Corpo delle Capitanerie di Porto | |
|---|---|
Wappen der Guardia Costiera | |
| Aufstellung | 20. Juli 1865 |
| Staat | Italien |
| Streitkräfte | Italienische Streitkräfte |
| Teilstreitkraft | Marina Militare |
| Truppengattung | Küstenwache u. a. |
| Stärke | 10.650(Stand Juni 2021)[1] |
| Unterstellung | Italienisches Verkehrsministerium |
| Generalkommando | Viale dell’Arte 16,Rom |
| Schutzpatron | Santa Barbara (wie Marine) |
| Motto | Omnia vincit animus |
| Farben | Rot, Weiß, Grün |
| Generalkommandant | |
| Vizeadmiral | Nicola Carlone[2] |
DieGuardia Costiera ist dieKüstenwacheItaliens mit Sitz inRom. Sie bildet den operativen, seegestützten Arm desCorpo delle Capitanerie di Porto (Korps derHafenkapitäne; Hafenämter), das demVerkehrsministerium in Rom untersteht. DieNotrufnummer ist1530.






DieCapitanerie di Porto - Guardia Costiera ist für folgende Bereiche zuständig:
Italien hat eineKüstenlänge von etwa 8100 km. DieHoheitsgewässer belaufen sich bei einer Zwölfmeilenzone auf 155.000 km². DieAusschließliche Wirtschaftszone umfasst ein Seegebiet von 350.000 km², in welcher die Küstenwache Pflichten im Bereich der Seenotrettung und des Umweltschutzes hat. Bei derSeenotrettung wird dieGuardia Costiera insbesondere vonHubschraubern deritalienischen Luftwaffe unterstützt, die gemäß denICAO-Richtlinien für den Betrieb bzw. die Koordinierung desnationalen Luftrettungssystems zuständig sind. Die Flugzeuge der Küstenwache dienen in erster Linie zur Erkennung von Umweltschutzvergehen (z. B. Reinigung der Schiffstanks auf hoher See). Sie leisten auch einen Beitrag zur Bekämpfung der illegalen Immigration.
DieGuardia Costiera ist nicht zuständig für die Überwachung derZollgrenzen (Wasserzoll) und auch nicht für den polizeilichenGrenzschutz. Diese Aufgaben werden von den Luft- und Seeeinsatzkräften derGuardia di Finanza übernommen, jedoch unterstützt die Küstenwache sie in diesem Bereich regelmäßig. Es gab in Italien wiederholt Versuche, die o. g. Kräfte derGuardia di Finanza derGuardia Costiera zuzuschlagen und so eine einheitliche Küstenwache zu schaffen, die nach dem Muster derUnited States Coast Guard oder des deutschenKoordinierungsverbunds Küstenwache für alle staatlichen Aufgaben auf See zuständig wäre.[3] Diese Versuche sind immer wieder an Besitzstandsdenken und Traditionalismus gescheitert. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die maritimen Einsatzkräfte derGuardia di Finanza größer sind als die derGuardia Costiera.
Das „Hydrographische Institut“ inGenua gehört zur italienischen Marine. Diesem Institut unterstehen auch einige Forschungs- und Vermessungsschiffe. Es gibt u. a. amtlicheSeekarten undSeehandbücher heraus und ist auch für dieNachrichten für Seefahrer zuständig.
Dieitalienischen Polizeien unterhalten eigenewasserschutzpolizeiliche Einheiten, die vor allem aufBinnengewässern und inKüstennähe eingesetzt werden. Auch andere Sicherheitsorganisationen, wie z. B. dieitalienische Feuerwehr verfügen über eigene Boote.
Einen grundlegenden Beitrag zumRettungsdienst und zurErsten Hilfe in Küstennähe, an Stränden und auf Binnengewässern leistet die nichtstaatliche, gemeinnützigeSocietà Nazionale di Salvamento.
DieCapitanerie di Porto - Guardia Costiera ist eine militärisch strukturierte Organisation. Sie bildet eine (wenn auch relativ autonome)Truppengattung deritalienischen Marine (zu deren Personalsollstärke die ca. 10.600 Angehörigen der Küstenwache nicht gezählt werden). DieGuardia Costiera untersteht demMinisterium für Infrastruktur- und Verkehr, kann jedoch im Bedarfsfall demVerteidigungsministerium bzw. der Marine unterstellt werden.
Die Organisation weist im zentralen Bereich militärische Züge auf. Der Chef der Küstenwache ist einVizeadmiral(Ammiraglio Ispettore Capo), der Dienststellung nach ist erComandante Generale.[4] DasComando Generale ist ein nach militärischem Muster ausgerichteter Stab, dem auch das wichtige nationale Einsatzzentrum(Italian Maritime Rescue Coordination Centre) untersteht.
Auf territorialer Ebene gliedert sich dieGuardia Costiera in:[5]
Verkehrszentralen oderVessel Traffic Service Centers (VTSC) zur Leitung des Schiffsverkehrs in Seegebieten mit hohem Verkehrsaufkommen oder Risikopotenzial betreibt die Küstenwache inSavona, Genua,La Spezia,La Maddalena,Trapani, Palermo, Messina,Tarent,Brindisi, Bari, Venedig und Triest.[6] 63AIS-Basisstationen ermöglichen dem Generalkommando und damit den 12 VTSC die Erfassung aller der AIS-Ausrüstungspflicht unterliegenden Schiffe in italienischen Gewässern und darüber hinaus in weiten Teilen der italienischenSAR-Region.
Besondere Einheiten und Verbände sind:
Bei besonderem Bedarf können Fahrzeuge der Küstenwache in einem Stützpunkt oder Gebiet konzentriert und dort zu einemGeschwader(squadriglia) zusammengefasst werden, das dem Generalkommando in Rom oder einem Küstenabschnittskommando direkt untersteht. Wegen der Flüchtlingskrise inAlbanien wurde im Jahr 1991 inVlora das 1. Geschwader gebildet, das bis 1993 dort im Rahmen der22º Gruppo navale der Marine operierte, danach bis zur Auflösung im Jahr 2000 vonBrindisi aus. Wegen desLotterieaufstands in Albanien formierte die Küstenwache 1997 als Ersatz das 5. Geschwader, das dort bis 2009 als Teil der28º Gruppo navale bestand. Aus vergleichbaren Gründen gab es inLampedusa von 1994 bis 2001 das 3. Geschwader, seit dem Jahr 2003 operiert von dort aus das 7. Geschwader.[15] Einem Unterstützungskommando in Messina untersteht das 2004 aufgestellte 6. (Hochsee-)Geschwader mit größeren Patrouillenschiffen, unter anderem derSaettia-Klasse und derDattilo-Klasse, die häufig im zentralen Mittelmeer eingesetzt werden.[16]
Die Küstenwache verfügt über rund 600 Seefahrzeuge, die in der Regel den Hafenkapitänsämtern oder nachgeordneten Dienststellen unterstehen. Ausnahmen bilden hierbei die Seefahrzeuge, die den genannten Geschwadern zugeteilt werden oder beispielsweise Ausbildungszwecken dienen.[17]
Im Bereich der Ausbildung stützt sich die Küstenwache grundsätzlich auf Ausbildungseinrichtungen der Marine: Offiziere der Küstenwache werden an derAccademia Navale in Livorno ausgebildet, entweder nach derHochschulreife in einem fünfjährigen Studium an der Marineakademie oder in einem kürzeren Lehrgang, wenn bereits ein Studium an einer zivilen Universität abgeschlossen wurde. Auch bei den Unteroffizieren und Mannschaften übernimmt die Marine den ersten Abschnitt der Ausbildung, insbesondere an Schulen inTarent undLa Maddalena. Diese Ausbildungsgänge sind alle auf die Bedürfnisse der Küstenwache ausgerichtet und werden dort zum Teil auch von Dozenten der Küstenwache abgehalten. Darüber hinaus unterhält die Küstenwache eigene Fort- und Weiterbildungseinrichtungen in Livorno (Umwelt und Fischerei), Messina (Vessel Traffic Services) und Genua (Betriebssicherheit) sowie am Flugplatz Sarzana-Luni.[18] Bei Bedarf können Angehörige der Marine oder anderer Teilstreitkräfte in die Küstenwache übertreten und absolvieren dann bei den genannten Einrichtungen die erforderlichen Lehrgänge.
Uniformen,Dienstgrade und Rangabzeichen der Küstenwache entsprechen, von kleineren Details abgesehen, denen der Marine.Offiziere führen nach ihrer Dienstgradbezeichnung den Zusatz (CP) fürCapitanerie di Porto, die anderen Dienstgrade sind in der Regel dem für die Küstenwache typischenMarine-Verwendungsbereich „Hafen-Rudergänger“ oderNocchiere di Porto (NP) zugeteilt, der sich in über 20 spezialisierte Aufgabenbereiche untergliedert, darunter Fluggerätetechnik und Versorgungsdienst. Bis zum Jahr 1973 hatte die Organisation eigene Rangbezeichnungen, die zu verschiedenen Zeiten teils der zivilen Verwaltung, der Handelsmarine und den Landstreitkräften entliehen waren, wobei die jeweiligen Abzeichen meist dennoch denen der Marine entsprachen.[19]



DasCorpo delle Capitanerie di Porto wurde am 20. Juli 1865 gegründet und fasste alle entsprechenden Dienststellen deralten italienischen Staaten in einem neuen rechtlichen und organisatorischen Rahmen zusammen.[20] Zunächst handelte es sich um eine vorwiegend zivile Organisation, die auch einige militärische Aufgaben zur Unterstützung der Marine übernahm. Im Jahr 1915 wandelte man dieCapitanerie di Porto aus kriegsbedingten Gründen in eine rein militärische Organisation um und unterstellte sie der Marine. Diesen militärischen Status behielt die Küstenwache auch nach dem Jahr 1918 bei (in dieser Hinsicht ähnelt sie denCarabinieri). Als nach dem Jahr 1945 das Marineministerium im neuen Verteidigungsministerium aufging, kam die Küstenwache zumHandelsmarineministerium. Die traditionellen Verbindungen zur Marine bestanden jedoch weiter und auch die militärischen Unterstützungsaufgaben wurden fortgesetzt. Am 8. Juni 1989 erhielten die operativen Bereiche derCapitanierie di Porto die neue BezeichnungGuardia Costiera, wodurch man einem internationalen Trend entsprach. Vor allem die Seefahrzeuge erhielten den neuen Schriftzug und auch den für die Küstenwache typischen roten Streifen an der Seite, der in diesem Fall um ein schmales weißes und grünes Band (Nationalfarben Italiens) ergänzt wurde. Diese Namensänderung änderte jedoch nichts an der bisherigen Substanz und an den bisherigen Aufgaben der Küstenwache. Von verschiedener Seite gab es Forderungen, dieCapitanerie di Porto mit den seegestützten Teilen derGuardia di Finanza zu einer wirklichen einheitlichen nationalen Küstenwache auszubauen. Dies konnte bis heute nicht durchgesetzt werden. Ende der 1990er Jahre entstand durch eine Fusion der Ministerien für Handelsmarine, Verkehr und öffentliche Arbeiten das neue Ministerium für Infrastruktur und Verkehr. Diesem neuen Ministerium untersteht die italienische Küstenwache heute. Daneben wird sie auch im Auftrag anderer Ministerien tätig, insbesondere im Auftrag des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums.
Von Oktober 2013 bis Oktober 2014 war die Küstenwache einer der wesentlichen Akteure der SeenotrettungsoperationMare Nostrum.
Anlässlich des 144. Jahrestages des Bestehens der italienischen Küstenwache verlieh derMalteserorden am 20. Juli 2009 durch denGroßkanzler des Malteserordens,Jean-Pierre Mazery, der Dienstflagge desCorpo delle Capitanerie di Porto – Guardia Costiera die melitensische Verdienstmedaille in Gold mit Schwertern desVerdienstordens Pro Merito Melitensi.[21] Im Lauf der Zeit erhielt die Küstenwache etliche andere Auszeichnungen.[22]