhalten geblieben. Mit der Errichtung des Wohngebietes Südpark wurde diese Straße schließlich zu einer Art dörflichen Oase im sonst von Hochhäusern geprägten Stadtbild.


Am 1. Februar 1964 wurde das Plattenwerk eröffnet, das die Betonfertigteile für die Großplattenbauweise in der neuen Stadt produzierte. Am 15. Juli 1964 legteHorst Sindermann, erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Halle, den Grundstein für den Bau der sozialistischen Wohnstadt westlich von Halle auf dem Gelände der Schule „ErstePOS“. Im Gegensatz zu den folgenden Schulen, die nach Persönlichkeiten und Funktionären benannt wurden, behielt diese Schule den Namen „Erste POS“. Der Baustil dieser Schule und der zweiten POS „Ernst Thälmann“ hob sich vom Rest der insgesamt 28 Schulen deutlich ab. Die anderen Schulen wurden mit „atomsicheren“ Bunkern ausgestattet, in deren zentralen Kellergeschossen befanden sich jeweils eine Lüftungsanlage und an die Fensterscheiben anklappbare Betonelemente. Ein Beispiel dafür ist der Verbindungstrakt der 15. POS „Hermann Matern“ und der ehemaligen 16. POS „Otto Grotewohl“.
Am 9. August 1965 zogen die ersten Mieter nach Halle-Neustadt.[25] Noch vor Fertigstellung des ersten Wohnkomplexes 1968 wurde die neue Siedlung am 12. Mai 1967 vom Stadtteil Halle-West zurStadt Halle-Neustadt erklärt und das Gebiet formell aus dem Stadtgebiet von Halle herausgelöst. Von 1970 bis 1990 warLiane LangOberbürgermeisterin der Stadt.[26] Für die Stadt wurde ein eigenerFriedhof Neustadt errichtet.
Die neue Stadt erhielt den offiziellen Beinamen „Sozialistische Stadt der Chemiearbeiter“.Sowjetische Soldaten der 27. Garde-Mot. Schützendivision, die in der nahegelegenenKaserne Heide-Süd untergebracht waren, wurden mit zahlreichen Arbeitseinsätzen zum Aufbau kommandiert. Eine Vielzahl von Wohnblöcken im nördlichen Stadtgebiet waren für deren Familien reserviert und standen nach Abzug der Truppen zu Beginn der 1990er Jahre leer. Seit 1971 befand sich dieBezirksverwaltung für Staatssicherheit Halle im Areal am Gimritzer Damm.
Eine Besonderheit war der Verzicht auf Straßennamen, stattdessen wurden alle Wohnblöcke und Eingänge nach einem für Außenstehende kaum zu durchschauenden Prinzip durchnummeriert. Ausgangspunkt dafür war das Kreuz „Magistrale/S-Bahn“. Jeder Wohnkomplex hatte einen oder zwei Ziffern für die Hunderterstelle mit Ausnahme der Häuser entlang der Magistrale, die alle eine führende ‚0‘ hatten, wenn der Eingang zur Magistrale zeigte. Die Zehnerstelle hing davon ab, die wievielte Straße vom zentralen Kreuz aus gesehen betrachtet wurde. Die Einerstelle war das entsprechende Gebäude – beispielsweise hatte der I. Wohnkomplex die ‚6‘ als erste Stelle. Eine typische Adresse war beispielsweise Block 107 Haus 2.Nach derFriedlichen Revolution in der DDR wurde dieses System zugunsten von Straßennamen abgeschafft.

Da wesentliche zentrale Infrastruktureinrichtungen erst spät oder nie fertiggestellt wurden – so gab es zur DDR-Zeit zum Beispiel nie ein Hotel oder ein Warenhaus in der Stadt –, blieb Halle-Neustadt kaum mehr als eineSchlafstadt für die im Schichtrhythmus der Chemieanlagen lebenden Chemiearbeiter und deren Familien. Die Erschließung der Stadt blieb, trotz des zentralen „Rennbahnkreuzes“, unbefriedigend, da die zentrale Straßenbahnlinie entlang der Magistrale in der DDR nicht gebaut wurde, offiziell aufgrund zu geringer Straßenbahnstromkapazitäten. Busse und dieS-Bahn trugen die Hauptlast des öffentlichen Personennahverkehrs. Über den in der Stadtmitte gelegenen Tunnelbahnhof sowie den S-BahnhofZscherbener Straße gab es eine direktePendlerverbindung Richtung Merseburg zu den Chemiekombinaten Buna Schkopau und Leuna passend zu deren Schichtzeiten. Eine vorhandene Straßenbahnlinie vom Stadtzentrum Halle (Saale) aus Richtung Heide tangierte nur den VIII. Wohnkomplex am östlichen Rand, erschloss also nur einen Bruchteil der Stadt.


Im Zentrum von Halle-Neustadt war einKulturzentrum als Bauwerk von herausragend architektonischem und künstlerischen Wert für die DDR geplant. Dieses sollte u. a. einen großen und einen kleinen Saal enthalten. Zum Gebäudekomplex sollte ebenfalls ein ca. 100 m großes Hochhaus gehören. Aufgrund von Sparzwängen wurden die Pläne nicht verwirklicht.[27] Stattdessen wurde 1982 das KinoPrisma als letzter Kinoneubau der DDR eröffnet, das eine der wenigen kulturellen Einrichtungen blieb. 1999 wurde das Kino zugunsten eines Einkaufscenters mit Multiplex-Kino abgerissen. Für Kultur und anspruchsvolleres Einkaufen blieb die Altstadt von Halle unverzichtbar.
Im Gegensatz zu späteren Großwohnsiedlungen der DDR wurde Halle-Neustadt großzügig und geplant mitKunst am Bau versehen. Dabei wurdenSkulpturen,Brunnen undWandgemälde vom Staat als Bauherrn in Auftrag gegeben und von Künstlern angefertigt. Darunter sind u. a.Josep Renau,Willi Sitte undGerhard Lichtenfeld zu nennen. Für die einzelnen Wohnkomplexe sowie das Stadtzentrum wurden unterschiedliche Themen vorgegeben, die jedoch nicht ausschließlich in der errichteten Kunst Anwendung fanden. Im ersten Wohnkomplex war das Thema dieFreundschaft der Völker,[28] wobei nur wenige Werke zu diesem Thema entstanden. Im zweiten Wohnkomplex gab esDie Rolle der Chemischen Industrie für den Wissenschaftlichen und Technischen Fortschritt der DDR als Thema.[29] Im dritten Wohnkomplex war das Thema dieArbeiterbewegung[30] und im vierten war das ThemaWissenschaft, Kunst und Literatur. In den Wohnkomplexen fünf und sechs wurde das gemeinsame ThemaSieg der Arbeiterklasse imBezirk Halle festgelegt.[31] Pläne aus den 1970er Jahren sahen vierMonumental-Kunstwerke in Halle-Neustadt vor: Am östlichen, westlichen und südlichen Stadteingang sowie in der Stadtmitte.[32]
Verwirklichte architektonische Höhepunkte sind die fünf Scheiben-Hochhäuser im Stadtzentrum sowie der 380 Meter lange, elfgeschossige Wohnblock „Block 10“ im ersten Wohnkomplex, das größte je in der DDR gebaute Wohnhaus. Damit dieses keinen Sperrriegel darstellte, welcher hätte umständlich umlaufen werden müssen, war er an drei Stellen mit Durchgängen für Fußgänger versehen worden. In diesem Block wohnten bis zu 2500 Menschen, mehr als seinerzeit inWörlitz, ein damals oft verwendeter Vergleich. Ein Teil dieses Blockes wurde von einem Pflegeheim genutzt.
Ab 1969 wurde ein Kunstpreis der Stadt Halle-Neustadt vergeben.

Die Gestaltung eines Stadtzentrums war schwierig, da nach der ursprünglichen Konzeption jeder der fünf Baukomplexe ein eigenes Teilzentrum mitKaufhalle,Ambulatorium,Apotheke,Post undGaststättenkomplex haben sollte, dazu kamen Schulen, Kindergärten und Sportanlagen. Das Zentrum der Stadt war dieNeustädter Passage auf zwei Ebenen mit mehreren Kaufhäusern, Fachgeschäften, Zentral-Poliklinik, Hauptpost und demHaus der Dienste. Nördlich reihten sich die 1970 bis 1975 errichteten „Scheiben“ an, fünf 18-geschossige Hochhäuser mit Mittelgangstruktur, die einerseits als Studentenwohnheime derMartin-Luther-Universität, aber auch als Arbeiterwohnheime der Chemiekombinate Buna und Leuna genutzt wurden. Am „Magistralenknie“ sollte das 100 Meter hohe markante „Haus der Chemie“ erbaut werden, welches aus Kostengründen nie realisiert wurde. Dies lag nicht zuletzt daran, dass Staats- und ParteichefErich Honecker nur wenig Interesse am Lieblingsprojekt seines VorgängersWalter Ulbricht und dessen Chemiekampagne hatte und sich stattdessen auf die HauptstadtBerlin und das republikweite Wohnungsbauprogramm konzentrierte. So klaffte über Jahre hinweg eine große Baugrube zwischen der Hauptpost und dem KinoPrisma. In diesem Bereich entstand schließlich dasRathaus von Halle-Neustadt. Der Bau war bei den damaligen Entscheidungsträgern jedoch umstritten und wurde mehrfach unterbrochen. Die Fertigstellung erfolgte erst im Jahr 1990, so dass es wegen der Eingemeindung nach Halle nie seiner eigentlichen Bestimmung diente.
In den jüngsten Wohnkomplexen wurde später wesentlich enger gebaut, so dass deutlich weniger Platz für Grünflächen blieb. Das war größtenteils demWohnungsbauprogramm der DDR geschuldet. Der Bedarf an Wohnraum konnte jedoch vor allem in Halle und Halle-Neustadt bis 1990 nicht abgedeckt werden.
Am östlichen Rand Halle-Neustadts war der mächtige Komplex der Bezirksverwaltung Halle und der Kreisdienststelle Halle-Neustadt desMfS untergebracht, in dem nach der Wende dasFinanzamt und die Universität Halle ihren Sitz hatten.

Nach einer Abstimmung anlässlich derKommunalwahl am 6. Mai 1990 wurde Halle-Neustadt mit der Stadt Halle vereinigt. Seither umfasst das ehemalige Stadtgebiet den Großteil vomStadtbezirk West der Stadt Halle, mit den StadtteilenNördliche Neustadt,Südliche Neustadt,Westliche Neustadt undGewerbegebiet Neustadt.
Die Einwohnerzahl ist seit 1990 deutlich auf 47.270 Einwohner (Stand: Ende 2019) gesunken.[1] Die Generation der Erstmieter, mittlerweile meist im Rentnerstand, wohnt noch recht gern in diesem Stadtteil, der sich längst zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt hat.[33][34] Der zunehmende Wohnungsleerstand führte dazu, dass inzwischen die ersten Wohnblocks im Rahmen des ProgrammesStadtumbau Ost abgerissen werden. Gleichzeitig wird der Wohnungsbestand aber auch saniert, wodurch die zwischenzeitlich nicht sehr beliebten Plattenbauwohnungen eine bessere Wohnqualität erhalten. Dazu dienten auch die Erweiterung desStraßenbahnnetzes auf derMagistrale zwischen dem jetzigen Stadtbezirk West und anderen Stadtbezirken der Stadt Halle und der Bau mehrerer Supermärkte und Einkaufszentren, von denen das 2000 eröffneteNeustadt-Centrum das bedeutendste ist.
Am Morgen des 11. September 1996 rüttelte einErdbeben mit einer Stärke von 5,6 auf derRichterskala die Bewohner Halle-Neustadts aus dem Schlaf. Es gab Berichte über zerbrochene Fensterscheiben, verschobene Schränke und Gebäudeschäden. Personenschäden sind keine bekannt. Das bis nach Leipzig wahrgenommene Erdbeben wurde verursacht durch einen großenGebirgsschlag imBergwerk von Teutschenthal. Durch den dortigen Abbau von Kalisalzen wurden unterirdisch große Hohlräume angelegt.[35] Seit einigen Jahren werden diese wieder verfüllt, um weiteren Erdbeben vorzubeugen.

Im Jahr 2001 standen durch den Rückgang der Einwohnerzahlen bereits mindestens 6200 Wohnungen in Halle-Neustadt leer. Die Stadt Halle beschloss deshalb, einen Rückbau vorzunehmen, der hauptsächlich an den Rändern des Stadtteils stattfinden sollte. Besonders im Visier für einen Rückbau standen auch die größeren Elfgeschosser, die den meisten Leerstand aufwiesen.[36]
2006 fand im ehemaligen Bahnhofsgebäude Halle-Neustadts eine Ausstellung der Kulturstiftung des Bundes unter dem Titel „Shrinking Cities“ zu sogenannten schrumpfenden Städten statt.[37]
Nachdem eine Fußgängerbrücke aufwendig saniert worden war, fiel sie wenige Jahre später dem Neubau der Straßenbahnstrecke zum Opfer. Einige Fußgängertunnel wurden durch oberirdische Querungen mit Ampeln ersetzt, die der Beruhigung des Fahrzeugverkehrs dienen sollen.
Im Rahmen derInternationalen Bauausstellung „Stadtumbau 2010“ bilden Alt- und Neustadt von Halle das ThemaBalanceakt Doppelstadt. Projekte auf dem Gebiet der Neustadt sind der Bau einer Skateranlage im Südosten des Stadtteilzentrums sowie die Neugestaltung des zentralen Platzes im WohngebietAm Tulpenbrunnen und der sogenanntenGrünen Galerie.[38]
Im Juni 2013 waren die östlichen und südöstlichen Teile Halle-Neustadts beimSaalehochwasser von Überflutung bedroht. Der Deich am Gimritzer Damm drohte einzubrechen. Den Bewohnern wurde dringend empfohlen, die Gefährdungsgebiete zu verlassen.[39]
Nachdem die während des Hochwassers von 2013 beschädigtealte Eissporthalle aus DDR-Zeiten hatte abgerissen werden müssen, wurde im Jahre 2014 in der Nördlichen Neustadt eine neue, moderne Eissporthalle errichtet.[40]
In der zweiten Hälfte der 2010er Jahre wurden zahlreiche Blöcke in Halle-Neustadt saniert. Davon ausgenommen blieb bis zuletzt der Großteil des städtebaulich prägende Ensemble der fünf Scheiben-Hochhäuser im Zentrum des Stadtteils. Unter dem OberbürgermeisterWiegand wurde von der Stadt eine Sanierung des westlichsten Hochhauses (Scheibe A) unmittelbar an der Freifläche neben dem ehemaligen Rathaus und dem KaufhausNeustadt-Centrum als Verwaltungsstandort mit ca. 520 Mitarbeitern angeregt.[11] Wegen Protesten des Stadtrats wurde 2017 ein Volksentscheid in Halle durchgeführt, in dem sich 57,22 % der Einwohner Halles für eine Sanierung und Anmietung durch die Stadt aussprachen.[41] Nach einer einjährigen Bauzeit wurde die Sanierung im Sommer 2021 fertiggestellt.[11]
Der SpielfilmWild wurde teilweise in Halle-Neustadt gedreht.[42]
Die Stadt Halle (Saale) gab in ihrem Stadtteilkatalog 2015 Kennzahlen für die einzelnen Stadtviertel heraus.[43]
Die Bevölkerung der Nördlichen Neustadt hatte 2015 ein Durchschnittsalter von 48,1 Jahren, drei Jahre über dem halleschen Durchschnitt. Der Ausländeranteil von 8,1 % lag in einem für Halle durchschnittlichen, im bundesdeutschen Vergleich jedoch unterdurchschnittlichen Bereich. Die Arbeitslosenquote der Nördlichen Neustadt betrug 2015 rund 13,8 %.
Das Durchschnittsalter der Südlichen Neustadt lag 2015 mit 43,1 Jahren unter dem halleschen Durchschnitt. Der Ausländeranteil von 20,1 % war sowohl im halleschen als auch im bundesdeutschen Vergleich überdurchschnittlich. Auch die Arbeitslosenquote in der Südlichen Neustadt 2015 lag mit 17,4 % auf einem für deutsche und hallesche Verhältnisse vergleichsweise hohen Niveau.
Die Westliche Neustadt hatte 2015 mit 51,5 Jahren ein noch höheres Durchschnittsalter. Der Ausländeranteil von 5,1 % war im halleschen Vergleich unterdurchschnittlich. Die Arbeitslosenquote liegt mit 13,5 % etwas niedriger, aber in derselben Größenordnung wie die der Nördlichen Neustadt.
Bis 2023 ist der Ausländeranteil in allen Teilen von Halle-Neustadt angestiegen und liegt nun in allen Stadtvierteln über dem halleschen Durchschnitt von 13,83 %. Am 31. März 2023 hatte die Südliche Neustadt mit 41,01 % den höchsten Ausländeranteil, gefolgt von der Nördlichen Neustadt mit 25,82 % und der Westlichen Neustadt mit 22,79 %.[44] Der Ausländeranteil hat sich in der Südlichen Neustadt somit zwischen 2015 und 2023 in nur 8 Jahren verdoppelt, in der Nördlichen Neustadt mehr als verdreifacht und in der Westlichen Neustadt sogar fast verfünffacht.


Die Einwohnerzahl von Halle-Neustadt nahm während des Baus der Stadt in der DDR schnell auf über 90.000 Einwohner zu. In den ersten Jahren nach der Wende bis ungefähr 2010 verlor die Siedlung die Hälfte ihrer Einwohner wieder. Nach einigen Jahren der Stagnation der Einwohnerzahl ist seit ungefähr 2015 wieder ein Wachstum zu erkennen, das jedoch deutlich langsamer ist als in den Anfangsjahren. Die folgende Tabelle und das folgende Diagramm zeigen die Entwicklung der Einwohnerzahl Halle-Neustadts ohne Wohnheimplätze.[6][45]
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Halle-Neustadt war bei Wahlen traditionell eineHochburg der Linkspartei und der CDU.[46] Nach derFlüchtlingskrise 2015/2016 gewann die AfD stark an Zustimmung im Stadtteil und stellte bei derLandtagswahl 2016 und bei derBundestagswahl 2017 jeweils aus dem Stand die stärkste Kraft.[47] In den folgenden Tabellen sind die Wahlergebnisse bei der Bundestagswahl und Landtagswahl 2021 für die einzelnen Stadtviertel Halle-Neustadts notiert.
| WahlergebnisseBundestagswahl 2021 (Zweitstimmen in Prozent) | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| CDU | AfD | LINKE | SPD | FDP | Grüne | Sonstige | |||||||
| Nördliche Neustadt[48] | 16,7 | 24,1 | 12,1 | 25,8 | 6,5 | 5,8 | 8,9 | ||||||
| Westliche Neustadt[49] | 15,4 | 27,7 | 10,2 | 27,8 | 6,4 | 3,8 | 8,6 | ||||||
| Südliche Neustadt[50] | 16,8 | 26,9 | 11,0 | 25,9 | 5,9 | 5,3 | 8,2 | ||||||
| WahlergebnisseLandtagswahl 2021 (Zweitstimmen in Prozent) | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| CDU | AfD | LINKE | SPD | FDP | Grüne | Sonstige | |||||||
| Nördliche Neustadt[51] | 31,2 | 26,1 | 13,5 | 7,0 | 5,6 | 5,6 | 5,3 | ||||||
| Westliche Neustadt[52] | 31,6 | 29,9 | 11,7 | 7,7 | 5,2 | 2,8 | 11,0 | ||||||
| Südliche Neustadt[53] | 30,4 | 31,0 | 12,9 | 7,7 | 4,4 | 4,4 | 9,1 | ||||||

DiePassendorfer Kirche, die einzige Kirche von Halle-Neustadt, gehört zur Kirchengemeinde Halle-Neustadt imKirchenkreis Halle-Saalkreis derEvangelischen Kirche in Mitteldeutschland. 1965 begann die Bildung der Kirchengemeinde, die am 1. August 1967 gegründet wurde.[54] Heute gehört die Kirchengemeinde Halle-Neustadt zum Pfarrbereich Halle-Neustadt, zu dem neben der Passendorfer Kirche auch dieKirche inNietleben, die Schlettauer Kirche inAngersdorf und dieSt.-Cyriakus-Kirche inZscherben gehören.[55]
Von 1966 an bildete sich diekatholische Kirchengemeinde Halle-Neustadt, sie wurde alsKuratie der PfarreiSt. Franziskus und Elisabeth in Halle gegründet und am 15. Juli 1969 zur selbstständigen Pfarrei Halle-Neustadt erhoben, die dasPatrozinium desheiligenPaulus trug.[56] Da die Pfarrei über kein kircheneigenes Gebäude verfügt, pachtet sie seit November 1970 die evangelischeMoritzkirche in Halle.[57] Inzwischen ging die Pfarrei Halle-Neustadt im Zuge der Zusammenlegung von Pfarreien imBistum Magdeburg in der Pfarrei „St. Mauritius und St. Elisabeth“ auf, die Moritzkirche wird aber weiterhin für katholische Gottesdienste genutzt.
DieEvangeliumschristen-Baptisten verfügen in Halle-Neustadt seit 2016 über einBethaus, das durch Umbau eines zuvor land- und viehwirtschaftlich genutzten Gebäudes entstand.[58]
In der nördlichen Neustadt gibt es außerdem einislamisches Gemeindezentrum unter Trägerschaft eines halleschen, gemeinnützigen Vereins.[59] Der Verein plant, für die Muslime in Halle (Saale) einen Neubau neben dem Bestand zu errichten.[60]
| Blasonierung: „In Rot drei aus einer aufbrechenden gold-grünen Knospe auffliegende silberne Tauben; darüber ein liegender goldener Schlüssel, dessen Schließblatt in Form eines sechseckigen Benzolrings gestaltet und dessenBart mit einem sechsstrahligen roten Stern belegt ist.“ | |
| Wappenbegründung: Mittelpunkt des Wappenbildes bildet eine stilisierte Taubengruppe als Symbol des Friedens. Die Tauben sind anPablo PicassosFriedenstauben angelehnt. Die Stadt konnte und kann nur im Frieden erblühen. Die Taubengruppe erhebt sich aus einer aufbrechenden Knospe, symbolisiert Freude, Optimismus und Zukunft. Die Taubengruppe hat bereits ihre eigene symbolische Tradition durch den bekannten Taubenbrunnen. Der in Gold gehaltene Schlüssel im Wappenbild verkörpert die zehntausendfache Schlüsselübergabe in der neuen Stadt, die den Weg freigab für eine bessere Lebensqualität und das zukunftsweisende Konzept. Um die Funktion Halle-Neustadts als Chemiearbeiterstadt zu verdeutlichen, wurde das Schließblatt des Schlüssels in Form einesBenzolrings grafisch umgesetzt. Das Wappen symbolisiert die engen Beziehungen zwischen Halle und Halle-Neustadt durch die Verwendung und Einbeziehung eines sechsstrahligen Sterns aus dem Wappen der Stadt Halle.Derrottingierte Schild soll den Bezug zurArbeiterbewegung darstellen.[61] Das Wappen wurde am 15. Juli 1984 von der Stadtverordnetenversammlung Halle-Neustadt auf einer festlichen Sitzung anlässlich des 20. Jahrestages der Grundsteinlegung beschlossen.[62] Dieses Stadtwappen hatte bis zum 6. Mai 1990, dem Zeitpunkt der Eingemeindung der Stadt nach Halle, seine Gültigkeit. |
51.47888888888911.921388888889Koordinaten:51° 29′ N,11° 55′ O