Gemälde vonPaul Delaroche (1844)Abbildung Gregors aus denEffigies Pontificum Romanorum Dominici Basae (1842)SilbernerScudo mit dem Bildnis Gregors XVI. (1834)Grabmal imPetersdom von Luigi Amici (ungefähr 1850)Wappen Gregors XVI. (moderne Nachzeichnung)
Bartolomeo Cappellari, Sohn des Notars Giovanni Battista Cappellari, trat 1783 gegen den Widerstand seiner Eltern alsFra Mauro[1] in denOrden derKamaldulenser ein, alsMönch des KlostersSan Michele di Murano in derLagune vonVenedig. Er studierte Philosophie, Theologie und Kirchenrecht; 1787 folgte diePriesterweihe, 1790 wurde erLesemeister des Ordens. 1795 ging Cappellari nach Rom. 1799, als PapstPius VI. sich in französischer Gefangenschaft befand, veröffentlichte er eine Schrift namensIl trionfo della Santa Sede e della Chiesa contro gli assalti dei novatori. Darin bekräftigte Cappellari das monarchische Wesen der Kirche sowie den Primat und die Unfehlbarkeit des Papstamtes. 1805 wurde er zumAbt des KlostersSan Gregorio auf demMonte Celio in Rom gewählt.
Zwischen 1809 und 1814, während der Besetzung Italiens durch napoleonische Truppen und der vonNapoleon befohlenen Auflösung der Orden, arbeitete er als Laienlehrer auf Murano und inPadua. 1814, nachdem Napoleons Einfluss in Italien beendet worden war, kehrte er in das Kloster San Gregorio in Rom zurück. 1818 wurde er zumGeneralprokurator und 1823 zum General seines Ordens gewählt. Im März 1825 kreierte ihnLeo XII. zumKardinal und im Folgejahr zumPräfekten derKongregation de Propaganda Fide.
Vor allem inChina sah Cappellari eine klare Trennung zwischen Mission und Politik. So gestand er den dortigen Gläubigen zu, an bürgerlichen Zeremonien ohne religiöse Inhalte teilzunehmen. Die in Preußen verbreitete rationalistische Lehre desGeorg Hermes verbot er 1835 durch dasBreveDum acerbissimas und ließ dessen Werke auf denIndex der verbotenen Bücher setzen. Auch impreußischen Mischehenstreit (siehe auchKölner Wirren) beharrte er auf der Position, dass Kinder aus interkonfessionellen Ehen auf jeden Fall katholisch erzogen werden müssen. So ermahnte er diesbezüglich in einem Schreiben vom 18. Januar 1839 den Breslauer FürstbischofGraf Sedlnitzky wegen dessen seiner Ansicht nach zu laxen Verhaltens bei der Verteidigung der Rechte und Lehren der Kirche.[2]
Gregor XVI. spielte eine wichtige Rolle bei der Neufindung des kirchlichen Selbstverständnisses, nachdem die Kirche dieStürme der Französischen Revolution mit dem Umsturz beinahe aller Verhältnisse überstanden hatte. Das Erstarken des geistlichen Charakters kann als Folge der Zurückdrängung des weltlichen Einflusses der Kirche und als Folge insbesondere derSäkularisationen verstanden werden. Gregor XVI. hat an der Durchsetzung der neuen Spiritualität in den Verhältnissen zu den europäischen Staaten wesentlichen Anteil. InPreußen etwa unterstützte er den Kölner ErzbischofClemens August Droste zu Vischering (1773–1845) in der Durchführung der kirchlichen Selbstverwaltung.[4] Mit seinerAllokution gegen die preußische Regierung verkündete er den modernen Anspruch der Kirche auf Unabhängigkeitin spiritualibus. Auch die Berufung vonJohann Nepomuk von Tschiderer zum Bischof von Trient machte seine Förderung der geistlichen Erneuerung deutlich.
Kritisch wird mancherorts die große Nähe des Papstes zum österreichischen StaatskanzlerMetternich bewertet. So ließ er mit Hilfe österreichischer Truppen im Jahr 1831 Aufstände der liberalenCarboneria niederschlagen.
Als erster Papst seitBenedikt XIV. veröffentlichte Gregor XVI. in größerem Umfang päpstliche Lehrschreiben in Form derEnzyklika (eigentlich ein Rundschreiben an die Bischöfe). Der mitunter aggressive Ton dieser gelehrten Dokumente reizte Kritiker dazu, sie häufig als Bestätigung für ein bestimmtes,antimodernes Verständnis des Papsttums zu zitieren. Beispielsweise verurteilte Gregor XVI. in seiner ersten EnzyklikaMirari vos vom 15. August 1832 nicht nurNaturalismus,Rationalismus undreligiöse Indifferenz, sondern auchGewissensfreiheit undMeinungsfreiheit. Auch die Ernennung derKardinalstaatssekretäreTommaso Bernetti (amtierend 1831–1836) und insbesondereLuigi Lambruschini (amtierend 1836–1846), der unnachgiebig gegenüber modernen Tendenzen war, legt einen kirchenpolitischen Konservatismus Gregors nahe.
Gregor XVI. starb am 1. Juni 1846 nach einwöchiger Krankheit an den Folgen einesErysipels.[5] Der Schweizer KulturhistorikerJacob Burckhardt, der sich 1845/46 in Rom aufgehalten hatte, berichtet, dass die römische Bevölkerung ohne Andacht und Trauer auf die Todesnachricht und die Begräbnisfeierlichkeiten reagiert habe.[6]
Il trionfo della Santa Sede e della Chiesa contro gli assalti dei novatori, 1799 (als Bartolomeo Alberto Cappellari).
Sanctissimi Domini Nostri Gregorii Divina Providentia Papae XVI Allocutio. Habita in Consistorio Secreto IV idus decembres anni MDCCCXXXVII. Reichel, Augsburg 1838 (Digitalisat).
Giacomo Martina: Gregorio XVI. In: Massimo Bray (Hrsg.):Enciclopedia dei Papi. Band 3: Innocenzo VIII, Giovanni Paolo II. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2000 (treccani.it).
Giacomo Martina: Gregorio XVI, papa. In: Mario Caravale (Hrsg.):Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 59: Graziano–Grossi Gondi. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2002, verweist für die Bibliographie auf den Artikel desselben Verfassers in derEnciclopedia dei Papi, Text nicht völlig identisch.
↑Nach dem am gleichen Ort im 16. Jahrhundert lebendenFra Mauro.
↑Michael Sachs:Fürstbischof und Vagabund. Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Fürstbischof von Breslau Heinrich Förster (1799–1881) und dem Schriftsteller und Schauspieler Karl von Holtei (1798–1880). Nach dem Originalmanuskript Holteis textkritisch herausgegeben. In:Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 35, 2016 (2018), S. 223–291, hier: S. 274 f.