DerGrand Prix de Caen (deutsch:Großer Preis von Caen) war einAutomobilrennen, das von 1952 bis 1958 sechsmal in der nordwestfranzösischen StadtCaen ausgetragen wurde. Das Rennen war im Laufe der Jahre für verschiedene Rennklassen ausgeschrieben, darunter viermal für dieFormel 1. Es hatte jeweilskeinen Weltmeisterschaftsstatus.
Die in derNormandie gelegene Stadt Caen war bereits vor demErsten Weltkrieg einige Male Austragungsort verschiedener Automobilrennen gewesen, die die BezeichnungCoupe de Normandie getragen hatten. Das letzte dieser Rennen fand 1910 statt.[1] In den Jahren zwischen den Kriegen gab es in Caen keine höherklassigen Autorennen.
Nach dem Ende desZweiten Weltkriegs wurden neben demGroßen Preis von Frankreich, der ab1947 wieder jährlich ausgetragen wurde, nach und nach weitere Automobilrennen in Frankreich organisiert. Erste Schritte hierzu waren Motorsportveranstaltungen imPariser Umland (Montlhéry), wenig später kamen Rennen in der Provinz dazu. Zu ihnen gehörten ab 1950 die Großen Preise vonAlbi,Bordeaux undPau sowie – später – vonReims. Die meisten von ihnen waren allerdings kurzlebig. Lediglich der Grand Prix de Pau wurde zu einer festen Größe im internationalen Motorsport.
Ab 1952 wurde schließlich auch Caen wieder zum Austragungsort eines Automobilrennens; Organisator war der Automobile Club de l’Ouest. Caen führte den nunmehr nach der Stadt selbst benannten Großen Preis bis 1958 durch. In einigen Jahren fand zeitversetzt auch ein weltmeisterschaftsfreies Formel-1-Rennen im benachbartenRouen statt, das meist mehr Rennfahrer anzog als die Veranstaltung in Caen.

Für den Großen Preis von Cean wurde ein temporärer Straßenkurs aufgebaut, der den „La Prairie“ genannten Stadtpark und die darin gelegene örtliche Pferderennbahn („Hippodrome de la Prairie“) umrundete. Die Strecke erhielt die BezeichnungCircuit La Prairie. Sie führte nahezu ausschließlich über öffentliche Straßen. Im Laufe der Jahre wechselten die Streckenführung und die Länge des Kurses teilweise erheblich. Im ersten Jahr war die Strecke 4,122 km lang, 1954, 1957 und 1958 nur 3,520 km; 1956 waren es hingegen 5,562 km. Die Anzahl der gefahrenen Runden wurde jeweils dahingehend angepasst, dass eine Gesamtdistanz von mehr als 300 km erreicht wurde.


Die erste Auflage des Großen Preises von Caen war nach dem Reglement derFormel 2 ausgeschrieben, das in diesem (und im folgenden) Jahr anstelle der Formel 1 die für dieAutomobil-Weltmeisterschaft maßgebliche Motorsportklasse war. Das Starterfeld bestand 1952 abgesehen von demUS-amerikanischen PilotenHarry Schell ausnahmslos aus französischen Rennfahrern. Das Werksteam vonAmédée Gordini dominierte das Rennen: Gordinis PilotMaurice Trintignant erreichte die Poleposition und gewann den Lauf, sein TeamkollegeJean Behra wurde Zweiter. Daneben erschienen Fahrzeuge vonPanhard,DB undHWM;Marcel Balsa fuhr schließlich einen Eigenbau aufBMW-Basis.
Die zweite Ausgabe des Großen Preises von Caen war ein Sportwagenrennen.
1954 war das Rennen dann erstmals für die Formel 1 ausgeschrieben. Es fand drei Wochen nach demGroßen Preis von Frankreich statt und war schwach besetzt. Insgesamt gingen nur zehn Fahrer an den Start. Im Training kam es zu einem schweren Feuerunfall. Der private Maserati des ArgentiniersRoberto Mieres erlitt einen Motorschaden, in dessen Folge brennendes Benzin versprüht wurde. Mieres wurde davon getroffen und erlitt schwere Verbrennungen.[2] Er konnte am weiteren Verlauf des Trainings und am Rennen nicht teilnehmen.Stirling Moss im Werks-Maserati, Jean Behra im Werks-Gordini und Maurice Trintignant im Werks-Ferrari kämpften im Training um die Poleposition; die übrigen Fahrer erreichten deutlich langsamere Rundenzeiten. Mit einem Vorsprung von 0,4 Sekunden nahm Trintignant letztlich den ersten Startplatz ein. Das Rennen gewann er vor Moss und Behra.Prinz Bira im privaten Maserati und Louis Rosier im privat eingesetzten Ferrari kamen auf den Plätzen vier und fünf ins Ziel. Alle anderen Fahrer fielen vorzeitig aus.
Nachdem1955 kein Großer Preis von Caen ausgetragen worden war, kam es1956 zur vierten Auflage. Das Rennen war wiederum ein Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus. Hier gingen 13 Fahrer an den Start. Harry Schell fuhr einen Maserati mit Werksunterstützung, Gordini setzte vier Werksautos fürRobert Manzon,André Simon,Hernando da Silva Ramos undGeorges Burggraff ein. Daneben erschienen zahlreiche Privatfahrer, unter anderemPaul Emery, der eine Eigenkonstruktion mitAlta-Motor an den Start brachte. Zwei Formel-2-Fahrzeuge komplettierten das Starterfeld:Aldo Pedini setzte für dieScuderia Centro Sud einen Ferrari 500 ein, und Bill Morice fuhr einenCooper T23 mitBristol-Motor.
Roy Salvadori fuhr in seinem privaten Maserati die Pole-Position heraus; er erzielte auch die schnellste Rennrunde. Das Rennen beendete er als Dritter. Sieger war Harry Schell im Werks-Maserati, der von Platz fünf gestartet war; der Gordini-Pilot André Simon, der als Siebter ins Rennen gegangen war, kam mit mehr als einer Minute Rückstand als Zweiter ins Ziel. Insgesamt wurden sieben Fahrer gewertet; die Letzten in der Wertung waren die beiden Formel-2-Piloten, die beim Zieleinlauf 9 bzw. 15 Runden Rückstand auf den Sieger hatten.
Zur fünften Auflage des Rennens im Sommer1957 meldeten sich nur 11 Fahrer. Anders als in den Jahren zuvor beteiligte sich Maserati nicht werksseitig an dem Rennen. Auch die Équipe Gordini war nicht vertreten;Amédée Gordini hatte Ende 1956 den Rennbetrieb eingestellt. Jean Behra und Harry Schell, die in derAutomobil-Weltmeisterschaft für das Maserati-Werksteam fuhren, starteten in Caen mit Werkswagen vonBRM. Roy Salvadori fuhr einen Formel-2-Werkswagen vonCooper,Jack Brabham undTony Brooks setzten vergleichbare Autos für dasRob Walker Racing Team ein.Bruce Halford,Horace Gould,Luigi Piotti undJoakim Bonnier, der hier eines seiner ersten Formel-1-Rennen fuhr, traten mit privaten Maserati-Fahrzeugen an. Jean Behra dominierte die gesamte Veranstaltung. Er belegte mit einem Vorsprung von eineinhalb Sekunden auf den Trainingszweiten Brooks die Poleposition. Der langsamste Fahrer des Trainings warMarc Rozier, der einen Formel-2-Ferrari 500 fuhr. Seine Rundenzeit lag 18 Sekunden über der des Polesitters. Im Rennen fuhr Behra die schnellste Rundenzeit und fuhr als Erster durchs Ziel. Zweiter wurde Salvadori vor Bruce Halford. Sechs Fahrer kamen in die Wertung.
In der Saison1958 war der Große Preis das letzte von lediglich fünf Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus. Das Rennen kollidierte terminlich mit demGroßen Preis von Großbritannien, der einen Tag vor dem Rennen in Caen stattfand. Ungeachtet dessen war der Große Preis von Caen mit zahlreichen Spitzenfahrern besetzt: Jean Behra, Joakim Bonnier,Gerino Gerini,Stuart Lewis-Evans, Stirling Moss, Harry Schell und Maurice Trintignant nahmen sowohl am Samstag am Weltmeisterschaftslauf in Silverstone als auch am Sonntag am Rennen in Caen teil. Schell und Behra starteten hier wie dort für das BRM-Werksteam, Moss ging für Rob Walker Racing an den Start. Insgesamt waren 12 Fahrer gemeldet.Stirling Moss (Cooper) stand auf der Poleposition und gewann das Rennen; die schnellste Runde fuhr Jean Behra im BRM. Behra und Schell fielen im Rennen jeweils mit Motorendefekten aus.
| Auflage | Datum | Klasse | Strecke | Sieger | Zweiter | Dritter | Pole-Position | Schnellste Rennrunde |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 27. Juli 1952 | F2 | Circuit La Prairie | Frankreich | Frankreich | Frankreich | Frankreich | unbekannt |
| 2 | 25. Juli 1953 | SW | Frankreich | Frankreich | Argentinien | unbekannt | Vereinigtes Konigreich | |
| 3 | 25. Juli 1954 | F1 | Frankreich | Vereinigtes Konigreich | Frankreich | Frankreich | Vereinigtes Konigreich | |
| 1955 | kein Großer Preis von Caen | |||||||
| 4 | 26. August 1956 | F1 | Circuit La Prairie | Vereinigte Staaten | Frankreich | Vereinigtes Konigreich | Vereinigtes Konigreich | Vereinigtes Konigreich |
| 5 | 28. Juli 1957 | Frankreich | Vereinigtes Konigreich | Vereinigtes Konigreich | Frankreich | Frankreich | ||
| 6 | 20. Juli 1958 | Vereinigtes Konigreich | Schweden | Vereinigtes Konigreich | Vereinigtes Konigreich | Frankreich | ||